Island

26.07.2009 um 14:38 Uhr

I'm sitting on top of the world

12. Tag, 25.7. Samstag


Gestern Abend habe ich Lundur als Übernachtungsort ausgesucht. Ich habe beim Vorbeifahren bei Ásbyrgi zwar kurz überlegt, aber es schienen mir sehr viele Menschen dort zu sein, so bin ich dann die paar km weiter gefahren (wie sich heute herausgestellt hat, werden in Ásbyrgi an die 250 Läufer eines streckenlaufs vom dettifoss nach hier erwartet!).

Das ist eine gute Entscheidung, denn außer mir sind nur noch ein paar Isländer auf Reittour (die Pferde habe ich leider nicht gesehen) und eine Familie aus ?, na? Berlin? Ruhrgebiet? Holland? da. Grad über die Straße hinüber gibt es einen Swimmingpool mit naturwarmem Meereswasser, den die holländische Familie und ich auch weidlich genutzt haben. Der Abend ist mild mit Sonnenschein fast aus Norden und nach einer Tasse Tee entschließe ich mich zu einer frühen Bettruhe. Kaum eingeschlafen, werde ich auch schon wieder wach, weil Wasser in mein Gesicht spritzt. Hmm, ich habe die Lüftungsklappe meines kleinen Zeltchen aufstehen lassen und es hat grad angefangen zu regnen. Erst möchte ich es ignorieren, als der Regen aber stärker wird, quäle ich mich dann doch raus und verschließe schnell die Öffnung. Die Regentropfen plätschern so beruhigend auf mein Zeltdach, aber es dauert eine Zeit bis ich wieder einschlafen kann. So gegen drei werde ich noch mal wach – die letzte Tasse Tee war wohl eine zuviel – und entsteige meiner Unterkunft. Welch ein Erstaunen, als ich feststelle, dass die letzten Regentropfen als Eis auf meinem Zelt festkleben.

Ich hole mir dann doch vorsichtshalber die Wolldecke mit ins Zelt, die aber wahrscheinlich nicht nötig gewesen wäre.

Um 20 nach 8 ist die Nacht endgültig für mich zu Ende, die Sonne weckt jeden Langschläfer. Es gibt noch kein richtiges Frühstück, nur eine schnelle Tasse Kaffee und den Zeltabbau, denn ich möchte heute auf die Eyjan, der Mittelfelsen von Ásbyrgi klettern.

Das stellt sich als tolle Idee heraus. Bis auf die ersten Meter Kletterei ist das auch ein sehr einfacher Spaziergang, der ganz sanft ansteigend bis zur Spitze führt.

Dort sitze ich im Sonnenschein und höre die Musik von Anwnn. Ich habe Sabine, unserer Leib- und Magenarchäologin und Harfinistin versprochen, mir ihre Stücke an einem besonderen Platz in Island anzuhören. Danke, Sabine, deine Harfe hat wunderbar zu diesem wunderbaren Platz gepasst.

 

Auf dem Weg laufen mir übrigens ständig Babyschneehühner über die Füße und irgendwie müssen schon die ersten Beeren reif sein, denn überall liegen blaulila Vogelkäckerchen. Es gibt auch eine Menge Birkenpilze, genug für ein reichliches Mittagsmahl.

Leider habe ich überhaupt kein Behältnis dabei.

Zum Abschluss meiner Ásbyrgitour fahre ich natürlich noch einmal ans Ende und gehe zum Botnstjörn,

um zu sehen, ob die Entchen dort die BW-Keks vor 19 Jahren gut überstanden haben. Sie haben!

Der Wald dort ist übrigens zeitlos, die Birken sind noch genauso hoch, die Storchschnabel blühen noch genauso lila und der Schachtelhalm ist auch noch der gleiche. Schön, dass es auch solche Orte gibt.


