~ Panta Rhei ~

11.04.2010 um 07:57 Uhr

SpiegelHerz

von: Tigerschnute   Kategorie: SpiegelHerz

Die beste Art seine Träume zu verwirklichen ist aufzuwachen!

 

Ich kam aus den Türen dieser Messe gestürmt, die ich schnell verlassen wollte, und lief ihm direkt in die Arme. Die Glocken der örtlichen Kirche läuteten und schlugen genau 18 Uhr. Er hielt mir seinen Flyer entgegen und sagte, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt sei, mir diesen zu überreichen. Ich fand das frech und originell und kommentierte das im Vorbeihuschen noch keck. Na wenn das kein Zeichen ist…. Ich hatte eine lange Weiterfahrt, und da ich sowieso nichts weiter zu tun hatte, nahm ich mir diesen schnell in die Tasche gestopften Papierfetzen vor und las ihn ausgiebig. Seine Worte berührten mich und ich fühlte mich auf eine sanfte und liebevolle Weise zu seiner so lockeren Art hingezogen. Alle zwei Wochen kommt eine Gruppe zusammen, um an sich zu arbeiten.

In der liebevollen Aufmerksamkeit dieser Arbeit sind Klarheit und Bewusstheit leicht erfahrbar. Genieße es, gesehen und verstanden zu werden. Lachende Worte küssen Dich wach, heller Humor berührt Deine Seele und die Sanftheit des Herzens segnet Dich im Stillen. Du fühlst, was Dir unbewusst ist, siehst, was im Dunkeln war, hörst, was Du brauchst und erkennst, wer Du bist.

Ich bin ehrlich neugierig geworden. Und zwei, drei Wochen nach diesem Gongzusammentreff schrieb ich ihm das. Ein Schnupperabend mit seiner neuen Gruppe.

Auf dem Weg dorthin begann mein alt abgelegter Schweinehund mit mir zu kämpfen. „Ohje, ganz allein mit neuen Menschen, was dort wohl gemacht und erwartet wird, dann muss ich mich vorstellen und vor Leuten über mein Befinden quatschen… Ich trau mich nicht…“ Der andere, viel stärkere Teil in mir konterte… und musste eigentlich gar nicht kontern, fällt mir gerade auf, weil tief in mir weise und wissend. „Mein Gefühl hat mich auf den Weg gebracht. Es wird richtig sein. Punkt.“ Eine knappe Stunde Fahrt. Drei Mal umsteigen. Und Verspätung der Bahn. Mein Schweinehund erzählte mir, dass wenn ich zu spät dort landen sollte, ich dann nicht hingehe. Gleich am ersten Tag einen schlechten Eindruck machen? Nein. Dann lieber gar nicht auftauchen und verschieben oder so. Und er hüpfte, der Schweinehund und freute sich und wünschte sich einen seeeehr verspäteten Zug. Wollte extra noch langsam gehen, aber das ließ ich nicht zu, auch wenn es sehr verlockend war. Ich lief, wie automatisch und das Schweineherz klopfte mir bis zum Hals. Mannoman! Mist. Pünktlich. Trotz der Straßensuche vor Ort. Ich war punktgenau pünktlich. Tja nun, jetzt bin ich hier. Jetzt bleib ich hier. Die Neugier und die Lust auf Umsetzung waren größer. Und immer ein Stückchen weiter, als der Schatten groß ist. Das gibt Kraft.

