Meine Kinder.... Colegio Juan Miguel de Quito
Musik: Geplapper dringt aus dem Radio hinter mir....
Nein Freunde, so schnell gehts natuerlich schon aus biologischen Gruenden nicht (Wenngleich ich stets dran arbeite ;-)). Seit gut drei Wochen, dem ein oder anderen hab ichs bereits in einer Mail geschrieben, arbeite ich nach der Schule fuer 2 Stunden in einer Integrationsshule hier in Quito. Dabei handelt es sich um ein Projekt meiner Sprachschule, die mit einer Fundacion zusammenarbeitet und teils lernbehinderten und teils normal entwickelten Kindern bei den Hausaufgaben hilft. Die Niños sind alle zwischen 6 und 10 Jahren alt, mehr oder minder schmutzig, weil sie jede Gelegenheit zum Spielen nutzen und dabei wenig Ruecksicht auf die Schuluniform nehmen. Ausserdem scheint es einen unausgesprochenenden Wettbewerb darum zu geben, wer die groesseren Zahnlluecken hat - alles in allem wirklich suesse Dinger. Allerdings kann die Arbeit mit ihnen einen teilweise an die Grenzen der nervlichen Belastbarkeit bringen, vor allem dann, wenn man nicht, wie mein werter Herr Bruder, eine Ausbildung darin hat, mit lernbehinderten Kindern zu arbeiten. Sie kommen teilweise bei der Loesung von Aufgaben auf Ideen auf die man im Traume nicht kommen wuerde. Letzte Woche beispielsweise sollten meine Kinder als Hausaufgaben ungefaehr 10 Woerter aufschreiben, die bestimmte Vokale enthalten. Jemand sollte sie ihnen diktieren und dieser Jemand war natuerlich ich. Bei den Woertern handelte es sich um mesa (Tisch), piso (fussboden) sopa (suppe) und weiterer solcher schwergewichte. Nach einer Stunde hatten meine drei Kinderchen nun ungelogen vielleicht fuenf dieser Woerter zu Papier gebracht, als ich mir anschauen wollte, was denn Evelyn (8 Jahre, kleine geflochtene schwarze Zoepfchen, grosse Zahnluecke in den Oberbeissern), die gegenueber von David sass so geschrieben hat. Auf ihrem Blatt waren die gleiche Anzahl Woerter, wie auf dem Davids, allerdings schien alles in einer fremden Sprache (und damit meine ich nicht Spanisch) geschrieben zu stehen, mit Buchstaben, die mir bis dahin nicht bekannt waren. Nach naeherer Betrachtung konnte ich jedoch feststellen, dass sie alles fein saeuberlich bie David abgeschrieben hatte, und dabei einfach spiegelverkehrt kopiert hatte - schliesslich standen ja aus ihrer Sicht die Buchstaben auf Davids Papier ja auch auf dem Kopf - logisch. Also musste ich mit ihr noch einmal enie halbe Stunde Woerter diktieren, sie ihr aufschreiben und sie sie dann in der richtigen Richtung aufschreiben lassen.
Eine andere kleine suesse Maus namens Erika demonstrierte gestern, dass Taschentuecher eine durchas ueberfluessige Erfindung sind und man ja auch jede Menge andere Sachen zum Naseputzen nutzen kann. Wir waren gerade dabei. Matheaufgaben zuloesen, als ihre Nase ienfach nicht aufhoeren wollte, zu laufen. Noch bevor ich nach einem Taschentuch greifen konnte, zog sie einen Teil ihres rosa T-Shirt aus dem Latzhosendund, beugte sich dem Zipfel entgegen, schnaubte kraeftig ins T-Shirt und verstaut es wieder in der Hose. Meine Verwunderung schien mir offenbar ins Gesicht geschrieben, aber Erika setzte nur ein dickes fettes Grinsen auf und rechnete weiter.
Im Uebrigen kann ich mich vor den kleinen Biestern kaum retten, schon wenn ich mit Diego auf den Schulhof komme, muss ich erstmal hunderte unbekannte kleine Kinderhaende schuetteln, bevor mit Arbeiten anfangen koennen. Ganz besonders den kleinen Maedels scheine ich es ein wenig angetan zu haben, kaum im Klassenzimmer beginnt der Kampf, wer mit mir seine Hausaufgaben machen darf. Mienem Ego hilft das natuerlich ungemein ;-)
Alles in allem macht es wirklich grossen Spass mit den Kindern zu arbeiten, und zwei Sachen weiss ich jetzt ganz gewiss:
1: ich werde niemals Lehrer (Versprochen Vadder ;-)))
2: Lehrer an Schulen mit geistig Behinderten verdienen meinen vollsten Respekt - soviel Geduld aufzubringen, faellt mir schon in anderthalb Stunden schwer.
PS: Es ist uebrigens die einzige Integrationsschule hier in Quito - eine andere oder aehnliche Einrichtungen gibt es nicht. Die meisten Schulen lehnen Kinder, die langsamer lernen, als die anderen Kinder, grundsaetzlich ab, da diese nur eine Behinderung darstellen. Abgesehen davon geht hier auch nicht bei weitem jedes Kind zur Schule, da es grundsaetzlich eine Frage des Geldes ist. Kostenlose Schulbildung ist fuer viele nur ein Traum, auch an staatlichen Schulen ist ein Schulgeld faellig und ausserdem muessen Buecher und Uniform gekauft werden. Bei den meisten Familien beeutet das hier, dass meist dur jedes zweoite Kind in die Schule darf und die anderen mit den Eltern als Schuhputzer oder Strassenverkaeufer das taegliche Brot verdienen. Von daher ist es auch nicht ungewoehnlich, dass an beispielseweise meiner Schule die Erstlklaessler ziwischen 6 und 10 Jahre alt sind.
