Hummelchen

26.02.2012 um 22:00 Uhr

geräusch

ich sagte vorgestern noch zu einer freundin, wie schwer es sei, über babies zu sprechen oder gar zu schreiben. weil die dinge so klein sind. so wie ihre händchen und näschen und füßchen, alles was einen so ungeheuer verzaubert, ist so klein, eine sekunde vielleicht oder ein paar minuten, und es macht einen ganz wahnsinnig vor liebe, dass sie geNAU so lachen, wie sie lachen, oder so verschmitzt schauen, wie sie nun mal schauen, oder wie sie die pummeligen ärmchen heben und mommommommomm! sagen. und wie sie sich am öhrchen kratzen und sich die socken ausziehen, wie sie einen feuchten waschlappen beschleckern und betasten oder wie sie mit dem popo pumpen, wenn sie sich ganz doll freuen, und dabei jauchzen. wie sie mit den augen zwinkern, wenn man ihnen sanft ins gesicht pustet und wie sie krümelchen für krümelchen ein brötchen vernichten, meditativ fast, in aller ruhe puhlen, schmatzen, puhlen, schmatzen. die dinge sind so klein udn die gefühle dazu sind so groß...

soeben war es ein geräusch. sie wachte kurz auf, quäkte jämmerlich, als hätte sie einen alptraum gehabt. wovon handeln schlechte babyträume? fragte ich mich, während ich sie sanft schaukelte, ihr zuflüsterte, dass die mami da ist, dass alles guuut sei. ist es das? ich dachte weiter nach, darf ich das sagen?, dachte ich, während ich es dennoch weiter murmelte und ihr köpfchen fiel weich und schwer auf meinen oberarm, die kleinen gliedmaßen entspannten sich nach und nach, spürbar wurde sie schwerer und schwerer, ein tiefer seufzer entfuhr ihr, einer, bei dem ich hörte, ja, jetzt ist wirklich alles gut, sie liegt also da auf meinem arm und ich will sie gar nicht mehr weglegen, fühle ihr weiches haar an meiner wange, sehe die pummeligen bäckchen, und diese winzig kleine nase und aus dieser nase ertönt das süßeste kleine schnarchen, was ich jegehört habe. oh, wie soll ich dieses entzückende geräusch beschreiben? wie?

ein winziges schnorcheln, stellt euch klassisches schnarchen vor, nur leiser, sanfter, kleiner vor, ein schnarchen in miniaturform.
wenn erwachsenes schnarchen eine form hätte, dann sähe es aus wie eine stahlfeder.
bei einem baby, bei MEINEM baby ist es eine spirellinudel.

ein spirellinudelschnarchen.

so was kleines.

und so ein großes glück.

ich bin sprachlos. 

und so froh, dass ich es gleich aufgeschrieben habe, denn sonst hätte ich es morgen vergessen...

31.01.2012 um 14:29 Uhr

Frohbirne

"Du Frohbirne!" schrieb mir neulich eine Freundin per Kurzmitteilung. Ob sie mich richtig einschätzt? Im Grunde fühl ich mich nicht als Frohbirne. Nicht mehr so düster wie vor ein paar Jahren aber doch immerhin  noch ordentlich wolkig. Frohbirne? Ich? Nee. Nicht wirklich.

Gestern Abend habe ich eine echte Frohbirne gesehen.Nach zwanzig Minuten rumtragen und Schlaflieder singen (Mann, was HAB ich inzwischen ein Repertoire) hörte der Hummelpo immer noch nicht auf zu pumpen. Keine Entspannung der Gliedmaßen, kein Seufzer, kein tiefes Atmen, nur hektisches Fummeln an meiner Halskette und eben Hummelpopopumpen.

Dieses Pumpen war irgendwann so lustig, dass ich amüsiert schnaufen musste.

