Meine Unterkunft
Nach einigem Suchen dann auch das Finden. Ich klinge, als mir ein Mann die Tür öffnet, erkläre ich ihm wer ich bin und dass ich ein Zimmer reserviert habe. Gleich natürlich wieder einen Fehler eingebaut. Was bitte ist eine „stagionaire“? Dabei habe ich doch den Satz wirklich oft genug geübt: „Bonjour je suis Juliane – la nouvelle stagière de Radio PFM – j'ai réservée un chambre“. Nun gut er hat mich trotzdem verstanden und hilft mir mit meinem schweren Gepäck.
Dann der Papierkram und so viele Fragen: Was hieß noch mal Hausmeister und wie erkläre ich, dass meine Mutter als Sachbearbeiterin Kindergeldanträge prüft. Und dann diese ganzen Zahlen... In meiner Vorstellung war mein Französisch weniger schlecht – aber das wird sicher noch.
Auf in mein Zimmer. Eigentlich ganz ok. Es gibt ein Bett, einen Schreibtisch, einen Schrank, Nachtschrank und ein Waschbecken. Toilette und Dusche teile ich mir mit meiner noch unbekannten Zimmernachbarin. Während der Mann, dessen Name ich nicht einmal kenne, Decke und Kopfkissen besorgt, inspiziere ich das Bad. Meine Ansprüche an Sauberkeit sind ja wirklich nicht hoch, aber... Immerhin gibt es eine lose aufgelegte Klobrille.
Ich will anfangen meine Sachen auszuräumen, doch als ich die Tür meines Schranks öffnen will, kommt sie mir schon entgegen. Der Hausmeister soll sie nächste Woche reparieren. Und auch als ich mich auf das Bett setze, macht es erst einmal Knack. Einen stürmischen französischen Liebhaber kann ich ich hier nicht haben. Doch bei einem Blick in die Hausordnung verwerfe ich den Gedanken gänzlich. Festgelegte Zeiten für Ausgang, Essen, Besucher – ja sogar fürs Duschen. Ich fühl mich an meine Internatszeit zurück erinnert. Nur dass ich da keine 21 Jahre alt war. Immerhin gibt es Ausgang bis 23 Uhr und samstags sogar bis 3.30 Uhr. Welch Glück, dass ich kein Diskogänger und Partytier bin. Das WLAN (hier Wifi genannt) geht auch nicht. Nicht einmal ein Netz in Reichweite – aber ich bin zuversichtlich, dass es hier eine Lösung gibt.
Erst einmal gilt es einkaufen zu gehen, damit ich Seife und vor allem Toilettenpapier habe – etwas zu essen, kann bei der Gelegenheit auch nicht schaden. Bei meiner Rückkehr immernoch kein Internet und weil es nun schon dunkel ist, verzichte ich darauf die Umgebung zu erkunden und vertage es auf morgen. Heute passiert nicht mehr viel. Und obwohl ich in Frankreich bin, halte ich es wie die Spanier und denke nur „mañana“.
