Anacondas, Lianen und Moskitos - Dschungeltrip bei Lago Agrio
Stimmung: gut
Nachdem wir am Sonntag einen kleinen Trip zum Mitad del Mundo gemacht haben,
(Photo: Daniel Josten)
der diesmal bedeutend schwieriger war, weil die Quiteños eine Woche vorher eine neues Elektrobussystem eingefuehrt haben, sind wir ganz entspannt am Montag Mittag in Quito in die TAME-Maschine nach Lago Agrio (Nueva Loja) gestiegen. Zwanzig Minuten spaeter setzten wir auf einer, oh Wunder, Asphaltpiste mitten in Dschungel auf. Kaum aus dem Flieger draussen wehte uns ein 40 Grad heiss-feuchtes Lueftchen entgegen. Der Schweiss perlte bereits vom aufs-Gepaeck-warten in Beachen von der Stirn. Lago Agrio ist einer der kleinsten Flughaefen (oder doch eher Plaetze), die ich je gesehen hab. Eine kleine Baracke dient als Warteraum, drei bis an die Zaehne bewaffnete Soldaten sollen wohl fuer Sicherheit sorgen und ein kleiner Traktor mit Anhaenger bringt das Gepaeck aus der 727 die zehn Meter bis zur Wartebaracke.
(Photo: Daniel Josten)
Eine duenne Wand trennt Ankunft und Abflugbereich und das Schild "Domestic and INTERNATIONAL Arrivals" ist wohl auch eher als Witz zu betrachten. Naja, eine Menge Oelarbeiter nutzen diesen Flugplatz, weil rund um Lago Agrio kraeftig Oel gefoerdert wird, natuerlich von TEXACO, und die stoert die eher rudimentaere Ausstattung des Flughafens wohl eher nicht.
Also, 40 Grad, feuchte Luft und als naechstes stand ein Pick-Up fuer uns bereit, der uns ueber eine Schotter und Staubpiste in den drei Stunden entfernten Cuayabeno-Nationalpark bringen sollte. Wir, das waren inzwischen Daniel, ich, Andres und Kim aus den Niederlanden und Gregor aus Augsburg, klemmten nun also zu fuenft auf 4 Sitzen (unser Fahrer hatte ja gluecklicherweise seinen eigenen) schwitzen uns gegenseitig voll, als der Motor an einem der kleinen Huegel erstmal den Geist aufgab.
(Photo: Daniel Josten)
Claro, sowas gehoert hier einfach dazu. Nach einer viertel Stunde hatten Gregor und unser Fahrer das Problem im Motorraum lokalisiert und bis auf Weiteres behoben. Gegenhalb fuenf erreichten wir endlich den Nationalparkeingang, wo auch schon Raphael, unser Dschungelguide und Aldemar unser Bootsfuehrer, auf uns warteten. Unsere inzwischen total verstaubten Rucksaecke wurden von den beiden vom Pickup auf den Kahn verladen und unsere Reise ging weiter auf einem motorbetriebenen Einbaum, der um ein Brett erweitert worden war.
(Photo: Daniel Josten)
Auf der Fahrt zu unserem Camp quer durch den Dschungel zeigte uns Raphael gleich erstmal eine Anaconda und ich muss zugeben, dass mir die zehn Zentimeter Entfernug von dem Viech doch nicht ganz geheuer waren, dennoch beeindruckend. Ueberhaupt ist es herrlich, sich durch den Dschungel schippern zu lassen, links und rechts fliegen orange oder blaue Schmetterlinge und der ein oder andere Kingfisher (Vogel) kreuzt den Weg. Auch die Affen duerfen im Urwald natuerlich nicht fehlen. Gegen 7 war es dann bereits stockdunkel aber Aldemar (ein Indianer) steuerte das Boot sicher bis zu unserem Dracaena-Camp.
Das Camp war nur dank Kerzenbeleuchtung zu sehen. Strom gab es natuerlich keinen, mal von den Solarpanels fuer das Telephon abgesehen.
(Photo: Daniel Josten)
Nach dem Abendessen haben wir mit Raphael noch eine kleine Nachtwanderung durch und rund um das Camp gemacht. Schon hinter der Toilettentuer war eine fette Tarantel, die dort ueber ihren Eiern bruetete und so bei saemtlichen Toilettengaengen oder auch beim Zaehneputzen Gesellschaft leistete.
(Photo: Daniel Josten)
Am Dienstag vormittag gings dann erstmal zu Fuss durch den Dschungel, waehrend Raphael (Photo)
(Photo: Daniel Josten)
und Frederico (ebenfalls einer der einheimischen Indianer, der sechs Stunden den Fluss abwaerts entfernt wohnt) uns ihre Kletterkuenste vorfuehrten. Am Nachmittag haben wir dann selbst ein wenig arbeiten muessen - Aldemar hatte uns ein Stueck den Fluss aufwaerts gefahren und uns dort mit kleinen Kanus zurueck gelassen. Der Weg zurueck wurde gepaddelt - entspannt und besser als mit dem Motorkahn, weil der Laerm doch auch das ein oder andere Tierchen vertreibt.