Dort angekommen, traf ich auf einen warmen, offenen Menschen mit noch ein wenig Zurückhaltung, die sicher von beiden Seiten (SCHWEINEHUND!!) in Wechselwirkung entstand. Klar erstmal beschnuppern. Wir waren zu viert, mit Gruppenoberhaupt fünf. Eine gemütliche kleine Runde. Zwei Damen machten Lager aus Decken und lümmelten sich in dem großen, leeren, aber warmen Raum. Ich griff schüchtern zu einem kleinen Kissen.
Eine kleine Einführungsmeditation brachte uns nicht nur zum Thema des Abends, sondern wohl auch zu einem Thema unseres Lebens. Unsere innere Lebenskraft die stetig nach oben und raus will, durften wir erfühlen und erspüren. Und dann die andere Seite, die uns deckelt und die nach oben treibende Kraft zurückhalten will (Erziehung, Gesellschaft, Vernunft,…). Wie eine Schale, die umgedreht ins Wasser gedrückt wird und trotzdem nach oben will. Eine Übung danach zu zweit bekräftigte unser Fühlen. Einer sitzt auf dem Boden und fühlt sich in seine innere Kraft hinein. Der Andere drückt den auf dem Boden Sitzenden hinunter und fühlt sich in die Rolle hinein, die die Kraft im Leben zurückhält. Welche Sätze, welche Gefühle, welche Emotionen kommen. Welche Qualität hat das. Danach Rollentausch. Dann wird beides zusammen getragen und für sich beobachtet und reflektiert. Ohne Zwang, ohne Druck, ohne Erwartung. Das was dabei zum Vorschein kam überraschte mich nicht. Dennoch war es eine tolle Übung, um sich zu erinnern und eine erneute Ermutigung Ziele zu manifestieren. Angetan war ich von der Art und Weise, wie Herr SpiegelHerz, sich in die Themen der Anwesenden ganz individuell hineinfühlt und beidem und allem Raum gibt. Dieses Raumgeben finde ich mehr als angenehm und ich beobachtete das fasziniert den ganzen Abend lang. Das ist etwas, das so selten zu finden ist in unserer schnelllebigen Zeit, wo so viele hektisch am Anderen vorübergehen und vorüberreden. Dieses Zuhören, dieses Dasein, dabei leer sein und nah sein. Das ist eine unglaubliche Wertschätzung. Manchmal wurde das Gesagte einfach im Raum gelassen, um sich auszuweiten, um zu wirken. Keiner viel dem Anderen ins Wort. Jeder war sich selbst und dem Anderen gegenüber einfühlsam. Es kam aus dem Innen heraus. Man musste sich überhaupt keine Mühe dabei geben, es lief einfach. Wie automatisch, aber doch nicht, weil trotzdem alles bewusst. Dann gab es seinerseits zu dem genau richtigen Zeitpunkt eine Spiegelung, die er mit viel Humor bekräftigte, ohne dabei ins Lächerliche zu ziehen. Man musste einfach über sich selbst und seine eingefahrenen Muster schmunzeln. Ich weiß nicht genau, wie ich das beschreiben soll, es wirkte nichts einstudiert oder professionell erlernt. Er ist kein Esoheini oder Psycho-Onkel. Es gibt keine Sparte dafür. Es fließt einfach und er gibt dort Impulse, wo sich gerade etwas zeigen möchte. Er ist fokussiert und schlendert nicht umher. An diesem Abend zeigte sich ein gerade sehr wichtiges Thema von Uschi. Und obwohl er sich beinah den gesamten Abend diesem widmete, langweilte ich mich keine einzige Sekunde. Ich verfolgte alles mit großer Neugier und Spannung. Ich lerne ständig über mich, über meine Mitmenschen. Auch das ist ein toller Spiegel.

Dann gab es noch eine Übung, die mich weit machte und die ganze Erde fühlen ließ. Mir wurde bewusst, wie sehr ich mein Hiersein liebe. Geistig umarmte ich die ganze Welt.
Ich fühlte mich so frei und lebendig.

Am Ende kroch ich dann hinter meinem Schweinehund hervor und sprach ganz offen meine Ängste an. Dass ich es immer noch seltsam finde vor einer Gruppe über mein Empfinden zu sprechen. Ich habe im Leben keine Angst davor auf Menschen zuzugehen, aber in einem geschaffenen Raum, in dem es erwartet wird, in welchem ich mir selbst Druck mache, fühle ich mich beengt. Und während des Ansprechens, löste sich dieser Druck und mein gering gehaltenes Selbstwertgefühl entfaltete sich. Ein altes Muster an die Wand gedrückt. Und der Schweinehund röchelt.

