wieder allein unterwegs
Samstag, den 24. 7., 19. Tag
Als ich ins Bett gehe, fällt leise Regen auf mein Zelt und als ich wachwerde, höre ich es immer noch tröpfeln – ich kann es fast nicht glauben. Die Hektik in der JuHe-Küche gefällt mir nicht so gut, deshalb gibt es nur ein schnelles Frühstück, bevor ich mich auf die Socken mache.
Die erste Zeit scheine ich völlig allein auf der Straße zu sein, kein Auto kommt mir entgegen, keins überholt mich! Die Sicht ist begrenzt, tiefhängende Wolken und hin und wieder Sprühregen.
Am Jökulsárlón ist auf einmal die Hölle los, viele Busse, Autos, Wanderer. Ich rufe meinen Schatz an, stelle mich kurz vor die Webcam und verdrücke mich zweihundert Meter weiter auf die Parkmöglichkeit hinter der Brücke. Zum Strand ist es nicht weit, die Krías flitzen über den Fluss, außer mir kein Mensch unterwegs, aber ein paar Meter vor mit landet eine große Raubmöwe. Ein sehr beeindruckender Vogel, der mir sicherlich bis zum Knie reichen würde. Ich habe schon etliche Schauermärchen von Skua-Angriffen gehört, deshalb verziehe ich mich lieber und fahre ein paar Kilometer weiter bis zum Fjallsárlón. Dort wird mir ein wunderbares Stündchen geschenkt mit einem wunderbaren Licht, das Reflexe auf die Eisberge zaubert. Dort sind auch nur eine Handvoll Menschen und ich wandere ein wenig herum, am Rand der Lagune entlang. Die Luft ist viel milder als am Jökulsárlón und es sind immer wieder blaue Löcher in der Wolkendecke zu sehen, besonders schön über dem Gletscher selbst.
Auch bei der Wanderung zur nächsten Gletscherzunge (irgendwas mit -kambur) bleibt das Wetter trocken und mild
und erst in Skaftafell schüttet es wie aus tausend Löchern. In der Toilette ziehen sich etliche bis auf die Haut durchnässte Wanderinnen um und die Busgruppen stehen mit ziemlich betroffenen Gesichtern unter dem Regenschutz – viele Wanderungen sind heute abgesagt. Für mich geht es weiter über den großen Sander, wieder, wie's scheint, ganz allein unterwegs!
Ich beschließe bis Klaustri durchzufahren, habe auch keine Lust bis auf die Haut nass zu werden. Eine weise Entscheidung, denn hier – scheint die Sonne.
Kirkjubæjaklaustur, wie es richtig heißt, ist ziemlich schnell durchfahren, eine Handvoll Häuser, eine Schule mit Schwimmbad, das ich ausgiebig nutze, ein Icelandairhotel, sowas wie ne Landwirtschaftsschule, das Systrakafí und ein Laden, hab ich was vergessen? Dafür gibt es aber den Systrafoss, der sogaqr dieses Jahr Wasser führt
und den Kirkjugólf, einen Basaltsteinboden.
Es ist noch früh, als ich in Kleifar am Wasserfall mein Zelt aufschlage, es ist das einzige vor Ort. Klaustri selbst hat einen sehr gut ausgestatteten Platz, aber Kleifar, 1 km vom Dorf entfernt, liegt viel schöner an einem Wasserfall. Und genau diesen Wasserfall springen eineige isländische Jugendlichen runter, als ich grad mein Zelt aufbaue. Verrückte Sache!

Später laufe ich noch den Weg über die Heiði, am Systravatn vorbei. Der Aufstieg hat es in sich, oben ist es recht flach mit einem wunderbaren Weitblick bis aufs Meer bzw. ins Hinterland! Es ist sehr warm und ich reiße mir vom Leib was geht. Natürlich habe ich nix zum Trinken mitgenommen, der Systravatn ist am Rand trübe und sonst gibt es erst nach einem atemberaubend steilen Abstieg (jedenfalls für mich) ein Bier aus dem Laden.
Jetzt hole ich mir gleich mein Buch und lese noch ein wenig und dann geht es ab in die Heia.
