Südamerika-News von Jakob

30.04.2005 um 15:11 Uhr

Spaghetti al dente???

von: JaMue

Heute wende ich mich einmal einem wirklich gravierenden Problem hier in Quito zu. Es geht um meine Kochkuenste und ich bin wirklich ein wenig aufgeschmissen. Ich moechte natuerlich auch hier in Quito nicht auf meine heissgeliebte Pasta verzichten und dennoch bin ich fast kurz davor eine Spaghetti-Fastenzeit einzulegen. Allerdings liegt das nicht daran, dass hier die Supermaerkte keine Pasta anbieten wuerden - das Problem stellt sich erst am Gasherd. Wie bekommt man Spaghetti auf fast 3.000m Hoehe Al Dente? Zur Erklaerung: Aufgrund der Hoehe hier in Quito kocht das Wasser bereits bei 90 Grad, was fuer meine Spaghetti allerdings alles andere als zutraeglich ist. Normalerweise warte ich zwar meine 5 Minuten, nachdem das Wasser zu sieden angefangen hat, aber auch diese 5 Minuten scheinen nicht zu reichen. Brauchen meine Spaghetti in Deutschland, also in der Leipziger Tieflandsbucht zumindest, meistens 8 Minuten, bis sie al dente sind, so brauchen sie hier fast die doppelte Zeit, um auch bis zur Mitte durchgekocht zu sein. Nachteil: In dieser Zeit hat sich die Aussenhuelle inzwischen butterweich gekocht und die Spaghetti schmecken latschig und weich. Allerdings beugt auch eine kuerzere Kochzeit dem kaum vor - dann hat zwar die Aussenhuelle der Spaghetti die richtige Konsistenz, allerdings sorgt der Kern dafuer, dass die Beisserchen ordentlich was zu tun bekommen - ich verzweifle! Also, wer einen wirklich hilfreichen Tipp zum Thema Spaghettikochen in grossen Hoehen hat, der lasse ihn mir bitte bitte zukommen. Bis dahin begnuege ich mich wohl mit Reis und Toast.

PS: Nein, andere Probleme habe ich gerade nicht.

27.04.2005 um 10:56 Uhr

Lernen lernen lernen

von: JaMue

Seit Montag quaele ich mich in der Sprachschule nun mit den Zeitformen im Spansichen herum. Im Paesenz labern hat nu fuer mich ein Ende und ich darf mich bei meinem Lehrer nicht mehr damit entschuldigen, dass ich noch keine anderen Zeitformen kenne. Leider gibt es im Spanischen einige Ausnahmen, in der Vergangenheit zum Beispiel, und ich haenge nun jeden Nachmittag ueber meinen Grammatikaufzeichungen und lerne brav die ganzen Ausnahmen - manchmal koennen die einen einen ganz schoenen Hirnkasper versetzen - aber ich halte eisern durch. Mal ganz abgesehen davon, dass ich irgendwie die ganzen neuen Worte bei mir im Hirn auch festtreten muss, nachdem ich sie aufgeschnappt habe. Hach - ich wuensche mir ein Medikament, mit dem man Vokabeln verschiedener Sprachen in gewuenschter Dosis einfach so ijizieren kann und sie spaetestens alle nach zwei Stunden drauf hat - das waer doch mal eine Erfindung.
Ansonsten macht das Wetter zurzeit ein bisschen einen auf bewoelkt - jeden Morgen liegt die Stadt in dicke Wolken gehuellt - manchmal kann man kaum hundert Meter weit blicken. Uebrigens giobt es jetzt wieder neue, kleinere Proteste von Leuten, die Lucio zurueckhaben wollen als Praesident - der laesst es sich aber inzwischen mit brasilianischen Chicas an der Kueste im sicheren Exil gutgehen. Den neuen Praesidenten haben saemtliche sueamreikanische Staaten bisher noch nicht anerkannt - bleibt also politisch soweit interessant.

Am Sonntag hab ich noch meine Wandertour rund um Otavalo bekommen und hab mir dabei einen ganz passablen Sonnenbrand geholt - nirgendwo kann man hier protection solar kaufen - ich muss mich heut nochmal in Gringolandia umschauen. Und bei Euch so?

23.04.2005 um 19:53 Uhr

Clubbing in Quito

von: JaMue

Stimmung: Etwas zerknittert vom zu langen Mittagsschlaf
Musik: ecuadorianischer Hiphop - seltsam

Seit Ende der Woche wohnen in meinem Apartment auch zwei Amerikanerinnen - Chris und Sierra. Mit den beiden hab ich dann gestern Abend mal die Partyszene in Quito getestet. Eigentlich wollten mich die beiden in eine Gay-Disse zerren, aber die hatte dann dank ihrer unverschaemten Eintrittspreise (10$ - und das in Quito) verloren. Die beiden waren eigentlich so scharf auf diese Location, weil sie sich nicht die ganze Nacht von irgendwelchen uebereifrigen Latinos anmachen lassen wollten - daraus war wohl dann nix geworden. Ein paar Ecken weiter in Gringolandia (das ist der moderne Teil Quitos und wird von den Quiteños so genannt, weil sich dort die gesamte europaeische und nordamerikanische Touristerei tummelt) checkten wir dann im Encuentro ein - ein wirklicher Minischuppen mit allerfeinster NRJ-Musik. Auch hier hielten wir, angesichts der ungelogen 70 qm-Location, den Eintritt von 6$ fuer ueberzogen. Die Tatsache, dass Drinks gratis waren, aenderte unsere Meinung. Bis 2 tanzten wir mit einer Hand voll (immer betrunkener werdender) Briten in diesem Minischuppen, dann machte der Laden dicht. Weil Barkeeper Laurent aus Argentinien und ein paar DJs auch noch a bissl Party machen wollten, luden sie uns in die naechste Disse ein. Also schnappten wir uns zwei Taxen, stopften Englaender, Amerikaner, Deutsche, Ecuadorianer und Argentinier hinein und fuhren durch das naechtliche Quito, immer dem vorderen Taxi hinterher. Wo wir am Ende genau waren, kann ich nicht sagen, was allerdings nicht an meinem Alkoholkonsum lag. Die Disse, in die wir letzendlich hineinschluepften erinnerte ein wenig an das Nachcafé limited in Leipzig, nur das sie wesentlich groesser war. Was die Musi angeht, so spielen die hier nahezu das Gleiche wie in Europa, was allerdings vermutlich auch daran liegt, dass wir in Gringolandia unterwegs waren. Gegen fuenf waren wir wieder zu Hause. Um 7 klingelte mein Wecker, weil ich nach Otavalo wollte - einer Stadt 2 Stunden im Norden von Quito. Hab ich auch geschafft. Etwas muede und mit zwei Colaflaschen im Gepaeck hab ich um halb 10 nen Bus genommen. Hier in Otavalo gibt es einen riesigen Samstagsmarkt mit Handarbeiten von Indios, Klamotten, allen moeglichen Fruechten und jede Menge technischer Schund. Am Nachmittag wollte ich eigentlich ein bisschen in der Umgebung wandern gehen, ein Gewitter und PLatzregen machten aber meinem Plaene zu Nichte. Naja - da konnte ich wenigstens den fehlende Schlaf der Vornacht nachholen - auch fein. Wanderung dann zum Tage der Papa-Einfuehrung.

