~ Panta Rhei ~

10.12.2010 um 00:32 Uhr

Vertrauen

von: Tigerschnute   Kategorie: SpiegelHerz


Und sie saß da und kämpfte mit den Tränen.
Da war nur ein Wort: Vertrauen.
Ihr Thema.
Und B. sowie ihre Beziehung halfen ihr dabei dieses Thema zu erkennen.
Sie sagt, sie ist so unendlich traurig, ihn verletzt zu haben, indem sie ihm misstraute. Und sie hat Angst selbst verletzt zu werden. Doch wem misstraut sie eigentlich wahrhaftig? Ihr Bauch sagt, da ist Liebe für ihn. Reine Liebe, die ganz und gar vertraut. Doch ihr Kopf baut Konstrukte. Und eine Handlung im Außen unterstützte ihr Konstrukt, machte es stabiler. Nur übersah sie dabei, dass dieses Konstrukt schmerzt. Und dass dieser Schmerz und diese Härte nur ihr galt, erschaffen im Innen um im Außen Resonanz zu finden. Denn wem misstraute sie hier eigentlich? Ihr Herz sagt: JA! - ihr Kopf sagt: NEIN!... sie misstraute sich selbst. Sie misstraute ihrem eigenen Herzen, ihrem eigenen Gefühl und bestraft sich nun selbst dafür. Sie suchte bei ihm, obwohl der Schlüssel in ihr liegt.

Als sie das erkannte, atmete sie auf, weinte nicht mehr und sah klarer. Sie ist durch die Beobachtung wieder ein Stück bei sich selbst angekommen. Und das verdient Hochachtung. Hochachtung für die Selbstachtung.

Es ist so wundervoll teilhaben zu dürfen während ein Prozess geschieht.

 

09.12.2010 um 16:36 Uhr

Frauen-Weihnachtsfeier

 

Menschen, die einander täglich sehen und doch kaum Gemeinsamkeiten haben, als das tägliche Sehen, treffen sich nach der Arbeit zum glühweinen. Und beinah wäre es das auch geworden. Ich gehöre nicht dazu, obwohl ich mittendrin bin. Einige meiner Kolleginnen haben eine private Ebene und sind sich viel näher, als ich es je sein möchte. Außerdem bin ich seit ein paar Jahren am Abnabeln und trage nicht mehr sehr viel zur Kommunikation bei. Und dennoch sitze ich am Tisch und fühl mich allein. Ich spüre, wie diese Verletztheit und Abgelehntheit ihr verlockendes Angebot machen. Ich spüre, wie diese Angebote automatisch kommen, weil ich das in diesen Situationen oft gewohnt bin. Ich spüre, wie diese Angebote nichts mit dem Moment zu tun haben. Da war überhaupt keine Ablehnung, sondern einfach nur keine Nähe und das ist zum Teil auch selbst gewählt. Und als ich beinah in mich zusammensinken und in Selbstmitleid zerfließen möchte, sehe ich plötzlich ein Stopp!-Schild und fühle dem Gefühl nach… Da ist gar nichts… Da ist keine Verletzung, die jetzt da ist. Das ist etwas Abgelegtes, etwas Altes und ich wollte dem schon fast blind folgen.

Und nun sitze ich wieder am Tisch, blicke um mich und beobachte jeden Einzelnen, jedes Individuum. Jetzt habe ich das Ego beiseite geschoben und mir taten sich Dinge auf, die ich vorher in meinem Film gar nicht wahrgenommen hatte. Jeder am Tisch trägt seinen Sack voll Probleme. Niemandem ging es wirklich gut. Jeder versuchte diese Tatsache zu überspielen. Jeder! Stattdessen wurde sein Alltags-Ich im Glühwein ersoffen und sich für einen Moment lang in eine ablenkende Heiterkeit begeben. Und in mir ging ein Licht auf: Mir geht es tatsächlich noch am besten von allen. Natürlich kann ich das so nicht beurteilen, aber es kam mir, als ich in all die geschichtenerzählenden Gesichter sah. Das war jetzt nicht wirklich angenehmer, aber dieser Blickwinkel half dabei mir wieder nah zu sein. Und so konnte ich auch jedem Anderen wieder nah sein. Auch wenn sich das im Nichtsichtbaren abspielte.