Südamerika-News von Jakob

08.05.2005 um 19:49 Uhr

Quito -> Riobamba (2. Versuch-anderes Netcafé)

von: JaMue

Stimmung: gut gelaut und gut gebraeunt
Musik: I'm Loving Angels Instead (RW)

Am Freitag sind Daniel und ich in Quito auf die Piste gegangen und haben uns dort, nachdem wir uns in einem Salsaschuppen verlaufen hatten, wieder im Encuentro eingefunden. Waehrend ich ein wenig das Tanzbein schwang, setzte Danson alles daran, kleinen Ecuadorianerinnen ungewollt den Kopf zu verdrehen. Barkeeper Laurent aus Argentinien meinte mich versorgen zu muessen und stellte mir seine kleine Schwester und ihre Freundin vor. Ausserdem versuchte er mir einen Deal abzuschwatzen - sollte ich ihm die Mailadressen der beiden Amerikanerinnen (mit denen ich das erste mal dort war) schicken, wuerde er mir gern seine kolumbianischen Freundinnen vorstellen - mal schauen, ob ich mich darauf einlasse ;-)

Gegen vier waren wir wieder mit dem Taxi in meinem Apartment angekommen, Daniel hatte seinen ausserhaeusigen Schlafangeboten abschlaegige Bescheide erteilt. Am Samstag morgen sind wir nach einer kurzen Nacht von Quito mit dem Bus in Richtung Sueden gestartet. Die Busfahrt machte dem schlechten Ruf der ecuadorianischen Busbranche alle Ehre. Mehrfach entging unser Bus (oder wie man das Gefaehrt nennen wollte) Frontalcrashs, weil der Busfahrer mit gewagten Ueberholmanoevern einer suessen Ecuadorianerin, die neben ihm sass, imponieren wollte. Im allgemeinen liess sein Fahrstil keinen anderen Schluss zu, wenn man mal nicht gerade davon ausgeht, dass er bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Kurz vor Riobamba, welches in der Provinz Chimborazo gleich neben dem weltweit groessten, freistehenden Vulkan (6.310m) liegt, war ihm auf der Panamericana in Richtung Sueden offenbar seine eigene Richtungsspur nich breit genug, so dass er sich fuer eine Geisterfahrt auf der Gegenspur entschied. Nach anderthalb Kilometern Falschfahrt setzte die Polizei dem ein Ende und sorgte dafuer, dass er den kompletten Kilometer im Rueckwaertsgang wieder zurueckfahren musste, wo der Busfahrer unter Schimpfen wieder auf die richtige Spur steuerte.

Gegen 4 kamen wir in Riobamba an.

(Photo: Daniel Josten)

Nachdm wir uns im Hotel Imperial eingemietet haben (5 $, "heisses" (es ist nicht eisekalt) Wasser und ungebetene Gaeste im Baסo inklusive) zogen wir gleich wieder zum nahegelegenen Estadio Olympico, wo gerade Olmedo Riobamba gegen La Liga Quito spielte.

(Photo: Daniel Josten)

Riobamba verlor das Spiel 1:2 und die Polizei versuchte halbherzig, Fans, die nach dem Schlusspfiff das Spielfeld gestuermt hatten, wieder ueber die Zaeune auf die Raenge zu schicken. Alles in Allem eine nette Fussballgeschichte vor der praechtigen Kulisse des Chimborazos.

Am Abend kauften wir dann unsere Tickets fuer die heutige Zugfahrt nach Alausi ueber die schwerste Zugstrecke der Welt bis zur Teufelsnase. Um 6 Uhr sind wir heute morgen am Bahnhof in Riobamba gewesen, um dort uns einen kuehlen Platz auf dem Dach des Zuges zu sichern.

 

(Photos: Daniel Josten)

Weil wir clevererweise Muetze Schal und aehnliches in Quito gelassen hatten, blieb uns nix anderes, als das Lastminute-Angebot am Bahnhof zu nutzen und dort noch wenigstens eine Muetze zu erstehen. Gegen 7 setzte sich der alte Zug mit viel Qualm aus der Diesellok in Bewegung. Durch herrliche Berglandschaft schlaengelte sich die Bahn dann bis auf 3.600m nach Alausi.

 

Immer wieder mussten wir den Kopf einziehen, da tief haengende Stromleitungen nicht fuer Passagiere auf dem Dach konstruiert waren und kurz vor Alausi gab es ein heftiges Ruckeln, hinter uns wirbelte Staub auf und unser Wagen war aus den Schienen gesprungen.

 

(Photos: Daniel Josten)

Fuenf Maenner brachten ein schienenaehnliches Stueck an der richtigen Schiene an und verhalfen dem Wagen nach einer viertel Stunde wieder auf die rechet Faehrte. In Alasi wurden noch einmal ein paar Touristen aufgenommen, die Verkaeufer auf dem Dach wechselten inzwischen die Waren von Caffee auf Empanadas, und wir ruckelten weiter in Richtung Teufelsnase. Nach weiteren 2 Stunden waren wir an der Teufelsnase und der Zug musste mehrfach die Fahrtrichtung wechslen, um sich ueber verschiedene Wendepunkte ins Tal nach unten zu schlaengeln. Wir hatten uns die Teufelsnase ein wenig spektakulaerer vorgestellt, aber die Zugfahrt an sich hatte sich dennoch gelohnt. Die Rueckfahrt nach Riobamba ueber vier Stunden war wesentlich angehemer, weil wir fast die einzigen auf dem Dach waren und saemtliche Touristen den Bus ueber die 80 Kilometer bevorzugten. Bis Riobamba schafften wir es dann auch komplett ohne einmal aus den Schienen zu springen - was sicher als grosse Leistung zu betrachten ist, da die Schienen ja bereits seit 100 Jahren liegen und, so wie sie aussahen, in dieser Zeit auch wirklich keine Eisenbahnerseele was dran verbessert hatte. Am Abend durften wir noch einen herrlichen Blick auf den Chimbo geniessen, der sich am Morgen leider hinter Wolken versteckt hatte.

(Photo: Daniel Josten)

Morgen ziehen wir recht zeitig am Morgen weiter. Es geht raus aus der Bergwelt und weg von der Strasse der Vulkane in Richtung Pazifik auf die so genannte Routa del Sol. Morgen Abend wollen wir schliesslich unser wohlverdientes Bierchen am Strand geniessen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Deef schreibt am 09.05.2005 um 13:52 Uhr:Die Pics sind hammer! Mehr davon. =)


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