Südamerika-News von Jakob

30.05.2005 um 14:07 Uhr

Mal wieder nach Quilotoa

von: JaMue

Stimmung: naja, mit nem sinnvollen Hals koennte sie besser sein

Seit Mitte letzter Woche kaempfe ich hier am Aequator mit einem ziemlich boesen Halskasper. Ich dachte eiegntlich nicht, dass er in irgendeiner Form einer Erwaehnung wert waere, da er mich aber nun schon fast drei Tage in Folge die Stimme gekostet hat, hat er sich also auch seinen Platz im Onlinetagebuch verdient. Im Uebrigen ist mein Halskasper wirklich ein resistentes Buerchschen - seit Donnerstag bekaempfe ich ihn sogar medikamentoes, aber er schert sich leider einen Dreck darum. Ist ja nicht so, dass ich in der Sprachschule nicht reden muesste... ;-(

Trotz allem hab ich mich am Freitag von Diego dazu breitschlagen lassen, mit anderen Schuelern nach Quilotoa zu fahren, wo ich bereits am Anfang meines Trips schon mal war.

 

(Photo: Jakob Mueller)

Diesmal allerdings sollte ich mal Guide sein, weil Diego das Wochenende lieber in Quito verbringen wollte. Am Freitag entschieden wir dann recht spontan, noch in der Nacht einen Bus zumindest grob in die Richtung zu nehmen.

(Photo: Jakob Mueller)

In Latacunga sind wir dann nachts in einem Hotel am Hauptplatz abgestiegen, das fuer seinen Preis von 8 Dollar ziemlich wenig zu bieten hatte. Mich erinnerte es eher an eine tschechische Jugendherberge, aber gut. Samstag morgen sind wir dann recht zeit mit Taxifahrer Pedro zum Terminal Terrestre geduest, um dort den Bus nach Zumbahua zu nehmen. Mein einziges Ziel auf diesem Trip war, den Krater in Quilotoa diesmal zu umrunden. Als ich das erste mal dort war, waren wir nur ein bisschen auf dem Kraterrand spazieren gegangen, weil Adriana wenig vom Wandern hielt - diesmal konnte ich meinen Freunden Sprachschulkollegen einfach sagen, dass wir das machen ;-).

Noch am Morgen haben wir in Zumbahua kurz ueber den Markt geschaut

(Photo: Jakob Mueller)

(Photo: Jakob Mueller)

 

(Photo: Jakob Mueller)

und sind dann in einem alten Fordbus hoch auf 4.000m Hoehe nach Quilotoa gefahren. Dort bezogen wir fix die Cabañas Quilotoa und kurz darauf machten wir uns auch schon auf zur Kraterumrundung. Mein Guide sagt, dass man dafuer etwa 6 Stunden benoetigt, so richtig konnte ich mir das nicht vorstellen.

Meinen Mitkaempfern hatte ich die Tour als "leicht" beschrieben, was ich spaeter ein wenig korrigieren musste.

(Photo: Jakob Mueller)

(v.l.n.r. Barbara (BRD), Erik (USA), Melanie (BRD), Nick (UK) und vorn Meinereinerseiner (BRD)

Auf jeden Fall genossen wir vom Kraterrand aus atemberaubende Blicke auf den gruen-leuchtenden Kratersee und ich denke die Landschaft war letztendlich die Strapazen wert.

(Photo: Jakob Mueller)

Das mussten dann auch meine Sprachschulkollegen eingestehen, wenngleich ich meinerseits eingestehen musste, dass es sich doch nicht um einen "easy walk" gehandelt hatte, sondern doch eher einem "hike" nahegekommen war. Am Abend wieder zurueck in unserer Huette gabs das wohlverdiente Bierchen, dass allerdings Erik aus den USA wohl aufgrund der Hoehe leider nicht so bekam. Er hatte sich bereits kurz nach dem Genuss ins Bett verabschiedet. Die Nacht war arschkalt - eisiger wind fegte die ganze Nacht durch die Ritzen und ich hatte dummerweise meinen schoenen, warmen Schlafsack in Quito gelassen. Ich schlief dementsprechend kurz und war schon um 6 wieder auf den Beinen. Zumindest hatte ich mich bis in den Essraum zum Ofen geschleppt um dort die ersten Waermestrahlen zu erhaschen. Ich hatte Quilotoa nicht SO kalt in Erinnerung und ich glaube auch, dass es das letzte mal wesentlich angenehmere Temperaturen in der Nacht gab, aber beim naechsten Mal (obs das nochmal gibt?) ist der Schlafsack auf Jedsten mit von der Partie. Am Sonntag fiel es mir dann schwer, Barbara (Deutschland), Melanie (Deutschland), Nick (GB) und Erik (USA) davon zu ueberzeugen, dass der Weg zu Fuss nach Zumbahua wirklich ein "easy walk" ist. Letztendlich bekam ich sie aber doch dazu, nicht mit dem Pickup ins Tal zu duesen, sondern den Weg binnen 3 Stunden nach unten zu laufen - am Ende waren sogar sie froh, dass sie sich dafuer entschieden hatten. In  Zumbahua huepften wir dann sogleich in einen stinkenden Bus und fuhren nach Pujili, wo wir uns noch einen Markt anschauten.

