Heute in Berlin: Die Wahl des Bundespräsidenten. Für das Wählen ist die sogenannte Bundesversammlung zuständig. Das sind rund 1.200 Menschen, die normalerweise nichts anders zu tun haben, als alle fünf Jahre einen Bundespräsidenten zu wählen. Das scheint den Wahlmännern und Wahlfrauen aber solchen Spaß zu machen, dass sie entgegen der Norm, seit 2009 nun bereits zum dritten Mal wählen.
In den letzten drei Jahren hat sich immer der Kandidat durchgesetzt, der Angela Merkel Wunschkandidat war. Aber mit Mutti Merkels ihren Präsidenten ist das so eine Sache. Ihr erster Kandidat, Roman Herzog hat sich 2010 verpisst. Ihr zweiter Präsident Christian Wulff entpuppte sich als Absahner und hat nicht einmal die Probezeit im Schloss Bellevue geschafft. Ihren heutigen Kandidaten, den Joachim Gauck, wollte die Merkel 2010 auf keinen Fall. Am 19. Februar 2012 um 15 Uhr gab sie der Presse zu verstehen: „Eines ist klar: Der Gauck wird's nicht.". Um dann am Abend des gleichen Tages zu erklären, der Gauck sei ihr Wunsch-Präsident. Die Launen der Kanzlerin kommen dem Volk ganz schön teuer zu stehen. Gauck for President, das hätte es viel billiger geben können. Warum hat sie nicht bereits 2010 den Gauck zu ihrem Präsidenten erkoren? Dann wäre uns das viel Theater, ein Ehrensold und sogar ein Zapfenstreich erspart geblieben.
Aber das ist so, weil zum Bundespräsidenten nicht der gewählt wird, den alle für den besten Kandidaten halten. Gewählt wird der, auf den sich die meisten einigen können. Deshalb ist der Bundespräsident immer der kleinste gemeinsame Nenner und das ist heute der Gauck. Man reibt sich die Augen, und fragt sich, liegt Deutschland im Wachkoma? Eine Pastorentochter aus Templin und ein verbitterter Pastor aus Rostock. Ist das der kleinste gemeinsame Nenner?
Nachdem das ZDF für heute Abend eine Sondersendung ins Programm schiebt und schon mal „Was nun; Herr Gauck?" ankündigt, erwische ich mich bei dem Gedanken, dass ich es amüsant finden würde, wenn heute nachmittag völlig überraschend Frau Klarsfeld gewählt würde.