Island

14.03.2008 um 18:12 Uhr

1. Tag

Musik:

Ich werde jetzt hier in den nächsten Tagen unter dem 17.3. St. Patricks Day, meinen kleinen Reisebericht mit Bildern einstellen.

Eins vorweg: Irland hat mich sehr überrascht, es ist sehr viel rauer, karger, steiler und vor allem steiniger, aber auch milder und üppiger als ich es mir je vorgestellt habe, irgendwie eine gelungene Synthese aus Island und der Bretagne.

 

1. Tag

14. 3. 2008

 

Marion hat das Problem mit der Adaptersteckdose endlich gelöst - aber dafür zwei Guinness gebraucht! Man muss die Steckdosen mit Hilfen eines Schalters einschalten!

Irland ist anders als ich gedacht habe, aber ist das nicht eigentlich immer der Fall, wenn man ein fremdes Land bereist? Kein Land hat bis jetzt meinen inneren Bildern und Vorstellungen entsprochern, die ich im im Vorsfeld bei der Reiseplanung gemacht habe, außer vielleicht der Bretagne, aber da hatte ich mir gar nichts vorgestellt.

Aber zurück nach Irland! Die Berge steigen ähnlich schroff wie in Sardinien oder dem Schwarzwald von 0 auf 1000, erheben sich aus einem flachen, karierten Land, dessen Karos mit Steinmauern eingefasst sind.

Das war so der erste Eindruck bei der Fahrt durch das Land nach der Landung. Der Flug selbst 2 Stunden, die Uhren müssen wir zurückstellen auf Greenwichtime, es ist grau, trübe. Das Mietauto ist schnell übernommen, aber Marion schaut sich die markierten Schäden genau an!

Ist auch wichtig, denn auf uns wartet ungewohnter Linksverkehr, in den sich Marion gleich todesmutig stürzt! Ich übernehme die Karte und dirigiere uns erstmal an Killarney vorbei, wo wir aber noch kurz in einem Lidl einige Dinge fürs Frühstück kaufen.

Unser Weg führt uns weiter an der Nordseite der Iveragh-Halbinsel, auf schmalen Straßen und mehr als einmal mahne ich Marion, nicht so weit links zu fahren (was mir ganz nebenbei am nächsten Morgen auch so gehen wird). Unterwegs weist ein Schild auf die Woollen Mills

hin und natürlich halten wir dort an und werden gleich einiges an Euros los! Allerdings lehnen wird das Angebot eines Mannes ab, der Marion überreden will, eines der dort zahllos herumlaufenden Kinder mitzunehmenFröhlich.

Leider kommen wir auch noch an der Skelligs-Chocolatiere

 

vorbei, kostet mich dann auch noch mal, weil wir dem verführerischen Duft und den tollen Angeboten nicht widerstehen können. Übrigens taucht dann irgendwann die Silhouette vonn der Insel Skelligs Michael am Horizont auf und ich denke sofort an den Mont Saint Michel - ähnliche Konturen und die Lage im Meer weisen eine frappierende Ähnlichkeit auf. Leider haben wir am nächsten Tag Pech, als das Wetter eine gute Aufnahme dieses Berges mitten im Meer verhindert.

wir biegen vom Ring of Kerry auf den touristisch nicht so erschlossenen Ring of Skelligs ab und erreichen nach einiger Sucherei endlich unser Hostel - allerdings ist niemand da. Marion ruft die ausghängte Nummer an und nach kurzer Zeit erscheint unser Host Marion, die irgendwo weiter weg wohnt. Unser Zimmer

ist schnell bezogen und da Marion schon das Unheil kommen spürt (sie wird in den nächsten Tagen durch eine Erkältung arg gehandicapt sein), nehme ich das Steuer bis zum nächsten - einzigen Pub in die Hand. Das Dorf Ballinskelligs ist eigentlich nur eine Streusiedlung und der Pub liegt etwa 2 km vom Hostel entfernt.

Dort gibt es für die hungrigen Mägen ein Chicken Curry und Scampis und für die Beifahrerin ein schönes Guinness! Und damit ist der erste Tag quasi zu Ende!