(Photo: Jakob Mueller)

Nick und ich hatten dort das erste mal eine ecuadoriansche Getraenkespezialitaet probiert: "Batido" - das ist Saft gemixt mit Bier, Eiern, Karamel und Bananen. Wegen der Eier hatte ich so meine Bedenken, aber ich muss sagen: War gar nicht so schlecht. Hinzu kam, dass Erik zahlen musste, weil er der festen Ueberzeugung war, wir wuerden das Gebraeu nicht trinken, aber da hatte er sich getaeuscht. Am Abend waren wir dann wieder in Quito und ich musste feststellen, dass unser Apartment inzwischen zum Bersten voll ist. Eine Neuseelaenderin und noch ein Englaender sind ueber das Wochenende angekommen und Wohnen jetzt auch in der Wohnung. Im allgemeinen praktiziere ich zurzeit 60 Prozent Englisch und 40 Prozent Spanisch. So richtig passt mir das nicht, aber die neuen koennen leider alle noch kein Wort in Spanisch, so dass wir zu Englisch gezwungen sind. Allerdings verlangsamt das wirklich ein wenig den Lernerfolg im Spanischen - aber da kann man nix machen. Noch zwei Wochen werd ich die Sprachschule machen und mich dann auf den Weg nach Sueden machen. Naechstes Wochenende gilt es erstmal um Karten zu kaempfen - Karten fuer das WM-Qualispiel Ecuador vers. Argentinien in Quito. Hoffe, dass wir fuer den doppelten Preis noch Karten auf dem Schwarzmarkt bekommen koennen - das Spiel ist naemlich eigentlich schon ausverkauft - aber die Chancen stehen wohl gut. Drueckt also bitte mal die Daumen. Ausserdem bin ich grad am Ueberlegen, ob ich mir noch einen Cotopaxi-Besteigung antun moechte - ich hab grosse Lust dazu, aber dazu muss ich wieder topfit sein. Moeglicherweise in zwei Wochen - Nick hat auch schon daran Interesse bekundet. Soweit erstmal aus dem ecuadorianischen Leben, morgen oder uebermorgen gibts noch Fotos zu diesem Bericht. Ciao ciao.

 

PS: Jetzt sind sie da, die Photos. 01.06.2005 - 15:55 Ecuzeit

23.05.2005 um 12:57 Uhr

¡Ahora tengo una profesora!

von: JaMue

Musik: Luefterrauschen aus dem Computador

Seit heute druecke ich wieder kraeftig die Schulbank in Quito. Das hab ich, ehrlich gesagt, auch dringend wieder noetig, nachdem ich in den letzten Wochen bis auf ein paar Saetze fast komplett wieder auf Deutsch und Englisch umgestiegen war. Aber da ich den Daniel ja gestern wieder ins Flugzeug gesetzt habe, kann ich mich jetzt wieder auf Spanisch konzentrieren. Zwei Wochen koennen einen doch schon eine ganze Menge vergessen lassen. Allerdings hab ich seit heute einen neuen Lehrer - oder besser: Eine neue Lehrerin! Sie heisst Jeanette, ist eine Negra und sehr nachsichtig mit mir, was die zwei Wochen Sprachferien angeht. Allerdings kommt vieles auch schnell wieder. Insgesamt werd ich wohl jetzt noch 3 Wochen Sprachschule machen und mich dann langsam auf den Weg in Richtung Peru machen - wird Zeit, schliesslich steht der Juni vor der Tuer.

21.05.2005 um 14:34 Uhr

Anacondas, Lianen und Moskitos - Dschungeltrip bei Lago Agrio

von: JaMue

Stimmung: gut

Nachdem wir am Sonntag einen kleinen Trip zum Mitad del Mundo gemacht haben,

(Photo: Daniel Josten)

der diesmal bedeutend schwieriger war, weil die Quiteños eine Woche vorher eine neues Elektrobussystem eingefuehrt haben, sind wir ganz entspannt am Montag Mittag in Quito in die TAME-Maschine nach Lago Agrio (Nueva Loja) gestiegen. Zwanzig Minuten spaeter setzten wir auf einer, oh Wunder, Asphaltpiste mitten in Dschungel auf. Kaum aus dem Flieger draussen wehte uns ein 40 Grad heiss-feuchtes Lueftchen entgegen. Der Schweiss perlte bereits vom aufs-Gepaeck-warten in Beachen von der Stirn. Lago Agrio ist einer der kleinsten Flughaefen (oder doch eher Plaetze), die ich je gesehen hab. Eine kleine Baracke dient als Warteraum, drei bis an die Zaehne bewaffnete Soldaten sollen wohl fuer Sicherheit sorgen und ein kleiner Traktor mit Anhaenger bringt das Gepaeck aus der 727 die zehn Meter bis zur Wartebaracke.

(Photo: Daniel Josten)

Eine duenne Wand trennt Ankunft und Abflugbereich und das Schild "Domestic and INTERNATIONAL Arrivals" ist wohl auch eher als Witz zu betrachten. Naja, eine Menge Oelarbeiter nutzen diesen Flugplatz, weil rund um Lago Agrio kraeftig Oel gefoerdert wird, natuerlich von TEXACO, und die stoert die eher rudimentaere Ausstattung des Flughafens wohl eher nicht.

Also, 40 Grad, feuchte Luft und als naechstes stand ein Pick-Up fuer uns bereit, der uns ueber eine Schotter und Staubpiste in den drei Stunden entfernten Cuayabeno-Nationalpark bringen sollte. Wir, das waren inzwischen Daniel, ich, Andres und Kim aus den Niederlanden und Gregor aus Augsburg, klemmten nun also zu fuenft auf 4 Sitzen (unser Fahrer hatte ja gluecklicherweise seinen eigenen) schwitzen uns gegenseitig voll, als der Motor an einem der kleinen Huegel erstmal den Geist aufgab.

(Photo: Daniel Josten)

Claro, sowas gehoert hier einfach dazu. Nach einer viertel Stunde hatten Gregor und unser Fahrer das Problem im Motorraum lokalisiert und bis auf Weiteres behoben. Gegenhalb fuenf erreichten wir endlich den Nationalparkeingang, wo auch schon Raphael, unser Dschungelguide und Aldemar unser Bootsfuehrer, auf uns warteten. Unsere inzwischen total verstaubten Rucksaecke wurden von den beiden vom Pickup auf den Kahn verladen und unsere Reise ging weiter auf einem motorbetriebenen Einbaum, der um ein Brett erweitert worden war.

