Südamerika-News von Jakob

20.04.2005 um 11:03 Uhr

¡Asesino! und ¡Lucio fuera! - es wird heiss in Quito

von: JaMue

Stimmung: vernebelt durch Senfgas
Musik: Sirnen und Protestrufe

Auch in der vergangenen Nacht hat es wieder heftige Proteste in Quito gegeben. 10.000 sind durch die Strassen gezogen und haben wieder den Ruecktritt von Lucio Guitiérrez, dem hiesigen Staatschef gefordert. Eigentlich wollte ich am Abend lernen, weil ich heute einen ersten Test hatte, aber die Protestmaersche nahmen auch vor meinem Haus kein Ende, so dass ich mir doch die Sache mal selbst anschauen musste. Nachdem schon wieder der Wind einiges Gas auch in mein Zimmer geweht hatte, beschloss ich mich, in die Protestmasse zu stuerzen. Mit David, meinem ecuadorianischen Mitbewohner, bin ich in Richtung Altstadt gezogen. Immer wieder ueberholten uns hupende Autocorsos und an einer Kreuzung etwsa oberhalb blieben wir bei einer Gruppe Demonstranten stehen. Ich hatte mit meiner Digicam einige Fotos gemacht. Alle ein paar Meter brannten kleinere Muellhaufen auf den Strassen und die Innenstadt rund um den Regierungspalast war komplett vom Militaer abgeriegelt. Immer wieder schoss die Polizei Gas auf die Demonstranten und dieses ekelhafte Zeug hing ueber der ganzen Stadt. Als die Nachrichte ueber das Radio kam, dass ein chilenischer Journalist durch das Gas (inzwischen nutzen sie Senfgas - auch nicht so lecker) ums Leben gekommen ist, kamen noch mehr Leute auf die Strassen. Die Menge schrie "Asesino!", was soviel heisst wie "Moerder!" in Richtung Regiernugspalast. Gegen Elf  stimmte die Menge dann ganz spontan die Nationalhymne an und sang sie voller Inbrunst. Dsa Zeichender ganzen Protestbewegung ist hier auch die Nationalflagge, mit der alle Demonstranten durch die Strassen ziehen, waehrend sie "Lucio fuera" (Lucio verschwinde) rufen. Der Praeside3nt hat wohl unterdessen geaeussert, das er nicht im Traum an einen Ruecktritt denkt - woertlich soll er sogar gemeint haben: Mich bekommt ihr nur tot hier (aus dem Regierungspalast) raus. Auch heute kreisen wieder schon tagsueber Militaerhelis ueber der Stadt und die Praesenz der Sicherheitskraefte wurde nochmal aufgestockt. Der Tod des Journalisten wird wohl die Proteste vorerst weiter anheizen und ich kann weiter nicht bei offenem Fenster schlafen (zugegeben ist das aber hier nicht das groesste Problem). Heute Abend will ich mit David ein bisschen eher bei den Protesten sein und weitere Fotos schiessen. Sobald ich einen Computer mit USB finde, gibts die dann hier. Aber macht Euch keine Sorgen - ich hab  nicht vor mich mit den Soldaten zu pruegeln. Es gibt ne Menge guter Aussichtspunkte, am Gas kommt man sowieso nirgendwo in der Stadt vorbei. ;-(
Also hasta mañana -  in alter Frische .

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