Marions Bericht:

 

 

Kerry-Gold-Rausch


Nachdem ich den Bürotag am 13. März gerade noch so überstanden, meinen Koffer zum x.ten Male umgepackt und meine Lieben am 14. dann um 6 Uhr aus dem Schlaf geknutscht hatte, da ging es los … zunächst über nächtliche Straßen nach Naurath (mit Zwischenstopp in Reinsfeld zum Zuckerbrötchenkaufen) zum schlafenden Haus der Maders. Mein Klingeln an der Haustür schreckte die Bewohner auf. Bis Hans und Marled die Treppe nach unten geschafft hatten, war ich dann schon widerrechtlich durch die Schweineküche in’s Haus eingedrungen und hatte den Kaffee aufgesetzt (mein Bruder Hans findet meinen (!!!) Kaffee wässrig). Die Fahrt zum Flughafen Hahn war ohne besondere Vorkommnisse – mal abgesehen davon, dass Marled in Hans’ CD-Sammlung dann doch was Irisches zum Einstimmen fand: das Lied von den Mädels mit den gaelischen Namen, die in Cahirsiveen nicht in den Kochkurs dürfen … lalalalalala … Wir haben uns in den Kerry-Gold-Rausch gesungen.

Am Flughafen wurde dann noch ein Reiseführer erworben (Lonely Planet) und Saftbärchen von Haribo gekauft. Das Hänschen wurde verabschiedet und wir haben uns – vorschriftsmäßig mit den Zip-Lock-Beutelchen in der Hand - bei der Zollkontrolle angestellt. 10m vor den Röntgengeräten – singend „leaving on a jetplane“ bzw. „über den Wolken“ – fiel mir dann ein, dass mein BH Metallbügel hat – was ich auch lautstark äußerte. Ein gelangweilter Zöllner rief daraufhin zu uns rüber: „Werden wir ja sehen!“ – Ähm, ob ich gleich mit ihm mitkommen sollte??? – Marled kam ohne Mängel über den TÜV – bei mir piepte es . Klar, die BH-Bügel … und … die Schnallen meiner Stiefel! Also: ab auf den Stuhl, Stiefel aus (gut, dass ich mir am Morgen noch eine neue Frischesohle gegönnt hatte) und ab mit den Tretern durch den Röntgenapparat. Mit strahlenden Boots an den Füßen nun ab ins Duty-Free. Einchecken, Leute begaffen und – immer noch singend – in den Flieger. Fliegen ist toll, nur mit Start und Landung habe ich so meine Probleme. Schlimm ist, wenn mich dann noch jemand auf mein Problem anquatscht, anstatt mich in Ruhe die Primzahlen von 0-100 vorwärts, rückwärts und seitwärts murmeln zu lassen. Die freundliche Irin aus Cork neben mir konnte das nicht so ganz verstehen … argh … - aber Start und Landung gut. Die Nase und die Schleimhäute waren zwar furchtbar trocken, aber: alles im grünen Bereich.

Am Flughafen haben wir dann den Mietwagen abgeholt und zuerst mal Schlange gestanden. Die Herren hinter uns haben sich an unseren Koffern gestört, wollten sie aber nicht haben (obwohl bei genauerer Überlegung Damenwäsche auch ihre Reize hat, sagten sie). Am Schalter kam mir dann einiges seltsam vor: 1.) Marled hatte Vollkasko ohne SB bei Easy-Car abgeschlossen – die von Alamo erklärten uns, dass sie einen Abzug von der Kreditkarte machen, weil wir 1200 EUR (*kreisch*) SB hätten. Im Falle eines Schadens würden die einbehalten und von Easy-Car erstattet. Sowas hatte ich bis dahin noch nie gehört, kenne mich ja nur mit deutschen Autovermietern aus. – 2.) das Auto war lt. Mängelbericht rundum vermackt. Sollten wir noch was finden, möchten wir das bitte vor Abfahrt zu Protokoll geben. – Na dann! Ab zum Auto und mal rundrum gelaufen – der Astra war wirklich rundum vermackt und vor Abfahrt habe ich dann noch den Schaden unter dem vorderen Nummernschild und an der hinteren linken Seite (Tür und Seitenwand) dokumentieren lassen. Meine Schwägerin hat sich darüber prächtig amüsiert und meine Mackensuche im Foto festgehalten – ich fand es einfach nur uncool.