(Photo: Daniel Josten)

Auf der Fahrt zu unserem Camp quer durch den Dschungel zeigte uns Raphael gleich erstmal eine Anaconda und ich muss zugeben, dass mir die zehn Zentimeter Entfernug von dem Viech doch nicht ganz geheuer waren, dennoch beeindruckend. Ueberhaupt ist es herrlich, sich durch den Dschungel schippern zu lassen, links und rechts fliegen orange oder blaue Schmetterlinge und der ein oder andere Kingfisher (Vogel) kreuzt den Weg. Auch die Affen duerfen im Urwald natuerlich nicht fehlen. Gegen 7 war es dann bereits stockdunkel aber Aldemar (ein Indianer) steuerte das Boot sicher bis zu unserem Dracaena-Camp.

Das Camp war nur dank Kerzenbeleuchtung zu sehen. Strom gab es natuerlich keinen, mal von den Solarpanels fuer das Telephon abgesehen.

(Photo: Daniel Josten)

Nach dem Abendessen haben wir mit Raphael noch eine kleine Nachtwanderung durch und rund um das Camp gemacht. Schon hinter der Toilettentuer war eine fette Tarantel, die dort ueber ihren Eiern bruetete und so bei saemtlichen Toilettengaengen oder auch beim Zaehneputzen Gesellschaft leistete. 

(Photo: Daniel Josten)

Am Dienstag vormittag gings dann erstmal zu Fuss durch den Dschungel, waehrend Raphael (Photo)

(Photo: Daniel Josten)

und Frederico (ebenfalls einer der einheimischen Indianer, der sechs Stunden den Fluss abwaerts entfernt wohnt) uns ihre Kletterkuenste vorfuehrten. Am Nachmittag haben wir dann selbst ein wenig arbeiten muessen - Aldemar hatte uns ein Stueck den Fluss aufwaerts gefahren und uns dort mit kleinen Kanus zurueck gelassen. Der Weg zurueck wurde gepaddelt - entspannt und besser als mit dem Motorkahn, weil der Laerm doch auch das ein oder andere Tierchen vertreibt.

Mittwoch war einer der besten Tage -  wir sind morgens mit dem Boot gestartet (achso, zurzeit ist Regenzeit und fast der komplette Wald in dieser Gegend steht unter Wasser, deshalb immer mit dem Boetle), haben dann eine kleine Wanderung durch den Dschungel gemacht, Frederico zeigte uns, wie man sich aus Palmenblaettern einen prima Rucksack basteln kann und erklaerte auch viel zu heilenden Pflanzen und zu den um uns rumschwirrenden Tierchen.

(Photo: Daniel Josten)

Nach einem Picknick, die Jungs hatten grundsaetzlich an alles gedacht, gings mit dem Boot zur naechsten groesseren Laguna und dort wurde nach herzenslust geplanscht. Arthur (aus den Niederlanden) und ich hatten einen riesen Spass dabei, staendig das kleine Kanu zu kentern und so den Rest im Kanu entsprechend mit ins Wasser zu ziehen.

(Photo: Daniel Josten)

Das Wasser in den Lagune war, entschuldigt meinen Ausdruck, pisswarm und es war echt angenehmer sich im Wasser, als sich ausserhalb aufzuhalten.

Donnerstag gings dann zu einer Communidad ungefaehr ein Stuendchen von unserem Camp entfernt. Dort wohnt normalerweise Aldemar, wenn er nicht gerade unser Boot durch den Dschungel lotst. Auf dem Weg zur Communidad weihte uns Frederico in das Geheimnis des Fallen stellens ein.

(Photo: Daniel Josten)

In dem Dorf gabs dann selbstgebackenes Maniocbrot und jede Menge Spass mit kleinen fussballverrueckten Kindern. Am Nachmittag haben wir uns dann erfolglos im Piranha-Angeln versucht, aber die gefraessigen Tierchen hatten irgendwie den dreh raus, das Fleisch vom Haken zu holen, ohne sich dabei an ebenjenemgleichen zu verheddern - Mierda! Weil am Abend zuvor bereits das Bier zur Neige gegangen war, musste Raphael am Abend nochmal ein anderes Camp aufsuchen und den Jungs dort das Cerveza unter der Nase wegkaufen.

Abends wurde grundsaetzlich stundenlang in der Haengematte gechillt und somit natuerlich auch der Koerper zum Buffet  fuer Moskitos. Naja, was Freund fievre amarillo (Gelbfieber) so sagt, werden wir wohl erst in ein paar Wochen wissen. Wobei Daniel natuerlich wesentlich besser dran ist, da das deutsche Gesundheitswesen doch trotz aller Sparmassnahmen nach wie vor dem Ecuadorianischen vorzuziehen ist.

Gestern gings dann recht frueh aus dem Moskitonetz raus, Daniel und ich hatten noch einen weiteren erfolglosne Versuch im Piranha-Angeln gestartet und dann ging es wieder drei Stunden auf dem Fluss zurueck bis zur Cuayabeno-Bridge, wo die Strasse entlangfuehrt.

(Photo: Daniel Josten)

Weitere 3 Stunden gings dann im gluehend heissen Bus ueber eine Megastaubpiste zurueck nach Lago Agrio - wow! dachte ich auf der Flugplatztoilette - bist du braun. Haende und Arme gewaschen und auf einmal war das Waschbecken braun - feine Geschichte.

Am Abend gings dann wieder mit dem TAME-Flieger zurueck in die richtige Zivilisation (ich sag schon "nach Hause) nach Quito. In der Hauptstadt muss es am Tag selbst super Wetter gegeben haben, im Anflug zeigten sich ringsum die Vulkane - ein herrlicher Blick auf Quito.

Bei Diego wurden wir dann zum Abendessen eingeladen und am Abend gings natuerlich nochmal auf die Piste. Bis 2 haben wir mal wieder das Encuentro gerockt, doch dann musste die Buzze leider schliessen. Laenger haben nur die groesseren Tanzschuppen ausserhalb der Innenstadt offen, die kleinen haben einfach nicht die Kohle, die Polizei entsprechend zu schmieren - que lastima. 

