5. Tag - Montag
Leider ist der Seenebel am Morgen eher dichter geworden
und auch die Temperatur beträgt nur noch 7°!
Wir verschieben also unseren Besuch an die Rauðisandur auf ein späteres Mal und fahren los ohne viel Hoffnung auf Aussicht. Leider präsentieren sich die türkisen Wasser und goldenen Sanddünen des Patreksfjörður
auch tatsächlich nur unter einem einheitsgrauen Himmel. In dem gleichnamigen kleinen Kaff möchten wir einkaufen, aber wie soviele isländische Ansiedlungen wirkt es um diese Zeit noch wie ausgestorben - kein Mensch auf der Straße, Geschäfte zu. Im nächsten Fjord liegt Tálknafjörður, dort gibt es einen Laden und eine Post - gute Gelegenheit, das Päckchen an Werner loszuwerden und ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.
Wir kringeln uns durch weitere Fjorde, am Reykjafjörður liegt ein einladendes einsames Schwimmbad, naturgeheizt, wieder gleich am Meeresufer. Die Straßen sind vergleichsweise gut, das Wetter bleibt bedeckt,
wir halten nirgendwo und sind natürlich viel zu früh wieder am Breiðarfjörður,
am Hotel Flókalundur.
Gleich vorweg: das Hotel bietet annehmbaren Komfort in Zimmern mit Blick aufs Meer, gute Küche, eine traumhafte Umgebung mit vielen ausgeschilderten Wanderwegen, ein nettes Schwimmbad und ringsherum liebliche Natur. Ja, nach all den Schotterstraßen, schroffen Abhängen und Bergpässen ist es hier vergleichsweise lieblich mit viel Vegetation und richtigen Bäumen. Auch beim Abendessen bietet der Blick aus dem Fenster


eine Sicht auf den Fjord, wo sich riesige Mengen von Seevögeln immer wieder auf einer Stelle sammeln. Ich bin der Meinung, dass dort irgendwelche Delphine oder Kleinwale Fischschwärme zusammentreiben und die Vögel sich deswegen dort einfinden. Beweisen kann ich die Theorie nicht, denn bis auf vage Anzeichen: Schaumfontänen und sich sehr schnell knapp unter der Wasseroberfläche fortbewegende Lebewesen, nur durch die Bugwellen sichtbar, bekommen wir nichts zu Gesicht.
Aber dafür entdecken wir mittags aber, während wir die Zeit bis zum Einchecken rumbringen wollen, auf einem Felsen in der Nähe der Küstenlinie, einen großen Vogel , einen sehr großen Vogel. Wir sind uns rasch einig, dass es ein Seeadler sein muss, was die Aufnahmen ja dann auch später beweisen. Leider sind sie trotz 10fachen Zooms nicht so klar, wie ich es mir wünsche.
Wir sitzen dort eine ganze Weile mit einer Kleinigkeit zum Essen auf den Knie, bis auch hier der Seenebel aufzieht und den Adler zum Abheben und Wegfliegen bringt, was die Möwen und anderen Seevögel vorher mit ihren Scheinangriffen nicht zustande brachten.
Der Seenebel zieht zwar auf, aber dann auch weiter und wir haben warmes, wunderbar klares Wetter zum Schwimmengehen.
Den natürlichen HotPot, der sich gleich unterhalb des Hotels befinden soll, haben wir nicht gefunden, aber das Schwimmbad ist ebenfalls in Gehnähe. Eigentlich ein Schwimmbädchen ist es mit einem zweilagigen Zaun umgeben, bei dem man nur durch die Lücken hin und wieder das Meer sieht. Hier wäre zumindestens auf einer Seite eine Plexiglasscheibe statt des Zaun prima - Schwimmen mit Aussicht. Das Wasser ist sehr angenehm, wenn auch nur 90 cm tief und der Pott sehr heiß.
Nach dem sehr leckeren Abendessen sitzen wir eine Zeitlang auf der Veranda des Hotels,
aber ich bin tatendurstig und breche zu einem längeren Spaziergang in die Schlucht der Penna auf.



Der Weg ist gut ausgeschildert (Pflöcke), wenn auch manchmal kaum sichtbar, Beweis, dass sich hier anscheinend wenig Wanderer tummeln, erstaunlich bei der Schönheit der Umgebung.
Nach der Rückkehr bin ich immer noch kribbelig und fahre noch einmal an der Südküste entlang um meinen Lieblingsberg von der anderen Seite zu fotografieren und einfach diesen wundervollen Abend am Strand zu genießen


Gruß Ulla