Mittwoch war einer der besten Tage - wir sind morgens mit dem Boot gestartet (achso, zurzeit ist Regenzeit und fast der komplette Wald in dieser Gegend steht unter Wasser, deshalb immer mit dem Boetle), haben dann eine kleine Wanderung durch den Dschungel gemacht, Frederico zeigte uns, wie man sich aus Palmenblaettern einen prima Rucksack basteln kann und erklaerte auch viel zu heilenden Pflanzen und zu den um uns rumschwirrenden Tierchen.
(Photo: Daniel Josten)
Nach einem Picknick, die Jungs hatten grundsaetzlich an alles gedacht, gings mit dem Boot zur naechsten groesseren Laguna und dort wurde nach herzenslust geplanscht. Arthur (aus den Niederlanden) und ich hatten einen riesen Spass dabei, staendig das kleine Kanu zu kentern und so den Rest im Kanu entsprechend mit ins Wasser zu ziehen.
(Photo: Daniel Josten)
Das Wasser in den Lagune war, entschuldigt meinen Ausdruck, pisswarm und es war echt angenehmer sich im Wasser, als sich ausserhalb aufzuhalten.
Donnerstag gings dann zu einer Communidad ungefaehr ein Stuendchen von unserem Camp entfernt. Dort wohnt normalerweise Aldemar, wenn er nicht gerade unser Boot durch den Dschungel lotst. Auf dem Weg zur Communidad weihte uns Frederico in das Geheimnis des Fallen stellens ein.
(Photo: Daniel Josten)
In dem Dorf gabs dann selbstgebackenes Maniocbrot und jede Menge Spass mit kleinen fussballverrueckten Kindern. Am Nachmittag haben wir uns dann erfolglos im Piranha-Angeln versucht, aber die gefraessigen Tierchen hatten irgendwie den dreh raus, das Fleisch vom Haken zu holen, ohne sich dabei an ebenjenemgleichen zu verheddern - Mierda! Weil am Abend zuvor bereits das Bier zur Neige gegangen war, musste Raphael am Abend nochmal ein anderes Camp aufsuchen und den Jungs dort das Cerveza unter der Nase wegkaufen.
Abends wurde grundsaetzlich stundenlang in der Haengematte gechillt und somit natuerlich auch der Koerper zum Buffet fuer Moskitos. Naja, was Freund fievre amarillo (Gelbfieber) so sagt, werden wir wohl erst in ein paar Wochen wissen. Wobei Daniel natuerlich wesentlich besser dran ist, da das deutsche Gesundheitswesen doch trotz aller Sparmassnahmen nach wie vor dem Ecuadorianischen vorzuziehen ist.
Gestern gings dann recht frueh aus dem Moskitonetz raus, Daniel und ich hatten noch einen weiteren erfolglosne Versuch im Piranha-Angeln gestartet und dann ging es wieder drei Stunden auf dem Fluss zurueck bis zur Cuayabeno-Bridge, wo die Strasse entlangfuehrt.
(Photo: Daniel Josten)
Weitere 3 Stunden gings dann im gluehend heissen Bus ueber eine Megastaubpiste zurueck nach Lago Agrio - wow! dachte ich auf der Flugplatztoilette - bist du braun. Haende und Arme gewaschen und auf einmal war das Waschbecken braun - feine Geschichte.
Am Abend gings dann wieder mit dem TAME-Flieger zurueck in die richtige Zivilisation (ich sag schon "nach Hause) nach Quito. In der Hauptstadt muss es am Tag selbst super Wetter gegeben haben, im Anflug zeigten sich ringsum die Vulkane - ein herrlicher Blick auf Quito.
Bei Diego wurden wir dann zum Abendessen eingeladen und am Abend gings natuerlich nochmal auf die Piste. Bis 2 haben wir mal wieder das Encuentro gerockt, doch dann musste die Buzze leider schliessen. Laenger haben nur die groesseren Tanzschuppen ausserhalb der Innenstadt offen, die kleinen haben einfach nicht die Kohle, die Polizei entsprechend zu schmieren - que lastima.
Trotz Party haben wir heute morgen brav um halb zehn bei Diego am Fruehstueckstisch gesessen und dann die Basilica vor meiner Haustuer bestiegen - Sicherheitsvorkehrungen ist ein Fremdwort, der Blick dafuer aber atemberaubend.
(Photo: Jakob Mueller)
Fuer Daniel ghet das kleine Abenteuer morgen zu Ende, insofern er sich nicht noch fuer einen laengeren Aufenthalt auf den niederlaendischen Antillen antscheidet, fuer mich gehts am Montag wieder in die Schule. Die hab ich nach zwei Wochen Deutsch und Englisch reden auch wieder dringend noetig. Aber jetzt hab ich echt hunger - also CIAO!
PS:
-> Mehr Photos vom Dschungel-Trip hat Koenig Arthur aus den Niederlanden online gestellt, er war einer unserer Dschungelgefaehrten
->Einen Bericht ueber die Dschungeltour fuer alle niederlaendischen Freunde gibt es uebrigens unter www.kingofart.web-log.nl
