Ein Foto hatte ich dann doch noch vorbereitet bei einem der letzten Besuche bei den Ellis ....
Was macht mir Angst?
Stellen wir uns dieses Woche also gemeinsam unseren Ängsten, gehen tief in uns und überlegen, was uns Angst macht. Tiefgründig oder nicht steht Euch frei. Gemeinsam können wir an diesen Ängsten arbeiten. Es steht Euch wirklich frei, was Ihr präsentieren wollt, keiner ist gezwungen sich in irgendeiner Form bloß zu stellen, ich hoffe, das wisst Ihr alle…
"Nicht jeder, der Angst hat, ist ein Feigling,
und nicht jeder, der sie überwindet, ein Held."
- Erich Ellinger, deutscher Aphoristiker (Quelle : »Blätter am Wege«)
Angst
Treppen, bzw. unbefestigte Höhen, aber Treppen besonders
Ursache
Es war der 22.Mai 1995. Ein Schultag.
In einer der Pausen mussten wir die Räume wechseln, merkwürdigerweise kann ich mich nicht mehr erinnern, ob ich dabei treppauf oder treppab unterwegs war (würde aber aus rein logischer Sicht zu treppauf tendieren, weil ich mir sonst sicher noch ein paar Gräten gebrochen hätte) - bzw. kann ich mich an den eigentlichen Moment auch nicht erinnern ....
Jedenfalls bin ich irgendwann gestolpert (wer weiß warum ... "dapsches Flesch" oder geschupst von einem ungeduldigen Hintermann ...) und hab dabei das mit einer leichten Gummi-Schicht überzogene Metall-Treppemgeländer geknutscht
Was genau passiert war, hab' ich gar nicht gleich gemerkt, nur den Schmerz, weshalb ich mich zuerst aufs Mädchenklo verdrückt habe bis die Pause vorbei war und ich mich im Sekretariat gemeldet habe, wo ich dann gleich an die in der Schule befindliche Zahnärztin weiter gereicht wurde.
Die Zahnärztin hat dann die Überreste dreier halber abgebrochener Schneidezähne von meinem (passenderweise) roten Pullover gesammelt und sich um die erste Rekonstruktion gekümmert....
(Spät)folgen
Durch die ganzen notwendigen betäubungsfreien (darüber ob DAS nötig war, wäre zu spekulieren) Nachbehandlungen (schleifen, bohren, pinseln, Provisorien anpassen, whatever) hab ich auch 'ne ziemliche Panik was Zahnärzte angeht weg (als Kind bin ich nämlich immer "gern" gegangen) - ich halte mir sofort die Ohren zu wenn ich auch nur ein bohrerähnliches Geräusch höre, mir wird übel von den sterilen Arztgeruch in Wartezimmern (besonders bei Zahnärzten) und war in den letzten 13 Jahren auch nur 4 oder 5 mal insgesamt beim Zahnarzt ... das letzte Mal Anfang 2004, als endlich meine provosorischen Kronen gegen richtige, von der Unfallkasse Thüringen gesponserten, Keramikkronen ausgetauscht wurden (auch nur, weil sich eine ewig schon lockere Hülle/Krone endgültig verabschiedet hat und nicht wieder auffindbar war), musste Männe zum Händchenhalten mit (trotz Betäubung), weil Geräusche, Geruch und das unangenehme Rumgefingere im Mund ja trotzdem da sind - weswegen mich auch in absehbarer Zeit keiner mehr hinbekommt (es sei denn eine meiner Kronen verabschiedet sich oder ich hätte länger anhaltende heftige Schmerzen).
ABER ich wollte keine Zähne oder Zahnarztnstrumente (*grusel*) fotografieren, sondern Treppen, die zwar keine nackte panische Angst verursachen, aber im Gegensatz zum Zahnarzt in meinem täglichen Leben nicht vermeidbar sind (ich käme zwar in meine Wohnung und auch wieder von dort auf die Straße ohne eine einzige Treppe (es sei denn der Fahrstuhl wäre kaputt), aber schon zum Post holen sind es schon wieder mindestens zwei Stufen (unsere Außenfassade ist noch nicht saniert und daher nich barrierefrei) ...) und auch sonst wäre mein Leben dann schon deutlich anstrengender.
Ich stehe auch nicht paralysiert am Ende jeder Treppe, suche aber immer sofort nach dem Geländer und klammere mich, besonders beim Heruntersteigen daran fest, da warte ich auch schon mal bis jemand entgegenkommendes vorbei ist, bevor es losgeht, und ich gehe langsam und vorsichtig und beobachte meine Füße dabei sehr genau.
Warum genau diese Treppe?
Auf dem Bild ist sie ganz leer und mit Absicht verdüstert, damit sie bedrohlich wirkt.
Letztes Jahr auf dem Dresdner Stadtfest wurde sie zu meiner persönlichen Horrortreppe, so dass ich mich fast dazu, einen größeren Umweg in Kauf zu nehmen, um mein Ziel zu erreichen, entschieden hätte.
Die Treppe ist riesig breit, hat viele, viel zu flache Stufen und eigentlich ein metallenes Geländer zu Festhaltezwecken, dass zum Stadtfest aber unerreichbar war, weil auf jeder 2. oder 3. Stufe Leute am Rand saßen und auch mitten auf den Treppen saßen welche; und es waren unzählig viele Leute auf dem Weg treppauf oder treppab unterwegs, die einen aus Versehen im Weg stehen oder einen schupsen könnten, oder was weiß ich.
Was war ich froh als ich endlich unten war....
ein gerade, stufenlose Wege dann doch vorziehendes Inchen