Jenseits der Illusion

28.02.2012 um 22:34 Uhr

Wahrnehmung...

Gerade las ich folgenden Satz:

Sehr oft nehme ich die Emotionen von Menschen wahr, die ihnen nicht einmal selbst bewusst sind. Das macht es oft schwer für mich, mit ihnen richtig klar zu kommen, denn

 sie sagen etwas anderes, als sie fühlen.

Genauso geht es mir schon ein Leben lang. Und genau deshalb hab ich schon so oft Prügel einstecken müssen. Lange Zeit hab ich gar nicht gewusst, dass ich - und das beschränkt sich nicht nur auf Emotionen sondern es umfasst auch Wünsche, Vorstellungen,  Gedanken usw. - da einfach eine andere Wahrnehmung habe und dass ich mich da eben von den "normalen" Menschen sehr unterscheide. 

Dieser Satz - er hat mir gezeigt, dass ich damit nicht alleine bin und es war noch einmal eine Bestätigung dafür, dass ich kein Alien bin sondern eben nur ein Mensch, mit einer anderen Wahrnehmung. Und das muss ich auch nicht mit meiner Hochsensibilität oder Hochbegabung erklären, es reicht, dass es anderen genauso geht und dass die die selben Erfahrungen machen. 

27.02.2012 um 23:23 Uhr

Für nichts in der Welt...

... würde ich mein Gefühlsleben nochmal aufgeben! Da gibt es soviele schöne Gefühle, die ich mein Leben lang vermisst habe. Früher war irgendwie alles so ein "Einheitsgrau". Das Leben - es funktionierte. Irgendwie. Ich wollte einfach nur "dazugehören" und endlich, endlich, endlich "so sein wie alle anderen". Ich wollte heiraten und Kinder kriegen, in ein Häuschen ziehen und - ja, endlich die Familie haben, die mir nicht vergönnt gewesen war. Aber es klappte nicht. Egal was ich tat - ich war nicht wie die anderen. Ich gehörte nicht dazu.

Und ich spürte nichts mehr. Das Leben war nicht bunt, es war grau. Manchmal wechselten die Grautöne, von einem schicken Mausgrau an besonders guten Tagen in ein trübes Grau an weniger guten Tagen und ab und an sogar in ein furchtbar schmutziges Dunkelgrau an den ganz schlimmen Tagen. Ab und an gab es aber sogar Farbtupfer in meiner öden Welt. Hier ein bisschen rosa, da etwas blau und rot, dort grün und gelb, lila und pink... Das waren die Gefühle, die sich ab und an zeigten um klar zu machen "wir sind alle noch da". 

Unter dem Grau des Himmels ist es immer blau. Die Sonne ist immer da, auch wenn man sie nicht immer sehen kann. 

Im Moment spüre ich sovieles noch intensiver als je zuvor. Nicht nur die Lebensfreude oder die innere Ruhe. Nein, soviel mehr wird da wieder lebendig. Ich werde wieder lebendig. Oder zum ersten mal lebendig? 

Meine Sinne arbeiten auf Hochtouren. Die verschiedenen Geschmäcker allein im Essen - das Zusammenspiel von Zutaten - kann erregend sein. 

Mir ist, als würden die Farben kräftiger leuchten als je zuvor. Alles ist irgendwie deutlicher, klarer und beeindruckender. Als hätte jemand den Grauschleier, der ein Leben lang über der Welt lag (oder lag er nur über meinen Augen?), einfach weggezogen. Und zum Vorschein kommt eine ganz neue Welt, so bunt, so reichhaltig, so voller Fülle an Sichtbarem und Nicht-Sichtbarem. 

Ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lassen, hat etwas unglaublich sinnliches.

Farbkleckse auf eine Leinwand zu malen und sie zu verwischen fühlt sich unbeschreiblich erotisch an. 

Die langsam hereinbrechende Dämmerung bringt spürbaren Frieden mit sich. 

Und das Singen der Vögel in den Morgen- und Abendstunden oder wann immer sie das Alltagsrauschen zu übertönen vermögen, ist ein Genuss für die Ohren. 

Aus vollem Herzen lachen - ohne sich gleich wieder zu ducken, weil sonst immer ein "Psst" kam - befreiend!

Immer öfter im "Hier und Jetzt" sein, einfach ganz bei dem sein, was man gerade tut, nicht an Gestern oder Morgen denken - das ist unbezahlbar. 

Einfach mitschunkeln wenn de Höhner ihre Lieder trällern und sich dabei nicht wie ein Alien zu fühlen - unbeschreiblich. 

Das alles spüren zu können - ich bin unendlich dankbar dafür. 

