3. Tag
Diesmal lassen wir uns zum Frühstück von der Wirtin des Bridge-Pubs in Portmagee verwöhnen mit einem irischen Frühstück.
Unser Weg führt uns danach bei sehr bedecktem, aber trockenem Wetter an der Nordküste der Iveragh entlang, wir wollen uns das Bog Village bei Glenbeigh anschauen, nachdem wir die sonstigen archäologischen Schätze am Weg mitgenommen haben!



Irgendwie finden wir weder in Glenbeigh noch dahinter irgendeinen Hinweisschild und so entschließt Marion, dass sie gern den Lake Callagh sehen möchte. Wir biegen nach rechts ab und sehen den See auch in weiter Ferne glitzern - das war es dann auch!
Die Straße verläuft in großem Bogen links am See vorbei, durch ein parkähnliches Wohngebiet, in dem sich Villen links und rechts hinter Palmen und alten Bäumen verstecken. Irgendwann verzweigt sich die Straße, wir folgen dem rechten Verlauf, immer noch in der Hoffnung ans Seeufer zu gelangen. Aber Marion bekommt ihren Wunsch nicht erfüllt, wir entfernen uns gar vom See, der sich irgendwann ganz aus unserem Blickfeld verabschiedet. Ich möchte gern zurück zur Hauptstraße - immer noch zum Bog Village, wo sich eine Rekonstruktion eines typischen Torfdorfes des 19. Jhdts. befinden soll. Aber nach dem Abstecher zum (Fast)See biegen wir erst kurz vor Killorglin wieder auf die Hauptstraße. Dort kaufen wir rasch was ein und essen im Pub eine Kleinigkeit.
Dann begehe ich meinen ersten und letzten schwerwiegenden Fahrfehler: ich folge dem Rechtspfeil vor dem Kreisverkehr und biege nach rechts in den Kreisverkehr ein!
Der fatale Fehler wirkt sich gottseidank nicht gravierend aus, der entgegenkommende Wagen ist so freundlich, uns erst wieder die linke Fahrbahn finden zu lassen.
Fahren auf der linken Straßenseite stellt sich insgesamt als unproblematischer als befürchtet raus. Am Anfang driftet man ein wenig stark nach links und das Gehirn muss bei jedem Abbiegen erneut eingeschaltet werden! Schwierig finde ich die engen Straßen zu bewältigen, auf denen oft zwei Autos knapp aneinander vorbeipassen. Das ist in Island besser organisiert, dort sind die (Neben)straßen zwar oft nicht geteert, aber selbst die geringste Schotterpiste ist breit genug.
Ich bitte Marion, die Umgehung von Killarney zu suchen, aber natürlich verfahren wir uns und natürlich leiten uns die Schilder quer durch die Stadt.
Endlich draußen finden wir uns auf einer wildromantischen Straße in einer wildromantischen Gegend rund um den Nationalpark wieder, aber leider sind am heutigen Sonntag nicht nur Einheimische unterwegs. Zum ersten Mal sehen wir die Busladungen voll von Touristen, die uns entgegen kommen und höchste Aufmerksamkeit erfordern.
Den ersten Stopp gibt es beim Lady's View - and it's really breathtaking!
Bei Molls Gap gibt es noch einen Einkaufsstopp, leider reichen unsere Finanzen nicht für die hochwertigen Sachen von Avoca. Einen weiteren Stopp legen wir beim Pancake House ein und danach suchen wir den Abzweig zur Ballaghbeama Gap (sehr schnell abgekürzt zu Banshee Gap) durch die MacGillyCuddy Reeks, den wir am Tag zuvor nicht gefunden hatten. Vielleicht wäre unsere Suche nicht ganz so intensiv verlaufen, wenn wir vorausgesehen hätten, was uns erwartet!
Die Straße verengt sich rasch zu einem engen Band, auf dem es im wild bewachsenen Tal noch hie und da einen Ausweichstelle gibt.
Schnell werden die Felsbrocken links und rechts größer und die Straße schraubt sich in vielen Serpentinen sehr unübersichtlich in die Höhe. Der Himmel ist dunkelgrau, die Berge schroff und abweisend, der Pass noch lange nicht erreicht. Unsere Scherze werden spärlicher, Marion leidet zunehmend und auch mir ist es nicht mehr egal. Ich will nur noch heil wieder runter, es gibt daher keine Zeit für Fotos.
