9. Tag
Die Nacht ist kurz und gestört; ein heftiger Sturm bringt unsere kleine Hütte zum Erbeben. Ich habe meine Ohrstöpsel im Auto liegen lassen und erst nachdem ich sie dort im Regen rausgekramt habe, kann ich - zurück im Bett - endlich ein wenig schlafen. Auch mein Mann fühlt sich anscheinend noch nicht wirklich zu Hause und so stehen wir ziemlich früh auf, lassen auch unser Styroporboxenfrühstück bis auf zwei Tassen Pulverkaffee stehen und machen uns auf - erst in Richtung Reykjavik.
Da der Kólaportið noch nicht geöffnet hat, schauen wir uns erst 871 +/- 2 an, Hans ist begeistert und kauft mir gleich den Ausstellungskatalog.
Es ist schon erstaunlich, was eine Stadt aus ein paar alten Torfmauern gemacht hat, unsere Museen hier könnten sich eine Scheibe abschneiden.
Danach schlendern wir über den Kólaportið, der in der Nähe des Hafens liegt,
aber fündig werden wir nicht. Deshalb machen wir uns auf Richtung 'Norden, auf der Straße begrüßt uns schönstes Wetter und wir nehmen wieder die 36 und 48 und den Umweg um den Walfjord. Vorher schlage ich aber noch bei Álafoss in Mosfellsbær zu und weiß jetzt auc, dass es dort die Konen mit dem Loðband gibt, die sich so gut zum Weben eignen.
diesmal halten wir uns am Botnsdalur ein wenig länger auf als sonst und können endlich einmal diesen wunderhübschen kleinen Wasserfall erkunden, obwohl es zum Glymur immer noch nicht gereicht hat. Na, ja vielleicht beim nächsten Mal.
Kurz vor Þórisstaðir muss ich nochmal anhalten zum Fotografieren, einfach nur bezaubernd, diese Aussichten.
Unterwegs fallen uns auch wieder jede Mange hübscher Islandpferde auf, das hier kommt echt wohlgenährt in den Winter!
Natürlich gibt es wieder mal das obligatorische Pylsur im Hyrnan, Borgarnes und das tolle Wetter bleibt uns treu.
Werdet ihr eigentlich die ewig gleichen Beschreibungen mit den ewig ähnlichen Bildern nicht langsam satt?
Es geht entspannt weiter durch bis Lýsuhóll
aber zu meiner ganz großen Enttäuschung ist niemand, aber auch gar niemand da!Das kommt davon, wenn man als Überraschung auftauchen möchte und keinem Bescheid sagt. Hans überredet mich es uns im Wohnzimmer mit einem Buch gemütlich zu machen und der Dinge zu harren, die da noch kommen. Eine halbe Stunde später höre ich Jóhannas Hello? im Flur und man hört ihr an, dass sie keine Ahnung hat, wer da im Haus auf sie wartet. Und tatsächlich: ihr Gesicht ist einfach göttlich, als sie uns endlich sieht, schade, dass ich keine Kamera in der Hand hatte. Sie war mit Franzi bei dem schönen Wetter reiten und Agnar ist noch zu einer Reperatur unterwegs. Schnell wird was zu trinken auf den Tisch gepackt und wir feiern gebührend wiedersehen.
Jóhanna weiß auch gleich was sie mit uns machen wird, aber vorher trifft Agnar ein und wir ziehen mit Whisky und Rotwein, Shampoo, Badeanzügen und Handtüchern
bewaffnet zum Schwimmbad!
Als wir so im warmen Mineralwasser dümpeln, ein Rotweinglas in der Hand, fehlt eigentlich nur noch ein wenig Musik im Hintergrund zum perfekten Wohlbefinden. Aber irgendwann drängt Jóhanna doch zum Aufbruch. Wir holen noch Franzi ab, die wir dann endlich mal richtig begrüßen können und gleich erfahren, dass sie nächstes Jahr in Hólar studieren und reiten wird (die Glückliche, macht einen Lebenstraum wahr!).
Agnar fährt uns nach Langaholt und nun bekommen wir endlich zu hören, was es dort Besonderes gibt. Der ansässige Koch veranstaltet einmal im Jahr einen Wildabend, an dem er alles, was sich wild in Islands Natur rumtreibt, den Gästen der näheren Umgebung auftischt. Nun ja, das Lamm ist nicht ganz wild, schmeckt aber wie alles andere ausgezeichnet. Leider kann ich mich nicht mehr an alles erinnern, aber unter anderem gibt es Schwanenbrust, Wildganspastete, Papageitaucher, Schneehuhn, viele verschiedene Fische, aber auch Seehund und Wal. Ich habe alles probiert, aber den Wal haben wir dann doch ausgelassen. Auch Geir trifft irgendwann mal ein und schaut zweimal, nein dreimal zu uns hin, bis er seinen Augen traut. Während desEssens spielt eine Band mit heimischen Musikern tolle Sachen aus den 60ern und 70ern und die Atmossphäre ist rundum gut. Als wir dann mit Franzi uns draußen noch ein wenig abkühlen gehen, gibt es noch ein tolles Lichtspektakel für uns: ein phantastisches Nordlicht steigt über der Bergkette der Snæfellsnes auf. Lange stehen wir drei sprachlos, bis es uns dann irgendwann zu kalt wird. Da Hans und ich recht müde sind und Franzi sehr früh aus den Federn muss, fährt uns eine Nachbarin irgendwann um 11 zurück zum Hof, während Jóhanna und Agnar mit ihren Freunden und Nachbarn weiterfeiern.
Übrigens sollte mich das folgende Bild ein paar Tage später zu Hause erreichen
Während wir im strahlenden Sonnenschein umherfuhren, tobte im Norden just da, wo wir mit unseren Kollegen am Tag vorher weggefahren sind ein fürchterlicher Schneesturm mit 20 cm Neuschnee, viellen liegengebliebenen Fahrzeugen und hohen Windstärken. Hjördís machte ein paar Aufnahmen von ihrem Haus!