Trotz Party haben wir heute morgen brav um halb zehn bei Diego am Fruehstueckstisch gesessen und dann die Basilica vor meiner Haustuer bestiegen - Sicherheitsvorkehrungen ist ein Fremdwort, der Blick dafuer aber atemberaubend.

(Photo: Jakob Mueller)

Fuer Daniel ghet das kleine Abenteuer morgen zu Ende, insofern er sich nicht noch fuer einen laengeren Aufenthalt auf den niederlaendischen Antillen antscheidet, fuer mich gehts am Montag wieder in die Schule. Die hab ich nach zwei Wochen Deutsch und Englisch reden auch wieder dringend noetig. Aber jetzt hab ich echt hunger - also CIAO!

PS:

-> Mehr Photos vom Dschungel-Trip hat Koenig Arthur aus den Niederlanden online gestellt, er war einer unserer Dschungelgefaehrten 

->Einen Bericht ueber die Dschungeltour fuer alle niederlaendischen Freunde gibt es uebrigens unter www.kingofart.web-log.nl

14.05.2005 um 12:21 Uhr

1 Woche Pazifik - relaxen und schnorcheln

von: JaMue

Stimmung: Mein Ruecken brennt
Musik: nicht identifizierbar

Weil in Puerto Lopez das Internetcafé so unverschaemt teuer war, kommt heute ein kleiner zusammengefasster Wochenbericht. Im grossen und ganzen haben wir, um ehrlich zu sein, nicht viel in dem kleinen verschlafenen Fischerdorf am Pazifik gemacht. Am Dienstag hatten wir eine kleine Wanderung durch die Bucht gemacht und am Abend haben wir dann mit Xavier, L.G., David und Carlos im CLandestino gechillt, bevor wir die Party spaeter dann mit Rum und Seven Up an den Strand verlegten - feine Geschichte. Achso, damit ihr Euch mal ein Bild vo Puerto Lopez machen koennt, gibts, wie versprochen wieder ein paar Fotos.

(Photo: Daniel Josten)

Das ist also die Bucht von Pto. Lopez.

(Photo: Daniel Josten)

Das ist die Strandstrasse, eine von zwei asphaltierten Strassen in diesem Nest, wenngleich auch das kaum noch zu sehen war. Am Donnerstag haben wir uns dann doch zu ein bisschen Aktivitaet durchringen koennen. Am Abend zuvor hatten wir gemeinsam mit einem Amerikaner (David), einer Englaenderin (Yat), einem Deutschen (Hannes)und zwei seiner Spezie weiblicher Natur (Mira und Sophie) eine Schnorcheltour zu einer vorgelagerten Insel gebucht. Dadurch, dass wir so viele waren, hatten wir es geschafft, bei der Agentur einen Preis von 10 Dollar p.P. durchzusetzen, statt der eigentlich gaengigen 25 Dollar, was uns allen sehr entgegen kam. Am Donnerstag haben wir uns dann also gegen halb zehn am Strand getroffen und sind dann mit unserem Capt´n auf einem kleinen Touristenkutter auf Meer gefahren.

 

(Photos: Daniel Josten)

Die Isla Salango war bloss eine halbe Stunde entfernt. Und auf der Insel hatten sich jede Menge Pelikane niedergelassen, die auf dem Bild hier leider kaum zu sehen sind.

(Photo: Daniel Josten)

Wir waren bestimmt fuenf Stunden am Schnorcheln, haben blau-gelb gestreifte Fische gesehen und interessante Muscheln und Korallen. Am Abend hatten wir uns dann fast alle einen guten Sonnenbrand zugezogen - der Fuehrer luegt also nicht, wenn er sagt, dass ueber Ecuador das Ozonloch nicht ohne sei. Den Tag liessen wir dann mit einem Brahma auf unserer Dachterasse ausklingen. Spaeter haben wir noch im Hostel der anderen gekocht und noch ein paar Bierchen getrunken. Gestern war dann wieder ausgiebiges Ausruhen angesagt - um 11 aus den Federn (wie herrlich das ist) und dann gleich an den Strand. Mein Ruecken liess aber nicht viel mehr als 2 Stunden Strandfrisbee zu, so dass wir dann spaeter noch ein ausgiebiges Mittagsschlaefchen einfuegten. Mit unseren finanziellen Berechnungen waeren wir in Pto. Lopez beinahe auf die Nase gefallen, weil wir fest damit gerechnet hatten, dass das Nest eine Bank mit Automaten hat - Pustekuchen! So hatten wir gestern Nachmittag bereits unsere letzten Dollar fuer Hotel, Fruehstueck, Bustickets nach Quito und einen Kanister Wasser ausgegeben, als uns der Abendhunger packte. Weil lediglich das Hotel Pazifico VISA akzeptierte, mussten wir mal etwas besser Essen gehen - und der Gaumen hats gedankt. Gegen 8 stiegen wir dann gestern Abend in unseren Reina del Camino-Bus und wollten eigentlich heute morgen um halb 6 in Quito sein - daraus wurde nix. Nachdem der Fahrer schon von anfang an gewisse Probleme mit Kurven hatte und ich Befuerchtungen hegte, nicht vollstaendig in Quito anzukommen, war es dann gegen fuenf so weit, dass der Bus den Geist aufgab. 3 Stunden durften wir dann auf einen Ersatzbuswarten, der uns dann gegen halb neun in Quito rausschmiss. Heute werden wir es eher ruhig angehen, ich werd Daniel morgen Mitad del Mundo und das Inti-Ñan-Museum (siehe Eintraege im April) zeigen. Am Montag setzen wir uns dann in Quito in die naechste TAME-Maschine in Richtung Norden. Unser naechstes Ziel ist schon unangenehm nahe an der kolumbianischen Grenze, so dass sogar mein Guide eigentlich vor Trips in diese Gegen warnt. Aber wir haben nun mal eine Dschungel-Abenteuer-Tour gebucht, die in Lago Agrio startet. Ich freu mich auf jedsten schon auf die Selva (so nennen die Ecuadorianer hier den Dschungel) und hoffe, dass wir Geldfieber und Co. umgehen koennen. Demzufolge wird es auch naechste Woche kaum Berichte hier geben, da die Internetcafés im Dschungel entweder grad nicht vorhanden, oder wenn dann viel zu teuer sind. Wenn allerdings in zwei Wochen heir noch kein neuer Eintrag zu finden ist, dann duerft ihr die Botschaft verstaendigen oder Joschka anrufen - Danke.

