Nach Osten
Donnerstag, den 14. Oktober
2. Tag
Was für ein wunderbarer Tag! Meine Seele wurde gebadet in Licht und Luft, meine Füße konnten mal wieder zeigen, dass sie zu mehr gut sind, als unterm Schreibtisch zu verschwinden.
Nach dem ausgezeichneten Frühstück von Erika mit solchen Köstlichkeiten wie hausgemachtem Knuspermüsli, Rosengelee und Löwenzahnsirup und einem netten Gespräch mit der Gastgeberin breche ich in Richtung Osten auf. Es regnet ein wenig, aber dort, wo ich hinwill, sind große blaue Lücken in der Wolkendecke.
Ich entschließe mich kurzerhand an Klaustri vorbeizufahren bis zum Skaftafell. Immer wieder liegen Sonnenflecken auf der Landschaft und der Himmel sieht bald wie ein Patchwork aus Blau und verschiedenen Graus aus.
In Skaftafell gehe ich erst ins Visitors Center, bekomme dort einen Haferriegel mit Preiselbeeren geschenkt und mache mich dann auf zum Svartifoss.
Es ist komplett windstill und so warm, dass ich meine Jacke im Rucksack verstaue – was für ein Unterschied zum Juli, als es Katzen und junge Hunde geregnet hat, kalt war und Hunderte von Besuchern ob des Wetters unglücklich aussahen oder sich die Wassermassen aus Haaren und Kleidung wrangen.
Und noch ein Unterschied zum Sommer: die Straßen und der Nationalpark sind leer! So leer, dass ich auf dem ganzen Weg zum Svartifoss, wo sich sonst die Busladungen hinwälzen, einem einzigen Pärchen begegne – auf dem Hin- und Rückweg! Allerdings erfüllen auch keine Vogelrufe mehr den Himmel. Ab und zu huscht ein Zaunkönig oder eine Rotdrossel durchs Gebüsch, das wars aber dann auch schon. Auch wenn der Svartifoss zum Schutz des Bewuchses nicht ganz zu erreichen ist, halt ich mich eine Zeit lang im Flussbett auf, trinke von dem leicht herben Wasser und begebe mich erst auf den Rückweg, als von Westen her eine Nebel- und Wolkenwand aufzieht.
Auf dem Rückweg scheint die Sonne aber schon wieder und ich biege beim Schild 'Háöldlukvisl', das mir schon auf dem Hinweg inden Skeiðarásandur aufgefallen ist, ab. Eine Rubbelstrecke erwartet mich für die nächsten 1000,2000 m, dann führt der Weg steil einen Damm hinauf und wieder hinunter und dann, ja und dann ist eigentlich nichts. In der Ferne erstreckt sich der Jökull im Sonnenschein, davor glänzen die Endmoränen im Sonnenschein, irgendwo weiter weg links glänzt ein Wasserlauf im Sonnenschein, aber die Kvisl scheinen ausgetrocknet. Man sieht noch, wo das Wasser einmal langgelaufen ist aber das war es dann auch schon.
Also laufe ich lieber noch mal an der Fjarðárgljúfur entlang. Auch hier ist kein Mensch zu sehen, nur Schafe gibt es deutlich mehr als im Sommer. Das Licht ist hier ganz bezaubernd und in der Schlucht ziehen sich lange Schatten hin.
Das ist mir aber immer noch nicht genug Bewegung; nach einem Imbiss im Víkurskáli laufe ich noch ein Stück die Reynisfjara entlang. Es ist ein Wind aufgekommen und ich habe im tiefen Sand gegen den Wind stark zu kämpfen. Deshalb breche ich ab, als es dann auch noch anfängt zu nieseln und die Dämmerung hereinbricht.

ich freue mich schon auf den tag, andem ich auch mal island besuchen kann :)