11. Tag
Wir werden morgens von der ersten Helligkeit geweckt, die durch das Fenster fällt, aber draußen liegt Reif auf dem Gras. Ganz gemütlich kochen wir den Frühstückskaffee und ich möchte gern einiges von den Altertümchen fotografieren, die hier zur Deko rumliegen.Wir erfahren später von unserer Gastgeberin, dass es sich hierbei alles um Originale von der Farm handelt! Leider hatte ich die Kamera im Auto liegenlassen und jetzt beschlägt mir sofort die Linse, nachdem ich sie ins Warme geholt habe. Erst nach einer halben Stunde gelingen mir die ersten Aufnahmen ohne Grauschleier.
Wir können erst jetzt sehen, wo wir hier eigentlich gelandet sind und beschließen sofort, das wird nicht der letzte Aufenthalt hier! Wir befinden uns auf der anderen Seite vom Flótshlið, in dem Tal, das Gunnar von Hliðarendi in der Njáls-Saga nicht verlassen wollte, auch auf Gefahr hin hier sein Leben zu verlieren. Wir können es verstehen, nachdem wir draußen einen kleinen Rundgang wagen! Dazu erleben wir einen grandiosen Sonnenaufgang, als sich die Sonne hinter den Bergen hervorschiebt, auch wenn die Wolkenbank aus dem Westen eine Wetteränderung ankündigt.

Irgendwann reißen wir uns doch von diesem Anblick los und verabschieden uns von unseren Gastgebern. Und da der Seljalandsfoss sozusagen um die Ecken liegt, schließen wir dort gleich einen Stopp mit einer kleinen Wanderung an bis zum Hamrafoss. Wir sind völlig allein!

Auf dem Weg zurück kommen wir an Hamragarðar vorbei, hier ist der Zeltplatz und im Sommer die Hölle los!
Und auch an diesem schönen Beispiel isländischer Lebensauffassung!
Unsere Fahrt führt uns nun zum eigentlichen Ziel des Tages, zum Heimatmuseum nach Skógar, wo Hans mir mein Weihnachtsgeschenk kaufen will, dass ich in den letzten Jahren immer mit sehnsüchtigen Augen angeschaut, mir aber nie erlaubt habe: einen Askur ! Wir bekommen erst eine Privatführung von einem jungen Deutschen, der hier in Skógar hängengeblieben ist und sich jetzt vollzeitlich mit um die Sammlung kümmert. Natürlich gibt es wieder vieles, was ich noch nicht fotografiert habe, aber hier heute nur eine ganz kleine Auswahl, das erste für Hallveig, damit sie noch mal sieht, wie das Wollgras früher verwendet wurde:
und das zweite einfach so, weil mir die Gewandnadel so gut gefällt mit den Glasperlen
Nachdem eine Gruppe Amerikaner noch abgefertigt werden muss, öffnet man extra für uns den Shop im Nachbarhaus, aber - großer Schreck - es gibt dort keine Askar mehr! Auf Nachfragen erklärt uns Hans-Martin, dass der alte Mann, der sie früher hergestellt hat, im Sommer gestorben ist und es also auch keine mehr geben wird. Bei uns beiden gibt es lange Gesichter und den Gedanken an die ungenutze Möglichkeit der vergangnen Jahre
.
Wir entschließen uns dann, mit einem kleinen Rest Hoffnung, noch nach Vík in den dortigen Souvenirshop bei der Wollfabrik zu fahren.
Vorher lästern wir aber noch über eine Gruppe Österreicher: zwei Motocrossfahrer, die zum letzten Abenteuer der nördlichen Hemissphäre aufgebrochen sind, begleitet von einem Tross von ca. 20!! Betreuern und Kameraleuten mit Bussen und Geländewagen, die im Hof des Museums ein Fotoshooting über min. 2 Stunden abhalten. Wir stellen uns das plastisch vor, wie die zwei Motodrossler unter Aufbietung ihres Lebens die Krossá zu furten versuchen, während der Kameramann die dritte oder vierte Einstellung verlangt.
Wir lassen die Meute zurück und rollen gemütlich weiter in Richtung Osten, nur unterbrochen durch eine kleine Pause an einm Feld mit Dutzenden von Singschwänen, die sich für den Abflug nach Süden dort sammeln. ein imposantes Bild, als sie alle gleichzeitig abheben.
Da ich endlich mal den Sendemast
auf dem Háfell sehen möchte, an dem diese Webcam befestigt ist, lassen wir Vík erstmal hinter uns und auf dem Rückweg kann ich auch die Reynisdrangar fotografieren.
Bei Víkwoll werden wir übrigens fündig (großer Erleichterungsseufzer), ein junger Mann der Region hat die Askurproduktion wieder aufgenommen. Es gibt dort auch noch die Gryla, die Mutter der Weihnachtstrolle für Hans! Wir wollen jetzt bei den zukünftigen Reisen jeweils einen Troll mitbringen, das heißt wir müssen noch 12 mal plus 1 für die Katze plus 1 für Grylas Mann nach Island!!
Die Rückreise nach Reykjavík verläuft unspektakulär (wenn man mal von der Aussicht absieht),
es ist kaum ein Auto auf der Ringstraße. In Hvolsvöllur platzen wir bei unserem Versuch nochmal ins Sagamuseum zu kommen, in eine Chorprobe!!! Das Museum selbst ist geschlossen. Außerdem entdecken wir in der Nähe Selfoss ein Hinweisschild zu einem Wikingerrestaurant. Kennen wir noch nicht - müssen wir uns mal unsere Meinung drüber bilden.Wenige km von der 1 finden wir ein nachgebautes Langhaus, sehr touristisch mit Halle und Bar, aber immerhin aus Grassoden aufgeschichtet und mit Liebe zum Detail.
Irgendwann erreichen wir die Stadt und ich finde auch sofort zum Guesthouse Aurora, aber das ist leider voll! Ich erinnere mich an ein kleines Hotel eine Querstraße weiter, Hotel Sunna, und wir probieren es - erfolgreich - dort. Ein gutes Stück teurer als das Aurora, dafür aber auch komfortabler, jedenfalls sehr zu empfehlen, auch durch die Lage direkt an der Hallgrimskirkja!
Den Abend verbringen wir mit einer Stippvisite auf dem Laugavegur, dem Besuch von Buchhandlungen und natürlich zwei Guinness im Celtic Cross. Unsere letzte Nacht in Island bricht an.

und zum Wikingerrestaurant: wie heißt es? Ich habe letztends von Jörg dem Schleifischer eine ganz alte, wohl nicht mehr erhältliche CD eines isländischen Wikingerrestaurantes geschenkt bekommen, welche er doppelt hatte. Sehr eigentümliche Musik :-) aber 2-3 Lieder sind ganz lustig und einiges basiert auf Sagas. Interesse?
Das Wikingerrestaurant mit der CD wird wohl das Fjörukráinn in Hafnarfjörður sein, unser neues liegt außerhalb des Hauptstadtbereiches in der Pampa, ich hab den Namen vergessen, such ihn aber mal.