~ Panta Rhei ~

26.01.2010 um 17:23 Uhr

Den Gefühlen auf der Spur...

von: Tigerschnute   Kategorie: Lebensphasen

Versunken in meinen Emotionen starre ich auf belanglose Worte auf dem Papier. Sie verschwimmen und ich bin nur noch eins mit meinem Selbstzweifel. Sie verschwimmen und ich kann nicht sagen, wie lange ich schon auf diese Worte starre, die keinen Sinn ergeben. Worte, die ich nicht mal reinlasse. Ich weiß nicht, ob schon eine halbe Stunde oder gerade mal 3 Sekunden vergangen sind. Ich spüre nur die Beklemmung in meiner Brust und meine angestrengte Stirn, die sich verkrampft in Falten legt. Mein zappelndes Bein versucht die Spannungen zu lösen, die sich stapelweise in meinen Körper und Geist gelegt haben. Gedankenkreise bahnen sich ihren chaotischen Weg und finden die Tür nicht. Nichts hat mehr Raum, außer diesem Gefühl und dieses Bild, welches ich nicht mehr aus meinem Kopf gejagt bekomme. Zu Hilfe, ich bin Mensch! Ich fühle mich lebendig und spüre diese fette Aufgabe, die ich mir wohl mal aufgebrummt habe. Ich verschmelze mit dem Schmerz und laufe ihm nach, anstatt meinem eingeimpften Impuls Folge zu leisten, ihn wegzudrücken. Zu welchem Ursprung führt er mich? Was verbirgt sich dahinter?

Ich, Mensch, darf es mir erlauben so zu fühlen… Ich darf mir dafür Verständnis entgegenbringen. Ich darf mir für dieses Fühlen vergeben und mich in Dankbarkeit hüllen, dass mir die richtigen Menschen, am richtigen Ort dabei helfen, diese Herausforderung anzunehmen, auch wenn ich sie durch mich gespiegelt sehe und manches mal am liebsten den Stolz gewinnen lassen möchte, weil es doch so schön einfach wäre.

Von innen sieht die Tretmühle sehr viel enger aus, als von außen.
Ich komm mal raus und atme Frischluft…

 

21.01.2010 um 14:29 Uhr

Der Knackpunkt, die Diskrepanz, der Konflikt ~ und die Lösung ~

von: Tigerschnute   Kategorie: Philosophisches

 

„Wir sind keine menschlichen Wesen, die spirituelle Erfahrungen sammeln,

sondern spirituelle Wesen, die menschliche Erfahrungen sammeln!“

21.01.2010 um 12:03 Uhr

Zwiegespräche mit dem Selbst

von: Tigerschnute   Kategorie: Philosophisches

 

Erstaunlich, wie alles immer zu einem scheinbar perfekt passenden Moment passiert… Als würde alles automatisch darauf hinlaufen.
Die Zeit ist nun reif, also passiert alles um uns herum ganz magisch so, dass es für jeden genau jetzt ins Leben passt und diese erschaffene Situation allen sichtbaren oder unsichtbaren Beteiligten etwas Anderes lehrt… oder vielleicht im Grunde genau das gleiche nur in einer anderen Verkleidungen. Es läuft alles auf dasselbe hinaus, nur knallt sich ein Jeder andere Herausforderungen ins Leben… Wenn uns doch an vielen Ecken nur mehr Verständnis und Toleranz (bäh, was ein abgegriffenes Wort!) für unsere gewählten Missionen durchdringen würde…

