Fjordgutschelei
Donnerstag, den 15.7., 10. Tag
Ich werde morgens wieder bei strahlendem Sonnenschein wach und lasse den Tag langsam angehen. Die beiden Oberallgäuer sind schon am Zusammenpacken, aber ich kann mir ja Zeit lassen. Mir ist heute noch nicht nach Hetze, die Strapazen der letzten Zeit machen sich nocheinmal bemerkbar. Kurz überlege ich wieder noch einen Tag hierzubleiben, aber das würde morgen einen sehr straffen Zeitplan bedeuten, denn die 250 km bis Ísa schaffe ich garantiert nicht in 2 ½ Stunden, wie mir mein Gastgeber versichert.
Wir unterhalten uns noch eine Weile über dies und das, über die Landflucht am Snæfjallaströnd und das westlich von Kaldalón keine einzige Farm mehr ganzjährig bewohnt wird. Auf Æðey, der vorgelagerten Insel, lebt zwar ein Bauer mit seiner Familie, aber er verlässt jeden Herbst die Insel. Für den Winter kommt der sogenannte Wintermann, um nach dem Rechten zu sehen und die Tiere zu versorgen. Soweit bin ich nun doch noch nicht, dass ich mir wünsche allein auf einer einsamen Insel des rauen stürmischen Winter am Ende der Welt zu verbringen. Vielleicht mal für eine Woche, aber mehr????
Schließlich geht meine Reise wieder los, beim kalten Haff mache ich Stopp. Ich halte vor der Grundmoräne
und klettere hinauf um mir einen Überblick zu verschaffen. Da ich mich heute nicht ganz so fit fühle, streiche ich den ursprünglichen Plan bis zur Gletscherzunge zu wandern. Ich konzentriere mich mehr auf die Vegetation, entdecke Minienzian, eine Menge arktischer Orchideen und viele Pflanzen mehr, unter anderem eine Flechtenart die ich noch nicht kenne und von der ich gleich ein Pröbchen mitnehme, um zu Hause dann eine Probefärbung zu machen. Ich hoffe, mein Schatz denkt noch dran, was er auf dem Arbeitsplan für den nächsten Islandaufenthalt stehen hat:
10kg von dem roten süßen Tang, 1 kg von den gelben Flechten und was war es noch?
Schließlich mach ich mich auf den Weg um die Fjorde und komme auch am traumhaus vorbei. Dem hat Wind und Wetter zugesetzt und es verkommt eher zum Geisterhaus.

Nach dem gefühlten 113. Fjord erreiche ich Ísa und denke daran, hier auf den Camping zu gehen. Der liegt eigentlich wunderhübsch am Rand eines kleinen Wäldchen mit Wasserfall, aber ist ziemlich voll. Die Ringstraße befindet sich Luftlinie max 500 m entfernt und ich entscheide mich bis Korpudalur weiterzufahren, es ist mir einfach zu viel Trubel hier.
In Korpudalur bin ich die einzige, die ihr Zelt aufschlägt. Der Nordwind bläst recht kalt, obwohl die Sonne scheint und nach einer Ruhepause wandere ich ans Talende

und auf der anderen Seite wieder zurück. Es gibt ein unglaublich reiches Vogelleben und ich mache mehrfach Audioaufnahmen mit der neuentdeckten Funktion an meiner Kamera. Es ziehen einige wenige wolken auf und vom Meer her nähert sich eine Wolkenbank, als ich vom Zelt aus nochmal nach draußen schaue.

Erhol dich gut ;)))