Südamerika-News von Jakob

18.04.2005 um 17:01 Uhr

Ausnahmezustand, Vulkane und herrliche Landschaft ...

von: JaMue

Kurzer Wochenendbericht. Nachdem ich am Freitag noch nicht so ganz schluessig war, was ich am Wochenende machen soll, hab ich einfach mit Diego geredet. Der hat mir dann gleich empfohlen, ein wenig in den Sueden zu ziehen und mir dort den Quilotoa-Vulkan anzuschauen. Das Feine daran: Eine Sprachlehrerin und eine Schuelerin aus meiner Schule waren gerade dort unterwegs - also organisierte Diego ein Treffen. Samstag Morgen gings dann gegen 7 zum Terminal Terrestre, wo ich dann in einen Bus nach Latacunga genommen habe. Das ist eine mittlere Stadt circa 70 Kilometer suedlich von Quito. Dort traf ich dann auf dem Busbahnhos Adriana und Daniela aus der Schweiz. Zu dritt sind wir dann mit einem weiteren Bus nach Zumbahua weitergeschaukelt. In Zumbahua gibt es Samstags einen ganz interessanten Markt der Indios, den haben wir uns dann leider unter heftigem Regenschauer angeschaut. War alles ziemlich dreckig und Zumbahua ist auch alles andere als malerisch - trotzdem hatte der Markt so sein nette Atmosphaere - waer ja auch bloed, wenns blitzeblanco sauber waere - wuerde nicht hierherpassen ;-).

Am Nachmittag gings dann auf der Ladeflaeche eines Pick-Ups weiter nach Quilotoa auf ca 4.000 Meter Hoehe. Quilotoa ist ein Vulkan, der in der Kratermitte einen tiefblauen See versteckt - vom Kraterrand hat man eine herrliche Aussicht. Nachdem wir ein Hostal im Ort klar gemacht haben, sind wir ein bisschen auf dem Kraterrand umherspaziert - ich haette den Krater gern umrundet (die Schweizerin im Uebrigen auch) aber leider war Adriana, unsere Sprachlehrerin, nicht so fuers Wandern zu begeistern - ausserdem machte ihr die Hoehe merklich zu schaffen. Am Abend wurden wir dann mit indigener Kueche bekocht. Die Nacht da oben war schon etwas frischer als in Quito, interessant sind vor allem die Winde, die am Abend wie aus dem Nichts aufkommen und echt stark sind.

Am naechsten Morgen konnten wir Adriana davon ueberzeugen, den Weg nach Zumbahua zurueck zu laufen. Das war ein 3stuendiger Weg, mitten ueber das Hochplateau in 3.800 Metern Hoehe. Vor sich hat man ein paar Gipfel, die teilweise in den Wolken liegen und an das Nebelgebirge beim Herrn der Ringe erinnern, zu den Seiten ragen ebenfalls begruente Gipfel weit  herauf. Die Vegation ist fuer europaeische Verhaeltnisse auch eher eigen - bis weit ueber 3.000 Meter gibt es ganz normale Nadelwaelder und die indios bestellen auch noch ueber 4.000 Meter ihre Felder. Duerfte fuer Biologen ganz interessant sein. Nach unserer kleinen Wanderung nach Zumbahua zurueck (mit vielen mundgerechten Pausen) haben wir den naechstbesten Bus nach Pujilí genommen. Das ist ein Ort auf dem weg zurueck nach Latacunga. Dort gabs auch nochmal einen Indiomarkt zu sehen, allerdings weit aus groesser und chaotischer als jener in Zumbahua. Am Nachmittag trennten sich dann wieder unsere Wege und ich nahm einen Bus zurueck nach Quito.

Der nette Busfahrer hatte, weil es sich auf der Autobahn nach Quito etwas staute, keine Lust bis zum Busbahnhof zu fahren, weshalb er alle Leute schon 4 Kilometer davor rauswarf und umdrehte. Super dachte ich mir - so ganz ohne Plan und Stadtplan (hatte ich im Glauben zu Hause gelassen, dass ich ihn von Terminal bis zu meinem Apoartment nicht brauche - falsch gedacht!). Nach einigen Erkundungen bei anderen Busfahrern fand ich dann endlich einen, der zumindest in Richtung Busbahnhof fuhr. Am Terminal kam dann die naechste Sache dazu. Der Trolley (O-Busse) fuhr nicht, weil mal wieder in der Altstadt heftig protestiert wurde. Das ist noch nicht das schlimmste, aber leider muss ich zu meinem Apartment auch mitten durch die Altstadt. Das war allerdings nur schwer moeglich, weil die Altstadt weitraeumig vom Militaer mit Strassensperren und Stacheldraht abgeriegelt war. Ich musste mir also einen Weg durch die ( in meinem Fuehrer unter der Rubrik "Nach 15 Uhr meiden, oder nur in der Gruppe auftauchee) etwas aeusseren Barrios bahnen. Selbst vor meinem Haus, das ganze  fuenf Strassen vom Parlament enfernt ist, patroullierte noch schwer bewaffnetes Militaer. Wie ich im Nachhinein erfuhr, hatte der Praesident auf Grund der Proteste wohl schon in der Nacht zum Samstag den Ausnahmezustand ausgerufen. In der Stadt ging wohl deshalb am Wochenende eher wenig, zumal auch wieder alles gesperrt war. Muss wohl auch wieder hier und da gekracht haben und Samstag Nacht sind die Proteste wohl bis 3 Uhr morgens gegangen. Ich kann nur hoffen, dass der Praesident bald mal ciao sagt, weil ich die Strassensperren und Militaeraufmaersche langsam nervig finde - staendig ist mein Supermarkt nicht zu erreichen, weil er in der Regierungszone liegt, zur Post komme ich gar nicht und der Trolley faehrt auch nur noch ab und zu - echt mal Mr. Guitiérrez - das ist doch nicht fein fuer einen Touristen.

Heute war die Sitaution schon wieder entspannter - die Leute gehen naemlich nur in ihrer Freizeit demonstrieren, weil sie auf Arbeit das teilweise lebensnotwendige Geld verdienen. Deshalb krachts hier auch immer erst Abends oder am Wochenende weil sie eben sagen: Erst die Arbeit - dann die Proteste. Ansonsten ist alles weitere loco in Quito, der Luftwechsel in den Bergen hat mir gut getan und jetzt muss ich noch ein paar unregelmaessige Verben lernen. Also ciao und hasta pronto - ausserdem muesst ihr auch mal wieder was tun..... tse tse tse


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