Ich versteh es nicht

16.02.2009 um 18:34 Uhr

Was aus Liebe werden kann....

von: Hedera

In meinem früheren Leben, also bevor alles mögliche passiert ist, da hab ich mit einer Art glorienvollen Mitleid auf die gesehen, die berichteten, dass ihre Beziehung vorbei ist. Nicht, dass ich sie von oben herab belächelt hätte, nein so nicht. Ich habe mit jedem Päarchen mitgelitten, ich fand es immer schade, wenn aus einer Liebe, zwei Menschen mit getrennten Leben wurden. Egal ob ich sie als Paar mochte oder mir anmaßte zu meinen, dass sie überhaupt nicht zusammen passen. Wer als Außenstehender kann das schon beurteilen?

Meine seinerzeit beste Freundin beschwerte mir in den letzten Jahren direkt mehrere solche Erlebnisse. Sie heiratete, obwohl sie immer wieder sagte, dass der Mann nicht der Mann ihrer Träume wäre (den es ja nun auch nicht gibt, sein wir doch ehrlich..)und er sie ein Stückchen mehr lieben würde als sie ihn je lieben könnte. Das reichte natürlich auf Dauer nicht. Sie lernte einen neuen Mann kennen, getrennt aber noch verheiratet und auf der Suche nach etwas neuem: Sie. Ich wußte nichts davon, war völlig überrascht, genau wie ihr Mann, der eine Woche nach mir davon erfuhr. Ihr Mann war gedemütigt, verletzt, lebensmüde, wütend, das ganze normale Programm. Das ist jetzt ein paar Jahre her. Der neue Mann in ihrem Leben - tja, das war ein stetiges auf und ab. Nachdem sie anfänglich so liebte, das er so alles hinterfragte, immer diskutierte (wir brauchen überhaupt keinen Fernseher, wir unterhalten uns immer - entlockte mir schon damals immer einen Schauer....) fühlte sie sich später unverstanden, versuchte die Probleme ihrer Kindheit aufzuarbeiten und zumindest für Außenstehende erschien diese Beziehung so unendlich anstrengend, dass ich mich immer wieder fragte ob ihre "wundervollen" Aufs diese entsetzlichen "Abs" rechtfertigten....Hinterher ging er dazu über bei jedem Streit die Wohnung zu verlassen und wahlweise in seinem Wohnmobil zu nächtigen oder in seinem Büro. Wobei hier noch zu erwähnen wäre, dass sie nicht nur zwangsweise alle Hobbies teilten (wir machen alles gemeinsam!) sondern sich auch Büroräumlichkeiten teilten, also teilweise 24 Stunden am Tag irgendwie zusammen waren. In Zeiten des Glücks sicherlich angenehm, wenn Streit angesagt war eher weniger.

Nun ist seit Weihnachten wirklich Schluss. So ganz glaubt es niemand. Noch nicht wirklich. Sie waren mehrfach "getrennt" um sich letztendlich wieder zusammenzuraufen. Er ist ganz ins Büro gezogen, sie muß bis Mai aus dem Haus und sich auch ein neues Büro suchen. Aber noch ist es nicht soweit.

Sie leidet, er leidet. Soweit verstehe ich das alles ja noch. Sie findet jetzt Dinge an ihm scheußlich (die wir immer schon scheußlich fanden...), scheint ihn klarer zu sehen, aber der Ende ihrer tränenreichen Erklärungen ist dann: Aber ich liebe ihn doch so! Sie meint nicht ohne ihn existieren zu können, denkt an Selbstmord, verwirft ihn dank ihrer Tochter wieder und flüchtet sich in amouröse Abenteuer und Alkohol. Er leidet auch. Aber wie die Vergangenheit gezeigt hat, scheint es für beide keinen Weg zusammen zu geben. Sie findet allerdings mal noch keinen Weg alleine. Letztens sagte sie zu mir, sie wolle wissen, wie lange der Schmerz andauert. Tja, was sollte ich darauf sagen? Tausend Phrasen gingen mir durch den Kopf, keine davon hätte sie hören wollen,  auch wenn ich weiß, dass sie einen wahren Kern haben. Es kommt der Tag, der nicht damit beginnt, dass sie an ihn denkt. Es kommt der Tag, dass sie gar nicht mehr nachvollziehen kann, das sie am liebsten ihrem Leben ein Ende gesetzt hätte, ja sogar darüber lachen kann. Nur wann? Gemessen an der Dauer einer Beziehung, soll es ja Berechnungen geben... Solange wie die Beziehung selbst? Die Hälfte? Wenn man die 40 überschritten hat, sind 5 oder 8 Jahre eine lange Zeit. Solange soll es dauern? Und in der Zeit dazwischen? Was macht man da um den Schmerz zu unterdrücken? Oder wie lange dauert es, bis man wieder aus dem WIR zu einem ICH wird?