Es gibt soviel Stoff, der mich zum Nachdenken anregt in letzter Zeit… Ich verarbeite und begebe mich auf den Weg der Klarheit. Viele verstrickte Knäule aus zwischenmenschlichem Hier und Da liegen zum Aufdröseln bereit. Das schafft Emotionen. Ganz menschliche Emotionen. Und die geraten in Konflikt mit der achso-universellen Spiritualität. Und auch hier wieder: Verständnis, Gelassenheit (welch neues Zauberwort für mich!), Akzeptanz. Kein Kämpfen, sondern annehmen. Es ist wie, es ist. Ich bin, wie ich bin. Und jeder der versucht mich bewusst oder unbewusst zu manipulieren (ein hartes Wort, aber das passiert ganz oft sehr subtil), damit ich in ihr Lebens-Schema passe, der trifft derzeit noch auf Rebellion und Ablehnung. Genug der Verbiegung. Ich bin auf dem Weg mich selbst zu entdecken und zu lieben. Krumme Rücken stehen mir nicht. Ich stehe für mich und meine Bedürfnisse ein. Ein Überstülpen macht uns eng. Ich möchte meine Erfahrungen sammeln dürfen, ganz egal, wie „falsch“ sie in anderen Augen betrachtet werden. Ganz egal, ob ich vielleicht Schmerz empfinden werde. Ich lebe und wachse. Lieben ohne Bedingungen. Lieben, weil wir in unserer Essenz gesehen und verstanden werden. Weil wir wissen, wer wir sind. Und nicht, weil ich will, dass Du so und so bist, weil das doch schließlich so sein muss. Wenn die Liebe an etwas gebunden ist, dann deutet das auf einen Mangel an etwas in uns hin. Dann möchten wir etwas kompensieren, ein Loch im Innern mit Hilfe vom Außen stopfen. Ich verurteile das keinesfalls. Die gebundene, polare Liebe ist sicher oft auch notwendig und hilfreich unsere inneren Löcher erst zu entdecken. Sie gespiegelt zu bekommen und dann seine eigene Kraftquelle finden, die uns von innen heraus heilt und nährt.

In einem Moment ist alles da… ganz klar… im nächsten bekomm ich Kopfsummen und möchte gar nichts mehr sagen, nicht mehr drüber reden oder schreiben, umherlabern und „Wissen“ austauschen. Soviel Worte, die um uns herum kreisen und nach denen wir schnappen und greifen um irgendwo gehört und angenommen zu werden. Manchmal überfordert mich das… dann möchte ich nur da sein, nur leben, nur machen, mich nur inspirieren lassen. Philosophieren kann ein anstrengendes Hobby sein. Jetzt gerade ist es das.

Und warum?
Ich hab mir den Text jetzt noch mal durchgelesen. Eigentlich wollte ich ganz woanders hin…
Warum überfordert mich das also? Weil der Text von Zwiespalt nur so strotzt. Wenn etwas zu sehr ins Extreme geht, dass keine Armbreite mehr dazwischen passt, dann ist keine Balance, keine Mitte zu spüren. Ich stecke in einem Zwiespalt aus Spiritualität und Polarität. Der spirituelle, wissende Teil in mir möchte Freiheit, bedingungslose Liebe, Weisheit, Akzeptanz (der Teil, der hier schreibt). Der weltliche Teil sucht Nähe, Bindung, Halt und Sicherheit (der Teil, warum der andere Teil überhaupt hier schreibt). Dazwischen gibt es eine Lücke, die klafft und für Spannungen sorgt. Der spirituelle Teil wächst und wächst und damit auch die Aufgaben in der Gesellschaft. Genau in diesem Moment, habe ich keine Idee, wie ich das in Einklang bringen kann. Es schwankt. Alles bewegt sich. Gleich ist es wieder anders. Drei Augenblicke später gibt es ein Zeichen und ich weiß wieder was los ist. Oh man, ich ver-wirre mich selbst.

Ich hab soviel zu sagen, soviel Input und Eindrücke prasseln auf mich ein. Mir wird’s fast schon schwindelig. Aber kein Wort kann gerade das zeichnen und manifestieren, was meine Wahrnehmung vermittelt.

Deshalb geh ich jetzt kurz leben und meinen Geist entspannen…

und komme gleich wieder...

 

19.01.2010 um 15:40 Uhr

Schattentanz

von: Tigerschnute   Kategorie: Philosophisches

Seifenblasen und Schattensprünge sind manchmal untrennbar miteinander verbunden.
Ein großer Hops da und ein kleiner Hüpfer hier. Manchmal nur ein Katzensprung und doch grault’s uns davor, als wär’s ein Riesenmonster, welches da lauert. Wenn wir vorher schon wüssten, dass dieses hässliche Monster aus unserer Phantasie sich in Wahrheit in ein flauschiges Wohlfühl-Wattewesen verwandelt, dann wären wir um einige Aufregung und Herzkasper ärmer im Leben. Und jeder weiß, dass das nur zu unserer Gesundheit beitragen kann.

Manche von uns sind allerdings Adrenalinjunkies und brauchen den täglichen Kick.
Ich bin auch eine Abenteurerin und schaffe mir gern mal ein paar selbsterschaffene Schattentanzdramen. Oft unbewusst… Doch nach und nach enthüllt sich der Schleier des Grauens und plötzlich wird’s langweilig. Dann brauch ich neue Abenteuer. Vielleicht mal den Sprung aus einem Flugzeug wagen?

