~ Panta Rhei ~

26.05.2011 um 03:28 Uhr

Freigeist

Da gibt es Momente, die vor Intensität strotzen. Momente, in denen ich mit einem mir nahestehenden Menschen auf fünf Wolken gleichzeitig schwebe, wir uns in Nähe ertränken und uns dem Genuss des Seins und der Verbindung zueinander hingeben. Augenblicke in denen alles vibriert und nichts anderes existiert. Wie eine eigens erschaffene Galaxie und die Erde unter uns, zwischen uns, neben uns, um uns weit weit weg. Ein Stück Ewigkeit zum Greifen, Anfassen, Inihrsein.

Und dann - einen Augenblick weiter - gibt es das nicht mehr. Ist es weg. Losgelöst. Nicht mehr existent. Sicher nähre und labe ich mich an der Erinnerung. Aber nicht so sehr, dass ich sie festhalte und wieder und wieder aufatmen muss. Ich weiß irgendwie, es kommt ein neuer Moment. Und das immer wieder. Für mich ist das innerlich richtig schön. Ich lebe im Augenblick. Fühle mich mit dem Jetzt komplett verbunden. Ich bin selten woanders in solchen Momenten. Weder gedanklich noch geistig. Ich bin ganz und gar. Das macht mein Leben aus.

Irritierend wird es für mich jedoch, wenn ich genau mit diesem innerlichen Zauber von außen konfrontiert werde. Wenn es dann Ansprüche und Erwartungen an mich geben, weil eben diese Momente so eindringlich und verbindlich waren. Wenn es einen Augenblick so war, dann muss es doch auch weitere geben. Und da beginnt sich etwas in mir zu sträuben. Ich bin immer wieder im Tanz mit meinen inneren Widersprüchen und auf der Suche nach Gründen. Warum ist der Freigeist in mir so ausgeprägt? Das heißt, manchmal frage ich gar nicht und freue mich einfach nur darüber, dass ich keinen Abhängigkeiten erliege. Aber wenn es dann Unverständnis in meine Richtung gibt und mir so liebe Menschen enttäuscht von mir sind, weil ich von einen Moment in den nächsten hoppse und ihnen nicht die Aufmerksamkeit schenke, die sie doch schon einmal bekamen, dann frage ich mich selbst, warum das so ist und was mir vielleicht fehlt.

Letztlich sagte jemand zu mir, wie sehr er meinen Freiheitsdrang spürt... er meinte, ich wäre nicht unnahbar oder unverbindlich - ja, ich wäre ganz da - aber dennoch ist da etwas in mir zu spüren, dass sich nicht komplett vergibt. Ich war beeindruckt von dieser Beobachtungsgabe. Nur die darauf folgende Frage, ob ich von einem Mann schon einmal sehr verletzt wurde, erstaunte mich. Es war nicht das erste Mal, dass ich das gefragt oder es angenommen wurde. Ist es denn so abwägig einen momentlang alles voneinander zu genießen und im nächsten in einer anderen existenten Welt zu sein? Manchmal denke ich, dass ich völlig gut so bin und mein Sein nur im Widerspruch zur Gesellschaftsvorstellung einer Beziehung steht. Und dann hinterfrage ich mich wieder... in Momenten, des eingeschalteten Verstandes... Sicher spielt hier vieles mit ein. Und ja, ich löse mich wahrscheinlich immernoch aus einer Abhängigkeit, die mein Kindsein prägte. Vielleicht ist das immernoch ein Schutz... eine Angst davor zu sehr von jemandem gebraucht zu werden. Eine Angst davor zu sehr von jemanden in Anspruch genommen zu werden. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Dann spielt mein Naturell, meine Wesenszüge mit hinein...

Wahrscheinlich hab ich die Gänze noch gar nicht erfasst. Dieses Schmetterlingsein ist wirklich kein Herauspicken von den schönsten Momenten. Es ist viel mehr als das. Und wenn man ganz genau hinfühlt, dann sieht man das auch. Ja, da ist auch eine Sehnsucht verborgen. Die Sehnsucht anzukommen und sich bei einem Menschen niederzulassen. Vielleicht bin das auch erstmal nur ganz und gar ich. Ich verwirkliche mich gerade selbst. Ich schäle mich gerade Stück für Stück und gleite in meine eigens erschaffene Zukunft. Und da ist soviel Urvertrauen und Sicherheit. Da ist etwas in mir, das sich nach Beständigkeit, Ausdauer und Ankommen sehnt. Es existiert genausoviel Ordnung, wie Chaos da ist. So ist das mit den Extremen. Ist ein Extrem vorhanden, ist das andere nicht weit. Ich pendele solang, bis die Mitte gefunden ist. Und solange darf alles sein.