Die beste
Art seine Träume zu verwirklichen ist aufzuwachen!
Ich kam aus
den Türen dieser Messe gestürmt, die ich schnell verlassen wollte, und lief ihm
direkt in die Arme. Die Glocken der örtlichen Kirche läuteten und schlugen
genau 18 Uhr. Er hielt mir seinen Flyer entgegen und sagte, dass genau jetzt
der richtige Zeitpunkt sei, mir diesen zu überreichen. Ich fand das frech und
originell und kommentierte das im Vorbeihuschen noch keck. Na wenn das kein
Zeichen ist…. Ich hatte eine lange Weiterfahrt, und da ich sowieso nichts
weiter zu tun hatte, nahm ich mir diesen schnell in die Tasche gestopften
Papierfetzen vor und las ihn ausgiebig. Seine Worte berührten mich und ich
fühlte mich auf eine sanfte und liebevolle Weise zu seiner so lockeren Art hingezogen.
Alle zwei Wochen kommt eine Gruppe zusammen, um an sich zu arbeiten.
In der
liebevollen Aufmerksamkeit dieser Arbeit sind Klarheit und Bewusstheit leicht
erfahrbar. Genieße es, gesehen und verstanden zu werden. Lachende Worte küssen
Dich wach, heller Humor berührt Deine Seele und die Sanftheit des Herzens
segnet Dich im Stillen. Du fühlst, was Dir unbewusst ist, siehst, was im
Dunkeln war, hörst, was Du brauchst und erkennst, wer Du bist.
Ich bin
ehrlich neugierig geworden. Und zwei, drei Wochen nach diesem Gongzusammentreff
schrieb ich ihm das. Ein Schnupperabend mit seiner neuen Gruppe.
Auf dem Weg
dorthin begann mein alt abgelegter Schweinehund mit mir zu kämpfen. „Ohje, ganz
allein mit neuen Menschen, was dort wohl gemacht und erwartet wird, dann muss
ich mich vorstellen und vor Leuten über mein Befinden quatschen… Ich trau mich
nicht…“ Der andere, viel stärkere Teil in mir konterte… und musste eigentlich
gar nicht kontern, fällt mir gerade auf, weil tief in mir weise und wissend.
„Mein Gefühl hat mich auf den Weg gebracht. Es wird richtig sein. Punkt.“ Eine
knappe Stunde Fahrt. Drei Mal umsteigen. Und Verspätung der Bahn. Mein
Schweinehund erzählte mir, dass wenn ich zu spät dort landen sollte, ich dann
nicht hingehe. Gleich am ersten Tag einen schlechten Eindruck machen? Nein.
Dann lieber gar nicht auftauchen und verschieben oder so. Und er hüpfte, der
Schweinehund und freute sich und wünschte sich einen seeeehr verspäteten Zug.
Wollte extra noch langsam gehen, aber das ließ ich nicht zu, auch wenn es sehr
verlockend war. Ich lief, wie automatisch und das Schweineherz klopfte mir bis
zum Hals. Mannoman! Mist. Pünktlich. Trotz der Straßensuche vor Ort. Ich war
punktgenau pünktlich. Tja nun, jetzt bin ich hier. Jetzt bleib ich hier. Die
Neugier und die Lust auf Umsetzung waren größer. Und immer ein Stückchen
weiter, als der Schatten groß ist. Das gibt Kraft.
Dort angekommen, traf ich auf einen warmen, offenen Menschen
mit noch ein wenig Zurückhaltung, die sicher von beiden Seiten (SCHWEINEHUND!!)
in Wechselwirkung entstand. Klar erstmal beschnuppern. Wir waren zu viert, mit
Gruppenoberhaupt fünf. Eine gemütliche kleine Runde. Zwei Damen machten Lager
aus Decken und lümmelten sich in dem großen, leeren, aber warmen Raum. Ich
griff schüchtern zu einem kleinen Kissen.