21.04.2005 um 13:26 Uhr

¡Viva Ecuador! Chronologie eines Aufstandes

von: JaMue

Stimmung: Was Quito angeht - ruhiger.
Musik: herrliche Ruhe

Gestern begannen die Proteste in Quito wesentlich frueher. Schon am Morgen sind die Busfahrer in den Streik getreten und hatten saemtliche Zufahrtsstrassen nach Quito blockiert. Inzwischen hatten sich auch der Gouverneur der Provinz Pichincha und der Buergermeister von Quito den Protesten angeschlossen und den Ruecktritt von Praesident Gutiérrez gefordert.

Waehrend meiner Spanischstunden in der Sprachschule gab es vor dem Gebaeude immer wieder gewalttaetige Auseinandersetzungen zwischen Polizei, Militaer und Demonstranten (Hatte ich erwaehnt, dass meine Schule gegenueber dem Parlament ist?? ;-)).

(Photo: Jakob Mueller)

Gegen 12 beschloss die Schule, fuer heute Schluss zu machen, da die Polizei vor der Schule schon wieder Unmengen Gas auf die Protestanten geschossen hatte. Mit einem Taschentuch vor Nase und Mund verliessen wir fluchtartig die Schule und zogen uns etwas oberhalb der Basilica zu  meinem Haus zurueck. Diego brachte dann die zwei amerikanischen Sprachschuelerinnen nach Hause in die Neustadt.
Ich bewaffnete mich unterdessen mit Digicam und Spiegelreflex und zog wieder auf die Benalcazar, dass ict die Strasse, die von mir aus direkt in die Altstadt fuehrt. Allerdings muss sie bis zur Altstadt vielleicht einhundert Hoehenmeter nach unten absolvieren - ein paar hundert Meter von meinem Haus entfernt hatte ich also einen guten und relativ sicheren Aussichtspunkt auf die Ereignisse in der Altstadt. Vor mir lagen brennende Barrikaden, hunderte Demonstranten (stehend) und etwas weiter vorn die Barrikaden vom Militaer. Immer wieder rueckten Soldaten in die Menge und versuchten die Protestanten zurueckzudraengen - die waren allerdings hartnaeckig und nahmen sich jeden Meter wieder zurueck (aehnlich WW I - Stellungskrieg). Ich war vom Brennpunkt vielleicht 2 bis 300 Meter entfernt, mein Tele besorgte den Rest. Von den Gsawolken blieb ich auf meinem Posten aber leider nicht verschont. Circa 2 Stunden zog ich mit der Camera durch ein paar Strassen auf halber Hoehe, um dann gemeinsam mit anderen Demonstranten die Lage in der Altstadt aus verschiedenen Perspektiven zu beobachten.

(Photo: Jakob Mueller)

Nachdem sich vorest keine grossen Veraenderungen an der Lage andeuteten, besiegte der Mittagshunger meine Neugier.

Nach einem Teller Spaghetti mit Ketchup (mein Supermarkt liegt in der Kampfzone, ist seit zwei Tagen dicht und mein Kuehlschrank gibt nicht mehr her) ging ich rauf zu Diego. Er und seine Familie verfolgten die Ereignisse am Fernseher. Jede noch so kleine Fernseh- und Radiostation berichtet von allen moeglichen Brennpunkten in der Stadt - claro, dass das Thema No. 1 ist (Was fuer´n dankbares Nachrichtenthema ;-)). Kurz nach 14 Uhr gab das Militaer auf einer Pressekonferenz (PK) bekannt, dass es den Praesidenten (auch: Diktator) nicht mehr laenger unterstuetzen werde. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie die ersten Soldaten ihre Posten verliessen. Nur wenig spaeter hatten Demonstranten bereits das Sozialministerium gestuermt. teilweise gepluendert und alles kurz und klein geschlagen. Nachdem sie damit fertig waren, legten sie in den unteren Etagen Feuer - alles "en vivo" - also vor laufenden Kameras.

Unterdessen kam die Eilmeldung rein, dass der Praesident nach Panamá ins Exil gehen moechte - ein beliebtes Land fuer Ecuadors korrupte und kriminelle Praesidenten. Er waere bereits der Dritte oder Vierte und befaende sich damit in guter Gesellschaft.

Fast zeitgleich wurde im Nationalkongress der neue Praesident, Alfredo Palacio (ein Arzt, der vor einigen Jahren schon mal Vizepraesident war), vereidigt.

Kamerawechsel. Ein Heli landet auf dem Regierungspalast und nimmt offenbar den (inzwischen EX-)Praesidenten auf.

