~ Panta Rhei ~

09.12.2010 um 16:36 Uhr

Frauen-Weihnachtsfeier

 

Menschen, die einander täglich sehen und doch kaum Gemeinsamkeiten haben, als das tägliche Sehen, treffen sich nach der Arbeit zum glühweinen. Und beinah wäre es das auch geworden. Ich gehöre nicht dazu, obwohl ich mittendrin bin. Einige meiner Kolleginnen haben eine private Ebene und sind sich viel näher, als ich es je sein möchte. Außerdem bin ich seit ein paar Jahren am Abnabeln und trage nicht mehr sehr viel zur Kommunikation bei. Und dennoch sitze ich am Tisch und fühl mich allein. Ich spüre, wie diese Verletztheit und Abgelehntheit ihr verlockendes Angebot machen. Ich spüre, wie diese Angebote automatisch kommen, weil ich das in diesen Situationen oft gewohnt bin. Ich spüre, wie diese Angebote nichts mit dem Moment zu tun haben. Da war überhaupt keine Ablehnung, sondern einfach nur keine Nähe und das ist zum Teil auch selbst gewählt. Und als ich beinah in mich zusammensinken und in Selbstmitleid zerfließen möchte, sehe ich plötzlich ein Stopp!-Schild und fühle dem Gefühl nach… Da ist gar nichts… Da ist keine Verletzung, die jetzt da ist. Das ist etwas Abgelegtes, etwas Altes und ich wollte dem schon fast blind folgen.

Und nun sitze ich wieder am Tisch, blicke um mich und beobachte jeden Einzelnen, jedes Individuum. Jetzt habe ich das Ego beiseite geschoben und mir taten sich Dinge auf, die ich vorher in meinem Film gar nicht wahrgenommen hatte. Jeder am Tisch trägt seinen Sack voll Probleme. Niemandem ging es wirklich gut. Jeder versuchte diese Tatsache zu überspielen. Jeder! Stattdessen wurde sein Alltags-Ich im Glühwein ersoffen und sich für einen Moment lang in eine ablenkende Heiterkeit begeben. Und in mir ging ein Licht auf: Mir geht es tatsächlich noch am besten von allen. Natürlich kann ich das so nicht beurteilen, aber es kam mir, als ich in all die geschichtenerzählenden Gesichter sah. Das war jetzt nicht wirklich angenehmer, aber dieser Blickwinkel half dabei mir wieder nah zu sein. Und so konnte ich auch jedem Anderen wieder nah sein. Auch wenn sich das im Nichtsichtbaren abspielte.

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 09.12.2010 um 17:32 Uhr:Liebe transformiert alles. Vor allem die Blickwinkel. ;)
  2. zitierenClack schreibt am 09.12.2010 um 20:00 Uhr:nice :o)
  3. zitierenVomFeuerkind schreibt am 21.12.2010 um 12:59 Uhr:Vielleicht ist genau dort diese Mauer. Weil du angefangen hast, bewusst zu sein und die anderen sich noch hinter ihrer Unbewusstheit verstecken müssen. Ich kann verstehen, dass du dir mit ihnen nichts zu sagen hast. Ich kenne dieses Gefühl in der Menschenmasse allein zu sein. Allein unter vermeindlichen Freunden. Irgendwann habe ich angefangen, diese Menschen zu meiden und mich mehr mit Leuten zu umgeben, die mehr mit mir teilen können.

    Mittlerweile finde ich es aber auch schön, mit diesen anderen Menschen zusammenzusein. Ich beobachte sie und schicke ihnen einfach mal eine Portion Liebe rüber. Das hilft meist, damit ich mich besser fühle.

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