Nein, ich würd nie wieder einfach nur funktionieren wollen. Ich wollte immer leben und das Leben kehrt gerade zurück - in alle Bereiche. Das fühlt sich unbeschreiblich gut an!

27.02.2012 um 22:58 Uhr

Fastfood...

Sex ohne Gefühl ist wie Fastfood - es sättigt nicht lange und hinterlässt einen faden Nachgeschmack...

Sex mit Gefühl ist bereichernd, als könnte man sich allein an den Gefühlen satt essen - es hinterlässt ein wohliges, kuschliges Gefühl, das selbst dann noch nachhallt, wenn das Fast Food längst verdaut ist ;-)

26.02.2012 um 13:09 Uhr

Urlaubs-Fieber...

Ja, ich lag flach. Im Urlaub. "Rüsselpest" inklusive heisser Stirn und einem enormen Verbrauch an Taschentüchern. Gestern bin ich in den Zug gekrochen und heimwärts gefahren und nun sitze ich hier und spüre, wie  mir die Müdigkeit schon wieder die Beine raufkrabbelt. Dabei gibt es noch den ein oder anderen, den ich heute noch gerne hören (also anrufen) möchte.Und ja, ich könnt ja jetzt anrufen anstatt schreiben, aber das Schreiben brauch ich grad irgendwie für mich. 

Trotzdem war der Urlaub sehr schön und die Ruhe (da ist es immer so wunderbar still) hat mir  unendlich gut getan.

Schon auf der Hinfahrt merkte ich, dass ich völlig angstfrei (ich sag nur "Stichwort Agoraphobie") die Wohnung verliess. Mit einer Selbstverständlichkeit, wie ich sie so noch nie empfunden habe, hab ich mich auf den Weg zum Bus gemacht. Spätestens als ich am Bahnsteig stand, wo ich sonst fast immer Probleme habe, merkte ich - irgendwas ist total anders als sonst. Ich war nicht nur angstfrei, da war noch ein anderes Gefühl, das mitschwang und das ich zuerst als "Selbstverständlichkeit" identifizierte. 

Ich weiss nicht, ob man das überhaupt nachvollziehen kann, wenn man nie ein Problem mit Angst und Panik hatte. Aber für mich war es die letzten 13 Jahre keine Selbstverständlichkeit vor die Tür zu gehen. Ich bekam mit 22 meine ersten Angstzustände und Panikattacken. Damals (davon bin ich heute überzeugt) begann es mit einer Depression. Alles fing an an Karneval 1999. Ich war gut gelaunt, war mit meiner Schwester und ein paar Freunden beim "Zoch" und tanzte da wie blöd herum. Das erste mal in meinem Leben hab ich mich getraut, so richtig aus mir rauszugehen. Ich lachte, ich schäkerte herum, ich tanzte und bekam lauter Rosen zugeworfen - ebenfalls das erste mal überhaupt, dass die männliche Bevölkerung merkte, dass ich existierte. Eigentlich an Karneval erst recht nichts besonderes, aber bis dahin war ich immer total unscheinbar, jedenfalls fühlte ich mich unsichtbar damals und wurde dementsprechend auch nicht bemerkt, schon gar nicht von Männern. Aber da begann sich etwas zu verändern. 

Nur was das war, das konnte ich ja noch nicht wissen. 

Ich feierte also und bei einer Drehung machte es "knirsch" und meine Kniescheibe meinte, sich mal eben davon machen zu müssen. Jedenfalls hatte ich mir ordentlich das Bein verrenkt und war von da an einige Wochen krankgeschrieben. 

Ich lag also krank in meinem Appartment und niemand war da, keiner sah nach mir. Ich war allein und hatte Angst, meine neue Stelle gleich wieder zu verlieren.  Von da an wurde ich ständig krank. Und nervlich war ich am Ende, war innerlich immer unruhig und nervös und wusste gar nicht warum. 

Es vergingen Monate, in denen es mir sehr schlecht ging. Der Arzt verschrieb  mir Baldrian und erklärte mir, dass er wirklich kranke Patienten hatte und ich könnte mir die Tabletten - da Baldrian - ja auch in der Apotheke kaufen. Was soviel hiess wie "kommen Sie ja nicht deshalb wieder in meine Praxis". 

Das "Millenium" kam - das Jahr 2000 und ich hoffte, dass nun alles besser werden sollte. Doch Pustekuchen. "Rhein in Flammen" im Jahr 2000 und ich feierte mit Freunden auf einer kleinen Insel im Rhein. Inklusive Feuerwerk und Menschenmassen. Der Tag war total schön gewesen, aber als ich auf dem Rückweg war, bekam ich meine erste Panikattacke. Ich stand in der U-Bahn und dachte, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. So schleppte ich mich nach Hause und von da an war mein Leben kein Leben mehr - es war ein Spießrutenlauf mit der Angst. 