Núpskatla

Schon als ich zum ersten Mal von Núpskatla im Immobilienteil des Morgunblað gelesen habe, war ich fasziniert von diesem Hof und wollte immer mal hin. Das ist jetzt – lasst mich überlegen – mindestens drei Jahre her. Der Hof stand lange zum Verkauf, ob er es immer noch ist, weiß ich nicht. Ich habe mich nicht mehr getraut nachzuschauen; ich wollte keine Träume platzen lassen. Nun war ich da und muss sagen: wo ist der Lottogewinn? Wer hat genügend Geld, diesen Hof mit mir zu kaufen? Schon allein die 8 km lange sehr raue Zufahrt ist ein Erlebnis. Die Melrakkaslétta ist in diesem westlichen Teil sehr flach, nur Heide, kleine Seen und Steine. Irgendwann steht man dann vor dem Tor mit Zaun, das das Núpskatla-Land von anderem trennt. Dort steht ein Schild Willkommen und man möge doch bitte auf den Wegen bleiben wegen der Vögel, bis man bei der Farm ist. Dort steige ich dann auch aus und mache mich auf den Weg zu den beiden Vogelfelsen. Zuerst führt der Weg durch ein Brutgebiet und die Krías sind lästig, aber nicht so aggressiv wie an anderen Stellen. Dann geht’s über einen langen Damm aus mehr oder weniger großen Steinen,

  

der das Meer vom dahinterliegenden See trennt. Der Anfang ist noch einfach, der Damm ist grasbewachsen und es läuft sich gut darauf. Dann gibt es nur noch faustgroße lose aufgeschüttete Steine und das Gehen wird schon mühsamer. Das schlimmste Stück liegt aber noch vor einem: Wacken ab Kindskopfgröße, meist größer, die nur lose und kippelig aufeinander liegen. Das ist sehr anstrengend, denn man muss ständig den nächsten Stein für den nächsten Fuß schon ins Auge fassen. Das Geräusch, mit dem die Brandung diese Steine an den Damm schlägt, ist schon unheimlich.

Dann geht es einen steilen grasbewachsenen Weg entlang, bis sich plötzlich die beiden Drangar (Felssäulen) vor einem auftun. Auf beiden herrscht reichliches Vogelleben, ich kann sogar Papageitaucher ausmachen. Links liegt der schöne orange Leuchtturm, auf den ich jetzt zuhalte bis zu einem Zaun, und der Weg zurück wird durch einen gelben Holzpfeil am Zaun entlang angegeben. Der Weg führt zu einem bildschönen Krater, im Inneren grasbewachsen, die oberen Ränder voller roter Steine.

Außerdem gibt es noch so eine Art Steinburg mit Vörður, die ich mir natürlich unbedingt noch anschauen will. Dabei verliere ich den Weg und muss mich irgend auf dem Rückweg durch das Gelände schlagen, zum Teil sehr anstrengend durch kniehohe Bültenwiesen. Irgendwann kurz vor dem Damm finde ich dann auch den ursprünglichen Weg wieder. Als ich dann endlich wieder beim Auto bin, muss ich erstmal was essen, die Knie sind mir von der Anstrengung doch wackelig geworden und ich hatte noch nichts im Magen außer ein paar Süßigkeiten.

Bedauernd nehme ich Abschied. Das wäre doch hier was als Sommerwohnsitz, so von Mai bis die ersten Herbststürme kommen: ein Hof mit eigenem Forellensee, genügend Land für ein paar Pferdchen, eigenem Krater, Vogelklippen, Treibholz die Menge, Strand, Vögeln und Einsamkeit.


Der Osten der Slétta wir dann regelrecht lieblich mit roten Hügeln, saftig grünen Grastälern, rauschenden Flüsschen und hübschen Gehöften. Irgendwann komme ich dann durch Þórshöfn auf die Langanes und über eine sehr raue Piste direkt am Meer entlang nach Ytra-Lón. Dort ist schon alles voll, aber weil der Wind stark aufgefrischt hat und sehr kalt aus Norden bläst, mag ich nicht mehr zelten. Und so vermittelt mir Miriam ein Zimmerchen auf Hlið, dem Nachbarhof, wo ich der einzige Gast bin. Der Gastgeber, wohl ein älterer Witwer, hilft auf Ytra-Lón noch beim Heumachen. Die Einrichtung zeugt von besseren Zeiten, aber alles ist sauber und der Blick auch den Hliðarvatn direkt vor dem Wohnzimmerfenster ist einfach traumhaft.

 

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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenHans schreibt am 26.07.2009 um 16:09 Uhr:Freut mich sehr zu lesen, dass es die Entchen noch gibt. Hoffentlich hast du sie von mir gegrüßt.
  2. zitierenAquarius schreibt am 28.07.2009 um 01:23 Uhr:Herzlichen Dank für das Bild. Ich komm gar nicht nach mit dem lesen, aber das liegt sicher auch daran, dass hier im Süden der Republik einfach nur tolles Sommerwetter ist und ich garantier so ziemlcih alles mache, als vorm Rechenknecht zu sitzen.
    LG Aquarius

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