 

 

 



12.01.2010 um 15:03 Uhr

Geistreiches zur Geisterstunde

von: Tigerschnute   Kategorie: Philosophisches

Philosophieren kann ich am besten im Halbschlaf.
Da wird’s Hirn einfach lahm gelegt und der Intellekt funktioniert nur noch zuckartig. Nach müde kommt doof und doof ist nicht gleich dumm. Doof kann ein Segen sein.
Die Stimme wird lallender und die Traumwelt ist schon mit einem Fuß in der Realität und wird plötzlich fassbarer. Der Wandel, der sich da jede Nacht vollzieht ist immer wieder aufs Neue faszinierend. Besonders wenn man mitten im Sprechen einschläft und das Unterbewusstsein die Führung übernimmt. Da sehe ich plötzlich Bilder, die vielleicht nicht so ganz direkt etwas mit dem Gesagten zu tun haben und die werden kommentiert. Dass mein Gegenüber plötzlich in Staunen oder Gelächter ausbricht, wundert mich dann schnell wieder wach. Manchmal werd ich auch mitten im Sprechen wieder hellwach und realisiere, was ich da gerade Spannendes kommentiert habe. Entweder ich bin dann peinlich berührt oder aber kichere in meinen müden Körper, der dann für ca. 2 Minuten wieder wachgerüttelt wird. Dann kannst du für ungefähr eine halbe Minute deine Chance ergreifen mich nach einem Termin in der Hierwelt zu fragen, denn danach ist’s wieder vorbei mit dem Tagesgeschehen.


Manchmal erzähl ich dann von türkisenen Buntstiften, die keine Buntstifte sind, weil sie ja schließlich nicht bunt sondern türkis sind (logisch!). Oder ich frage ob die nichtabrasierten Barthaare, die in mein Gesicht pieksen überhaupt einen Antrag für ihr Dasein ausgefüllt haben – nicht dass sie sich ohne Asyl hier aufhalten (gerade die Schwarzen, bei denen es am meisten auffällt...). Manchmal wird’s aber auch höchst(!) tief(!)gründig und da sprechen scharfsinnige Erkenntnisse aus mir, die vorher nicht mal einen Antrag ausgefüllt haben. Die kommen dann einfach und ich staune selbst. Dann entwickelt sich ein zauberhaftes, von der Nacht getragenes, füllendes Gespräch, welches von mir zu meinem Gesprächspartner balanciert wird. Welches sich aufbaut, wie eine lichte Energiekugel und sich dann um uns legt und wärmt. Ich erinnere mich von meinem knallharten Alltag aus gesehen, an diese Watteweichheit und dieses Nachklingen in mir. Es trägt mich mystisch durch die zähe Arbeitswelt und macht es alles etwas sinnvoller hier.

Die Erinnerung daran macht lebendig. Egal ob’s nun um Türkisstifte und Asylbarthaare oder um den Sinn unseres Lebens hier geht.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

 

08.01.2010 um 13:12 Uhr

Feuerschnute

von: Tigerschnute   Kategorie: Feuerliebe

Den Feuertanz hab ich auf meine Liste der unbedingt durchzuführenden Aktionen in 2010 gesetzt. Schon letztes Jahr meldete ich mich bei einem Seminar dazu an und erzählte hier von meinem Grummeln im Bauch daran teilzunehmen, obwohl sich doch eigentlich schon lange etwas in mir danach sehnte. Ich konnte dieses Grummeln nirgends richtig einordnen und so wurde das Thema von selbst gelöst, indem der Veranstalter nach etlichem Hin- und Her schlussendlich doch das Treffen absagte. Das kam mir entgegen und ich wusste nicht einmal warum eigentlich. Einige Wochen später lüftete sich das Geheimnis um meinen Grummelbauch. Ich lernte einen Feuertänzer kennen, dem ich schon im Sommer begegnete und unsere Geschichte dort schon beginnen sollte. Unsere Seelen begrüßten sich vorab, wussten aber, dass der Zeitpunkt noch nicht der richtige war. Einige Monate später im November begegnete ich ihm „zufällig“ auf einer Party wieder, auf die ich sonst nie gegangen wäre. Boten führten uns zueinander.

