Südamerika-News von Jakob

14.08.2005 um 16:45 Uhr

Potosí-Uyuni und mit dem Jeep durch die Wueste nach Chile

von: JaMue

Stimmung: Geerdet.

Am Montag bin ich also ueber Nacht mit dem Bus nach Potosí gefahren und hatte als Sitznachbarn Bernhard aus Passau. Also haben wir uns in Potosí gleich gemeinsam auf Hostalsuche gemacht und haben auch nach 2 Stunden bei Minustemperaturen durch die Stadt laufen letztendlich eins gfefunden. Nach 2 Stunden Schlaf stand dann auch schon ein Potosíaner in der Tuer und bot uns, noch im Schlafsack liegend, bereits eine Minentour fuer in einer Stunde an. Wir nahmen dankbar an und schaelten uns aus den Schlafsaecken. Um halb 10 stand dann der Tourguide vor dem Hotel und es ging los in Richtung aelteste Mine der Welt.

(Photo: Ein Argentinier)

Nachdem wir uns entsprechend in Schale geworfen hatten ging es unter Tage. Die Gaenge sind haeufig nicht hoeher als 1m50, also musste man sich haeufig gebeugt vorschieben. Unter Tage gab uns eine ehemalige Minenarbeiterin eine interessante Fuehrung. Schon die Incas hatten in dieser Mine Silber abgebaut und heute wird noch immer Zinn gefoerdert. Die Arbeiter arbeiten unter verdammt harten Bedingungen - 45 Bolivianos verdient ein Miñero hier am Tag, das sind gerade mal 5 Dollar und ein paar Cent mehr. Als die Spanier in Potosí eingefallen waren hatten sie den Reichtum der Mine natuerlich fuer die spanische Krone genutzt. Da sie aber zu faul zum selber arbeiten waren, haben sie im 16. und 17 Jahrhundert 8 Millionen Schwarze und Indianer verheizt. 8 Millionen Menschen sind allein in 2 Jahrhunderten unter spanischer Herrschaft in dieser Mine ums Leben gekommen. Haeufig mussten die Arbeiter 6 Monate am Stueck unter Tage bleiben, also auch Essen und Schlafen, bevor sie mal wieder das TAgeslicht sehen durften. Heute werden die Minen als Collectivos betrieben. Das heisst, die Minenarbeiter verkauefn ihren Ertrag an ihr Collectiv.

(Photo: Jakob Mueller)

Gearbeitet wird 9 Stunden am Tag - 12 Sprengungen gibt es im Schnitt am Tag - bei einer durften wir live dabei sein und dann rennen - die Druckwellen hatten einen aber gut dabei unterstuetzt, richtung Ausgang zu laufen. Um nicht muede zu werden kauen die Miñeros den ganzen Tag Kokablaetter. Ausserdem wird sich mit, achtung, 96%-igem (!!!) Schnaps warm und bei Laune gehalten - Dios mio, wir haben probiert und es hat mir bald den Hals weggefetzt. Nach 2einhalb Stunden in den dunklen Schaechten, die sich uebrigens auf rund 4.000 Metern befinden, waren wir dann endlich wieder draussen - endlich wieder frei atmen, aber es war verdammt interessant.

(Photo: Jakob Mueller)

Ich glaube, den Sicherheitsvorkehrungen nach waere diese Mine in Europa nicht zum arbeiten geoeffnet, geschweigedenn fuer touristische Minenfuehrungen, aber das machte sie auch so interessant.

Am fruehen Nachmittag haben wir uns dann noch eine Siesta gegoennt und wollten eigentlich zum Abendessen wieder auf den Beinen sein - allerdings steckte die Busfahrt offenbar doch noch zu tief in den Knochen, denn als wir um halb 12 nachts aufwachten beschlossen wir, das Abendessen zu kippen und weiterzuschlafen. Am Mittwoch sind wir dann mit dem Bus weiter ueber holprige Schotterpisten nach Sueden gefahren - Ziel: Uyuni!

