Jens Kattermann journalistische Beiträge aus dem Wirtschaftsleben

04.05.2008 um 08:24 Uhr

Jens Kattermann zum Thema Rauchverbot

von: Jens_Kattermann   Stichwörter: jens, kattermann, zum, Thema, Rauchverbot

Jens Kattermann zum Thema Rauchverbot

Für manche geht es um Existenzen und Jobs


Jeden Tag rufen verzweifelte Raucher bei Kerstin Junghans an. Sie sind auf der Suche nach einer Kneipe, in der sie ihre Männerabende veranstalten und beim Bier mal wieder in Ruhe eine rauchen können. Aber die Geschäftsführerin der Hotel- und Gaststättenvereinigung Frankfurt kann ihnen auch nicht helfen. Das Rauchverbot gilt. Und es trifft vor allem Wirte in der sogenannten Einraumgastronomie, also Bars, Kneipen oder Apfelweinstuben. „95 Prozent der Gäste sind dort Raucher“, schätzt Junghans. Wie sich das auf die Umsätze auswirkt, kann sie aber noch nicht sagen. Dafür sei es noch zu früh, meint sie.

 

Bis zu 40 Prozent weniger Gäste in Kneipen

 

Fest steht, dass die Gastronomen gespalten sind: Während manche das Rauchverbot befürworten, wollen andere es möglichst schnell wieder loswerden. Das liegt nicht zuletzt an den erheblichen Unterschieden zwischen Kneipen und Bars auf der einen und Gaststätten und Hotels im höheren Preissegment auf der anderen Seite. „Bei uns hat sich nicht viel verändert“, sagt zum Beispiel Sabine Kraiger, Sprecherin des Westin Grand Hotels in Frankfurt. Dort gibt es weiterhin zwanzig Raucherzimmer, und seit in der Bar und anderen offenen Räumen des Hauses Rauchverbot herrscht, gehen einige Gäste zum Qualmen vor die Tür. „Aber Probleme haben wir keine ausgemacht, und es ist kein Aufstand zu erwarten“, sagt Kraiger. Die Nachfrage nach Raucherzimmern sei in den vergangenen Wochen nicht gestiegen.

 

Rascha Marinkovic – selbst Nichtraucher – kann sich mit der Anti-Nikotin-Politik dagegen nicht anfreunden. „Es geht um Existenzen und Arbeitsplätze“, sagt der Inhaber des „Café im Hof“ unweit der Fressgass’. Seit Einführung des Rauchverbots kämen 30 bis 40 Prozent weniger Gäste, meint er. Und viele würden nur noch schnell essen und dann verschwinden. Zwar hat Marinkovic vor seinem Lokal Heizpilze aufgestellt, aber auch das sei keine Lösung, meint der Wirt.

 

Für Ivo Komljenovic könne eine Lösung ohnehin nur die sofortige Abschaffung des Rauchverbots sein. Der Wirt der „Guten Stute“ hat Angst vor der Zukunft. 20 Prozent seiner Gäste würden einfach nicht mehr kommen. „Mir geht dieses Gesetz gehörig auf die Nerven“, sagt er. Auch, weil er seine Arbeit hinter dem Tresen immer wieder unterbrechen muss, um vor seiner eigenen Kneipe eine Zigarette zu rauchen. „So was ist doch unvorstellbar, oder?“

 

Diskotheken und Clubs weniger betroffen

 

In den Diskotheken und Clubs in Frankfurt ist die Lage hingegen deutlich entspannter. Seine Gästen kämen gezielt wegen der Konzerte und nicht, um wie in einer Kneipe zusammenzusitzen, berichtet zum Beispiel Frank Diedrich, Besitzer des Musikclubs „Das Bett“ in Sachsenhausen. „Manche finden das Verbot sogar ganz gut“, ein Raum, wo gequalmt werden dürfe, sei in seinem Lokal deshalb auch gar nicht nötig.

 

Probleme mit Unverbesserlichen habe es bisher noch nicht gegeben, sagt Diedrich, „aber es kann sein, dass sich mal einer aus Gewohnheit eine ansteckt. Ist mir auch schon passiert.“ Die Raucher würden in solchen Fällen an das Verbot erinnert – und vor der Tür weiterrauchen. „Das könnte das einzige Problem werden: dass sich unter der Woche dann die Anwohner beschweren, wenn sich die Leute auf der Straße treffen.“

 

Neues Problem: Die Zigarette vor der Tür

 

Ähnliche Erfahrungen machen die Betreiber des „Mousonturm“. Die einzige Sorge gilt nach den Worten von Kassierer Tobias Steiner den Nachbarn. Noch habe es keine Beschwerden gegeben, „aber ich weiß nicht, wie die reagieren, wenn plötzlich 500 Leute nach draußen rennen, um zu rauchen“. Bisher aber akzeptierten die Raucher unter den Gästen das Verbot, „und die Nichtraucher finden es gut“. Weniger Zulauf habe das Künstlerhaus wegen des Verbots nicht zu beklagen.

 

Auch in der „Batschkapp“ in Eschersheim ist von einem Gästeschwund bisher nichts zu spüren. Die Besucher würden jetzt eben vor der Tür unter den Heizpilzen rauchen, sagt Sprecher Matze Brunner. Allerdings habe er persönlich der Zeit, als in den Clubs noch geraucht werden durfte, durchaus Positives abgewinnen können: „Jetzt riecht man halt den Schweiß der Leute.“

Text: mwit./witt./F.A.Z.

Jens Kattermann


Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenbuchzeiger schreibt am 26.10.2007 um 05:11 Uhr:Ich habe konträre Erfahrungen gemacht. Wir gehen wieder öfters ins Restaurant, da das Essen ohne Rauch einfach besser schmeckt. Die Lokale sind trotzdem gut besucht. Schweiß konnte ich bislang noch nicht riechen.
  2. zitierenSkorpionfrau schreibt am 26.10.2007 um 09:40 Uhr:Also, ich als Raucher hätte kein Problem damit in einem Restaurant nicht zu rauchen. Aber in einer Kneipe? Das geht gar nicht!
  3. zitierenbuchzeiger schreibt am 26.10.2007 um 17:57 Uhr:Das stimmt. Doch leider sind die Grenzen zwischen Restaurant und Kneipe oft fließend.

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