Was lerne ich mal wieder daraus? Das Leben hat etwas mit mir vor, die Zeichen wurden schon lange gesetzt UND ich kann immer meinem Bauch vertrauen. Was für ein tolles Gefühl, und eine Sicherheit, die sich ausbreitet und noch stärker werden lässt.

Soviel zur Einleitung.
Ich könnte jetzt erwähnen, wie wir zueinander fanden, seitdem schon miteinander gewachsen sind und welche wunderbaren Tiefen wir uns gegenseitig schon gespiegelt haben. Aber das mach ich nicht. Das passt nicht ins Thema meines Aufsatzes. (Im neuen Jahr bin ich viel geordneter und geplanter – schon aufgefallen? Tut gut auch mal einen Plan vor Augen zu haben. Plan, Ordnung… iiieh, solche Worte aus mir… wer hätte das gedacht!? Das wäre nun wieder ein neues Thema… Himmel, ich schweife ab. Mein gegliederter super ordentlicher Aufsatz ist sonst gefährdet, das möchte ich ja nicht. Nicht, dass ich noch Klammern mit Nebenthemen benutze, die niemals enden und wo der Leser sich fragt, warum dieses Nebenthema jetzt unbedingt in Klammern steht, obwohl es doch anscheinend so wichtig ist, dass es sätzeweise aus dem Autor heraussprudelt. Wurden dafür Klammern gemacht? Nun ja, man könnte theoretisch auch Fußtexte benutzen, um den Leser nicht zu sehr zu verwirren und ihn selbst entscheiden zu lassen, ob er später weiterlesen möchte. Gut, dass ich mir darüber keine Gedanken machen brauche, denn ich bin dieses Jahr doch schon so viel geordneter.Klammerzu).

Jedenfalls, hab ich mir den Feuertanz gewünscht und ihn kurz nach Mitternacht gleich in die mutige Tat umgesetzt. Ich war nervös. Nicht, weil ich Angst vor dem Feuer, sondern weil ich Publikum hatte. Zwar keine Fremden, aber dennoch fühlte ich mich lampenfiebrig – trotz Mittelpunktmenschsein. Aber das passiert einfach, das plane ich vorher nicht. So ein Auftritt ist voll von Erwartungen und nicht aus dem Moment heraus entstanden. Deshalb werde ich lieber rein zufällig dabei erwischt, wie ich feuertanze oder singe. Können wir das zukünftig so handhaben, bitte?

Das erste Mal Feuer an mir vorbeisausen zu hören – zu spüren, war unbeschreiblich. Kraftvoll, energetisch, voller Macht, Grazie und Respekt. Die Musik, die die Flammen spielen ist berauschend, meditativ und fesselnd. Ich habe Feuerglutblut geleckt. Ja, so kann man das sagen. Ich war so ganz bei mir in meiner Welt, ohne Ablenkung, ohne Gedanken, ganz und gar rein und da. Der Weg zu den Techniken ist zwar noch ein bisschen zu gehen und am liebsten würde ich untechnisch drauflos spielen und mein Herz sprechen lassen, aber so einfach ist das als Menschsein hier nicht. Da erntet man noch und freut sich über die Saat. Versteh ich ja auch. Aber die Zeit ist so überall und manchmal so verteilt, dass die Fokussierung trotz innerstem Wunsch auf der Strecke bleibt. Nun ja, der Plan für die Ordnung und Prioritäten setzen wird mir bei der Umsetzung helfen. Ich glaub einfach mal ganz fest daran und bringe meinen Arsch vorwärts.

Diese Impressionen und die Erinnerung an das knisternde Prickeln um mich herum wird mein Antrieb sein. So.


     













Achja… Ich durfte sogar Feuerspucken! Wohooo!








05.01.2010 um 13:13 Uhr

Schritt für Schritt

von: Tigerschnute   Kategorie: Lebensphasen

Musik: Röyksopp - This must be it

Nun sind sie vorbei gerauscht, die Tage, die Wellen, die Gefühle. Vorweihnachten, Weihnachten, Nachweihnachten, Silvester, Neujahr. Alles Hand in Hand. Intensiv, erkenntnisreich, wachsend, entfaltend, dramatiös  und lichterloh blinkten die Tage. Eine Spirale bildend, zwischen Schatten und Licht.