(Photo: Jakob Mueller)

Am fruehen Abend sind wir in dieser tristen Stadt, die aussieht, als wuerde sie mitten in Sibirien liegen, angekommen. Die Temperaturen sind auch hier eher lebensfeindlich. Sobald die brennende Hoehensonne untergeht sinken die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad - wir hatten Glueck, in unserer Nacht gabs nur -18. Hab ich eigentlich schon erwaehnt, dass Heizungen und Oefen hier leider auch unbekannt sind?! Naja, mein Schlafsack tut einen guten Dienst. Bereits am Abend noch haben Bernhard und ich noch eine Jeeptour ueber die Salar de Uyuni, den groessten Salzsee der Welt, weiter durch die Wueste bis nach Chile gebucht. Danach war Abendessen und noch ein Kneipenbesuch angesagt - im Hotel konnte man sich schliesslich nur zum schlafen aufhalten und die Restaurants haben Heizstrahler - que bueno! Als wir also grad beim letzten Bierchen sassen, kamen wir mit zwei Amerikanerinnen aus San Francisco ins Gespraech - eine Stunde spaeter hatten sie uns auf Whisky und Zigaretten zu sich ins Hotel eingeladen. In den darauffolgenden Stunden entschieden sich dann Erin und Megan, noch am naechsten Morgen unsere Tour zu buchen und mit uns gemeinsam auf Tour zu gehen. Nach wenigen Stunden Schlaf standen wir dann auch um halb 11 zu viert vor der Agencia um auf unseren Jeep zu warten.

(Photo: Jakob Mueller)

Erin, Megan, Don Jakobo und Bernhard

Der Jeep wurde mit Essen, Trinken und unseren Rucksaecken auf dem Dach beladen und es ging los. Zuerst auf den Eisenbahnfriedhof, der wenige Kilometer vor Uyuni liegt - ein herrlicher Tummelplatz zum Fotos schiessen.

(Photo: Jakob Mueller)

Nach entsprechend vielen verknippsten Bildern fuhr uns Chofer Ricardo weiter an die Salar. Die Sonnenbrille wurde zum Pflichtutensil, weil das Salz mit der Sonne blendet, wie Schnee! A propos Schnee, jetzt kam die Nase doch noch in den Schnee:

(Photo: Ein Englaender)

Koksnasen im Paradies ;-)

Waehredn wir mit dem Jeep ueber den Salzsee rasen, scheift der Blick teilweise bis zum Horizont nur ueber Salz. Nach einer Weile erreichen wir mitten im Salzsee das Salzhotel. Das Gebaeude ist pur aus Salz errichtet, auch Sitze und Tische innen sind aus Salz - interessant aber freche Preise.

(Photo: Jakob Mueller)

Wieder weiter erreichen wir zum Mittagspicknick die Isla el Pescador - eine kleine Insel mit Kakteen inmitten dieser Salzwueste.

(Photo: Jakob Mueller)

Nach dem Mittagessen mussten wir die surreale Landschaft dann auch fuer ein erneut ausgiebiges und langes Fotoshooting nutzen - trotzdem leider zu wenig Zeit, man koennte sich fotografisch den ganzen Tag austoben.

(Photo: Bernhard Kirmeier)

Hmmmmjammi - Salz!!!!

(Photo: Bernhard Kirmeier)

Erin traegt Don Jakobo und Megan auf den Haenden

Spaeter haben wir dann schliesslich den Salzsee durchquert. Gegen fuenf kommen wir in einem kleinen Ort an und wir beziehen eine sehr primitive Herberge. Es gibt allerdings noch Elektrezitaet, zumindest fuer 2 Stunden. Um uns warm zu halten, haben wir Whisky dabei, auch der Rest der Gruppe freut sich ueber unsere Idee. Nach einer kalten Nacht, die Temperaturen fallen hier noch tiefer als in Uyuni in der Nacht, verlassen wir das Doerfchen am naechsten Morgen um 7 Uhr und fahren weiter durch die Einsamkeiot. Ueber Kilometer kommt kein Haus, kein Zeichen fuer Zivilisation und wir haben schwer damit zu tun, den Jeep mit unserer Koerperwaerme aufzuwaermen.