Wieder Ortswechsel. Schwarzer Rauch steigt aus dem Sozialministerium auf, die wolke haengt ueber der Stadt und einige Mitarbeiter stehen offenbar verzweifelt in den oberen Etagen an den Fenstern und warten auf die Feuerwehr. Das Chaos um das Ministeriumsgebaeude scheint komlpett - die Polizei ueberliess das Gebaeude einfach der aufgebrachten Menge. Nach einer Ewigkeit trifft ein erster Loeschzug ein. An einem Fenster taucht auf einmal ein Mann in Zvil auf, wirft mit diversen Gegenstaenden auf die Masse und zieht dann, wir koennen es vor dem Fernseher kaum glauben, eine Pistole und feuert zwei oder drei Mal in die Menge - ein Mann wird wohl am Bein getroffen. Spaeter erfahre ich von Diego, dass Gutiérrez und Konsorten in Guyaquil, der groessten Stadt Ecuadors, einige Leute gekauft haben, die bewaffnet nach Quito gekommen sind um gegen die Protestler vorzugehen - das zeigt auch, wessen Geistes Kinder Diktator Gutiérrez und seine Leute sind. Der Mann am Fenster gehoerte offenbar zu den Proregierungsrebellen.

In der Altstadt haben inzwischen die Demonstranten die Placa de la Independencia vor dem Regierungspalast eingenommen und feiern den Ruecktritt von von Gutiérrez. Eine Hundertschaft Soldaten sichert in Form einer Menschenkette den Palast und bewahrt ihn somit offenkundig vor Pluederung und Erstuermung durch die aufgebrachten Demonstranten.

Ortswechsel. An einem anderen Brennpunkt zeigt die Kamera wieder Demonstranten. Unter ihnen wieder einige Proregierungsterroristen. Ein Typ schiesst mit einer Pistole in die Menge - die Polizei macht vorerst nicht. Danach rennt er weg - die Kamera verfolgt ihn noch bis er aus der Perspektive laeuft - jetzt sieht alles ein wenig kopflos aus und es riecht ein wenig nach Anarchie.

Inzwischen schwebt der Expraesident auf dem Hauptstadtflughafen Mariscal Sucre ein. Dort steht bereits eine zweimotorige kleine Maschine fuer ihn bereit, die ihn ausser Landes bringen soll. Kurz zuvor liess die Polizei allerdings den Flughafen abriegeln, um eine Flucht zu verhindern. Ausserdem ist eine Menge aufgebrachter Menschen bereits auf dem Flugfeld in Richtung Heli unterwegs, um die Flucht von Gutiérrez zu verhindern. Gerade als er vmo Heli in die kleine Maschine wechseln will, scheint dem Piloten der Zweimotorigen die Lage zu heikel. Er faehrt die Treppe wieder ein und dreht wieder in Richtung Startbahn. Gutierrez flieht wieder in den Heli. Was daraufhin passiert zeigt das Fernsehen nicht und es ist auch heute noch unklar. Gestern hiess es zehn Minuten nach den Fluchtbildern, Gutiérrez sei noch auf dem Mariscal Sucre festgenommen worden - heute Nacht meldete eine brasilianische Radiostation, dass Gutiérrez in die brasilianische Botschaft in Quito gefluechtet sei und politisches Asyl beantragt habe. Wie und ob ueberhaupt, ist unklar - aber das wird sich wohl in den naechsten Tagen herausstellen.

Die Feuerwehr ist inzwischen komlpett damit beschaeftigt, das Sozialministerium zu evakuieren und die Polizei scheint ihre Aufgaben wieder aufgenommen zu haben und hat die ersten Brandschatzer und Pluenderer festgenommen. Angeblich sollen unter den Gefassten auch einige der Todesschwadronen sein - hier glaubt aber keiner so recht daran, dass sie gefasst worden.

Auf der Plaza de la Independencia vor dem Regierungspalast beruhigt sich die Lage - die Menge lichtet sich langsam.

Fuer 16 Uhr bin ich eigentlich zu einem Telefongespraech mit meinen Ellis verabredet, als mir auffaellt, dass ich ihnen die falsche Nummer von Diego gegeben habe. Weil ich mit Diegos Telefon (warum auch immer) nicht nach Deutschland durchkomme, beschliesse ich einen kurzen Spaziergang zu den naechsten Telecabinas oder wahlweise zu einem Internetcafé. Die Stadt ist allerdings wie leer gefegt - ueberall sind Ueberreste von verbrannten Barrikaden zu sehen, die Strassen sehen aus wie nach der Schlacht. Auch der beissende Geruch von Gas liegt noch in der Luft. Fast alle Geschaefte haben die metallernen Rollos runtergelassen, teilweise liegen aufgetretene Polizeiabspergitter an den Seiten. Nach einer Runde um den Block finde ich endlich ein Internetcafé, dass den Krawallen getrotzt hat. Mit einer SMS beauftrage ich Daniel, meinen Ellis die korrekte Nummer mitzuteilen - es klappt (Gracias Señor Danson!)!Kaum wieder in Diegos Wohnung haelt mir auch schon Toni, der kleine (groessere) Sohn von Diego an der Tuer das Telefon entgegen und sagt: "Tú mamá!"

Am Abend und in der Nacht giesst es erstmals durchgaengig in Stroemen, als wollte das Wetter die Unruhen der letzten Tage wegspuelen. Wenngleich es das nicht kann, so reinigt der Regen wenigstens die Luft von diesem bestialischen Gasgeruch - und dass ist schon Einiges.

PS:

Was uebrigens meinen Test angeht, Freunde, den hab ich trotz Unruhen mit ¡Muy bien! gemacht - man bin ich stolz auf mich ;-)))

21.04.2005 um 11:02 Uhr

Ich lebe! ;-))

von: JaMue

Nach den gstrigen Ereignissen hat sich die Lage wieder beruhigt - neuer Praesident - neues Glueck. Ein ausfuehrlicher Bericht zu gestern mit allen Aufstandsdetails folgt in einigen Stunden.