"Hehe." Aus dem zappelnden Bündel auf meinem Arm ertönt ein freches Lachen. Ich schau nach unten. Ihre Augen sind nur noch zwei kleine Spalte, aber ihr Mund ist zu einem bezaubernden Lächeln geformt. "Hehe." wiederholt sie wagemutig. Und ich? Ich muss natürlich mitlachen. Und sie? Muss natürlich noch mehr lachen. Und ich? Muss natürlich weiterlachen. Und sie? "Dada?" fragt sie neugierig.  "Nix dada!" antworte ich streng. "Hehe." lacht sie mich aus.Und legt los: "Uah-uah, grrrrrrrr, d-d-d-, bamba, pmapma, gagagagagagaga?" "Ruhe jetzt!" versuche ich es lachend. "Heeh!" grinst sie verschmitzt. So haben wir noch weitere zwanzig Minuten weitergemacht. Wir lagen auf dem Bett haben uns überglücklich angesehen. Sie strahlend, weil sie nicht schlafen musste, ich strahlend, weil sie so strahlte.

Schön. Nicht zielführend aber schön.

Ansonsten? Was gibts neues? Ich zähle auf: 6 Zähne, Winken, Stehen, Pinzettengriff, und tausend Dinge mehr, die ich wahrscheinlich morgen im Entwicklungsgespräch in der Kita aufgezählt bekomme. Das schreib ich dann auch gleich hierher!

26.12.2011 um 23:14 Uhr

I like to move it move it

Das Weihnachtsfest. Es ist nicht eines meiner Lieblingsfeste... Nein. Das kann man wirklich nicht sagen. Für mich ist es ein Fest der Verpflichtungen... Pflicht, anderen eine Freude zu machen. Pflicht, mich bei anderen zu melden. Pflicht, die Wohnung zu schmücken. Pflicht, Feiern zu besuchen. Pflicht, Verwandte zu sehen, die keine Familie sind. Pflichtpflichtpflicht.

Ich kann nichts dagegen machen. Es mag noch so gut riechen. Es mag noch so schön leuchten. Es mag noch so schön klingen. Bei mir stellt sich immer nur Anspannung ein.

Was ich allerdings tatsächlich mag, ist den Weihnachtsbaum zu schmücken. Die Erdnuss und ich sind dafür zuständig und haben den größten Spaß, in der Weihnachtsschmuckkiste herumzuwühlen, uns die schönsten Sachen rauszusuchen und die schönsten Fleckchen im Baum dafür auszusuchen. Wir diskutieren die Lamettafrage, wir einigen uns auf Farben, das Kugel-Sternchen-Verhältnis und fragen uns jedes Jahr, wann denn nun genug Schmuck im Baum hängt. Schön ist das.

Dieses Jahr haben wir beschlossen, einen künstlichen Weihnachtsbaum aufzustellen. Der Kater, die Hummel... Man weiß ja nicht, was da alles so runterkommt. Als ich den künstlichen Weihnachtsbaum dann sah (50 Ocken, Scheißescheißescheiße!), dachte ich: Nö. Nö. Nö. Geht nicht. Also zog Papa Erdnuss los und besorgte eine wunderbare, ebenso teure Nordmanntanne, die schon ohne Schmuck aussah, als gehöre sie genau in unser Wohnzimmer, in geNAU die Ecke, die für sie vorgesehen ist, geNAU auf das kleine Tischchen, auf dem unsere Tannenbäume immer stehen.

Perfekt also.

Wäre da nicht...

Nee. Ich muss anders anfangen. Das Wagnis eines echten Weihnachtsbaums bin ich eingegangen, weil die Hummel wunderbar auf ihrem Windelhintern sitzt und sich im Grunde kein Stück bewegt. Warum, so dachte ich, sollte sie in den nächsten drei Tagen damit anfangen? Und so sollte es gemacht werden: DIe Hummel sitzt von Bauklötzen umringt auf ihrer Krabbeldecke, der Kater wird aus dem Wohnzimmer verbannt und dann wird der Weihnachtsschmuck um den Christbaum verteilt und aufgehängt nach oben genannten Diskussionen und Einigungen.