In den vergangenen Beziehungen habe ich sie teilweise dafür bewundert, dass sie auch nachher immer nur das Gute gesehen hat, während mir eigentlich immer nur die bösen, unschönen Momente in Erinnerung geblieben sind. Für den "Heilungsprozess" ist sicherlich meine Methode die günstigere, da man nicht ewig das Gefühl haben kann "ich werde nie wieder mit einem Menschen solch tolle Sonnenaufgänge erleben/zusammen aufwachen und glücklich sein...die Liste ließe sich beliebig verlängern". Andererseits fragte ich mich hinterher natürlich viel öfter: Warum war ich überhaupt mit dem Idioten zusammen, wenn nichts angenehmes in meinem Kopf geblieben ist?

Bevor ich weiter Zeuge eines erneuten Weinkrampfes bei ihr wurde, klingelte ihr Telefon und ich konnte mich verdrücken. Ja anders kann ich es nicht nennen. Ich habe mich leise aus dem Staub gemacht, während ich früher Stundenlang mit ihr darüber diskutiert hätte. Aber ich habe diese eingangs erwähnte "Von oben" Haltung nicht mehr. Was auch daran liegt, das meine Gefühlswelt sehr zerbrechlich geworden ist. Sie hält mich sicherlich für eine treulose Freundin. Früher haben mich allerdings ihre Beziehungsdesaster teilweise auch aufgefressen. Für ihre starken Gefühle und ihr Ausleben habe ich sie teilweise beneidet. Für ihre Krisen eher nicht. Meine Beziehung war damals zwar gefestigt aber teilweise auch recht - langweilig, als ob wir schon 30 Jahre verheiratet wären. Ihre "Hochs" hätte ich gerne geteilt, ihre "Tiefs" eher nicht. Trotz allem was ich vermisst habe, war ich froh, dass ich nicht so lieben muß und das bin ich immer noch. Aber auf ihre bohrenden Fragen, wie lange das Leiden jetzt dauern wird, da kann ich ihr keine Antwort geben - wer könnte das schon. Ich habe nur zu ihr gesagt, dass ihre Beziehung schon so kompliziert und emotionsgeladen war und dass ich nicht annehme, dass daraufhin ihre Trennung weniger anstrengend wird. Das schien sie nicht verstanden zu haben. Ich habe ihr nur sagen können, dass es wieder aufwärts gehen wird - jedenfalls tagsüber, wenn sie neue Ziele hat. Eine neue Wohnung, ein neues Büro. Aber bis dahin sind neue Hürden zu bewältigen: ihre Lethargie muß sie überwinden..All diese Phasen kennen wir doch auch?! Sie sind normal und gehören dazu. Man würde sie natürlich am liebsten überspringen....aber das geht nunmal nicht.

Und dann stellt man mit 40++++ fest, das man mit allem wieder von vorne anfangen kann. Wem gehört was? Wer hats bezahlt? Hab ich noch Geld? Mit jedem Lebensjahrzehnt das dazukommt, tut man sich schwerer wieder mit einem großen Schritt zurück anzufangen........Wieder bei Null.....

Es tut mir unendlich leid, das ganze gönne ich keinem. Aber ich muß gestehen, dass ich an einem Punkt bin, wo ich das alles nicht mehr ganz an mich heranlassen möchte. Glück ist zerbrechlich. Das mußte ich auch schmerzlich erfahren. Selbst wenn man meint einen Weg gefunden zu haben. Mein Mann ist immer noch mißtrauisch, denke ich. Er glaubt wohl, dass der andere Mann in meinem Leben noch einen Platz hat. Das hat er nicht. Das hätte dieser Mensch gar nicht verdient. Er hätte mich nicht verdient gehabt. Genausowenig wie mein Mann den Schmerz verdient hatte. Das tut mir immer noch leid und nagt dann und wann an mir. Ich hätte einen anderen Weg finden müssen, dachte aber, so wäre es leichter.....für mich wäre es das auch gewesen, wenn es nach "Plan" gelaufen wäre. Nur, wo läuft das so?

Leben ist Veränderung, jeden Tag, jede Stunde....manchmal verschließt man die Augen davor, genießt unbeschwert den Augenblick, das ist auch gut so und schön. Aber ich hielt die Augen zu lange geschlossen und wurde blind. Das tut mir leid. Und so leide ich auch immer ein kleines bißchen mit, wenn ich hier Dinge lese, die ich kenne und von denen ich weiß, wo sie hinführen.....in evtl. einen langen, wirren Weg, der mit Traurigkeit, Schmerzen und tausend Gefühlen gespickt ist.........