(Photo: Bernhard Kirmeier)

Als die Sonne aber rauskommt, wird es schnell warm im Jeep, draussen ist es allerdings nach wie vor sibirisch - der Wind ist eisig, der durch die Steinwueste zieht. Noch am vormittag passieren wir ein kleines Doerfchen.

(Photo: Jakob Mueller)

Und es geht weiter - Schotter, Staub, Wueste und Felsen - sonst nix! Aber beeindruckende Landschaft - hier will man nicht ausgesetzt werden.

(Photo: Jakob Mueller)

Auch der Jeep hat ab und zu zu kaempfen und es ist gut, das Chofer Ricardo bereits 15 Jahre Wuestentourenerfahrung hat - sie bringt uns sicher ueber jedes Hindernis.

(Photo: Jakob Mueller)

Am Nachmittag bekommen wir noch wunderschoenes Wildlife geboten, Llamas kreuzen unsere Pisten und wir kommen an Lagunen vorbei, an denen sich zahlreiche Flamingos tummeln - man fragt sich, was sie in dieser Einoede machen.

(Photo: Jakob Mueller)

(Photo: Jakob Mueller)

Bevor wir unsere Herberge an einer Laguna mitten in der Wueste, knapp an der Grenze zu Chile erreichen, kommen wir erneut an interessanten Felsformationen vorbei - dem Arbol de Piedra - dem Steinbaum.

(Photo: Jakob Mueller)

Die folgende Nacht wird hundekalt - das Fenster unseres Steinkarres, Zimmer darf man es nicht wirklich nennen, ist eher ein Spass und die Tuer hat grosse Spalten. Der Kaelte geschuldet ist unser vergleichsweise zeitiges ins Bett gehen, ausserdem gibt es in diesem Alojamiento weder Strom noch fliessend Wasser - muy muy básico sozusagen. Am naechsten Morgen weckt uns Ricardo dann auch schon um 5. Wir wollen zum Sonnenaufgang an der Stelle Sol de Mañana sein - eine Stelle an der die Erde spuckt und faucht - heisse Geysire blasen Dampf meterweit in die Hoehe und es herrscht ein Laerm wie in einer Fabrik. Leider haben die Minusgrade meine Digicam total eingeschlaefert  - es geht nichts mehr, auch mit aufwaermen verweigert sie den Dienst.

(Photo: Jakob Mueller)

Um elf erreichen wir die Grenze zu Chile. Ricardo gibt uns unsere Rucksaecke vom Dach, wir stempekln uns aus und warten auf einen Bus, der uns aus der Wueste heraus nach San Pedro de Atacama bringt. Nach zwei Stunden werden wir vom letzten Bus, der zur Grenze kommt, abgeholt und eine Stunde spaeter sind wir legal in Chile. In San Pedro sind die Preise im Vergleich zu Bolivien wahnsinnig hoch und weil es eiegntlich nicht viel gibt, entscheide ich mich mit Bernhard gleich weiterzuziehen bis an den Pazifik. Bernhard wollte eigentlich mit dem Bus so schnell wie moeglich weiter nach Argentinien, der nachste geht aber erst am Dienstag - deshalb ab an die Kueste. Abends um acht kommen wir in Antofagasta am Pazifik an, beziehen ein Hotel mit in unseren Augen ein wenig dekadenten Preisen, guenstige Herbergen sind nicht zu finden, aber dafuer ist die Dusche heiss - wow und die brauchen wir nach drei Tagen muy básico auch dringend. Bei einem Stadtrundgang am Abend trifft mich dann doch der Kulturschock sehr hart - die Strassen sind sauber, es gibt eine Fussgaengerzone mit einer Shoppingmall an der anderen und es sieht aus wie in Spanien. Nach Bolivien, dem aermsten Land der Welt, wirkt hier alles so europaeisch, so verdammt reich und sauber.

Heute nacht werd ich wohl Antofagasta noch verlassen und mit dem Bus weiter in Richtung Sueden  ziehen. Valparaiso oder Santiago, das muss ich gleich mal am Terminal entscheiden. Beide Staedte stehen aber so oder so auf dem Programm und weit voneinander weg sind sie auch nicht.

PS: Freut ihr euch eigentlich schon auf meine Dias????? Also ich schon ;-)!


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