(Photo: Daniel Josten)

10.05.2005 um 17:29 Uhr

Puerto Lopez - Entspannung am Pazifik

von: JaMue

Stimmung: sonnenbrandverdaechtig und uv-ueberladen
Musik: Ricky Martin - Y todo queda en nada

Gestern haben wir den ganzen Tag im Bus verbracht. 10 Stunden sind wir in den klapprigsten Kisten von Riobamba ueber Guayaquil (eine der dreckigsten Staedte , die ich hier bisher bei der Durchfahrt beobachten durfte) nach Puerto Lopez gefahren. Hier an der Costa hat es den ganzen Tag ueber 30 Grad, die Sonne laesst sich gleichsam eher selten durch dei dicke Luft blicken aber das Wasser ist auch ueber 20 Grad warm. Wir haben uns hier ein wirklich sauberes Hostel gegoennt - natuyerlich mit Rooftop-Terasse zur Strandpromenade (darf man sich nicht so wie ander Nordsee vorstellen - alles etwas rudimentaerer). Inzwischen sind wir auch meist zu dritt unterwegs, Jade, eine kleine Honkongnesin aus London hat sich unserer Oerek und Boerek-Tour angeschlossen, da sie allein unterwegs ist. Heute haben wir eigentlich nichts grosses gemacht, ausser einem ausgiebigen Strandspaziergan, ein bisschen plantschen im pisswarmen Wasser, unzaehlige Plaeusche an der Strasse mit Einheimischen gehalten und eine Agentur fuer eine Inseltour gesucht. Nach so einem anstrengenden Tag muessen wir jetzt erstmal ein Plaetzchen zum chillen suchen - duerfte hier aber nicht schwer sein - der ganze Ort ist die reinste Pazifik-Relax-Oase. Bei Euch so? Was macht der Sommer in Deutschland und die Party an Costa Cospude????

 

PS: Naechster Eintrag wieder mit Fotos - versprochen!!!

08.05.2005 um 19:49 Uhr

Quito -> Riobamba (2. Versuch-anderes Netcafé)

von: JaMue

Stimmung: gut gelaut und gut gebraeunt
Musik: I'm Loving Angels Instead (RW)

Am Freitag sind Daniel und ich in Quito auf die Piste gegangen und haben uns dort, nachdem wir uns in einem Salsaschuppen verlaufen hatten, wieder im Encuentro eingefunden. Waehrend ich ein wenig das Tanzbein schwang, setzte Danson alles daran, kleinen Ecuadorianerinnen ungewollt den Kopf zu verdrehen. Barkeeper Laurent aus Argentinien meinte mich versorgen zu muessen und stellte mir seine kleine Schwester und ihre Freundin vor. Ausserdem versuchte er mir einen Deal abzuschwatzen - sollte ich ihm die Mailadressen der beiden Amerikanerinnen (mit denen ich das erste mal dort war) schicken, wuerde er mir gern seine kolumbianischen Freundinnen vorstellen - mal schauen, ob ich mich darauf einlasse ;-)

Gegen vier waren wir wieder mit dem Taxi in meinem Apartment angekommen, Daniel hatte seinen ausserhaeusigen Schlafangeboten abschlaegige Bescheide erteilt. Am Samstag morgen sind wir nach einer kurzen Nacht von Quito mit dem Bus in Richtung Sueden gestartet. Die Busfahrt machte dem schlechten Ruf der ecuadorianischen Busbranche alle Ehre. Mehrfach entging unser Bus (oder wie man das Gefaehrt nennen wollte) Frontalcrashs, weil der Busfahrer mit gewagten Ueberholmanoevern einer suessen Ecuadorianerin, die neben ihm sass, imponieren wollte. Im allgemeinen liess sein Fahrstil keinen anderen Schluss zu, wenn man mal nicht gerade davon ausgeht, dass er bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Kurz vor Riobamba, welches in der Provinz Chimborazo gleich neben dem weltweit groessten, freistehenden Vulkan (6.310m) liegt, war ihm auf der Panamericana in Richtung Sueden offenbar seine eigene Richtungsspur nich breit genug, so dass er sich fuer eine Geisterfahrt auf der Gegenspur entschied. Nach anderthalb Kilometern Falschfahrt setzte die Polizei dem ein Ende und sorgte dafuer, dass er den kompletten Kilometer im Rueckwaertsgang wieder zurueckfahren musste, wo der Busfahrer unter Schimpfen wieder auf die richtige Spur steuerte.

Gegen 4 kamen wir in Riobamba an.

(Photo: Daniel Josten)

Nachdm wir uns im Hotel Imperial eingemietet haben (5 $, "heisses" (es ist nicht eisekalt) Wasser und ungebetene Gaeste im Baסo inklusive) zogen wir gleich wieder zum nahegelegenen Estadio Olympico, wo gerade Olmedo Riobamba gegen La Liga Quito spielte.

(Photo: Daniel Josten)

Riobamba verlor das Spiel 1:2 und die Polizei versuchte halbherzig, Fans, die nach dem Schlusspfiff das Spielfeld gestuermt hatten, wieder ueber die Zaeune auf die Raenge zu schicken. Alles in Allem eine nette Fussballgeschichte vor der praechtigen Kulisse des Chimborazos.