Seitdem habe ich immer wieder gekämpft wie verrückt. Und nicht mal der Gang in den Supermarkt oder auch nur zum Briefkasten war selbstverständlich - nichts war mehr selbstverständlich, denn immer stand da die Frage im Raum - schaffe ich es diesmal? Oder bricht die Welt wieder über mir zusammen? Es gab Zeiten, in denen konnte ich mich nur zur Bushaltestelle schleppen, zur Arbeit fahren, hatte dort heftigste Angstzustände und wenn es zu schlimm wurde, schleppte ich mich auf die Toilette und beruhigte mich selber oder weinte so lange, bis es leichter wurde. 

Über die Jahre wurde es dann doch immer besser, die täglichen Angstzustände verschwanden, die Depressionen hörten auf und das Leben gewann eine neue Qualität. Doch etwas blieb und das war die Agoraphobie. Sie war immer mit dabei um im ungünstigsten Moment aus der Ecke zu springen und sich auf mich  zu stürzen. Naja, wie das bei dieser Form der Angst so ist, ereilt es mich immer auf großen, weiten Plätzen. Am schlimmsten ist es, wenn nirgendwo ein Haus ist sondern alles frei drumherum ist - dann dreht sich alles mit mir. Das kann die Hölle sein, wenn man nicht einfach mal wie andere Leute sich auf eine Wiese setzen und den Sonnenschein geniessen kann, ohne dass sich alles dreht und die Angst einem die Kehle zuschnürt. Sovieles ging die letzten Jahre einfach nicht, denn selbst wenn die Angst nicht zu sehen war, war die "Angst vor der Angst" doch immer mit dabei. 

Seit über einem Jahr arbeite ich nun schon aktiv an dieser Angst, hab selbst "Ursachenforschung" betrieben, erstaunliche Entdeckungen gemacht und in den letzten Wochen fiel mir schon auf, dass sich etwas verändert hat. Auf einmal geh ich angstfrei einkaufen, erobere mir Wege zurück, die ich nicht mehr nahm, weil die Angst zu groß war. Ich hörte auf, nach "Auswegen" zu suchen - sprich - ich hörte auf, mir irgendwelche Routen zurecht zu legen, weil ich vor dem eigentlichen Weg Angst hatte. Keine Ausreden mehr. Keine Ausflüchte mehr und das ohne Zwang. 

Und jetzt kommt etwas neues dazu... Ein absolutes Gefühl von Freiheit - die Freiheit zu wissen, ich kann den Weg nehmen, den ich nehmen möchte. Ich kann da lang gehen, weil mir da nichts auflauert. Die Freiheit selbst wählen zu können, welchen Weg ich nehme - ihn mir nicht von der Angst diktieren lassen zu müssen. 

Und noch etwas spüre ich auf einmal - ich kann es so richtig geniessen draussen zu sein. Ich freu mich auf den Sommer, ich will endlich auf dieser Wiese sitzen, direkt am Rhein und einfach ein Buch lesen oder auf das Wasser schauen, die Sonne geniessen und den frischen Wind. Nicht nur bei geöffnetem Fenster oder im Garten sitzen sondern DRAUSSEN. Und ich spüre, dass es gehen wird. 

Weil jetzt soviel Freude dabei ist. 

Ja, das Gegenteil von Angst ist nicht Mut - es ist die Freude. Osho hat das in seinem Buch "Angst" beschrieben. Ich hatte mir das Buch mal gekauft, weil ich Osho mag und seine Einsichten in den Lauf der Dinge. 

Ich konnte mir nie erklären, warum es Freude sein sollte. Aber jetzt weiss ich es. Wenn man sich so richtig von innen heraus freut, dann hat die Angst keinen Platz. Dann ist es überall in einem hell und freundlich. 

Und so hab ich mich letztendlich in mir auch die ganze Zeit gefühlt - hell und freundlich.

Trotz aller Viren und Bakterien ;-)

16.02.2012 um 23:37 Uhr

Eigentlich...

... müsste ich ja jetzt im Bettchen liegen, da ich ja morgen wegfahre. Aber noch hält es mich draussen, obwohl ich ja müde bin. Ich freu mich auf morgen bzw. darauf, wenn ich endlich angekommen bin. Und gleichzeitig gehen soviele Gedanken mal wieder durch. Gar nicht negativ, also kein Kopfkarussell, sondern einfach nur Gedanken, die sich zeigen und weiterziehen.

