Tag 10
Die Nacht war sehr ruhig und ich konnte wunderbar durchschlafen bis etwa halb 8. Da mein Zimmer den Luxus eines eigenen Bades hatte, konnte ich erstmal ausgiebig duschen, bevor ich mich nach unten zum Frühstücksraum begab. In den meisten isländischen Häusern hat ein reichliches Frühstücksbüffet Einzug gehalten, so auch hier!
Danach schaute ich mich noch den am Abend empfohlenen Hot-Pot an
und machte einige Fotos von meiner teuren Unterkunft.
Das Wetter war neblig, die Wolken hingen mit ihren Bäuchen bis auf die Berge und ich konnte noch nicht ahnen, was für ein wundervoller Tag auf mich wartete, als ich dann gegen 10 Uhr losfuhr.
Ich entschied mich noch beim Frühstück für mein heutiges Tagesziel: Ósar
auf der Vatsnes sollte es sein. Und nach den unangenehmen Erfahrungen von gestern entschlos ich mich, die angestrebte Übernachtung noch am Morgen aufzusuchen, vielleicht wären dann ja die Chancen auf einen Platz größer. Ich fuhr also auf direktem Weg über die nebelverhangene Holtavörðuheiði in einen immer lichter werdenden Himmel gen Norden und traf um 11 an der Jugendherberge ein.
Ich entschloss mich spontan hierzubleiben, selbst wenn es keinen Platz mehr für mich in einem Zimmer gäbe. Leider traf ich im Privathaus niemanden und im alten Gästehaus nur die Mutter des Herbergsvaters an, die mir auf isländisch erklärte, dass ihr Sohn erst etwa ab 1 Uhr wieder zurück sein würde (ja, das konnte ich tatsächlich so weit verstehen und ich das auch so sagen!) Bis 1 Uhr wollte ich eigentlich nicht mehr warten, denn nachdem ich ein wenig an diesem magischen Ort herumgeschlendert war, stand es um so mehr fest, dass ich mich nicht vertreiben lassen würde
.
Dann fiel mir zum rechten Zeitpunkt zufällig nochmal das Heft Rundum Island in die Hände und ich entdeckte zu meiner Freude eine Mobilnummer, die ich dann natürlich gleich wählte. Knut meinte: 'I can maybe squeeze you in' und wir verabredeten uns für 2 Uhr!
Die Zeit reichte grade für eine entspannte Fahrt nach Hindisvik
und eine kleine Wanderung dort. Hindisvik, die Bucht der Seehunde, war mir ja schon seit langem durch die Hindisvikzucht bekannt. Inzwischen sind die Häuser verlassen, aber es wird wohl immer noch eine klein Zucht betrieben. Am Parkplatz vor dem Wanderweg zu den Seehundschären quietschen jedenfalls schonmal ein Hengst und eine Stute auf der anderen Seite vom Zaun. Und dann war ich mal wieder, trotz der Busladung tschechischer Touristen im Wunderland!




Um 2 Uhr war ich pünktlich wieder an der Jugendherberge und wartete brav auf den Herbergsvater Knut, der mir dann das Trumzimmer in einem der Holzhäuschen gab. Vorläufig war ich noch die einzige Bewohnerin. Natürlich nahm ich mir von den zwei Betten dort oben gleich das mit dem Fenster zur Bucht.

Der Blick aus dem Fenster war überwältigend. In der Zwischenezit hatte es ganz aufgeklart und es war richtig warm geworden. so saß ich eine Zeit nur so auf dem Bett und schaut durch mein geöffnetes Fenster auf das Meer und den See Hóp, der wohl eher eine durch eine Nehrung abgetrennte Lagune ist. Gleich unterhalb des Fenster breitete sich eine Wiese bis zum Meer runter aus. Nur der Zufluss des Sigriðarvatn zum Meer trennte den Ósarstrand von der weiten schwarzen Sandebene unter einem strahlend blauen Himmel, im Hintergrund verschwammen die Berge des Nordlandes im Dunst.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Zuflusses machte ich einige Punkte auf dem Strand aus, die ich mir gern näher ansehen wollte. Der Spaziergang brachte mich über einen Weg auf der Wiese durch ein Tor im Zaun und ein wenig harmloser Kletterei bis unten an den Strand. Und tatsächlich: auf der gegenüberliegenden Seite lagen etliche Seehunde und sonnten sich.
Ich spazierte aber ersteinmal neugierig geworden am Spülsaum entlang und entdeckte dort einiges Strandgut.
Im Windschatten einer alten verfallenene Fischerhütte saß ich sehr lange in der Sonne und schaute den Seehunden, die im Wasser spielten zu, Balsam für Leib und Seele!
Irgendwann musste ich mich dann doch losreißen. In meinem kleinen Häuschen waren inzwischen die beiden Zimmer unten belegt worden, das große mit einer vierköpfigen Familie aus dem Süden Deutschlands, die mit einem Geländewagen unterwegs und die ebenfalls islandinfiziert waren, jedenfalls die Eltern! Mit denen unterhielt ich mich noch eine Weile über dies und das isländische, räumte dann aber irgendwann die doch kleine Küche
und verzog mich mit einer Cola und meinem Notizbuch in die Sonnenwärme draußen.
Dort konnte ich noch lange sitzen und über Gott und die Welt nachdenken!
2
1: Ósar
2: Hindisvik
