Weltkulturerbe bastante: Von Chan Chan zu den Pyramiden Huaca del Sol y Huaca de la Luna
Stimmung: Kultur im Kopf und durst im Hals
Musik: getippe, sonst nix - kein Radio - hmmm, irgendwas stimmt nicht in diesem Netcafé
Nach oder besser mit einem gehoerigen hang-over hab ich mich gestern von Huanchaco aus aufgemacht, die Weltkulturerben hier in der Umgebung zu erkunden. Ich hatte die Nacht vorher in der Sabes-Bar in Huanchaco mit ein paar Deutschen, Peruanern und Amerikanern die Nacht zu Tag gemacht und als man dort schliesslich schliessen wollte, sind wir ueber eine Weintienda an den Strand gezogen. Die Moral von der Geschichte war, dass ich auf dem Nach-Hause-Weg am Strand den Sonnenaufgang sehen konnte, spaeter aber erst um halb eins aus dem Bett kroch. Tim und Lucie (Belgien) hatten mir gesagt, dass sie eine Chan Chan-Tour um 14:30 machen wollen und ich entschied auf gut Glueck nach Trujillo zu duesen um sie dort irgendwo um den Plaza de Armas (Hauptplatz) aufzulesen. Das hatte auch geklappt. 14:30 Uhr gings also in einem kleinen Bus erst zu der Chimú-Pyramide Huaca el Dragon - das gute Stueck steht mitten in einem Wohnviertel, ist wohl im 12. Jahrhundert rum von den Chimú erbaut worden und diente als Tempel. Das diese alte Pyramide Weltkulturerbe der Unesco ist, ist vor Ort nicht zu bemerken - als Tourist trampelt man auf dem Dach der Pyramide herum, kann selbst die kunstvollen Verzierungen betatschen und alles wirkt ein wenig stiefmuetterlich konserviert - naja, vielleicht schaut die UNESCO ja mal wieder vorbei - fuer die Erhaltung der Pyramide waere es wohl ganz gut.
Dannach gings weiter, erst ins Chan Chan Museum und dann in die alte Lehmstadt selbst. Hier wirds dann wirklich beeindruckend und ich muss sagen, mein Bruder Johannes hat mir mit "WeltkulturerbeTRAUM" nicht zuviel versprochen - Johnny das stimmt, es ist echt genial.
(Photo: Jakob Mueller)
Aber fuer alle: Chan Chan war die Hauptstadt des ehemaligen Chimú-Reiches, dass sich an der heutigen Nordpazifik-Kueste von Peru erstreckte. Die Stadt selbst ist wohl im 13. Jh von den Chimú erbaut worden. Zu Hochzeiten lebten wohl bis zu 100tausend Menschen in dieser Stadt, sie beherbergte Herrscherpalaeste, viele Schaetze und Tempel.
(Photo: Jakob Mueller)
Frueher hatte sie eine Groesse von 28 qkm, von denen heute noch immer 20 (!!!!) qkm existieren. Allerdings ist nur ein kleiner Teil fuer die Oeffentlichkeit zugaenglich, was es aber nicht weniger faszinierend macht. NOch immer stehen run 14 Meter hohe Lehmmauern, Grundmauern von Haeusern sind anch wie vor gut erhalten und man kann die gesamte Struktur der Stadt sehr gut nachvollziehen.
(Photo: Jakob Mueller)
Die Mauern aus Lehm sind mit Fisch-Symbolen, Goettern und Schlangen im Relief verziert - echt genial. Die Stadt war zu ihrer Bluetezeit wahrscheinlich die groesste auf dem suedamerikanischen Kontinent. Spaeter kamen dann die Incas aus Norden und nahmen die Stadt ein. Kurz darauf verlor die Stadt an Bedeutung. Wieder eine Weile spaeter eroberten dann die Spanier das Incareich und von der Chimú, wie auch von der Inca-Kultur blieb nicht viel uebrig. Heute ist El Niño der groesste Feind der Adobe-Stadt (Adobe ist ein luftgetrockneter Lehm-Sand-Ziegel, gefuellt mit Stroh). Jahrelang hat es in dieser Gegend keinen oder kaum Regen gegeben, aber das Wetterphaenomen veraendert nun mit seinen Stuermen die komplette Kuestenregion. Den alten Ruinen, ich brauch es eigentlich nicht erwaehnen, tut dies alles andere als gut. Am besten erhalten und konserviert ist der Tschudi-Bereich. Dabei handelt es sich um einen von 9 Herrscherpalaesten. Er ist benannt nach dem Schweizer Forscher Hugo von Tschudi, der den Tempel entdeckt hat. Genug gelesen, Freunde, ich will Euch nicht langweilen – jetzt lass doch lieber auch ein paar Bilder sprechen:
(Photo: Jakob Mueller)
Am Abend und nach aussreichend Kultur habe ich am Strand mit Tim und Lucie ein letztes Sunset-Beer genossen – die beiden sind noch in der Nacht nach Lima weitergzogen und muessen Mitte Juli schon wieder zurueck nach Bruegge – kann nich jeder soviel Zeit haben wie ich. Auf Grund oben beschriebenen hang-overs entschied ich mich ausnahmsweise mal fuer eine fruehere Zu-Bett-Geh-Zeit.