20.04.2005 um 11:03 Uhr

¡Asesino! und ¡Lucio fuera! - es wird heiss in Quito

von: JaMue

Stimmung: vernebelt durch Senfgas
Musik: Sirnen und Protestrufe

Auch in der vergangenen Nacht hat es wieder heftige Proteste in Quito gegeben. 10.000 sind durch die Strassen gezogen und haben wieder den Ruecktritt von Lucio Guitiérrez, dem hiesigen Staatschef gefordert. Eigentlich wollte ich am Abend lernen, weil ich heute einen ersten Test hatte, aber die Protestmaersche nahmen auch vor meinem Haus kein Ende, so dass ich mir doch die Sache mal selbst anschauen musste. Nachdem schon wieder der Wind einiges Gas auch in mein Zimmer geweht hatte, beschloss ich mich, in die Protestmasse zu stuerzen. Mit David, meinem ecuadorianischen Mitbewohner, bin ich in Richtung Altstadt gezogen. Immer wieder ueberholten uns hupende Autocorsos und an einer Kreuzung etwsa oberhalb blieben wir bei einer Gruppe Demonstranten stehen. Ich hatte mit meiner Digicam einige Fotos gemacht. Alle ein paar Meter brannten kleinere Muellhaufen auf den Strassen und die Innenstadt rund um den Regierungspalast war komplett vom Militaer abgeriegelt. Immer wieder schoss die Polizei Gas auf die Demonstranten und dieses ekelhafte Zeug hing ueber der ganzen Stadt. Als die Nachrichte ueber das Radio kam, dass ein chilenischer Journalist durch das Gas (inzwischen nutzen sie Senfgas - auch nicht so lecker) ums Leben gekommen ist, kamen noch mehr Leute auf die Strassen. Die Menge schrie "Asesino!", was soviel heisst wie "Moerder!" in Richtung Regiernugspalast. Gegen Elf  stimmte die Menge dann ganz spontan die Nationalhymne an und sang sie voller Inbrunst. Dsa Zeichender ganzen Protestbewegung ist hier auch die Nationalflagge, mit der alle Demonstranten durch die Strassen ziehen, waehrend sie "Lucio fuera" (Lucio verschwinde) rufen. Der Praeside3nt hat wohl unterdessen geaeussert, das er nicht im Traum an einen Ruecktritt denkt - woertlich soll er sogar gemeint haben: Mich bekommt ihr nur tot hier (aus dem Regierungspalast) raus. Auch heute kreisen wieder schon tagsueber Militaerhelis ueber der Stadt und die Praesenz der Sicherheitskraefte wurde nochmal aufgestockt. Der Tod des Journalisten wird wohl die Proteste vorerst weiter anheizen und ich kann weiter nicht bei offenem Fenster schlafen (zugegeben ist das aber hier nicht das groesste Problem). Heute Abend will ich mit David ein bisschen eher bei den Protesten sein und weitere Fotos schiessen. Sobald ich einen Computer mit USB finde, gibts die dann hier. Aber macht Euch keine Sorgen - ich hab  nicht vor mich mit den Soldaten zu pruegeln. Es gibt ne Menge guter Aussichtspunkte, am Gas kommt man sowieso nirgendwo in der Stadt vorbei. ;-(
Also hasta mañana -  in alter Frische .

18.04.2005 um 17:01 Uhr

Ausnahmezustand, Vulkane und herrliche Landschaft ...

von: JaMue

Kurzer Wochenendbericht. Nachdem ich am Freitag noch nicht so ganz schluessig war, was ich am Wochenende machen soll, hab ich einfach mit Diego geredet. Der hat mir dann gleich empfohlen, ein wenig in den Sueden zu ziehen und mir dort den Quilotoa-Vulkan anzuschauen. Das Feine daran: Eine Sprachlehrerin und eine Schuelerin aus meiner Schule waren gerade dort unterwegs - also organisierte Diego ein Treffen. Samstag Morgen gings dann gegen 7 zum Terminal Terrestre, wo ich dann in einen Bus nach Latacunga genommen habe. Das ist eine mittlere Stadt circa 70 Kilometer suedlich von Quito. Dort traf ich dann auf dem Busbahnhos Adriana und Daniela aus der Schweiz. Zu dritt sind wir dann mit einem weiteren Bus nach Zumbahua weitergeschaukelt. In Zumbahua gibt es Samstags einen ganz interessanten Markt der Indios, den haben wir uns dann leider unter heftigem Regenschauer angeschaut. War alles ziemlich dreckig und Zumbahua ist auch alles andere als malerisch - trotzdem hatte der Markt so sein nette Atmosphaere - waer ja auch bloed, wenns blitzeblanco sauber waere - wuerde nicht hierherpassen ;-).

Am Nachmittag gings dann auf der Ladeflaeche eines Pick-Ups weiter nach Quilotoa auf ca 4.000 Meter Hoehe. Quilotoa ist ein Vulkan, der in der Kratermitte einen tiefblauen See versteckt - vom Kraterrand hat man eine herrliche Aussicht. Nachdem wir ein Hostal im Ort klar gemacht haben, sind wir ein bisschen auf dem Kraterrand umherspaziert - ich haette den Krater gern umrundet (die Schweizerin im Uebrigen auch) aber leider war Adriana, unsere Sprachlehrerin, nicht so fuers Wandern zu begeistern - ausserdem machte ihr die Hoehe merklich zu schaffen. Am Abend wurden wir dann mit indigener Kueche bekocht. Die Nacht da oben war schon etwas frischer als in Quito, interessant sind vor allem die Winde, die am Abend wie aus dem Nichts aufkommen und echt stark sind.