Am Abend kauften wir dann unsere Tickets fuer die heutige Zugfahrt nach Alausi ueber die schwerste Zugstrecke der Welt bis zur Teufelsnase. Um 6 Uhr sind wir heute morgen am Bahnhof in Riobamba gewesen, um dort uns einen kuehlen Platz auf dem Dach des Zuges zu sichern.

 

(Photos: Daniel Josten)

Weil wir clevererweise Muetze Schal und aehnliches in Quito gelassen hatten, blieb uns nix anderes, als das Lastminute-Angebot am Bahnhof zu nutzen und dort noch wenigstens eine Muetze zu erstehen. Gegen 7 setzte sich der alte Zug mit viel Qualm aus der Diesellok in Bewegung. Durch herrliche Berglandschaft schlaengelte sich die Bahn dann bis auf 3.600m nach Alausi.

 

Immer wieder mussten wir den Kopf einziehen, da tief haengende Stromleitungen nicht fuer Passagiere auf dem Dach konstruiert waren und kurz vor Alausi gab es ein heftiges Ruckeln, hinter uns wirbelte Staub auf und unser Wagen war aus den Schienen gesprungen.

 

(Photos: Daniel Josten)

Fuenf Maenner brachten ein schienenaehnliches Stueck an der richtigen Schiene an und verhalfen dem Wagen nach einer viertel Stunde wieder auf die rechet Faehrte. In Alasi wurden noch einmal ein paar Touristen aufgenommen, die Verkaeufer auf dem Dach wechselten inzwischen die Waren von Caffee auf Empanadas, und wir ruckelten weiter in Richtung Teufelsnase. Nach weiteren 2 Stunden waren wir an der Teufelsnase und der Zug musste mehrfach die Fahrtrichtung wechslen, um sich ueber verschiedene Wendepunkte ins Tal nach unten zu schlaengeln. Wir hatten uns die Teufelsnase ein wenig spektakulaerer vorgestellt, aber die Zugfahrt an sich hatte sich dennoch gelohnt. Die Rueckfahrt nach Riobamba ueber vier Stunden war wesentlich angehemer, weil wir fast die einzigen auf dem Dach waren und saemtliche Touristen den Bus ueber die 80 Kilometer bevorzugten. Bis Riobamba schafften wir es dann auch komplett ohne einmal aus den Schienen zu springen - was sicher als grosse Leistung zu betrachten ist, da die Schienen ja bereits seit 100 Jahren liegen und, so wie sie aussahen, in dieser Zeit auch wirklich keine Eisenbahnerseele was dran verbessert hatte. Am Abend durften wir noch einen herrlichen Blick auf den Chimbo geniessen, der sich am Morgen leider hinter Wolken versteckt hatte.

(Photo: Daniel Josten)

Morgen ziehen wir recht zeitig am Morgen weiter. Es geht raus aus der Bergwelt und weg von der Strasse der Vulkane in Richtung Pazifik auf die so genannte Routa del Sol. Morgen Abend wollen wir schliesslich unser wohlverdientes Bierchen am Strand geniessen.

07.05.2005 um 20:41 Uhr

una DRECKS-mierda!!!!!!!!!!!!!!!!!

von: JaMue

Stimmung: GEREEEEIIIIIIZZZZZTTTTTTTTTTTTTT

Nachdem  mir jetzt zwei Mal in Folge der sch...- Rechner waehrend meiner Tagebucheintragung abgekratzt ist, hab ich fuer heute leider keinen Bock mehr. Morgen gibts alles zu Party in Quito, einer hoellischen Busfahrt nach Riobamba, einem netten Fussballspiel vor der Kulisse des Chimborazo und dem ganzen anderen Gelaber...

Fuer heute bleibt mir nur zu sagen:

ALLES GUTE ZUM MUTTERTAG, Mutsch. Darauf stoss ich an! (Der Daniel macht mal mit, fuer seine Mammi)

(Photo: Daniel Josten)

05.05.2005 um 18:46 Uhr

Oerek und Boerek in Ecuador

von: JaMue

Stimmung: durstig ;-)
Musik: hup hup...hup hup hup

Ab sofort beginnt die sensationelle Oerek und Boerek-Tour 2005 in Ecuador.Daniel ist heute morgen ueber die niederlaendischen Antillen und mit blutigen Haenden in Quito eingetroffen. Der Gutste hatte sich die Patscher in einer edlen Mission verletzt - sein nach Ecuador exportiertes Krostitzer hatte die Reise ueber den Atlantik leider nicht ganz vollstaendig ueberstanden - eine Flasche des Lieblingsgebraeus Gustav Adolfs war in der Seitentasche seines Trekkingrucksacks zerschellt, als ungeschickte Niederlaender (offenbar in unerklaerlicher Zerstoerungswut) den Rucksack verluden - damit haben sie es uns jetzt aber wirklich fuer 1974 heimgezahlt!!!! Und 1990, wie Daniel gerade richtig bemerkt. Allerdings konnte er mit den NIederlaendern nicht ganz so hart ins Gericht gehen, weil ihn doch die eng gekleideten Stewardessen den schlaefrigen Blick ein wenig verschoben hatten - also bleibe ich als einziger Leidtragender.

Aber gut - heute abend werden wir die Ueberlebenden zeremoniell Koepfen und uns ab dann nur noch mit Pilsener,Club oder Brahma rumaergern. Ganz nebenbei haben wir uns heute auch noch ein wenig die Altstadt angeschaut. Morgen gibts nochmal Quito und am Samstag gehts los in Richtung Sueden nach Riobamba - dort gibt es eine Zugstrecke auf ueber 3.000 m die wir dann erkunden werden. Der Fuehrer (der Reise-..) sagt atemberaubende Ausblicke und ein einmaliges Erlebnis voraus - wir werden ja sehen.....

Und bei Euch so?

Achso auch vom Daniel einen Gruss an die alte Welt ;-)

04.05.2005 um 17:21 Uhr

Meine Kinder.... Colegio Juan Miguel de Quito

von: JaMue

Musik: Geplapper dringt aus dem Radio hinter mir....