Nuja. Erstens kommt es anders, zweitens... Ihr wisst schon, ihr ahnt schon. Es dauert nicht lange, da segelt ein Pappstreifen vor der Hummelnase zu Boden und landet außerhalb ihrer unmittelbaren Reichweite. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sie sich langsam mit den Händen nach unten fallen lässt und den dicken Windelpopo hebt. Ich halte zu diesem Zeitpunkt mit beiden Armen die Lichterkettehoch, während die Erdnuss sie mit Zunge im Mundwinkel an den Zweigen festklammert. Der Windelpopo pumpt zwei bis drei Mal in die Höhe, die Beine strampeln etwas unkoordiniert nach hinten. Ich versuche sowohl Lichterkette als auch Windelpopo im Auge zu behalten, was ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt für ein drittes zu beobachtendes Objekt ist. Unser Kater ist zwar ein Volltrottel, aber er schafft es genau jetzt, wo die Hummel krabbeln lernt, die Tür zum Wohnzimmer zu öffnen. Er pest (lies: [pe:st]) quer durch den Raum und kriegt sich kaum mehr ein ob der vielen interessanten Dinge, die er nur mit der Pfote anstupsen muss, um sie fortzubewegen, zum Rascheln zu bringen oder schlichtweg zu zerdeppern. Ich schreie: NEIN! und lasse die Lichterkette fallen, die Erdnuss versucht mühsam hinter dem CHristbaum hervorzukriechen, während ihre kleine Schwester Pappe kauend und mühelos die erste CHristbaumkugel erreicht. Ich entreiße die Kugel den Babyhändchen udn puhle Pappe aus dem Babymündchen, zeitgleich mit scheppernden und klappernden Geräuschen, die der inzwischen völlig außer sich geratene Kater verursacht. Nach und nach schaffe ich Ordnung in das Chaos, sperre den Kater wieder aus, verbarrikadiere die Tür mit einem Stuhl, setze das Hummelchen wieder hin und ziehe Bilanz: Zwei zerbrochene Kugeln, eine verhedderte Girlande und ein in ziemlich genau zwei Teile gebrochener Porzellanengel, den ich ohnehin nie mochte. Tief durchatmen. Ich hole Schaufel und Besen. Alles bleibt ruhig. Chaos beseitigt. Weiter gehts. Lichterkette hochhalten. Pumpenden Hummelpopo im Auge behalten. Den Kater, den auch der Stuhl vor der Tür nicht zu stören scheint, vom Zerstören abhalten. Halten, halten, halten.

 

Eine Stunde später. Ich bin heiser und schweißüberströmt. Der Baum leuchtet. Die Hummel auch. Vor Stolz. Bei jeder Gelegenheit begibt sie sich auf alle Viere und krobbt (krabbel-robbt) vergnügt krähend vorwärts.

 

Das Leben, stelle ich fest, aber erst nachdem ich zwei Aspirin eingenommen habe, ist anstrengend aber schön.

 

Der Baum brennt.

 

Wenn jetzt die Verwandten nicht wären, könnt ich auch gut mit Weihnachten leben.

 

Jetzt schäm ich mich für den letzten Satz. Aber ich kann sie nun mal nicht leiden. Da kann das Christkind auch nix dran ändern...

05.12.2011 um 11:08 Uhr

Nachts, wenn es dunkel ist.

Die Nächte werden besser. Gut sind sie immer noch nicht. Aber besser. Statt drei Mal wird das Hummelchen nur noch einmal wach. Und wenn wir Glück haben, schläft sie bei einem Milchfläschchen wieder ein. Sofort.

Manchmal aber nicht.

Gut gelaunt strahlt sie mich um vier Uhr morgens nach Flaschenleerung an. Die Augen funkeln wach im ganz schwachen Straßenlaternenschein. "Baba?" Fragt sie mich unternehmungslustig. "Nein." seufze ich halb müde, halb belustigt. "Mama." "Bababababa!" kommt es mit Nachdruck zurück.  Ein beliebtes Spielchen zwischen uns. Ich versuche Ihr die Nasale beizubringen und sie frotzelt mich mit den Plosiven. "Mmamma! MMMMH! Mmmmha!" Ich alte Linguistin ich. Ich tu mein Bestes in der Sprecherziehung. Nicht ganz frei von Egozentrik, höm, aber immerhin. Und sie? Sie lacht. Jawohl. Sie lacht. "Ba!" kommt es amüsiert zurück. "Hummelchen. Schlafen." Erschöpft sinkt mein Kopf neben ihr Köpchen aufs Kissen. Sanft kitzelt mich der Flaum auf ihrem Kopf an der Nase. Unsanft kneift sie in diese hinein. "Buäh!" Wieder dieser amüsierte Nachdruck. Mannometer. "Mäuselein. Schlafen. Alles gut. Es ist dunkel. Einfach schlafen." Mir fallen die Augen zu. Eine Weile bleibt es still.