Kurz hinter dem Pass, wo die linke Seite fast senkrecht in eine Schlucht abfällt, kommt uns dann ein Auto entgegen!
Millimeterweise schieben wir uns aneinander vorbei. Etwas weiter unten zwingt mich dann eine Schafherde und später eine Kuhherde auf der Straße zum Anhalten, Marion betätigt sich als Kuhtreiberin und ich mache rasch ein Suchbild: Wo ist die Straße????
Der zweite Pass auf dieser Strecke nötigt uns dann nur noch ein müdes Lächeln ab - harmlos!
Wir sind aber jetzt hungrig und essen im Pub von Ballinskellig. Draußen steht ein Schild: Live Music tonight und der Plan, nach Portmagee zur Session zu fahren, hat sich erledigt. Wir haben noch 1 1/2 Stunden uns im Hostel auszuruhen. Dort treffen wir auch die Gesellen auf der Walz, Gottfrie, Kai, Petra und Laurin, die uns schon am Ladies View aufgefallen sind. Es sind Deutsche und wir kommen rasch ins Gespräch. Ich lade sie ein, mit uns abends zum Pub zu fahren und es wird ein gelungener Abschluss, bis wir um 12 nachts das Feld räumen.
Natürlich gibt es hier auch wieder Marions Sicht der Dinge:
Sonntag: Aufwachen mit Kopf- und Ohrenschmerzen. Nase und Ohren zugestopft, das ruiniert das körpereigene Belüftungssystem. Das irische Frühstück im Bunkers in Portmagee rief nach uns!!! Marled fuhr die enge Straße inzwischen mit Todesverachtung und sehr versiert. Das Krickelkurven-Schild und das vom-Dreieck-stürzendes-Auto-Schild sind schon alte Bekannte geworden (nicken, grüßen, weiterfahren). Sogar die „Fahr-bitte-etwas-weiter-rechts-Rufe“ sind sehr selten geworden. Der 10-minute-walk-viewing-Point ist sonntags gesperrt – doof. Irish-Breakfast entpuppt sich – wie von mir erwartet als: Blutwurst, Leberwurst, Bacon, gegrillte Tomate, 4 Würstchen, baked Beans Toast dazu Marmelade und Butter (stand aber nicht Kerry-Gold drauf!). Im Pub planten wir dann den Tag: Cahirsiveen: das Fort am Strand, die Ruine und überhaupt: den Rest vom Ring of Kerry, weil so richtig tapfer ist man nur, wenn man mal ganz rum gefahren ist! Das Ringfort war kleiner als gedacht. Die Ruine war weitläufig abgesperrt, sah auch sehr baufällig aus. Wirkte irgendwie wie der Turm von Connor Mc Leod aus Highlander nachdem der Kirgise dagewesen ist. Zwischen Kells und Glenbeigh sangen wir „la mer“. Hinter Glenbeigh beschloss ich, dass ich unbedingt den Caragh-Lake sehen muss! Also: nach rechts abgebogen und … verirrt!!! Zunächst war die Durchfahrt von einem Servicewagen der irischen Telekom mit Drehleiter versperrt. Marled setzte ca. 50 m rückwärts und … der Laster machte dann doch den Weg frei. Also: neuer Versuch! Der See schimmerte gelegentlich durch die Einfahrten der Häuser der offenbar gut betuchten Anwohner durch … mehr sahen wir nicht. Die Straße ist sehr schmal (schätze 2,50 m). Gegenverkehr ist hier nicht möglich (bleibt glücklicherweise auch weitgehend aus). Als das Schild Cappanella-Outdoor-Center auftauchte, scheuchte ich meine Chauffeuse Richtung Killorglin (weil Schotterpiste und Kopfweh ist aua) – tja, und das war es dann auch mit dem See-Sehn! Song der Stunde: No Lake Today, the road has gone away … In Killorglin gönnten wir uns dann einen Imbiss: russische Eier für Marlette (selten so eklige Majonaise gesehen) und Fritten (ja, das können die Iren gut!) für mich. Hatte das Bedürfnis in einer Touristenfalle Geld auszugeben … daher: restlicher Ring of Kerry von Killarney Richtung Kennmare – zumindest bis Ladies View, dann sind wir komplett rund! In Killorglin hatten wir dann auch DIE brenzlige Situation beim Autofahren. Ein Kreisel, oder war es doch keiner? Eine Spur für links, eine Spur für geradeaus und rechts. Nicht