Heute Morgen bin ich dann direct nach Trujillo gefahren. Hab dann ein Taxi nach Sueden genommen um dann am Stadtrand wieder einen Microbus (Toyota-Kleinbusse in die ca. 25 bis 30 Leute reingepfercht werden – Koerperkontakt garantiert – nicht immer was fuer empfindliche Nasen;-) ) zu den Pyramiden zu nehmen. Huaca del Sol und Huaca de la Luna – die Sonnen und die Mond-Pyramide liegen unterhalb des Cerro Blanco, einem Felsenberg der die beiden Pyramiden noch ueberagt
(Photo: Jakob Mueller)
Huaca de la Luna vor dem Cerro Blanco
(Photo: Jakob Mueller)
Huaca de la Luna, wie sie wohl zu Zeiten der Moche aussah - die Farben aussen haben Wind, Regen und Sandstuerme abgewaschen
(Photo: Jakob Mueller)
Huaca del Sol (noch nicht aerchaeologisch erforscht) vom Dach der Huaca de la Luna aus gesehen, dazwischen liegt die Stadt
Zugaenglich ist derzeit nur Huaca de la Luna. Hier arbeiten Archaeologen seit den fruehen 90ern an den Ausgrabungen – fuer Dacha del Sol, wenngleich viel groesser und dominanter in der Landschaft – ist bisher noch kein Geld da. Die Fuehrer sagen, dass es sich wohl lohnt, in 50 Jahren wiederzukommen, dann wird der Grossteil der Pyramiden offengelegt sein und die Stadt, die sich zwischen beiden befand, ebenso. Derzeit leben die Ausgrabungen hauptsaechlich von Studenten aus aller Welt, die jeweils in Projektarbeit fuer ein paar Wochen beim Buddeln helfen – Normi, alter UFG-Student, kauf Dir ein Fluticket und mach Dich hierher – fuer Dich ein wahres el Dorado – Du krichst den Mund nich wieder zu, wenn Du diese Ausgrabungen hier (und da meine ich auch Chan Chan) siehst – dass waere aber 100 Pro das richtige fuer Dich!
(Photo: Jakob Mueller)
Ausgrabungen an den inneren Pyramiden
Zurueck zu den Pyramiden. Auch diese Pyramiden bestehen aus Adobe-Ziegeln. Sie sind aufgebaut wie die klassische russische Madroschka. Was man heute sieht, ist die fuenfte und letzte Pyramide. Sie dienten der Moche-Kultur als wichtige Tempel. Im Innern stehen noch weitere vier Tempel, die nicht zugaenglich sind. Jeder einzelne hatte eine bestimmte Periode seine Funktion, beispielsweise wenn es einen neuen Herrscher gab, haben die Moche einen neuen Tempel oben aufgesetzt. In den Tempeln und auf den Hauptplaetzen haben die Moche heilige Kaempfe ausgetragen. Die Verlierer solcher Kaempfe sollen sogar als Menschenopfer den Goettern dargebracht worden sein. Sicher ist das jedoch nicht, weil nicht viel ueber die religioesen Brauchtuemer der Moche bekannt ist. Der grosse Unterschied zwischen den Huacas und Chan Chan ist, dass hier nach wie vor bnt bemalte Waende bewundert werden koennen - die Moche haben ihre Gottheiten, Fische und Schlangen an die Waende gepinselt und viele dieser Malereien sind erhalten, obwohl sie teilweise hunderte Jahre unter Lehm und Sand lagen.
(Photo: Jakob Mueller)
Wandbemalung - der Gott der Moche
(Photo: Jakob Mueller)
Einer der Adobe-Ziegel - die Moche-Familien bezahlten ihre Steuern mit selbtgefertigten Adobe-Ziegeln fuer den Tempelbau - jede Familie kennzeichnete ihre Ziegel mit verschiedenen Symbolen - eine Art Familienwappen
Die Pyramiden befinden sich heute in einem eher schlechtem Zustand. Schuld sind nicht nur Sandstuerme, Regen und El Niño - nein, hier haben vor allem Grabraeuber einiges auf dem Gewissen. Ueber die Jahrhunderte wurden die Pyramiden immer wieder Ziel solcher Pluenderer - kein Wunder. Da die Moche an ein Leben nach dem Tod glaubten, gaben sie ihren Verstorbenen viele Schaetze mit ins Grab. Einige Gradbraeuber sind sogar so weit gegangen, den nahe gelegenen Moche-Fluss umzuleiten und gegen die Pyramiden zu lenken um die Graeber schneller freizuspuelen - was sagt man dazu?!
(Photo: Jakob Mueller)
Aber gut - wer auch immer nach Perú reist, dem kann ich den Norden durchaus auch ans Herz legen - zwar kann ich aktuell noch nicht ueber Machu Picchu urteilen, aber was es in der Region von Trujillo zu sehen gibt ist zwischen gigantisch und atemberaubend - glaubt mir.
(Photo: Jakob Mueller)
Souvernierstand an den Huacas
Aber genug mit Kultur, ich will Euch nicht langweilen. Nach den Pyramiden bin ich wieder in die Stadt und hab noch ein paar Fotitas von der kolonialen Altstadt gemacht - vamos. Achso, das letzte Foto stammt aus Huanchaco - meinem aktuellen Zuhause ;-)
(Photo: Jakob Mueller)
Hauptplatz mit Kathedrale
(Photo: Jakob Mueller)
(Photo: Jakob Mueller)
Strassenzug in Trujillo
(Photo: Jakob Mueller)
Ebenso... ;-)
(Photo: Jakob Mueller)
Die Kathedrale in ihrer ganzen Pracht
(Photo: ja, wer? - genau - JM)
Wie kommt ein deutsches Nummernschild an einen Kaefer in Huanchaco?!
