Im Hier und Jetzt

31.10.2006 um 18:05 Uhr

Der arme Poet und die Reiselust

von: Xenia

Sommerzeit ist Urlaubszeit,
wieder fahren viele Leut’
überall im Land umher,
in die Berge und ans Meer.

Die sich solchen Luxus leisten
fühl’n sich g’scheiter als die meisten,
reisen um die Welt sogar,
schön verteilt auf’s ganze Jahr.

Warum reist der Mensch so gerne?
Weshalb zieht’s ihn in die Ferne?
Reisen muss ihm wichtig sein,
blieb’ er sonst ja wohl daheim.

Mancher Dichter auf der Welt
sich die Frage gar nicht stellt,
denn sein Buch er deshalb schrieb,
weil er nicht zu Hause blieb.

Doch ein Dichter ohne Geld,
den die Reiselust befällt,
sattelt seinen Pegasus,
der verschafft ihm den Genuss
eines Flugs in Lyrikhöh’n.
Könnt’ es ihm denn besser geh’n?

Kostenfrei und grenzenlos,
diese Reisen sind famos.
Was man braucht? Nur Phantasie!
Alle Dichter haben sie.

30.10.2006 um 13:55 Uhr

Sich regen bringt Segen

von: Xenia

Einst waren Menschen Sammler, Jäger,
das ist zehntausend Jahre her.
Sie werden langsam immer träger,
bewegen sich fast gar nicht mehr.

Was war man früher doch athletisch
bei Hüttenbau und Nahrungssuche.
Verändert hat sich nichts genetisch,
und so wird Nichtstun rasch zum Fluche.

Statt zu trainieren und zu schwitzen,
verbringt der Mensch die meiste Zeit
fast nur im Liegen oder Sitzen.
Bewegungsarmut macht sich breit.

Im faulen Körper stockt der Kreislauf,
das Blutfett wird zum Gallenstein,
bei schleppendem Verdauungsablauf
stellt sich so manche Krankheit ein.

Dort wo fehlt die Ertüchtigung
da wird das Zipperlein leicht chronisch,
doch wenn der Körper bleibt in Schwung,
dann altert er nicht chronologisch.

Und hier kommt noch ‚ne gute Nachricht:
Selbst graue Zellen wachsen nach!
Bei dem, der Sport sich macht zur Pflicht
liegt auch die Geisteskraft nicht brach.

30.10.2006 um 10:46 Uhr

Der Künstler im Herbst

von: Xenia

Wie herrlich ist die Farbenpracht

des Waldes, wenn die Sonne lacht.

Den Künstler lädt er ein zum Malen

der Herbst mit gold'nen Sonnenstrahlen. 

Doch bald zeigt er ein anderes Gesicht:

Nebel und Regen trüben das Licht,

die Blätter fallen von den Zweigen,

sie tanzen ihren letzten Reigen. 

Den Künstler lässt der Herbst nun darben;

der Wald liegt kahl und ohne Farben

im grauen Morgendunst. 

 

Aus Dir heraus erschaffe sie,

die Werke, mit viel Phantasie!                                                  

 Das ist die wahre Kunst.

29.10.2006 um 18:25 Uhr

Glückspilz und Pechvogel

von: Xenia

Im dunklen Walde irgendwo
ein Pilz sang vor sich hin:
"Ich bin so froh, ich bin so froh,
dass ich ein Glückspilz bin."

Da flog ein Pechvogel vorbei,
und fühlte sich gestört.
Er fand, so lautes Singen sei
doch wirklich unerhört.

Er landete beim Pilz und sprach:
"Hör' mit dem Trällern auf!"
Des Pilzes Antwort war nur: "Ach,
du bist wohl neidisch drauf!"

Der Vogel fragt': "Stimmt's überhaupt,
dass du ein Glückspilz bist?"
Da sprach der Pilz zu ihm: "Wer glaubt,
dass Glück stets bei ihm ist

und ihn auch niemals mehr verlässt,
dem bleibt auch solches treu -
Nur weil du glaubst, dein Pech klebt fest,
geschieht's dir ständig neu!"