Nein Freunde, so schnell gehts natuerlich schon aus biologischen Gruenden nicht (Wenngleich ich stets dran arbeite ;-)). Seit gut drei Wochen, dem ein oder anderen hab ichs bereits in einer Mail geschrieben, arbeite ich nach der Schule fuer 2 Stunden in einer Integrationsshule hier in Quito. Dabei handelt es sich um ein Projekt meiner Sprachschule, die mit einer Fundacion zusammenarbeitet und teils lernbehinderten und teils normal entwickelten Kindern bei den Hausaufgaben hilft. Die Niños sind alle zwischen 6 und 10 Jahren alt, mehr oder minder schmutzig, weil sie jede Gelegenheit zum Spielen nutzen und dabei wenig Ruecksicht auf die Schuluniform nehmen. Ausserdem scheint es einen unausgesprochenenden Wettbewerb darum zu geben, wer die groesseren Zahnlluecken hat - alles in allem wirklich suesse Dinger. Allerdings kann die Arbeit mit ihnen einen teilweise an die Grenzen der nervlichen Belastbarkeit bringen, vor allem dann, wenn man nicht, wie mein werter Herr Bruder, eine Ausbildung darin hat, mit lernbehinderten Kindern zu arbeiten. Sie kommen teilweise bei der Loesung von Aufgaben auf Ideen auf die man im Traume nicht kommen wuerde. Letzte Woche beispielsweise sollten meine Kinder als Hausaufgaben ungefaehr 10 Woerter aufschreiben, die bestimmte Vokale enthalten. Jemand sollte sie ihnen diktieren und dieser Jemand war natuerlich ich. Bei den Woertern handelte es sich um mesa (Tisch), piso (fussboden) sopa (suppe) und weiterer solcher schwergewichte. Nach einer Stunde hatten meine drei Kinderchen nun ungelogen vielleicht fuenf dieser Woerter zu Papier gebracht, als ich mir anschauen wollte, was denn Evelyn (8 Jahre, kleine geflochtene schwarze Zoepfchen, grosse Zahnluecke in den Oberbeissern), die gegenueber von David sass so geschrieben hat. Auf ihrem Blatt waren die gleiche Anzahl Woerter, wie auf dem Davids, allerdings schien alles in einer fremden Sprache (und damit meine ich nicht Spanisch) geschrieben zu stehen, mit Buchstaben, die mir bis dahin nicht bekannt waren. Nach naeherer Betrachtung konnte ich jedoch feststellen, dass sie alles fein saeuberlich bie David abgeschrieben hatte, und dabei einfach spiegelverkehrt kopiert hatte - schliesslich standen ja aus ihrer Sicht die Buchstaben auf Davids Papier ja auch auf dem Kopf - logisch. Also musste ich mit ihr noch einmal enie halbe Stunde Woerter diktieren, sie ihr aufschreiben und sie sie dann in der richtigen Richtung aufschreiben lassen.

Eine andere kleine suesse Maus namens Erika demonstrierte gestern, dass Taschentuecher eine durchas ueberfluessige Erfindung sind und man ja auch jede Menge andere Sachen zum Naseputzen nutzen kann. Wir waren gerade dabei. Matheaufgaben zuloesen, als ihre Nase ienfach nicht aufhoeren wollte, zu laufen. Noch bevor ich nach einem Taschentuch greifen konnte, zog sie einen Teil ihres rosa T-Shirt aus dem Latzhosendund, beugte sich dem Zipfel entgegen, schnaubte kraeftig ins T-Shirt und verstaut es wieder in der Hose. Meine Verwunderung schien mir offenbar ins Gesicht geschrieben, aber Erika setzte nur ein dickes fettes Grinsen auf und rechnete weiter.

Im Uebrigen kann ich mich vor den kleinen Biestern kaum retten, schon wenn ich mit Diego auf den Schulhof komme, muss ich erstmal hunderte unbekannte kleine Kinderhaende schuetteln, bevor mit Arbeiten anfangen koennen. Ganz besonders den kleinen Maedels scheine ich es ein wenig angetan zu haben, kaum im Klassenzimmer beginnt der Kampf, wer mit mir seine Hausaufgaben machen darf. Mienem Ego hilft das natuerlich ungemein ;-)

Alles in allem macht es wirklich grossen Spass mit den Kindern zu arbeiten, und zwei Sachen weiss ich jetzt ganz gewiss:

1: ich werde niemals Lehrer (Versprochen Vadder ;-)))

2: Lehrer an Schulen mit geistig Behinderten verdienen meinen vollsten Respekt - soviel Geduld aufzubringen, faellt mir schon in anderthalb Stunden schwer.

PS: Es ist uebrigens die einzige Integrationsschule hier in Quito - eine andere oder aehnliche Einrichtungen gibt es nicht. Die meisten Schulen lehnen Kinder, die langsamer lernen, als die anderen Kinder, grundsaetzlich ab, da diese nur eine Behinderung darstellen. Abgesehen davon geht hier auch nicht bei weitem jedes Kind zur Schule, da es grundsaetzlich eine Frage des Geldes ist. Kostenlose Schulbildung ist fuer viele nur ein Traum, auch an staatlichen Schulen ist ein Schulgeld faellig und ausserdem muessen Buecher und Uniform gekauft werden. Bei den meisten Familien beeutet das hier, dass meist dur jedes zweoite Kind in die Schule darf und die anderen mit den Eltern als Schuhputzer oder Strassenverkaeufer das taegliche Brot verdienen. Von daher ist es auch nicht ungewoehnlich, dass an beispielseweise meiner Schule die Erstlklaessler ziwischen 6 und 10 Jahre alt sind.