Manche von ihnen halte ich für einen Moment fest, um sie mir genauer anzuschauen. 

Gestern hab ich was über die Grundbedürfnisse eines Menschen gelesen und war erstaunt über die Aufzählung und meine Feststellung - all das hatte ich in meiner Familie von klein auf nicht. Nicht mal die Befriedigung simpler Grundbedürfnisse wie genug zu essen, genug  zu trinken. Geschweige denn der ganze Rest... Interessant daran ist, dass ich gerade dabei bin, mir das alles selber zu geben. Vieles läuft auch einfach auf ganz natürliche Weise ab - in mich reinspüren, was  brauche ich jetzt gerade und diesem Bedürfnis nachgeben. Da gehören so ganz einfache Dinge zu, wie rechtzeitig kochen und zwar bevor ich vor Hunger fast umkomme, mich hinzulegen, wenn ich erschöpft bin und mir die Hausarbeit einzuteilen, nicht so wie früher alles jetzt und sofort und auf einmal machen sondern aufteilen in vernünftige "Häppchen". Wenn ich überlege, wie ich mich früher immer stetig überfordert habe, dann kann ich heute nur noch den Kopf schütteln. Aber ich habs halt nicht besser gewusst. Naja, jedenfalls fühlt es sich sehr heilend an, soviel Rücksicht auf sich selber zu nehmen und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Sich um sich zu kümmern, weil man sich auch mal wichtig genug ist und nicht immer nur denkt "ach, ist doch egal". Nee, is gar nicht egal, denn wenn ich mich nicht um mich kümmer - tuts nämlich kein anderer! Ich bin für mich verantwortlich und das betrifft alle Bereiche, nicht nur einen oder zwei. Manche könnten sagen "nimm Dich nicht so wichtig", aber ganz ehrlich, das ist dummes Geschwätz. Wenn sich jemand aufbläst wie ein Frosch und nur viel (Ego)-Wind macht - ja, dann passt der Spruch. Aber nicht, wenn jemand sich wirklich um sich kümmert und sich gut versorgt und das auch mal aus purer Selbstliebe. Einfach Selbstfürsorge leben. Das ist schön, das sollte jeder tun! 

Ansonsten gehen noch ein paar andere Gedanken durch, eigentlich sind es momentan eher so Bilder von frührer. Ich kenne das schon, immer wenn wieder ein Stück mehr vearbeitet wird, tauchen die Bilder auf, Erinnerungsfetzen aus einer längst vergangenen Zeit. Manchmal sind es abwertende Blicke von Menschen, die mich fast ein Leben lang begleitet haben. Manchmal ist es auch das Gesicht eines lieben Menschen und das tiefe Gefühl, diesen Menschen sehr, sehr, sehr lieb zu haben. Nein, zu lieben. Einfach nur zu lieben. Das Gefühl von Zärtlichkeit und für einen Moment stell ich mir dann vor, ich nehm diesen Menschen einfach fest in den Arm und drück ihn. Das sind diese Momente, in denen fliesst mein Herz vor Liebe über. Schön! Ab und zu tauchen auch Sätze auf, die ich früher einst zu hören bekam. Und manchmal werden daraus auch Erkenntnisse, wenn mein heutiger Blickwinkel zum damaligen Geschehen eine ganz neue Stelle einnimmt und mir auffällt - damals hab ich mich geduckt, aber heute denk ich nur noch "Schwachsinn" und zucke mit den Schultern. 

Neulich zum Beispiel war so eine Situation. Es gab da mal jemanden, der ganz arrogant zu mir meinte, als ich ihm sagte. "Ich kucke gleich Charmed" - "Was? So einen Schwachsinn kuckst Du?" Höchstes Entsetzen auf seiner Seite. Wie ungebildet und niveaulos ich doch deshalb war! So und ganz und gar nicht standesgemäß für einen angehenden Ingenieur! Und neulich taucht dieser Satz nochmal in meinem Kopf auf und ich erinner mich daran, wie ich zusammengezuckt bin. Noch ein Grund, warum ich für den großen Zampano "nicht gut genug" war. Ha! denk ich mir... "Lieber kuck ich Charmed als ständig dämliche Talkshows, in denen Ramona, Hausfrau, 20 mit zwei Kindern aus Göttingen auftritt, die nicht weiss, von wem ihr drittes Kind im Bauch ist - von Mark, Anton oder doch Rolf? 