Meine Geschichte, meine Zukunft, mein Jetzt füllt sich, dehnt sich aus, das Spektrum erreicht ungeahnte Tiefen, überschreitet Hürden, durchläuft Gassen, gelangt ans facettenreiche Licht mit all seinen Farben. Und am Schönsten: Der Preis, das Ankommen - das immer mehr Seindürfen. All die Spiegel um mich herum, hinter denen sich ein Stück Ich verbirgt, zeigen mir die Schönheit meines Seins und vermischen die Strahlen der Anderen zu einem. Gott, sind wir hell, wenn wir wollen!

Doch auch das Dunkel wirft sein Licht auf mich. Führt mich zu Ecken und Kanten an denen ich mich stoße. Es tut so weh. Und im Moment des Schmerzes und der Trauer wünsche ich mir das Aussterben – das aus mir heraus sterben meines Egos. Dann kämpfe ich und sehe ganz genau, was da kämpft und was da gerade so sehr schmerzt. Und auf kuriose Art und Weise macht mir das keine Angst. Rückwirkend betrachtet ist das ein süßer Schmerz, weil er mich vorwärts bringt, weil er mich heilt, weil er mich stärkt und mutig werden lässt. Natürlich brauche ich den Schutz und mein gewobenes Netzwerk an Vertrautheit, an Liebe von meinen Herzstreicheln.

Punkt Zwölf. Ich stand inmitten von selbsterwählten Menschenkindern zu diesem Ereignis. Am Strand mit Wellenrauschen im Ohr. Mit Salz auf den Lippen. Erst durch die Luft, dann durch die Tränen, die sich ihren Weg bahnten. Punkt Zwölf und ich war berührt. Knopf an. Komisch. Ich hatte das nicht geplant. Und auch nicht vermutet. Aber plötzlich kamen alle Erinnerungen des vergangenen Jahres in Dosen, in Wellen. Nicht als Bilder. Eher als Gefühl. Als einen ganzen gesammelten Klumpen an Gefühl. Menschen, die mir dieses Jahr so ergreifend nah kamen, standen nun vor mir. Worte waren mal wieder schwer formbar, mein Herz schrie zu laut. Und winkte dem Windlicht gen Süden hinterher. Mir war nach einer Liebeserklärung. Mir war nach Festhalten und nach Gehenlassen. Ich wollte Dich greifen und tat es auch. Dabei traf ich Entscheidungen, die Andere zurückstießen und ins Wanken brachte. Aber auch da wurde aufgedeckt, gelernt und erkannt.

***

Mit schwerem Herzen und einem Pieksen in der Brust laufe ich Deinen frischen Schneespuren nach, ohne auf sie zu treten.
~Manchmal flüchten wir ohne zu erkennen, dass wir gerade vor uns selbst flüchten~
Ich werde zum Meer geführt, wo die Wellen ihre eigene dynamische Sprache sprechen, die ich gerade glasklar verstehe. Der Strand ist schneeweiß, der Morgen grau. Immernoch tapse ich neben Deinen Spuren her, die mir entgegen kommen. Ich bin versunken in meinen Gedanken und gebe meinen Emotionen Raum, die die Wellen sofort transformieren und gleichzeitig mit Neuem füllen und stärken. Ich fühle mich so klein mit meinen Ängsten neben dem wilden Meer. Und doch spüre ich die Wichtigkeit meines Anteiles hier. Hier. Genau hier. Die stürmischen Wellen machen frei und erzählen wie alles seiner Logik folgt. Sowieso. Immer wieder. Es ist einfach so. Einfach so. Ich nehme dieses Gefühl mit. Es inkarniert in mir.
Ich sehe einen Stein, der meine Geschichte zu erzählen scheint. Er erinnert mich an… mich… Ich hebe ihn auf und denke dann, dass diese Erinnerung an mich genau hier liegen bleiben sollte. Sie gehört hierher und summiert sich mit all den anderen Erinnerungen.
Als ich wiederkomme mit Frischluft in meinen Lungenflügeln, mit neuem Elan, mit klarem Hiersein, bist Du da und breitest Deine Arme aus. Wir gucken uns in unsere verweinten dicken Augen und verstehen uns schweigend. Alles ist gut.

Es kommt etwas ins Rollen, das nicht aufzuhalten ist. Es rollt in seinem eigenen Zeitgeist. Wir entkleiden uns auf der Suche nach unserem Innersten. Je bewusster, desto spürbarer und wirkungsvoller.

Schon komisch. Ich war gerade am Meer und ich vermisse es jetzt am meisten. Aber die Erinnerung daran belebt und wiegt mich sanft in Gelassenheit.

~Schritt für Schritt~