Die Rosenritter
Vor langer, langer Zeit, als Rosen keine Stacheln trugen, hatte jede Rose zu ihrem persönlichen Schutz ihren eigenen Ritter in stacheliger Rüstung, der für die Rosen allerdings unsichtbar blieb. Doch eine besonders neugierige Rose wollte ihren Ritter unbedingt einmal sehen. In der Morgendämmerung, als noch alles schlief, legten die Rosenritter ihre unbequeme Rüstung ab, um ein Bad im Morgentau zu nehmen. Dann wurden sie auch für die Rosen sichtbar. Da sie jedoch Langschläfer sind, wachen sie erst spät am Morgen auf. Aus diesem Grunde hatte keine Rose jemals ihren Ritter gesehen. Die neugierige Rose wachte eines Tages früh auf und beobachtete, wie ihr Ritter seine Stachelrüstung ablegte. Sie errötete und schaute weg, doch es war bereits zu spät. Der Ritter sah sie traurig an und erklärte ihr, dass er sie nun nicht mehr beschützen durfte. Diese Tatsache galt für alle Rosenritter in der ganzen Welt. Seit dieser Zeit müssen sich die Rosen jedem Wetter, ob es stürmt, hagelt, blitzt oder donnert, ohne den Schutz ihrer Ritter, aussetzen. Zu allem Überfluss waren sie verpflichtet, die Stacheln der Rüstungen ihrer ehemaligen Ritter zu übernehmen. Rosen sind jedoch ungewöhnlich starke Persönlichkeiten. Sie tragen ihre Herzen aufrecht und bestehen mutig und tapfer alle schweren Prüfungen ihres Lebens. Nur im Traum erscheinen ihnen die Rosenritter, und dann seufzen sie unhörbar für uns Menschen. Manchmal weinen sie, und die Tränen auf ihren samtigen Blütenblättern werden sichtbar. Doch da wir Menschen keine Rosenherzen haben, nehmen wir nicht wahr, dass es Tränen sind und halten sie für gewöhnliche Tautropfen.

da ich eher selten Geschichten schreibe, freut mich Dein Kommentar ganz besonders!
Herzliche Grüße von Xenia