Belohnt wurde meine Anwesenheit und mein Ich-sein mit wundervollen Reflektionen. Ich bekam ein, aus dem Herzen kommendes, Danke für mein Hiersein und ich sei eine Bereicherung für die Gruppe. Oh man, das ging tief.

Ich bin gespannt auf den nächsten Abend...

 

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenVomFeuerkind schreibt am 11.04.2010 um 18:15 Uhr:Das klingt so toll. Ich will auch... Aber erzählt bitte bitte bald davon.
  2. zitierenTigerschnute schreibt am 12.04.2010 um 09:58 Uhr:Was genau willst Du auch?
    Morgen ist der nächste Zusammentreff. Mal schauen was Spannendes passiert... Ich werde berichten :)
  3. zitierenVomFeuerkind schreibt am 12.04.2010 um 11:58 Uhr:Ich will hier auch solche Treffen haben, wo man zusammensitzt und solche tollen Übungen macht, miteinander diskutiert und es gemeinsam erlebt. Da kriegt man bestimmt viel Festigkeit und Kraft aus diesen Treffen.
  4. zitierenTigerschnute schreibt am 12.04.2010 um 13:47 Uhr:Ja, da hast Du Recht. Ich fühle mich sehr bestärkt nach solchen Treffen. Gibt es keine Menschen in Deinem Umkreis, die Interesse an solchen lockeren Treffen haben?

    Mein Schweinehund will schon wieder absagen... Ich schwanke noch, ob ich das zulassen soll... Gründe finde ich genügend, nicht daran teilzunehmen...
  5. zitierenVomFeuerkind schreibt am 12.04.2010 um 15:28 Uhr:Diese Gründe findet man immer. Aber es ging dir doch soo gut dabei. Das ist doch auch ein Grund der den Schweinehund kleinreden könnte.

    Ach ich weiß nicht so recht... vermutlich würden sich Leute tatsächlich zusammenfinden. Aber ich weiß nicht so recht, wo ich suchen soll... (<- mein innerer Schweinehund...!)
  6. zitierenTigerschnute schreibt am 12.04.2010 um 17:17 Uhr:Ja, es ging mir gut. Aber es ist auch anstrengend auf eine gewisse Weise... Und die Bequemlichkeit und die Süße des Lebens siegen da manchmal, als in den tiefen seines Selbst zu graben und auf Blockaden zu stoßen. Das bedarf schon einer Überwindung genau dort zu bohren, wo es eigentlich schmerzt. Manchmal mache ich die Erfahrung lieber im Leben, als theoretisch in einer Gruppe. Andererseits ist das Gruppending ja auch eine Erfahrung und Übung. Ich weiß auch nicht... Im Moment hab ich gerade mit Koordination meiner Abendgestaltungen zu tun. Und da mir nur der kleine Teil des Abends bleibt, wünsche ich mir gerade die Süße, als die Arbeit... Vielleicht bin ich da eifach zu träge für gerade...

    Ich glaube, dass eine Suche überflüssig ist. Sobald Du die Absicht bekräftigt hast und den ersten Schritt des Wollens getan hast, kommen die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt ohne zu suchen. Aber so ist das manchmal. Wir möchten so viel, aber an der Umsetzung scheiterts aus Schweinehundgründen... Das ist schade, denn die beste Art seine Träume zu verwirklichen ist aufzuwachen! Das ist wohl ein großes Lebensthema von mir.
  7. zitierenVomFeuerkind schreibt am 12.04.2010 um 18:03 Uhr:Tja.. sich mit den Süßen Seiten des Lebens auseinander zu setzen ist sicherlich netter als an sich zu arbeiten. Auf der anderen Seite kann man dann die Süßen Seiten bewusster wahrnehmen und genießen.
  8. zitierenTigerschnute schreibt am 13.04.2010 um 09:16 Uhr:Oh glaub mir, ich hab schon sehr viel an mir gearbeitet und weiß jede süße Seite bewusst zu schätzen. Es gibt aber eben auch diese Phase des Lebens, wo ich einfach nur im Sein fließen möchte. Ich lerne ja auch dabei...

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