Südamerika-News von Jakob

20.06.2005 um 11:29 Uhr

Inca-Ruinen, Felsengesichter und Weinchen mit Columbianern

von: JaMue

Stimmung: gut, ja!
Musik: Shakira

Gestern hab ich meinen Kulturtag nachgeholt, den ich eigentlich schon am Samstag geplant hatte. Am Samstag hatte ich aber leider ein wenig zu lang geschlafen und deshlab keinen Bus mehr nach Ingapirca, den bedeutendsten Incaruinen Ecuadors, bekommen. Ich bin also mit Maria fruehstuecken gewesen und hab den Rest des Tages in Cuenca verbracht. Gestern morgen bin ich aber dann bei Zeiten aus den Federn gekommen und hab mich zum Terminal Terrestre begeben. Ziel:

(Photo: Jakob Mueller)

Nach zwei Stunden Busfahrt, ein letztes Mal in Ecuador gen Norden, erreiche ich das Minidorf Incapirca auf 3.100 Metern Hoehe, gelegen zwischen traumhaft gruenen Bergen, die nicht so aussehen, als waeren sie 4.000m und hoeher. Das Dorf verfuegt ziemlich genau ueber eine befestigte Strasse und das ist, wenn man bedenkt dass es mit den bedeutendsten Incaruinen in Ecuador "das Touristendorf schlechthin" ist.

(Photo: Jakob Mueller)

Aber man ist derzeit dabei, die ein oder andere Strasse zu pflastern. Zumindest deuten diverse Steinhaufen an den Strassenraendern daraufhin - aber wer weiss, wie lang sie da schon liegen. Ich hab mich also durch den Ort geschlagen, der voll von einheimischen Touristen ist. Gringitos waren, und da bin ich auch nicht boese drum, kaum zu sehen. Die Ruinen sind mehr oder weniger spektakulaer. Mehr oder weniger deshalb, weil es wenig Erklaerendes dazu gibt. Fuer mich also deshalb weniger spektakulaer, da ich eben auch kein Hobbyarchaeologe bin oder sowas aehnliches. Mein lieber Freund Normi, der alte Ruinenbuddler, haette hier allerdings bestimmt seine helle Freude gehabt.

(Photo: Jakob Mueller)

Andere Touristen, und das waren auch weit und breit die Einzigen, die nach westlichen Touristen aussahen, nutzten den Sonnentempel, um irgendwelche komischen Sachen zu machen.

(Photo: Jakob Mueller)

Mit Lauten wie "Uhhhhhh" oder "Ahhhhhh", manchmal aber auch "Uhuuuu" oder "Uwaaagaaaa" schienen diese Jungs und Maedels alten Incagoettern zu huldigen. Ich will ja niemanden diskriminieren, aber auf mich wirkte die ganze Gruppe ein bisschen laecherlich. Im Uebrigen kamen auch die diensthabenden Soldaten, die die Ruinen bewachen, nicht um ein Stirnrunzeln umhin - verstaendlich!

Nach den Ruinen bin ich noch ein wenig in der Gegend umherspaziert und habe meinen persoenlichen Favoriten der ganzen Anlage entdeckt. Eine Felsformation in der Naehe traegt den Namen "Cara del Inca" (Incagesicht) und sieht wirklich haargenau so aus, wie ein Incagesicht. Beeindruckend.

(Photo: Jakob Mueller)

Am Nachmittag hab ich dann mehr oder minder vergeblich auf einen Bus zurueck nach Cuenca gewartet. Der Busfahrer auf der Hinfahrt hatte mir zwar versichert, dass es jede halbe Stunde einen gaebe, aber offenbar hatte er sich getaeuscht oder mir einfach nur, wie Politiker immer so schoen sagen, die Unwahrheit gesagt. Nach einer guten Stunde Gewarte, hab ich mich in einen Collectivo in die naechste Kleinstadt gesetzt, umd dort einen Bus nach Cuenca zu nehmen - basta!

(Photo: Jakob Mueller)

Das hat dann auch geklappt wie geschmiert und ich war am Abend wieder in Cuenca.

Fuer 8 Uhr war ich mit Enrique verabredet, einem Columbianer. Ich hatte ihn am Abend zuvor in einem Restaurant kennengelernt. Er hatte dort gekellnert und ich hab feine Pasta genossen. Danach sind wir ins quatschen gekommen, er ist ne halbe Ewigkeit durch Suedamerika gereist und ist eiegntlich immernoch auf der Reise. Bis vor einer Woche hat er in Quito gearbeitet, dort hats ihm aber nicht gefallen und deshalb hat er sich nach Cuenca verdrueckt. Naja, auf jeden Fall hatten wir uns dann auf ein Bierchen verabredet. Gegen acht war Enrique dann im Cafécito aufgetaucht. Er hatte seinen Bruder dabei, der ebenfalls hier arbeitet. Spaeter haben wir dann das Cafécito verlassen, haben in ner Tienda einen italienischen Rotwein gekauft und haben uns auf einer Wiese vor einer Kirche hingesetzt und entspannt den Wein geleert. Die beiden, also Enrique und Daniel, fingen dann so richtig an, aus dem Naehkaestchen zu plaudern. Kolumbien haben sie eigentlich verlassen, weil sie bis zum Hals in der Drogenabhaengigkeit steckten. Cocain, Crack und Heroin sind nur die bekanntesten Drogen aus ihrem Abhaengigkeitsrepertoire. Das Gramm Cocain kostet in Bogota wohl um die 50 Cent - naja, da ist ja dann wohl auch keine Geldfrage mehr. Daniel, der kleine Bruder von Enrique, hatte allerdings 2 Herzattacken, lag zweimal fast im Sterben. Da haben es sich die Brueder nochmal anders ueberlegt. Sie haben die Beine in die Hand genommen, haben Kolumbien verlassen und haben angefangen zu reisen. Heute sind sie wohl clean, sagen sie zumindest, aber sie machen auch den Eindruck. Sie haben mir ziemlich beeindruckend von allen moeglichen Drogen, die sie probiert haben, abgeraten. Das waren uebrigens die ersten Kolumbianer die ich hier getroffen habe, die mir von Drogen abgeraten haben - andere wollten mir immer nur alles moegliche verkaufen. Auf jedsten waren die beiden ganz symphatisch, haben mir gleich meine naechste Bleibe in Vilcabamba empfohlen und so mache ich mich jetzt gleich auf den Weg weiter nach Sueden. Soweit aus Cuenca - bis spaeter und schickt Euch!


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