Südamerika-News von Jakob

15.04.2005 um 15:14 Uhr

Dancing... with tears in my eyes...

von: JaMue

Stimmung: Wochenendstimmung

Ecuador kann mir viel beibringen. Beispielsweise dass Kinder prima Arbeitskraefte sind, das nicht alle Latinas huebsch sind und, ganz wichtig in diesen Tagen, wie ein Staat sich mit Militaer und Polizei die Macht sichern kann! Dazu gehoerte auch gestrige Lektion - Thema: Wie fuehlt sich eigentlich Traenengas an?

Zugegeben, diese Lektion haette ich bereits bei einigen Happenings in Leipzig-Connewitz oder am 3. Oktober letzten Jahres auf der Karli lernen koennen, wenn es mich denn jemals gereizt haette. Aber bisher konnte ich ganz gut ohne leben! Aber zum Thema. Gestern hielten die Proteste in der Stadt weiter an und meine Schule war so gut gesichert, wie die mexianische Grenze auf amerikanischer Seite - zumindest aus militaerischen Gesichtspunkten. Leider stand sie auch mitten auf dem Schlachtfeld, weil, ich erwaehne es immer wieder gern, sie ja genau gegenueber dem Parlament steht. Am vormittag, auf dem Weg zur Schule, sah eigentlich alles ganz entspannt aus, trotz Wasserwerfer, Raeumfahrzeuge und hunderter, sonnbebrillter Chicos in Flecktarn. Nach dem Unterricht wollte ich mir nun endlich mal die Neustadt geben, bisher war ich naemlich noch nicht da. Nach meinem Bummel durch die moderne Stadt kam ich wieder in meine Gegend zurueck. Als ich grad die Strasse Richtung Schule einschlug, sah ich lustig-durcheinanderrennende Soldaten und in ihrer Mitte, liebevoll mit Schlagstoecken in die Schranken gewiesen, einige Demonstranten. Die Hauptaction schien aber grade vorueber gewesen zu sein als ich  mich dem Schlachtfeld naeherte. Allerdings bekam ich in diesem Moment einen heftigen Niesanfall und wunderte mich erstmal, was denn jetzt schon wieder rumfliegt. Dann setzte auf einmal in Augen, Nase und Lunge ein Beissen ein und ich konnte mir an drei Fingern abzaehlen was das war. Sieh an, auf einmal war auch voellig klar, warum die ganzen Soldaten auf der Strasse mit Gasmasken rumrannten - haett ich mir doch denken koennen! Also nahm ich mir ein Taschentuch (natuerlich nachdem ich schon eine kraeftige Prise inhaliert hatte) vor die Nase und machte mich daran, meinen Weg durch die Fronten fortzusetzen - mit einer Erfahrung reicher. Naemlich: Das Taschentuch half ueberhaupt nicht und erst nach einer Stunde ging es meinen Augen wieder besser. Den Soldaten schien die ganze Sache (also Strassenschlacht, Traenengaseinsatz und Schlagstockfechten) relativen Spass zu machen, denn waehrend in der einen Ecke noch ein sich wehrender Demonstrant festgemacht wurde, spielten nur wenige Meter davon entfermt die (wie gesagt ziemlich coolen) Soldaten schon wieder Fussball - ein bisschen nach dem Motto - fuenf Minuten Strassenschlacht - halbe Stunde Pause - wieder fuenf Minuten Strassenschlacht und dann aber ab nach Hause. Und, man glaubt es kaum, auch die Demonstranten goennen den Militaers ihre wohlverdienten Fussballpausen. La vida loco.....

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Deef schreibt am 18.04.2005 um 16:42 Uhr:Unglaubliche Geschichte. Darf ich raten, was Du Dir zum Geburtstag wünschst?

    http://www.pilotenbunker.de/gasmaske.jpg



    Viele Grüße, Deef
  2. JaMue schreibt am 19.04.2005 um 22:16 Uhr:Ohh danke Deef - weisst Du zufaellig, wo man die auftreiben kann?????

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