~ Panta Rhei ~

20.06.2009 um 01:04 Uhr

Von urlaubigen Momenten und Bruecken

von: Tigerschnute   Kategorie: Urlaub


Normalerweise verabschiede ich mich hier in meinen Urlaub (wobei es "normalerweise" hier schon lange nicht mehr gibt. Eigentlich sollte ich das Wort generell aus meinem Wortschatz streichen), doch heute möchte ich Euch in meinem Urlaub begruessen. Einfach weil ich hier die innere Ruhe finde, die ich zum Schreiben brauche und weil es Momente gibt, die unbedingt zum Schreiben einladen. Folgende Sequenz lädt zum Beispiel zwei, drei Geniesser zu Tisch, vielleicht:

Links neben mir rauschen die Wellen des heute rauhen See's an mir vorbei.
Rechts erklingen wohlige Melodien am Klavier - gedämpft durch die geschlossene Tuer der kleinen Huette im Wald. Der Hausherr klimpert einige "Fingeruebungen" fuer sein nächstes Konzert herunter. Was er nicht weiss: Heute spielt er ein Privatkonzert fuer mich. Seine "Klimperuebungen" erreichen mich jetzt gerade besser, als auf jedem vorbereiteten Konzert.
Dazu gesellen sich die zarten Töne des hölzernen Windspiels.
Durch mein Haar weht ein wilder Wind, welcher die Tropfen des eben eingenommenen Seebades zum Takt der Klaviermusik auf meine Hände träufelt.
Die Sonne, die durch die Wolken blinzelt, wärmt mein Gemuet.
Das kuehle Nass des See's schmeichelt mir einen warmen Schauer ueber den Ruecken.
Ich fuehle das feuchte Gras zwischen meinen Zehen kitzeln und die Kraft der fruchtbaren Erde unter mir.

Alles scheint im Takt...
Alle Elemente vereint...

Es war ein Moment des Einklangs - vielleicht zwei Minuten - dann war es vorbei... Und doch bleibt es... Gut, dass ich Zettel und Stift greifbar hatte.   


Das ist der erste Teil meines dreiwöchigen Urlaubes.
Den zweiten kommenden Teil lasse ich jetzt mal aussen vor.

Wie der dritte Teil zustande kam, ist höchst intuitiv und schon seit zwei Jahren unbewusst vorgeformt… Man glaubt es kaum…

Ich erinnere mich an eine Autofahrt.
Ich lernte Dich kennen – fernab von Nullen und Einsen – der nächste Schritt nach vielen geteilten, schriftlich aufgesogenen Erlebnissen. Irgendwie kannten wir mehr von uns, als manch ein unvirtueller Mensch in unserem Leben. Zumindest ein Puzzleteil war uns von vorn und hinten anvertraut. Allein die Besonderheit eines solchen Treffens fuellte das Auto mit Spannungen, die aber nicht unangenehm waren. Eher war es ein Tasten zwischen uns – wir suchten die Bruecke zwischen Virtualität und dem Hier und Jetzt.
Mister Rice half uns dabei.
Er half ein Stueck mehr, als gedacht…
Diese irischen Klänge untermalten, die vorbeiziehende Landschaft. So rau und diesig. So gruen und ueppig. Ich fuehlte mich ploetzlich so irisch. Und der Wunsch entstand beinah automatisch, die irre Insel als mein nächstes Reiseziel zu kueren.

Ich weiss nicht, wie ich das zwei Jahre lang vergessen konnte…

Erst ein Traum im Maerz holte die Erinnerung zurueck. Dieser Traum bestand aus zwei Teilen. Im ersten lebte ich als Einheimische in Irland und im zweiten Teil erzählte mir eine Freundin sie zöge dahin, woraufhin ich lachend sagte, wie witzig ich das fände, da ich gerade davon träumte…
Am Morgen nach diesem Traum schaltete ich wie benommen das Radio an und eine fröhlich gestimmte Weiblichkeit lud zum irischen Tanz unterm Sternenhimmel ein. Ich musste wohl immer noch träumen... Einen Tag später strahlte mir ein sonst so verschlossener Kollege entgegen: ”Oh, Du siehst heute aus, wie eine kleine Irin.” Ich war ganz sicher, dass ich wach war… mein Kollege, war sich -dank meines Gesichtsausdruckes- nicht so sicher…

Diese kleinen, feinen Zeichen luden mich dazu ein ueber meinen ungeplanten Sommerurlaub nachzudenken. Vor zwei Jahren kopfkinote ich diesen Urlaub, jetzt sollte endlich der richtige Zeitpunkt dafuer sein. Einige Wochen des Hin- und Herueberlegens und Festigen meines bisher so chaotischen Schmetterlinglebens, sagte ich Ja. Ja zum Urlaub und Ja zu mir. Ich sollte noch einige Proben der Ernsthaftigkeit ueber mich ergehen lassen. Wuerde ich mich wieder durch die Gegend treiben lassen? An dieser und an jener bunten Bluete schnueffeln? Meine kommenden und gehenden kreativen Ideen erneut verpuffen lassen? Oder gebe ich meinen eindeutigen Zeichen endlich mal einen Anker? In dem Moment, als ich mit Kopf und Herz entschied diesen Urlaub mit Irland zu fuellen, kam plötzlich alles automatisch. Ich lernte einen Iren kennen, ich bekam Tipps wie von allein darueber, was ich auf keinen Fall auslassen sollte… Es nimmt alles seine eigene Dynamik an. Als waere es bereits vorskizziert…

Am 25.06.2007 fuhr ich diese Autofahrt.. zusammen mit Irland und Dir.
Am 30.06.2009 fliege ich nach Dublin… zusammen mit Dir… an Deinem Tag.