Am naechsten Morgen konnten wir Adriana davon ueberzeugen, den Weg nach Zumbahua zurueck zu laufen. Das war ein 3stuendiger Weg, mitten ueber das Hochplateau in 3.800 Metern Hoehe. Vor sich hat man ein paar Gipfel, die teilweise in den Wolken liegen und an das Nebelgebirge beim Herrn der Ringe erinnern, zu den Seiten ragen ebenfalls begruente Gipfel weit  herauf. Die Vegation ist fuer europaeische Verhaeltnisse auch eher eigen - bis weit ueber 3.000 Meter gibt es ganz normale Nadelwaelder und die indios bestellen auch noch ueber 4.000 Meter ihre Felder. Duerfte fuer Biologen ganz interessant sein. Nach unserer kleinen Wanderung nach Zumbahua zurueck (mit vielen mundgerechten Pausen) haben wir den naechstbesten Bus nach Pujilí genommen. Das ist ein Ort auf dem weg zurueck nach Latacunga. Dort gabs auch nochmal einen Indiomarkt zu sehen, allerdings weit aus groesser und chaotischer als jener in Zumbahua. Am Nachmittag trennten sich dann wieder unsere Wege und ich nahm einen Bus zurueck nach Quito.

Der nette Busfahrer hatte, weil es sich auf der Autobahn nach Quito etwas staute, keine Lust bis zum Busbahnhof zu fahren, weshalb er alle Leute schon 4 Kilometer davor rauswarf und umdrehte. Super dachte ich mir - so ganz ohne Plan und Stadtplan (hatte ich im Glauben zu Hause gelassen, dass ich ihn von Terminal bis zu meinem Apoartment nicht brauche - falsch gedacht!). Nach einigen Erkundungen bei anderen Busfahrern fand ich dann endlich einen, der zumindest in Richtung Busbahnhof fuhr. Am Terminal kam dann die naechste Sache dazu. Der Trolley (O-Busse) fuhr nicht, weil mal wieder in der Altstadt heftig protestiert wurde. Das ist noch nicht das schlimmste, aber leider muss ich zu meinem Apartment auch mitten durch die Altstadt. Das war allerdings nur schwer moeglich, weil die Altstadt weitraeumig vom Militaer mit Strassensperren und Stacheldraht abgeriegelt war. Ich musste mir also einen Weg durch die ( in meinem Fuehrer unter der Rubrik "Nach 15 Uhr meiden, oder nur in der Gruppe auftauchee) etwas aeusseren Barrios bahnen. Selbst vor meinem Haus, das ganze  fuenf Strassen vom Parlament enfernt ist, patroullierte noch schwer bewaffnetes Militaer. Wie ich im Nachhinein erfuhr, hatte der Praesident auf Grund der Proteste wohl schon in der Nacht zum Samstag den Ausnahmezustand ausgerufen. In der Stadt ging wohl deshalb am Wochenende eher wenig, zumal auch wieder alles gesperrt war. Muss wohl auch wieder hier und da gekracht haben und Samstag Nacht sind die Proteste wohl bis 3 Uhr morgens gegangen. Ich kann nur hoffen, dass der Praesident bald mal ciao sagt, weil ich die Strassensperren und Militaeraufmaersche langsam nervig finde - staendig ist mein Supermarkt nicht zu erreichen, weil er in der Regierungszone liegt, zur Post komme ich gar nicht und der Trolley faehrt auch nur noch ab und zu - echt mal Mr. Guitiérrez - das ist doch nicht fein fuer einen Touristen.

Heute war die Sitaution schon wieder entspannter - die Leute gehen naemlich nur in ihrer Freizeit demonstrieren, weil sie auf Arbeit das teilweise lebensnotwendige Geld verdienen. Deshalb krachts hier auch immer erst Abends oder am Wochenende weil sie eben sagen: Erst die Arbeit - dann die Proteste. Ansonsten ist alles weitere loco in Quito, der Luftwechsel in den Bergen hat mir gut getan und jetzt muss ich noch ein paar unregelmaessige Verben lernen. Also ciao und hasta pronto - ausserdem muesst ihr auch mal wieder was tun..... tse tse tse

15.04.2005 um 15:14 Uhr

Dancing... with tears in my eyes...

von: JaMue

Stimmung: Wochenendstimmung

Ecuador kann mir viel beibringen. Beispielsweise dass Kinder prima Arbeitskraefte sind, das nicht alle Latinas huebsch sind und, ganz wichtig in diesen Tagen, wie ein Staat sich mit Militaer und Polizei die Macht sichern kann! Dazu gehoerte auch gestrige Lektion - Thema: Wie fuehlt sich eigentlich Traenengas an?

Zugegeben, diese Lektion haette ich bereits bei einigen Happenings in Leipzig-Connewitz oder am 3. Oktober letzten Jahres auf der Karli lernen koennen, wenn es mich denn jemals gereizt haette. Aber bisher konnte ich ganz gut ohne leben! Aber zum Thema. Gestern hielten die Proteste in der Stadt weiter an und meine Schule war so gut gesichert, wie die mexianische Grenze auf amerikanischer Seite - zumindest aus militaerischen Gesichtspunkten. Leider stand sie auch mitten auf dem Schlachtfeld, weil, ich erwaehne es immer wieder gern, sie ja genau gegenueber dem Parlament steht. Am vormittag, auf dem Weg zur Schule, sah eigentlich alles ganz entspannt aus, trotz Wasserwerfer, Raeumfahrzeuge und hunderter, sonnbebrillter Chicos in Flecktarn. Nach dem Unterricht wollte ich mir nun endlich mal die Neustadt geben, bisher war ich naemlich noch nicht da. Nach meinem Bummel durch die moderne Stadt kam ich wieder in meine Gegend zurueck. Als ich grad die Strasse Richtung Schule einschlug, sah ich lustig-durcheinanderrennende Soldaten und in ihrer Mitte, liebevoll mit Schlagstoecken in die Schranken gewiesen, einige Demonstranten. Die Hauptaction schien aber grade vorueber gewesen zu sein als ich  mich dem Schlachtfeld naeherte. Allerdings bekam ich in diesem Moment einen heftigen Niesanfall und wunderte mich erstmal, was denn jetzt schon wieder rumfliegt. Dann setzte auf einmal in Augen, Nase und Lunge ein Beissen ein und ich konnte mir an drei Fingern abzaehlen was das war. Sieh an, auf einmal war auch voellig klar, warum die ganzen Soldaten auf der Strasse mit Gasmasken rumrannten - haett ich mir doch denken koennen! Also nahm ich mir ein Taschentuch (natuerlich nachdem ich schon eine kraeftige Prise inhaliert hatte) vor die Nase und machte mich daran, meinen Weg durch die Fronten fortzusetzen - mit einer Erfahrung reicher. Naemlich: Das Taschentuch half ueberhaupt nicht und erst nach einer Stunde ging es meinen Augen wieder besser. Den Soldaten schien die ganze Sache (also Strassenschlacht, Traenengaseinsatz und Schlagstockfechten) relativen Spass zu machen, denn waehrend in der einen Ecke noch ein sich wehrender Demonstrant festgemacht wurde, spielten nur wenige Meter davon entfermt die (wie gesagt ziemlich coolen) Soldaten schon wieder Fussball - ein bisschen nach dem Motto - fuenf Minuten Strassenschlacht - halbe Stunde Pause - wieder fuenf Minuten Strassenschlacht und dann aber ab nach Hause. Und, man glaubt es kaum, auch die Demonstranten goennen den Militaers ihre wohlverdienten Fussballpausen. La vida loco.....