Um mich zu vervollkommnen habe ich dann mit Einverständis der Marlette das Steuer im Linksverkehr übernommen (wir haben zunächst nicht gerafft, wie man den Blinker wieder ausstellt und hielten etwas verschwitzt an der Ausfahrschranke des Flughafenparkplatzes). Erste Teilstrecke: unfallfrei bis Killarney. Unser erster Einkaufstopp war der LIDL (direkt am erstbesten großen Kreisel): Obst, Brot, Garlic-Cream (als Alternative zum Kerry-Gold, weil es das nur im ½-Pfund-Gebinde gab), Schinken, Marmelade und Cappuchino für das kommende Frühstück einkaufen. Dosen-Guinness durfte ich nicht in den Wagen packen – trotz meiner Argumentation, dass einer heute abend heimfahren muss. Na gut, dann kein Kulturbolschewismus!

Auf der Straße von Killarney nach Killorglin übten wir dann brav das Linksfahren – ohne dass der Beifahrer unnötig Ausschlag bekommt (Peifahrer-Pusteln) – mit Seitenabstand nach rundum. Beim Schild Woolen Mills überkam es uns zum ersten Mal: DA müssen wir hin. Von der Straße abgebogen, Schotterweg gefunden, scharfe Kurven gefahren, ohne dabei in den Bach zu stürzen oder reichlich spielende Kinder über den Haufen zu rennen. Bei den Woolen Mills dann sogar rückwärts eingeparkt (ja, der Opel hat einen Rückwärtsgang), das Klo gefunden und munter drauflos geshoppt. Ich bin stolze Besitzerin eines Schalumhangs, den Marled mir als Souvenir gekauft hat. Auch die ersten Postkarten wanderten in die Tasche. Als wir wieder ins Auto stiegen, rief uns ein Mann was zu. Ich hatte verstanden: „Wollen Sie ein Kind“ und guckte deshalb ziemlich kariert. Auch Marled zuckte die Schultern. Also nachgefragt: „blabla, Englisch schlecht. Was haben Sie gemeint?“ – „Hier laufen so viele Kinder rum. Wollen Sie nicht eines haben?!“ – Äh! – „No, thanks. I’ve already got two girls at home!“ –Diese Iren! Die sollen ja schon in alten Zeiten ihre Kinder verkauft haben … tzzz.