Eine kleine Einführungsmeditation brachte uns nicht nur zum Thema des Abends,
sondern wohl auch zu einem Thema unseres Lebens. Unsere innere Lebenskraft die
stetig nach oben und raus will, durften wir erfühlen und erspüren. Und dann die
andere Seite, die uns deckelt und die nach oben treibende Kraft zurückhalten
will (Erziehung, Gesellschaft, Vernunft,…). Wie eine Schale, die umgedreht ins
Wasser gedrückt wird und trotzdem nach oben will. Eine Übung danach zu zweit
bekräftigte unser Fühlen. Einer sitzt auf dem Boden und fühlt sich in seine
innere Kraft hinein. Der Andere drückt den auf dem Boden Sitzenden hinunter und
fühlt sich in die Rolle hinein, die die Kraft im Leben zurückhält. Welche
Sätze, welche Gefühle, welche Emotionen kommen. Welche Qualität hat das. Danach
Rollentausch. Dann wird beides zusammen getragen und für sich beobachtet und
reflektiert. Ohne Zwang, ohne Druck, ohne Erwartung. Das was dabei zum
Vorschein kam überraschte mich nicht. Dennoch war es eine tolle Übung, um sich
zu erinnern und eine erneute Ermutigung Ziele zu manifestieren. Angetan war ich
von der Art und Weise, wie Herr SpiegelHerz, sich in die Themen der Anwesenden
ganz individuell hineinfühlt und beidem und allem Raum gibt. Dieses Raumgeben
finde ich mehr als angenehm und ich beobachtete das fasziniert den ganzen Abend
lang. Das ist etwas, das so selten zu finden ist in unserer schnelllebigen
Zeit, wo so viele hektisch am Anderen vorübergehen und vorüberreden. Dieses
Zuhören, dieses Dasein, dabei leer sein und nah sein. Das ist eine unglaubliche
Wertschätzung. Manchmal wurde das Gesagte einfach im Raum gelassen, um sich
auszuweiten, um zu wirken. Keiner viel dem Anderen ins Wort. Jeder war sich
selbst und dem Anderen gegenüber einfühlsam. Es kam aus dem Innen heraus. Man
musste sich überhaupt keine Mühe dabei geben, es lief einfach. Wie automatisch,
aber doch nicht, weil trotzdem alles bewusst. Dann gab es seinerseits zu dem
genau richtigen Zeitpunkt eine Spiegelung, die er mit viel Humor bekräftigte,
ohne dabei ins Lächerliche zu ziehen. Man musste einfach über sich selbst und
seine eingefahrenen Muster schmunzeln. Ich weiß nicht genau, wie ich das
beschreiben soll, es wirkte nichts einstudiert oder professionell erlernt. Er
ist kein Esoheini oder Psycho-Onkel. Es gibt keine Sparte dafür. Es fließt
einfach und er gibt dort Impulse, wo sich gerade etwas zeigen möchte. Er ist
fokussiert und schlendert nicht umher. An diesem Abend zeigte sich ein gerade
sehr wichtiges Thema von Uschi. Und obwohl er sich beinah den gesamten Abend
diesem widmete, langweilte ich mich keine einzige Sekunde. Ich verfolgte alles
mit großer Neugier und Spannung. Ich lerne ständig über mich, über meine
Mitmenschen. Auch das ist ein toller Spiegel.
Dann gab es noch eine Übung, die mich weit machte und die ganze Erde fühlen
ließ. Mir wurde bewusst, wie sehr ich mein Hiersein liebe. Geistig umarmte ich
die ganze Welt.
Ich fühlte mich so frei und lebendig.
Am Ende kroch ich dann hinter meinem Schweinehund hervor und sprach ganz offen
meine Ängste an. Dass ich es immer noch seltsam finde vor einer Gruppe über
mein Empfinden zu sprechen. Ich habe im Leben keine Angst davor auf Menschen
zuzugehen, aber in einem geschaffenen Raum, in dem es erwartet wird, in welchem
ich mir selbst Druck mache, fühle ich mich beengt. Und während des Ansprechens,
löste sich dieser Druck und mein gering gehaltenes Selbstwertgefühl entfaltete
sich. Ein altes Muster an die Wand gedrückt. Und der Schweinehund röchelt.
Belohnt wurde meine Anwesenheit und mein Ich-sein mit wundervollen
Reflektionen. Ich bekam ein, aus dem Herzen kommendes, Danke für mein Hiersein
und ich sei eine Bereicherung für die Gruppe. Oh man, das ging tief.
Ich bin gespannt auf den nächsten Abend...