13.04.2005 um 14:38 Uhr

"Ganz normal"....

von: JaMue

Stimmung: etwas muede von der Schule
Musik: Lalla lalla, canciones latinas schallen mal wieder aus dem radio, dass diesmal direkt neben dem bildschirm steht

So langsam koennte man meinen, dass es in der Altstadt von Quito mehr Polizei und Militaer als Einwohner gibt. Auch auf dem Weg zu meiner Sprachschule (ich hatte schon erwaehnt, dass sie gegenueber dem Parlament ist?!) muss ich mich seit heute durch ein Spalier von bewaffneten Militaers druecken. Die Altstadt war heute morgen komplett abgeriegelt und die Strassen sind ungewoehnlich ruhig. Sieht alles derzeit nach Ausnahmezustad aus, ist es aber, fragt man nach, offenbar nicht! Diego, mein Sprachschuldirex und Ecuador-V-Mann hat mir heute morgen nur kurz erklaert, dass der Praesident und die gesamte Regierung wohl mal wieder Angst haben, vom Volke gelyncht zu werden. Diego kommentierte das Ganze mit einem Wedeln der Hand vor dem Gesicht. Er haelt die Regierung ohnehin fuer unfaehig - aber das schient keine besondere Eigenschaft dieser Regierung zu sein. Auf jeden Fall hatte am Abend schon Demonstrationen auf dem Placa Grande vor dem Regierungsgebaeude gegeben und wahrscheinlich haben sie deshalb heute morgen die Altstadt gleich komplett abgeriegelt, damit sich der Praesident nicht mit unzufriedenen Buergern abgeben muss. Worum es ganz konkret zurzeit geht, kann ich leider immernoch nicht sagen, weil ich bisher kein deutsch- oder englischsprachiges Medium gefunden habe, dass sich fuer die aktuelle Lage in Ecuador interessiert. Aber das sollte mir Ansporn sein, schnell Spanisch zu lernen. Achso, was ich ja eigentlich sagen wollte - oben beschriebene Situation ist offenbar nur fuer den Gringo etwas ungewoehnlich - Jimena, Diegos Frau, meinte heute morgen beim Fruehstueck alles sei wie immer - Bewaffnete Militaers, Strassensperren, Demonstrationen und unertschaften an Polizei - eben GANZ NORMAL!

PS: Trotz allem fuehle ich mich dadurch nicht unsicher in Quito - die Polizisten und Militaers sind alle ganz locker und vertreiben sich seit dem Mittag die Zeit mit Fussball und Volleyballspielen auf den abgesperrten Strassen - vielleicht wollen sie ja bloss spielen...

11.04.2005 um 14:56 Uhr

Erster Schultag - nach fuenf Jahren!

von: JaMue

So Freunde, der Jakob dreuckt ab sofort wieder die Schulbank. Nix mehr mit dem Reisenden-Lotterleben - jetzt wird gelernt! Heute Morgen um 9 hatte ich meinen ersten Spanisch-Unterricht.

Mein Lehrer heisst Iban, ist, wenn ueberhaupt, 30 Jahre alt und ein lockerer Ecuadorianer. Der Unterricht laeuft Eins-zu-Eins und findet komplett in Spanisch statt. Zum Glueck kann Iban aber auch das ein oder andere Wort Englisch, falls mal mein Woerterbuch versagt. Die Bilanz von 4 Stunden Unterricht.

Ueber 170 neue Vokabeln (ohje, die muss i heut noch lernen), diverse Verben und ihre Konjugantionen,Personalpronomen und ihr Einsatz etc. etc. Natuerlich hab ich auch Hausausfgaben, die ich bis morgen machen muss - ist also alles wie frueher in der Schule. Das ist beruhigend ;-)

Nach der Schule wollte ich ein bisschen einkaufen gehen - bisher leider nicht moeglich, weil der Supermarkt natuerlich gerade seine 3-stuendige Pause macht (Aber Sonntags oeffnen, jaja!). Also hab ich mir die Zeit mit einem Spaziergang durch die Altstadt vertrieben - irgendwas ist mal wieder im Gange. Rund um den Regierungspalast, der mitten am Hauptplatz in der Altstadt steht, druecken sich Hundertschaften von Polizei und schwer bewaffneter Militaers rum. Ausserdem stehen ueberall Wasserwerfer und Raeumfahrzeuge rum (Normal stehen nur zwei davon am Parlament, das genau gegenueber meiner Schule ist). Weiss nicht, ob es heute noch ne richtig fette Party auf dem Unabhaengigkeitsplatz zu erwarten gibt. Ueber die politische Lage hier bin ich zugegeben auch noch nicht so gut informiert. Allerdings scheinen die meisten hier mit der aktuellen Regierung wenig zufrieden zu sein, weshalb auch die ganze Zeit ueber verschaerfte Sicherheitsmassnahmen gelten. Diego, mein Sprachschuldirektor und Fruehstuecksgenosse hat mir nur kurz erklaert, dass er den Praesidenten nicht sonderlich mag. So, jetzt ist es noch eine halbe Stunde, bis der Supermarkt wieder aufmacht, werd mir dann was feines kochen und mich dann an meine Hausaufgaben setzen. Will ja schliesslich ein fleissiger Schueler sein und aussderm nervt es mich, nicht einfach draufloslabern zu koennen.