In Killorglin habe ich laut Marled einem Transporter fast die Tür abgefahren – also: für mich sah das nach reichlich Platz aus, echt! Ab dort wurde der „Ring of Kerry“ dann auch wahrhaft fahrtechnisch interessant: schmal, durch Steinmauern oder Felsen nach rechts und links begrenzt, einspurige Brücken (änbrädbrü) … ich habe ganz schön geschwitzt (über den Zustand meiner Beifahrerin kann ich nichts sagen, musste doch auf die Fahrbahn gucken). Auch die „Rechts, bitte mehr RECHTS“-Rufe meiner Beifahrerin sorgten dafür, dass der Blutdruck nicht abfiel. An jeder schönen Bucht (mit Haltemöglichkeit) sind wir LINKs rangefahren und haben das smaragd-blaue (toller Farbton) Wasser bestaunt. In Glenbeigh machten wir Halt an einer Tankstelle. Marled erwarb eine Straßenkarte, ich fand die Post und schickte meine ersten Karten in die Heimat. („Wie? Sie brauchen 9 Briefmarken. Hören Sie, ich gebe ihnen ein Heftchen, da sind 10 drin, ok?“). Bei der Weiterfahrt haben wir das erste Überholmanöver (örg, wir fuhren rechts an einem Trecker vorbei) gemeistert. Hinter Cahirsiveen (das Lied aus Hansis Auto singend) sahen wir ein „Ballinskelligs“-Schild, woraufhin wir auf die landschaftlich schönere Strecke abbogen. Entgegenkommende Traktoren ließen uns den Randstreifentest machen (matschig, hält und bäh!). Wir fanden die Bay – großartig – haben Fotos gemacht, Steine gesammelt, obwohl das ausdrücklich verboten ist und haben den anwesenden Tölpeln guten Tag gesagt. Die enge Straße zerrte etwas an meinen Nerven und Kopfschmerzen stellten sich ein. Auf den Windungen Richtung Hostel entdeckten wir dann noch eine Schokoladen-Manufaktur. Na klar, DA mussten wir doch hin. Leider sind wir viertel vor Feierabend dort angekommen. Es waren nur noch 2 Damen bei der Arbeit … aber der Duft, der Duft, der Duft … aaaaaaaah … natürlich unterstützten wir Touristen einheimische Arbeitplätze und innovative Geschäftsideen und haben ausschließlich aus diesen Gründen richtig Geld da hängen lassen (nicht dass sich da zwei Mädels heißhungrig lechzend später am Abend auf die Schoki stürzten, nein!). So kamen wir dann in Ballinskelligs an. Auf der Suche nach dem Hostel durchquerten wir die ganze Streusiedlung, machten ein interessantes Wendemanöver, haben dabei keinen Hund überfahren und fanden es schlussendlich Ich war im festen Glauben, dass es 18 Uhr sei (wir waren für zwischen 18 und 20 Uhr dort angemeldet), hatte aber die Zeitverschiebung (-1 Stunde nicht bedacht). Also: standen wir allein am Hostel, keiner weit und breit. Mein technisches Genie (inzwischen heftig von Kopfschmerzen geplagt) wurde vor die Herausforderung, ein Handynetz zu finden gestellt. Nach mehreren Versuchen war ich dann erfolgreich bei Vodafone IE eingeloggt. Wir haben unsere Host, Marion, angerufen, die meinte, dass sie in einer halben Stunde käme. Marled musste mal für kleine Mädchen – na dann: auf zum Strand! Ein Schild „public toilets“ wies auf die Brandung. Ein Klo war nicht zu sehen, nur Altglascontainer. Ob das Public Toilets sind? Das Cafe am Strand war geschlossen. Den Pub haben wir nicht gefunden und auch die Art-Galerie war nicht geöffnet. Soll ja Leute geben, die Meister im kunstvollen Freiluft-Pipi sind.

Zurück am Hostel: eingecheckt, erklärt, wo wir herkommen. Erzählt, dass es bei uns Wein gibt. Marions Mann sagte mir, dass der Wein in der Ecke hier Guinness heißt und ich fragte ihn, wo denn die Guinness-Berge seien und ob die letzte Ernte gut gewesen sei. Hahaha! Vielleicht sieht man sich ja im Pub.

Im Zimmer wurde ausgepackt, Schoki gefuttert und der Adapter in die Steckdose gesteckt, damit ich mein Handy laden und auch meinen deutschen Fön benutzen könne – aber KEIN SAFT! Alle Schalter ausprobiert (die Steckdosen sahen aber auch seltsam aus und hatten so merkwürdige Abdeckungen) – nichts. Na, jetzt hatte ich wirklich Kopfweh und auch meine Nase juckte. Mein Körper signalisierte: Marion, jetzt biste fertisch! Was soll’s? Marled Autoschlüssel und Steuer übergeben und ab in’s Pub. Essen und Trinken wurde am Tresen bestellt. Ein lecker Abendessen (Hühnchencurry für die Marlette und panierte Scampi mit lecker Fritten für mich) und 2 Guinness genossen und back to bed. Inspiriert vom Bier ging ich dann mal in die Küche gucken, wie es denn da mit Steckdosen aussieht. Des Rätsels Lösung: die Abdeckungen waren keine Abdeckungen, sondern Schalter. Also: Schalter an – Saft fließt, Problem gelöst. Welch ein Tag! Plötzlich klingelt es unten an der Tür. Da ich mein Nachthemd schon anhabe (und die Tür nicht abgeschlossen ist, sondern einfach nur klemmt) sehe ich davon ab, zu öffnen. Auf Anraten meiner Bettgenossin habe ich mir die Ohren verstopft und bin erschöpft eingeschlafen.

 

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