so ganz wenig Verkehr. Wir beschlossen: wir biegen rechts ab … leider bogen wir rechts rechts ab, also nicht im weiten Bogen, sondern volle Kanne auf die Gegenfahrbahn – rechts halt. Dem entgegenkommenden Wagen wichen wir mit dem linken Hinterrad eine Verkehrsinsel überfahrend aus – aber – uff – nix passiert. Wir sind schon Granaten! In Killarney näherten wir uns einem großen, großen Kreisel. Marled hat schlechte Erfahrungen mit Städten und wagte es, meine gute Idee (von Killarney nach Kenmare zu fahren) in Frage zu stellen. Vor dem Kreisel ist Kenmare ¾ rum beschildert – im Kreisel zeigt Kenmare die 2. links – also 2. links und: willkommen auf der Schnellstraße nach Cork. 8 km später fanden wir eine brauchbare Wendemöglichkeit … Killarney ließ uns über uns hinauswachsen: Sonntag, alles voll von Ir(r)en, Fußgängern, Radfahrern, Pferden, Kutschen und … natürlich blöden Touristen mit ihren Mietwagen. OK, meine Idee war nicht gut. Für den Rest des Tages würde ich mich mit der Routenplanung bedeckt halten. Wir ließen Muckross House and Gardens rechts liegen und genossen die anspruchsvolle Strecke mit Felsen, die in die Straße hineinragen, Bussen, die uns entgegenkamen und interessanten Ruinen am Straßenrand, an dem man nicht halten kann, weil es einfach zu eng ist. Wir erfreuten und an den Blumen und der Mittelmeervegetation. Am Straßenrand trampten ein paar Gesellen auf Walz. Wir wundern uns, die hier zu treffen, dachten, die seien auf Deutschland beschränkt. Marled wollte die Jungs natürlich sofort mitnehmen. In meinen Augen machte das aber keinen Sinn, da wir ja kreuz und quer fahren werden, nicht wissen, wo die hinwollen und es ja nicht in deren Interesse sein kann, dass sie irgendwo im Nirgendwo stranden. Marled findet mich spießig! Schließlich erreichten wir Ladies View. In der dortigen Touristenfalle wurde ich zwar nicht fündig, aber wir haben das ultimative T-Shirt für Hansi entdeckt: schwarz, ein Gepäckanhänger aus Pappe ist drauf abgebildet und drauf steht: if found return to PUB! – Klar, gekauft, ne! Als wir kurz darauf Molls Gap erreichten schließt sich für uns der Ring of Kerry: komplett rum! Geschafft, viel gesehen und UNFALLFREI!!! Der Laden dort bietet nicht die übliche Touriware, sondern hochwertige Wollwaren und Kleider, Haushaltswaren, Bücher, Seife etc. – wirklich schön das Geschäft, wunderschöne Dinge aber leider auch preislich hochwertig. Wir beließen es beim Angucken und fuhren weiter zum Pancake-Restaurant – nach soviel Anstregung ist es doch wieder Zeit für einen Imbiss, nicht wahr? Im Pancake-Restaurant werden gusseiserne Waren (Untersetzer, Skulpturen), Steinarbeiten und Gartenmöbel verkauft. Wir lasen den örtlichen Anzeiger und stellten fest, dass hier Ruinen (Häuser ohne Dach und mit verrammelten Fenstern) mit 0,6 Hektar Land für 280.000 EUR zum Kauf angeboten werden. Das sind Preise!!! Weiter ging’s und heute passte die Beifahrerin auch auf, dass in Dereendaragh das Abbiegen nach rechts klappt, weil Marled (nachdem sie wegen der Odyssee um den Caragh-Lake und rundum Killarney doch etwas frustiert war) noch unbedingt durch eine wildromantische Schlucht und einen gei … äh steilen Pass fahren musste. Ich atmete tief durch, warf ein Notfall-Bonbon ein und los ging’s in die Banshee-Gap (oder hieß es doch Ballagh-Beama-Gap?). Also: Healy-Pass ist für Weicheier!!! Hier gibt es keine Sicht auf den Gegenverkehr, Schlucht ohne Ende, Gegenverkehr (auch wenn laut Lonely Planet kaum befahren – ha, warum wohl?), reichlich Schafe, einspurige Brücken, die mit Mauern begrenzt sind, enge Kurven, Geröll auf der Stra … ne, auf