 

01.05.2005 um 17:07 Uhr

Sonntag in Quito

von: JaMue

Stimmung: gut, ja, durchaus gut!
Musik: rauschende Computerluefter im Netcafe

Dieses Wochenende bin ich mal ganz entspannt angegangen und in Quito geblieben. Gestern hab ich mich ein wenig durch Gringolandia geschoben und habe die ein oder andere Shoppingmall durchmessen. Die Sportgeschaefte sind durchaus interessant, vor allem wenn man hereingebeten wird mit den Worten: "Hello Mister - american shoes, yaeh, real american." Wenn man dann den Laden betritt, stellt man fest, dass um einen herum  fast nur Schuhe mit drei Streifen oder mit einem Puma darauf ausgestellt sind. Naeherer Betrachtung sollte man die Schuhe allerdings nicht unterziehen, da sich schon von weitem feststellen laesst, dass es sich hierbei um vielleicht gut gemeinte, aber dennoch  schlecht gemachte Kopien handelt. Weder die drei Streifen, noch der Puma oder saemtliche andere Marken scheinen hier einen gewissen Schutz zu erfahren. Allerdings betrifft dies nicht nur Schuhe oder Sportsachen, auch bei Filmen und CDs stellen sich die Ecuadorianer als astreine Duplizierer heraus. Am Freitag habe ich im Kino gerade noch die Vorschau fuer Aviator gesehen, mit dem Zusatz: Nur im Kino!. Heute laufe ich durch mehrere Maerkte in der Altstadt von Quito und mehrfach begegnet mir in DVD- und Musiklaeden die DVD von Aviator - mit schlecht kopiertem Schwarz-Weiss-Cover - soviel zum Copyright. Hugo, den ich am Mittag auf der Placa de la Independencia treffe, gibt mir dafuer eine durchaus logische Erklaerung: Si claro, los copias son mas baratas - claro, die Kopien sind natuerlich viel billiger und Originale kann sich ohnehin kaum einer leisten. Claro! Achso, zu Hugo. Ich hatte mich gerade auf einer Sitzbank auf der Plaza Grande (ist der gleiche Ort, wie Independencia) niedergelassen, als mich ein Ecuadorianer von vielleicht  vierzig Jahren nach der Zeit fragte. Hugo hatte ein Baseballcap auf, war offenbar gerade frisch rasiert, trug ein kariertes Hemd und eine etwas zu grosse Jeans - das ist hier an der Tagesordnung. Erwaenhenswert ist auch noch, dass ihm lediglich zwei Zaehne zum (optisch) vollstaendigen Gebiss fehlten (die beiden oberen Eckzaehne), was hier durchaus schon eine Besonderheit ist.  Hugo wollte die Zeit auch auf Englisch wissen, da er, wie hier fast jeder, davon ausging, dass ich aus den Staaten kaeme. Wie sich aber herausstellte, war seine Absicht eher, mit mir ins Plaudern zu kommen. Und so zeigte sich Hugo erfreut darueber, dass ich nicht aus den Staaten, sondern aus Alemania komme. Sogleich wollte er allerlei Dinge ueber Deustchland erfahren. Wieviel verdienen die Deutschen? Gibt es viele Ecuadorianer in Deutschland? Stimmt es, dass ihr alle heisses Wasser habt? Faehrt jeder Mercedes? Ist der Euro gut fuer Euch? Und und und....

Er erzaehlte mir im Gegenzug, dass das ecuadorianische Basiseinkommen zwischen 200 und  500 Dollar liegt, zumindest fuer die, die eine regelmaessige Arbeit haben. Der Polizist verdient wohl laut Hugo 700 Dollar, genug um gut ueber die Runden zu kommen, die Buerokraten noch etwas mehr und die Abgeorneten und Politiker ueberhaupt sowieso am meisten, weil sie die Steuern ja grundsaetzlich in die eigenen Taschen stecken. Zu diesem Thema hab ich erst gestern eine interessante Anekdote gelesen, deren Wahrheitsgehalt zwar sicher nicht sonderlich hoch ist, aber dennoch das Politikverstaendis einiger Politiker hierzukontinent sicher annaehernd beschreibt. Also:

Der venezulanische, der ecuadorianische und der mexikanische Wirtschaftsminister sitzen unweit von Caracas in einwe Hacienda zum Abendessen, als der venezolanische Gastgeber seine Freunde auf die neue Strasse aufmerksam macht, die sie aus Caracas heraus zur Hacienda gefahren sind. "100 Million haben wir veranschlagt", hebt er hervor, zieht seine Geldboerse raus, streichelt sie laechelnd und faehrt fort: "10 Prozent, har har har!" Die anderen nicken annerkennend. Einige Woche spaeter treffen sich die Herren erneut in Mexiko City und der Gastgeber ruft den Anwesenden zum Abendessen den Flughafen, auf dem sie am Mittag gelandet sind, wieder ins Gedaechtnis:"1 Milliarde fuer den Ausbau hat der Kongress bewillgt", sagt er, ".. 25 Prozent, har har har!", faehrt er gewichtig fort und streichelt seine Geldboerse. Wieder ein paar Wochen spaeter treffen sich die politischen Freunde erneut, diesmal auf einer Hacienda des ecuadorianischen Kollegen im Oriente, am Beginn des Regenwaldes. Als sie auf der Terasse ihren Willkommensdrink nehmen, hebt der Gastgeber  mit einer ausladenden Geste in Richtung Fluss an: "Dort der Staudamm - 5 Milliarden Steuergelder haben wir veranschlagt". Die Kollegen aus Venezuela und Mexiko drehen sich in die Richtung, in die ihr Freund gezeigt hat, koennen aber nichts erkennen, als den ganz natuerlichen Flusslauf. "100 Prozent!", faehrt ihr Kollege fort, laechelt und streichelt seine Geldboerse.

Was Hugo angeht, so trennte ich mich nach einer halben Stunde von ihm und setzte meinen Weg durch die engen kolonialen Strassen Quitos fort. Gegen vier war ich dann der Meinung, dass ein Sonnenbrand pro Woche ausreichen wuerde und ich trat den Heimweg an.