~ Panta Rhei ~

21.12.2009 um 17:42 Uhr

Bewusstseinserweiternd

Da sitz ich nun zwischen zwei Wegen meines Herzens.
Wer weiß schon wohin beide führen. Vielleicht mein Herz, aber das ist plötzlich zu zweit, dann zu viert und dann kann ich sie kaum noch alle zählen. Es gibt unendlich viel Platz für Erfahrungen in all diesen Herzen, als nur links und rechts. Und sie hämmern alle gleichzeitig und doch zeitlos in meiner Brust.

Da sitz ich nun zwischen euch beiden und kann keinem von euch in die Augen schauen. Aus Angst mit nur einem Blick bereits festgelegt zu werden.
„Entscheide Dich“, höre ich von rechts ganz eindringlich in mich hinein sagen, um einen Moment später festzustellen, dass du das Wasser meinst. „Mit oder ohne Kohlensäure?“ Doch weiß ich, dass du mehr als nur das Wasser meinst. „Ent-scheide Dich…“ hallt es in mir nach und ich überlege was das eigentlich bedeuten soll.

Fünf Augenblicke später kommt die nächste der vielen Botschaft an diesem Abend von ganz tief aus mir.
Ich beginne zu Fallen immer weiter und tiefer in dunkle Ecken. Mein Verstand sitzt ängstlich kauernd in der Ecke und weint – ich weine mit ihm und spüre, wie die größte Angst unseres Hierseins empor kriecht und mich zu vereinnahmen versucht – mich abhält von dem, was auf mich wartet. Kontrollverlust und Loslösen von der Materie macht uns hierzulande ängstlich und hilflos. Während ich diese Ängste durchlebe, weiß ich plötzlich, dass Hände des Vertrauens mich fangen würden – in allen Welten. Ich kauere noch ein bisschen mit meinem Verstand in mich hinein – bin zwischen den Welten hin- und hergerissen, als ich Hände von links und rechts spüre, die nach meinen greifen und mich halten. Der Kreis meiner Liebsten schließt sich und ich fühle die Einheit zwischen uns. Die Helferlein aus allen Welten strecken mir eine Taschenlampe für die dunklen Gassen entgegen. In dem Moment, als ich das erkenne, gebe ich mich hin, lasse mich treiben, trenne mich von Verlustängsten - die Illusion sind, streichele tröstend meinen Verstand, der weder weiß, was oben, noch was unten ist und keinen Schimmer davon hat, das Polaritäten gerade keine Bedeutung haben (sollten).

Die Musik baut eine Brücke und ich verstehe zum allerersten Mal den Text eines Lieblingsliedes, welches bereits –zig Mal durch meine Ohrmuschel ins Herz wanderte. Ich verstehe es…. nicht intellektuell…. ich fühle es mit allem was ich bin, in jeder kleinen Zelle – blitzschnell dehnt sich dieses Verstehen aus und wird zu einem erwachten „Ahaaa!“. Nicht das erste Mal, dass diese Band in einem besonderen Moment zu mir spricht. Ich verstehe die Botschaft, fühle mich unsagbar verstanden und denke, egal ob das gerade real ist – das hier fühlt sich vollkommen klar an, ohne in Frage zu stellen. Es kommt an. Genau hier. Genau jetzt. Antworten ohne Fragen – wow – ich bin gerade angekommen. Eine Welle der tiefsten Dankbarkeit und Berührtheit überkommt mich und das verzweifelte Weinen im Gleichklang mit meinem Verstand wechselt in ein befreiendes Schluchzen. Und ich möchte jetzt gar nicht mehr aufhören zu weinen…

Irgendwann werde ich zum Sprechen aufgefordert. Ein aus der Ferne hallendes „Geh nicht zu weit weg“ flüstert in mein Ohr und holt mich in diesen Raum zurück. Ohgott, ich bin so dankbar für die Menschen, die mein Hier und Jetzt bilden! Ich forme Worte, die nicht im Ansatz ausdrücken können, was gerade mit mir passiert. Während ich meinen gesagten Worten hinterrenne, merke ich, wie ich gerade von einer in die andere Welt schlüpfe, als würde ich über eine imaginäre Schwelle schreiten. In der gesprochenen Welt bin ich in der äußeren Welt. In der Stille bin ich eins mit mir und allem. Jedes Wort, welches gesprochen wurde, hat nun einen anderen Klang, eine andere Wirkung. Ich erkenne, dass es Wörter in der materiellen Welt gibt, die in der inneren Welt überhaupt nicht existieren… Ent-scheiden, was soll das sein? Und Trennung? Wovon getrennt? Wie getrennt? Was ist mit Hoffnung? Worauf denn? Hoffen auf das, was sowieso da ist? Und Kontrolle? Was denn kontrollieren und warum überhaupt? Auch Verlust und Abschied sind alles Worte, die es in der inneren Welt nicht gibt. Ich kann bewusst zwischen den Welten hin- und hertapsen. Ich merke, wie gerade alles möglich ist und gehe gedanklich umher. Ich versuche eine bewusste Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele herzustellen, die innere Welt in die äußere fließen zu lassen. Ich sehe, wie jeder in diesem Raum seinen Platz, seine Wichtigkeit und seine Aufgabe hat. Das lässt mich unendlich frei sein. In meinem Tun in meinen Gedanken... Weg von allem Ego-Kram... Weg von allem daraus resultierenden Schmerz.

Jetzt sitze ich zwischen euch und muss mich nicht mehr entscheiden. Ich richte mich auf, öffne meine Augen. Blicke treffen sich und sagen alles. Gedanken müssen nicht gesprochen werden. Herein spaziert durch das Tor meiner Seele..... Hier ist alles möglich...

Hineingewagt in die dunkelsten Ecken, am dunkelsten Tag des Jahres. Das nenn ich Timing. Und heute geht es wieder bergauf. Es ist Wintersonnenwende. Das Licht dringt wieder durch die Atmosphäre.