Kiel halt...
So... nachdem ich mit ein paar Leuten wie z. B. Papa geredet habe, habe ich ein paar Sachen gemerkt und dann eine Art Entscheidung getroffen. Gemerkt hab ich, dass ich manchmal vielleicht zu viel Druck auf mich selbst lege, vor Allem den Druck alles richtig zu machen und richtige Entscheidungen zu treffen... und dann hab ich auch gemerkt, dass Gottes Weg nicht immer zwangslaeufig der schwierigere sein muss, irgendwie hat sich das in der letzten Zeit bei mir festgesetzt (weil einige Wege sich als schwer erwiesen haben, aber obwohl sie schwwer waren ich dadurch gelernt hab und rueckblickend sagen konnte, dass sie gut waren).
Wie auch immer, die Entscheidung war dann, dass ich zum Personalmenschen gehe und mich fuer die Karibik bewerbe / zur Verfuegung stelle und dann abwarte, was kommt... also quasi nicht selbst entscheiden muss :).
Und seine Antwort darauf heute war sehr schnell und einfach (aber liebevoll ruebergebracht, nicht so wie es sich jetzt anhoeren mag :) - fuer dieses neue Logos II -Projekt wird niemand von den Leuten, die nur 2 Jahre bleiben genommen. Weil wir in einem Trainingsprogramm sind, was z.b. die Andachten morgens, Bible Study Groups und die Community an sich beinhaltet, und das gibt es auf der Logos II dann nicht.
Damit ist es also wirklich einfach und ich weiss, wo ich bleibe... ist auch gut, dann muss ich mich nicht wieder neu eingewoehnen. Und langweilig wird es hier ja auch nicht, wie man gesehen hat... achja, "gesehen" an meiner Rundmail, in der ich ueber Weihnachten auf dem Schiff geschrieben habe. Das haeng ich hier jetzt einfach nochmal ran.
Schoenes Wochenende wuensch ich schonmal! jana
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WEIHNACHTEN AUF DEM SCHIFF
Hallo liebe Leute,
ich hoffe ihr hattet ein paar gute Weihnachtstage mit Zeit für was auch immer euch an diesen Tagen wichtig war! Jawoll, dieses Jahr hab ich das erste Weihnachten auf dem Schiff verbracht. Es haben mich viele gefragt, ob ich an Weihnachten zu Hause war, aber war ich nicht... wäre zwar auch schön gewesen, aber ich wollte mir das hier auch nicht entgehen lassen.
Hier wird Weihnachten nämlich sehr groß gefeiert, und gleich die ganzen Tage durch (wegen der verschiedenen Traditionen).
Los ging es am 24. Nachmittags (wir hatten vom 24. bis heute, 26. frei), und zwar ganz konfrontierend mit dem tiefen Sinn von Weihnachten. Wir waren mit ca. 40-50 Leuten in der Heilsarmee in Kiel, wo eine Weihnachtsfeier für Obdachlose, Abhängige, ärmere Leute und einfach die, die dort waren veranstaltet wurde. Ich weiß dass dieser Ort in anderen Ländern kein bisschen extrem wäre, aber für mich war es in meinem Leben der Raum mit dem größten Maß an Leid und traurig anzusehendem in dem ich bisher drin war. Das hat mich so überwältigt, dass ich erstmal eine Stunde am Rand stand, bevor ich mich irgendwo zugesetzt habe um zu reden. Ich wusste gar nicht, wie ich jetzt auf "solche Leute" zugehen soll. Eine Gruppe von relativ verwahrlosten Leuten stand plötzlich auf und lief mit einem Arm voll Kuchen aus dem Raum, warum auch immer. Wenn der Leiter der Heilsarmee etwas sagen wollte, wurde herumgepöbelt (aber er wusste sich Autorität zu verschaffen), und einige der Menschen saßen einfach teilnahmslos herum oder guckten misstrauisch umher, als wir kamen.
Aber traurig blieb es nicht, als unser Chor Weihnachtslieder sang, als ein mexikanischer und schottischer Tanz aufgeführt wurde und als die Drama-gruppe einige Anspiele aufführte. Aufmerksamkeit war schwierig zu halten, aber die kurzen Impulse, die gegeben wurden (persönliche Statements von Schiffsleuten, die Herausforderung von Judith (sie organisiert hier vieles der Aktivitäten in Kiel) an die Leute), kamen schon irgendwie an.
Und während des einen Dramas, in dem es darum ging, dass Jesus von allem frei macht, hab ich plötzlich das ganz Elementare verstanden und es hat mich tief berührt. Jesus ist für genau diese Leute in die Welt gekommen, um sie zu befreien aus ihrer Sucht oder womit auch immer sie sich abmühen. Aber wo soll einem das auch besser klar werden als dort, wo solche Zustände herrschen?
Auch wenn ich gerne an dem Tag beim Weihnachtsgottesdienst in der Gemeinschaft gewesen wäre, bin ich sehr froh dass ich mich doch dafür entschieden hab, dort hin zu gehen. Ich denke, ich hab Weihnachten bisher immer "sinnlos" verbracht. Also nicht gefüllt mit dem, was wir eigentlich an Weihnachten tun sollten. Und jetzt hab ich auch nicht direkt an Weihnachten die Welt verändert, und ein Tag im Jahr wäre ja auch zu wenig dafür, aber ich hab was gelernt und wünsche das jedem von Herzen, der auch gerne so eine Erleuchtung hätte.