dem für das Fahren vorgesehenen Pfad … zum 2. Mal an diesem Tag atme ich flach und kralle mich bleich in den Sitz. Na, wie ist Irland? Himmlisch … uaaaaaaaaaah!!!! Die vielen Steine, die Schlucht … ich kriege leicht Platzangst … aber die Notfallbonbons sind in meiner Tasche auf dem Rücksitz. Ich bin der kleine Hobbit und reite auf dem Rücken eines Nazgûl durch Mordor. Fotos von der Schlucht gibt es keine. Marled musste fahren und ich musste … überleben. Eine Reifenpanne in dieser Schlucht … nö! Allein die Vorstellung trieb mir die imaginären Tränchen in die Guckerchen. Irgendwann erreichten wir dann einen Abzweig. Rechts geht’s nach Glencar, links nach Waterville. Da es langsam dunkel wird, machten wir uns auf den Heimweg … natürlich über einen Bergpass. (S)Pass muss sein, nicht wahr? Der Ballagshisheen-Pass ist lulu … also ehrlich, da gibt es teilweise sogar Mittellinien! Marled war auch entsprechend enttäuscht. Wir hielten gegen 18.00 Uhr in O’Leary’s Pub in Ballingskelligs und aßen zu Abend (Marlette hatte Fish and Chips und ne Cola, ich Hamburger mit Fritten ein Guinness und ein Aspirin Complex). Uns fiet auf, dass viele junge Mädels im Pub waren, die eifrig Alcopops konsumierten. Vorglühen für den Samstag Abend! Zurück im Hostel trafen wir die Wandergesellen … Leicht fertig verzog ich mich in’s Zimmer, während meine liebste Schwägerin mit Marion (unserer Host) die Abreisemodalitäten regelte und den Wandergesellen noch zu einem Rabatt verhalf. Die Gesellen werden uns später in den Pub begleiten, wo es ab 21.30 Uhr Live-Musik geben soll. (Ich war nicht mehr bereit, nach Portmagee zu fahren. Einfach nur noch kapott und platt und glücklich aus Mordor entkommen.) Im Zimmerchen noch Koffer gepackt, Heizung angeworfen (irrsinnig kalt in der Bude) und für die Musik in Schale geworfen. Wir Mädels im Jeansrock! Macht schon was her. Die Wandergesellen waren zu viert, so dass die Marlette 2mal fahren musste. Die erste Fuhre sind Kai (Goldschmiedgeselle mit binärer Gürtelschnalle) und ich. Im Pub orderten wir dann schon mal die ersten Guinnesse an der Theke. Wegen seiner „Klamotte“ zieht Kai alle Blicke auf sich. Als die Meisterchauffeuse mit Laurin, Gottfried und Petra eintraf, suchten wir uns einen Tisch im hinteren Bereich und warteten bei Guinness (die tapfere Fahrerin bei Cola) auf die Live-Musik. Da die Musik einfach nicht kommen wollte, stimmte der Wirt hinter dem Tresen auf einmal ein Volklied (irgendwas mit Dingle Bay) an. Gute Tenorstimme!!! Den Refrain gröhlten die Mädels (und zum Schluss auch wir) mit. Die Mädels waren um 22 Uhr immer noch da und hatten inzwischen reichlich vorgeglüht. Hoben einander gegenseitig den Pulli hoch (o.k., ich zeig denen Deins und Du zeigst ihnen dann meins), kleine Rangeleien unter den Jugendlichen. Die Wandergesellen waren DER Hingucker (und Durst hatten die 4 auch). Ein Pärchen forderte sie auf, nachher mit dem Bus nach Cahirshiveen in die Disco zu fahren. Weil unklar war, ob wie und wann man heimkehrt, ließen die Gesellen das dann aber bleiben. Inzwischen kam die Musik doch noch. Die Jungs spielten eine Mischung aus Folk und Pop und Marlette tanzte mit mir einen Scottish (oh Mann! Es dauerte natürlich 10 Takte, bis ich verstanden hatte, was sie von mir wollte – ich bin ein armer, kleiner Bewegungslegastheniker!!!) und ein paar Biere später (von denen die Fahrerin selbstverständlich nur genippt hat) ging es zurück in’s Hostel. Marled wollte die Reste unserer Vorräte (die wir ja gegebenenfalls noch entsorgen müssten) checken, aber die sind längst in den Mägen irgendwelcher Bedürftiger verschwunden. Gut so!