10.04.2005 um 17:03 Uhr

Mitad del Mundo und Virgen de Quito

von: JaMue

Samstag und Sonntag habe ich meine Kreise, in denen ich mich in Quito so fortbewege, langsam aber sicher erweitert. Am Samstag war nocheinmal ein ausfuehrlicher Spaziergang durch die Altstadt angesagt. Diego hat mich zum Fruehstueck auf dies und und das in Sachen Sicherheit hingewiesen. Ein Regenguss brachte mich dann wieder in ein trockenes Internetcafé.

Am Sonntag hab ich meinen ersten kleinen Ausflug weg von Quito gemacht. Ich fuhr mit dem Bus gut 20 Kilometer nach Mitad del Mundo im Norden. Das ist der Aequatorpunkt in Ecuador, wo es moeglich ist, mit dem einen Bein auf der Nord- und mit dem anderen auf der Suedhalbkugel der Erde zu stehen. Vor ein paar Jahren haben sie dort ein grosses Monument hingesetzt, das von einer metallernen Erdkugel gekroent wird. In dem Monumet gibt es ein ethnografisches Museum, das ueber saemtliche Volksstaemme in Ecuador informiert - leider steht da soviel geschrieben, dass man spaetestens nach zehn Volksstaemmen des Lernens ueberdruessig ist - trotzdem interessant!

Leider haben die Ecuadorianer ihr Monument an der falschen Stelle aufgebaut - aber es steht wenigstens in der Naehe des Aequators. Der eigentliche "Mittelpunkt der Erde" liegt circa 300 Meter weiter im Norden, was wohl auch heute durch GPS bestaetigt ist. An diesem Punkt gibt es wiederum ein RICHTIG interessantes Museum, das sich Inti-Ñan nennt. Dort zeigen sie Dir, dass Du wirklich auf dem Aequator stehst. An dieser Stelle ist es beispielsweise moeglich, ein Ei senkrecht auf einem Nagel zu balancieren, weil dort die Gravitation besonders stark ist. Ich hab es selbst probiert - es klappt. Ausserdem haben sie eine transportable Spuele dort. Knapp neben dem Aequator, erstmal auf der Nordhalbkugel dreht sich das Wasser beim Ablassen gegen den Uhrzeigersinn - auf der anderen Seite mit dem Uhrzeigersinn. Steht die Spuele direkt auf dem Aequator, dann gibt es gar keinen  Strudel. Einige werden zwar jetzt sagen "Wusst' ich schon!", allerdings ist das wirklich faszinierend, wenn man es mal mit den eigenen Augen sieht.

Nach dieser Physik-Exkursion zum Anfassen hab ich wieder den Bus zurueck nach Quito genommen (40 US-Cent) und bin direkt auf den Panecillo gefahren. Das ist ein Berg mitten in Quito, auf dem die Virgen de Quito, also die Jungfrau von Quito steht. Das kann man sich ein bisschen so vorstellen, wie den Christus in Rio. Von der Staue aus (auf 3.000m - Quito =2850m) hat man einen herrlichen Blick ueber die Stadt, die ja inmitten von hohen Bergen (die meisten mindestens ueber 3000m) liegt. Ich haette mir den Berg gern schon vorher angesehen, es gibt aber leider nur Sonntags einen Bus rauf. Das hat uebrigens nichts mit meiner Faulheit zu tun. Der Berg waere zwar zu Fuss kein Problem, jeder raet einem aber leider davon ab, weil die Wahrscheinlichkeit als Tourist ueberfallen zu werden auf dem Weg nach oben wohl bei guten 80 Prozent liegt. Und den ersten Ueberfall wollte ich mir noch ein wenig aufsparen, wenn sogar ganz aussparen. Soweit zum Wochenende.

08.04.2005 um 13:02 Uhr

27 Grad, Sonne, vereinzelt Wolken - Quito!

von: JaMue

Musik: ecuadorianische Weisen schallen aus dem Radio im Netcafe

Mein Flug nach Quito war relativ entspannt. Donnerstag morgens um 6 noch mit meinem Kollegen Markus auf dem Leipziger Flughafen eine Cola getrunken, dann gehts los. Der Flug nach Frankfurt laeuft ohne Probleme. In Frankfurt habe ich 2 Stunden Aufenthalt. Hier ergibt sich der erste Kontakt. Ich komme beim Warten mit einem Iraner ins Gespraech, der in den USA lebt. Er kommt gerade aus Teheran und ist auf der Weiterreise nach Phoenix, Arizona. Eine Viertelsstunde und einen Kaffee spaeter hab ich auch schon die erste Einladung im Gepaeck - leider in der falschen Richtung - aber vielleicht brauch ich sie ja spaeter mal. Ausserdem sagt Dr. G (so nennen hin wohl alle in den USA, weil sich keiner seinen iranischen Namen merken kann) sei er viel unterwegs und moeglicherweise verschlaegt es ihn dieses Jahr noch nach Suedamerika.