Als ich dann zurück auf dem Schiff war und in die Kabine kam, wurde ich richtig ärgerlich. Alle waren damit beschäftigt, sich schick zu machen für den Abend und sehr besorgt um ihr Outfit. Klar ist das normal, aber in dem Moment hat es mich aufgeregt! Nach der Veranstaltung hatte ich noch erfahren, dass ein Mädchen das mal in meiner Klasse war jetzt drogenabhängig und sehr tief unten im Leben ist, und das hat mich mitgenommen. Und das alles an dem Tag, wo gewohnterweise (in meinen Augen bisher alle) viele Leute mit den eher schönen Sachen im Leben beschäftigt sind, was ja auch irgendwie normal ist und was ich nicht verurteile oder so... aber als ich dann vom einen ins andere kam, hat mich das durchgemixt und irgendwie mitgenommen. Und ich konnte in dem Moment nicht verstehen, was so schlimm daran ist, dass man jetzt ne Jeans anhat weil die schwarze Hose nicht mehr passt...
Und noch mehr hat mich das verständlicherweise erschreckt, als ich nur 3h später an den ganzen Nachmittag fast gar nicht mehr gedacht hab. Geblendet von der Schönheit der Leute, des Speisesaals und des Essens an dem Abend... da war ich dann ein bisschen ärgerlich über mich selbst, und ich muss vielleicht daran arbeiten und mir bewusster machen, dass es meistens wichtigere, schlimmere, ... Sachen im Leben gibt als dass das Steak zu wenig Soße hat, oder welches Geschenk man beim Julklapp kriegt... ich hab mir darüber nicht unbedingt Sorgen gemacht :), aber das waren so unsere "Belange" an dem Abend. Aber ich muss auch aufpassen, mich nicht selbst wegen sowas zu verurteilen, und auch andere nicht.
Jedenfalls gab es in der Tat ein dickes Essen, mit Bedienung, Tischservice, Vorspeise, Dessert... Das Schönste daran aber war die Athmosphäre, denn wir haben in unseren Schiffsfamilien gegessen. Meine Familie besteht hier aus meinen Eltern Brian und Miriam (aus Südafrika und Mexiko, sie sind beide etwa 30) und meinen Geschwistern Becky (UK), Susan (UK), Paul (UK), Luke (USA), Michael (USA), Ephraim (Bonaire) und mir. Ich packe ein Foto dazu, Paul war allerdings krank und Ephraim ist zu Hause. Das Essen dauerte ca. 2h und danach wurde eine Art Julklapp gespielt (und ich hab einen Regenschirm bekommen).
Um 20h30 Uhr ging es in der Lounge mit dem Chor, der Weihnachtsgeschichte und Weihnachtsliedern weiter. Eine Zeit um mit der ganzen Schiffsgemeinschaft (also die große Familie sozusagen, wir waren wohl ca. 300 Leute) zusammen zu sein. Einige der Jungs führten danach "stand by me" auf, sehr cool... alle in Anzügen, das Lied live gespielt und gesungen, und mit eigener "Casanova"-Choreografie.
Während der 3 Weihnachtstage waren die Wache-zeiten auf der Brücke und Gangway auf alle Deckies aufgeteilt, also arbeitete jeder in 3 Tagen ca. 10h in jeweils 2h-Schichten, damit jeder ansonsten frei hatte. Der 24. endete für mich damit, und das war auch ganz nett. Ein bisschen Zeit im blauen Häuschen (an der Gangway), um über den Tag nachzudenken usw.
Der erste Weihnachtstag war weniger aufwirbelnd, aber auch spektakulär: nach einem Hammer-Brunch mit mehr als man probieren kann, gab es einen Gottesdienst. Den hab ich leider nicht mitbekommen, weil ich von 12 bis 14 Uhr auf der Brücke war. Danach ging aber das Besondere am Tag los: Open Cabins! Das bedeutet, dass jeder der möchte seine Kabine schick macht, dekoriert, ("der Tag im Jahr, an dem die Jungs ihre Kabine aufräumen"), Kekse oder was leckeres hinstellt, Musik anmacht - und die Tür offen lässt. Das ist auch der einzige Tag, an dem die Mädels in die Jungs-sektionen dürfen und andersrum. Konnte ich mir davor nicht so genau vorstellen, aber es funktioniert, dass überall irgendwer ist! Das hat so richtig die Familienathmosphäre bei mir gesteigert, und es war auch lecker. Besonders dort wo die Schweizer leben, mit ihrer Schokolade...
Heute war auch ein schöner Tag, wir waren zu 7t in Dänischenhagen zu Hause bei Mama, Papa, Micha und Ina eingeladen und haben einen Tag in "normaler" Familienathmophäre verbracht.
Vielen Dank für alle, die gebetet haben und es immer noch tun...! Ich wünsche euch auch ein gutes neues Jahr. Liebe Grüße aus dem nicht-verschneiten Kiel nach überall! :)
von jana