Mitten in den Schlummer ein Babylachen. Einfach so. Sie liegt auf dem Rücken und lacht. Ich schau sie an. Sie strahlt. Mein Kopf fällt wieder nach unten.

Weitere zwei Minuten später: "öööööööööh öjüjöjööööööööh!" 

"Öhjüjöh?" Grinsend antworte ich.

"öjöjöjöjöjöjö!" freut sich die Hummel. Und singt weiter. Jawohl. Sie singt. Hat was von orientalischen Klängen, die Stimme klettert rauf und runter. Voller Inbrunst tönt das Liedchen in die Nacht. Mal leiser. Mal lauter. Ich nehme ihr weiches Händchen. Sie stopft sich meine Finger in den Mund und freut sich noch mehr über die Veränderung der Töne, die das zur Folge hat. "Öjoböh. Böhböhböh!"

Und so geht es weiter. Zufrieden nuckelt sie winzige witzige Laute ausstoßend an meiner Hand. Irgendwann muss ich eingeschlafen sein. Der nächste Laut kam um 7 Uhr von der Erdnuss. "Darf ich bei euch schlafen?" 

"Klar!" nuschel ich verschlafen und freue mich eine Viertelstunde später über das erste "Ba!". Der Tag beginnt. Bald zwitschern auch wieder ein paar Vögelchen.

Wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist der Tag am nächsten...

17.11.2011 um 11:18 Uhr

39 Grad...

... und es wird noch heißer...

Mensch.

Menschmenschmensch.

Es ist nicht gut. Es ist GAR NICHT GUT. GAR. NICHT. GUT.

Gestern abend noch alles schön und lustig und fein.

Drei Stunden später in der Nacht glüht sie und weint und hustet und liegt da ganz erschöpft mit knallroten Backen. 

Nicht gut.

Ich bin nur ein halber Mensch, wenn was mit den Kindern ist. Ein halber Mensch. 

Sagte ich ja schon.

Virus. Sagt der Arzt.

Und gibt mir diese Urin-Beutelchen mit, falls es DOCH was Bakterielles mit den Harnwegen ist. 

Und ich sag: "Ich komm mit diesen Beuteln nicht klar, das läuft immer alles daneben."

Und ersagt: "Sie dürfen kein Öl vorher auf den Po tun."

Und ich sag: "Hallo? Ich bin doch nicht blöd."

Und er sagt: "Nee." Und schaut mich hilflos an.

Und ich sag: "Haben Sie denn einen Tipp, wie ich den Beutel RICHTIG klebe?"

Und da sagt er: "Hier zieht man die Klebestreifen ab." Und hält mir das Beutelchen hin und zeigt auf die Klebestreifen, wo auch noch 'peel of' drauf steht.

Ich kann nicht anders. Ich muss grinsen. Ich schau ihn an und frage: "Sie halten mich wirklich für blöd, oder?"

Mit aufgerissenen Augen schaut er mich an: "Wie kommen Sie darauf?" 

"Naja," sag ich, "die grundsätzliche Vorgehensweise war mir schon klar, ich hatte eigentlich nach den Feinheiten gefragt."

"Ähm..." Er denkt kurz nach. "Sie kleben den Beutel mit der Öffnung auf die Scheide."

"Ja genau." Ich schau ihn erwartungsvoll an.

"Auf die großen Schamlippen."

"Ja-ha. So mach ich es immer. Was anderes fiele mir auch nicht ein."

Er schweigt. 

Ich auch.

Dann: "Vielleicht fragen Sie nochmal die Frau Müller?"

"Ja." sag ich erleichtert. "Ich frag eine Frau."

Und die hat dann genickt. Und gesagt, dass das bei Mädchen einfach schwierig ist und ein bisschen Glückssache. Jetzt klebt er. Und füllt sich hoffentlich gleich.

Ich bin nur ein halber Mensch. Sagte ich das schon?

Hoffentlich füll ich mich bald wieder.