~ Panta Rhei ~

23.05.2014 um 01:34 Uhr

Geerdet

von: Tigerschnute   Kategorie: Lebensphasen

 

Die Autoluft ist voll von Ludovico Einaudi.
Und von einer leise sich heranschleichenden Wehmut.

Wie war das noch damals in der Unabhängigkeit? Ich erinnere mich an Norwegen. Vorfreude, kindliche Aufgewecktheit. Der Zauber des Neuen, des Abenteuers. Ich suche ganz kläglich danach in jeder Ecke in mir.
Wo ist sie nur? Ich wünsche mir gerade so sehr nicht erwarten zu können endlich anzukommen und mit der ganz anderen Luft, dem ganz anderen Duft, dem anderen Klang, dem Schwingen und dem Kribbeln spielen zu dürfen.

Wo ist sie hin, die Magie der Weihnacht? Die Vorfreude auf Verreisen? Überhaupt die Vorfreude auf irgendwas? Und ich meine nicht auf das Abendessen. Die Aufgeregtheit, Nervosität, die Schlaflosigkeit in der Nacht vor meinem Geburtstag. Geschenke! Ein Tag, der nur mir gehört. Glückwünsche in mein Herz rein – nicht via Facebook oder per SMS. Ein Danke für mein Sein, für meinen ersten Atemzug und die Entscheidung leben zu wollen vor etlichen Jahren.

Spiele, Spiele, Spiele. Ich will Gummihopsen, Verstecken und Fangen spielen! Will mich im Kinderzimmer mit begeisterungsvollen Zwergen am Boden suhlen und vergnügt jauchzen. Überdrehen und am Ende heulen, weil ich kein Ende kenne. Schreien, Zöpfe flechten, Puppen schminken, anstatt mit den Alten im Nebenzimmer über Nachbarn, Wind und Supermarktpreise zu schimpfen.

Lass mich spielen! Ich bin noch nicht fertig mit Kindsein! Menno!!!

Der Sonnenuntergang, meine Güte – er ist so schön. Aber nur mit den Augen. Wo kann ich den gerade fühlen? Wo nur? Dieser Bodennebel, in dem ich einst tanzende Feen sah, ist nur ein Bodennebel. Ich gucke nur kurz und fühl mich nicht berührt. Dass es mich nicht berührt, macht mich traurig. Immerhin. Ich bade darin und schöpfe daraus. Um mich beweglich zu fühlen.

Unbekümmert, zügellos, schwebend… Ich raste aus!
Selbst Konzerte meiner Lieblingsbands erreichen mich nicht mehr. Bin ich anspruchsvoller, abgestumpfter, brauch ich das gerade nicht?

Dann rasselt es auf dem Rücksitz. Ich drehe mich um und blicke in ein so heiles Gesicht voll Liebe. Es bringt mich ins Hier und Jetzt. Irgendwie bin ich doch angekommen in einem ganz, ganz anderem Abenteuer des Lebens. Kann ich es deshalb nicht mehr so spüren? Weil all meine Gefühle, sich all meine Sensoren versammelt haben um genau DAS zu empfinden? Weil ich all das, die Vorfreude und Aufgeregtheit des Neuen, gespeichert und reserviert habe für dieses Wunder auf dem Rücksitz? Darf ich all die Leichtigkeit, Neugier und Ungezügeltheit nun bei meinem murmelnden, rotbäckigen Rücksitzwunder gespiegelt nochmal erleben? Ich in doppelt so groß? Und bin ich als Ich jetzt deswegen weniger oder mehr? Oder beides zur gleichen Zeit? Da ist soviel Du da, dass ich mich suche. Und doch sind wir drei alle Ich.

Vielleicht geht es jetzt einfach darum den Zauber im Staubkorn auf dem Boden zu entdecken. Die Freude teilen zu dürfen einen Knopf im Kopfkissen zu knubbeln. Oder jede einzelne Stufe der Treppe abzuklopfen und mit dem Finger auf Brotkrümel zu drücken. Das erregte Mezzosoprankreischen beim Erblicken des Stubentigers. Das euphorische Reinbeißen in die schwedische Lieblingplüschseule. Dein  Weinlachen, wenn wieder mal alles auf einmal geschieht und du alles auf einmal ausdrücken musst. Dein ganzes Drama. Dein gesamter Kosmos, der jeden Tag wächst. Der faszinierende Staubkorn, der jeden Tag neu entdeckt wird… Hach…

Ja – nicht zu vergessen, die liebenden Arme, in denen ich jeden Abend geborgen ins Lummerland getragen werde. Mein Gott, ich bin so so dankbar! Schwer auszudrücken. Angekommen.

Und doch…
Ist die Sehnsucht da… so sehr…..

(Vergiss nicht, wer Du bist!)