Von Frankfurt geht es planmaessig los - die Stewardessen und Stewards sind bester Laune, weil das Flugzeug nicht mal zur Haelfte besetzt ist. Das kommt auch mir gelegen, weil ich so in den Genuss komme, nicht nur am Notausgang sowieso Beinfreiheit ohne Ende zu haben, sondern weil ich mich extra noch ueber den Nachbarsitz ausstrecken kann. Es wird einer der entspanntesten Langstreckenfluege, die ich je gemacht habe. Gegen 14 Uhr Ortszeit lande ich in Caracas, Venezuela. Hier soll ich mich jetzt 6 Stunden im Transfair-Bereich aufhalten - einer der spektakulaersten Bereiche ueberhaupt, in dem es nichts als drei Laeden, zwei Cafes und viele unbequeme Sitze zum Warten gibt. Um meine Langeweile zu ueberbruecken durchmesse ich bestimmt zehn Mal den gesamten Bereich zu Fuss - aber die Zeit will nicht so recht vergehen. 19 Uhr ist das Boarding fuer Quito angekuendigt und als ob ich noch nicht genug auf diesem Flughafen gewartet haette - verschiebt sich das um geschlagene zwei Stunden. Warum - kann mir leider keiner sagen, weil keiner der Flughafenangestellten oder der Airline-Freunde auch nur ein weiteres Wort Englisch als "Don't understand!" sagen kann. Naja, irgendwann gegen zehn duerfen wir dann ins Flugzeug und es geht los in Richtung Quito. Ich schlafe fast die ganze Zeit, was es ein wenig angenehmer macht. Kurz vor 2 Uhr Ortszeit lande ich in Quito. Die Grenzkontrolle und der Zoll sind bereits nach fuenf Minuten durchlaufen und ich komme in den Wartebereich. Dort irgendwo soll Diego stehen, der Direktor meiner Sprachschule, der mir versprochen hat, mich abzuholen. Ja! Er ist da und hat ein Schild mit meinem Namen in der Hand. Nach einer kurzen Begruessung (ich bin inzwischen dank meiner Muedigkeit so Wortkarg, wie selten) fahren wir nach Quito rein zu meinem Apartment. Ich wohne an einem Berg ueber der Altstadt und habe einen phantastischen Blick auf die Basilica-Kirche (siehe Bild)

La Basilica in Quito Pichincha Ecuador

Diego wohnt zwei Etagen ueber mir und bietet mir an, am naechsten Morgen, wann auch immer ich aufwachen moege, in seiner Wohnung zu fruehstuecken. Das Angebot nahm ich heute Morgen gern an. Seine Haushaelterin kochte mir einen schmackhaften Kaffee, stellte mir frische Broetchen hin und presste mir ein Glas frischen Papaya-Saft - ja, Freunde, so laesst es sich leben. Und das Beste ist: Sie spricht auch Englisch, wir mussten uns also nicht die ganze Zeit anschweigen ;-)

Heute Nachmittag will mir Diego die Altsstadt zeigen und ich bin schon sehr gespannt - immerhin gehoert die Altstadt zum UNESCO-Welterbe.

06.04.2005 um 23:01 Uhr

Auf die Plätze......

von: JaMue

7,5 Stunden bleiben mir noch auf sächsischem Boden. Von der erwarteten Aufregung ist bisher noch nichts zu spüren - die einzige Frage, die mir die ganze Zeit durch den Kopf geht ist: 'Hab ich WIRKLICH alles????'

Tagsüber hab ich heute eine große A4-Liste abgearbeitet und dann noch einmal gecheckt, ob auch wirklich alles im Rucksack ist, was hinein soll - offenbar ist dem so. Das einzige, das ich streichen musste, sind die Badelatschen - die liegen wahrscheinlich noch im Telefonschränkchen in meiner alten WG, wo ich sie bestimmt zuletzt nach meinem Dubai-Urlaub verstaut habe. Egal! Ich kauf mir ein paar Neue. Und außerdem muss ich so weniger schleppen. Achso für Statistiker: 15,2 Kilo wiegt mein Rucksack, dazu kommt noch ein kleiner Rucksack - alles in allem ganz human, denke ich.

Ahhhhh - und nochwas hab ich nicht eingepackt: Ein Adressbuch - ja Freunde, tut mir ehrlich leid, aber ich führe sowas nicht. Wer also nicht irgendwann mal von mir Post (elektronische) bekommen hat und aufgefordert wurde, seine Adresse bei Web.de zu vervollständigen, brauch gar nicht erst mit klassischer Post rechnen - da bin ich wenigstens fein raus. Nein Omi, Du brauchst Dir keine sorgen machen, Deine Adresse hab ich im Kopf.

Also - time is running, ich denke, ich werd mir mal noch ein paar Stündchen Schlaf gönnen, bevor's losgeht. Vorher muss ich aber noch die Hefe austrinken - also Prost und auf die Reise!

PS: Hatt' ich's schon erwähnt: I FREU MI!!!!!!!!

03.04.2005 um 18:38 Uhr

there was a party...

von: JaMue

Morgen! Letzte Nacht gabs in Leipzig noch eine kleine Party. Naja, klein ist eigentlich gelogen, weil gegenüber auch noch eine Über-Hundert-Mann-Party lief und wir einfach da weiter gefeiert haben. Ich hab mit Kollegen und Freunden Abschied gefeiert. Feuchtfröhlich haben alle mehr oder weniger bis 6 durchgehalten und ich glaube - zumindest sah es so aus - fast alle hatten eine richtig gute Party. Der Dreck in der Wohnung hielt sich glücklicherweise in Grenzen, weil wir ja in der anderen Wohnung mitgefeiert haben - hihi - aber dafür waren andere Schäden in dieser Nacht zu beklagen:

1 toter Papst - bereits gegen 22:30 Uhr

1 kaputtes Bett - gegen 3 Uhr - 6:37 Uhr bereits notdürftig repariert

1 eingetretene Eingangstür - gegen 5:00 Uhr - ab 6:40 Uhr repariert

Klingt aber alles schlimmer als es ist (vom Papst mal abgesehen). Und auf die eingetretene Wohnungstür und den unliebsamen Gast, der das zu verantworten hat, hätten wir wohl alle gern verzichtet - aber sowas kann eben auch mal vorkommen. Die Stimmung hat's uns glücklicherweise nicht versaut - alles in allem lag ich ab 7 im Bett und ab 15 Uhr war dann aufräumen angesagt. Schön war's!