Sorry, aber DAS finde ich dann niveaulos! Mag jeder kucken was er möchte und im Grunde beurteile ich niemanden nach seinem Geschmack. Aber wenn mir jemand so blöd daher kommt und selbst so einen ausgemachten Schwachsinn wie Talkshows regelmässig kuckt und mir dann Niveaulosigkeit unterstellen will - dann kann ich darüber nur noch lachen. Vor der eigenen Tür kehren wäre mal angesagt! 

So ändert sich der Blickwinkel mit der Zeit und ich merke, dass ich heute viel selbstbewusster mit sowas umgehen kann. Und nen lockeren Spruch auf den Lippen hab ich dann auch immernoch parat. 

Ach, es gehen noch mehr Gedanken durch. Aber das Schöne ist, dass sie mich nicht beschweren. Sie zeigen sich wie Wolken am Himmel, manchmal wirbeln sie ein bisschen Staub am Grund auf, doch nur, um den Schatz am Meeresboden freizulegen und dann verschwinden sie wieder. 

Und was soll ich sagen? Ich freu mich so, am Leben zu sein. Zu lachen. Die Welt mit neuen Augen zu betrachten. Ich mag sogar die negativen Gefühle, weil sie mich der Heilung immer näher bringen. Jede Träne ist so kostbar, weil sie den Weg weiter ebnet für die Freiheit - in mir. Und damit auch im Aussen. Heute zum Beispiel bin ich völlig angstfrei einkaufen gegangen. Ich hab ja immernoch mit der blöden Agoraphobie Probleme, aber in letzter Zeit hab ich mir viel zurückerobert, was ich verloren glaubte. Und heute - heute bin ich so absolut selbstverständlich raus und hab mich dabei einfach nur gut gefühlt. Diese Selbstverstädnlichkeit das Haus zu verlassen und sich dabei einfach nur gut zu fühlen, ohne Angst, ohne negative Gedanken - mein Gott, ich hatte völlig vergessen, dass es das überhaupt gibt und natürlich auch, wie es sich anfühlt. Diese Selbstverständlichkeit ist so kostbar, dass sie wiederum nicht selbstverständlich ist. Wunderbar!

Tja, eigentlich hab ich jetzt wieder einen halben Roman geschrieben. Manchmal hab ich schon Bauchweh, wenn ich soviel schreibe, weil ich immer denke, das ist zuviel, eine Zumutung. Aber inzwischen ist mir so nach "Rebellion". All diese blöden Vorgaben in meinem Kopf, wie etwas zu sein hat, was richtig und was falsch ist - ich pfeiff drauf. Ich rebellier und das bis zum Ende aller Tage. Ich mach nur noch, was mir gefällt. Wers nicht mag, muss ja nicht reinschauen. Wer mich nicht sehen will, soll wegkucken. Wer mich nicht hören mag, der soll einfach weghören. Wer mich nicht lesen mag, der möchte mich doch einfach überlesen.

Wer mich nicht mag, kann mich mal gern haben :)

So, jetzt verpfeiff ich mich aber in die Kissen, sonst penn ich morgen im Zug ein und lande noch in Timbuktu. Wobei das ja auch mal interessant wäre :-)

16.02.2012 um 20:15 Uhr

Urlaub...

Morgen fahr ich weeeg - und komm erst in einer Woche wieder *freu*hüpf*tanz*

15.02.2012 um 23:42 Uhr

Einfach ICH...

Manchmal fällt mir auf, wie wenig manche Menschen sich drum scheren, ob das, was sie gerade von sich geben, irgendwem nicht passen könnte. Ich mein das nicht negativ, ganz im Gegenteil - ich bewundere das sehr...

Diese "Selbstverständlichkeit" hat mich heute mal wieder ereilt, als ich die Zeilen einer jungen Frau las, die über sich schrieb. So wie Millionen Menschen das auch machen. Und doch war es so anders, weil ich spüren konnte, dass es authentisch war. Ohne kunstvolle Formulierungen, die alle nur darauf hinaus gehen, dass sich bloss niemand auf den Fuss getreten fühlen könnte. Da war so ein "ich zeige mich" und PUNKT. Wow, das beeindruckt mich sehr. 

Eigentlich behaupten Menschen von mir auch immer, ich würde total authentisch rüberkommen. Wie gut, dass die nicht in meinen Kopf kucken können :) Ja, ich bin in vielen Aspekten schon sehr authentisch, aber wenn es darum geht, mich zu zeigen - so in Gänze, wie ich eben bin, dann fällt mir das immer wieder sehr schwer. Nicht weil ich glaube, mich verstecken zu müssen Aber weil da soviele Glaubenssätze ganz automatisch abrollen und mein Verstand das ganze alte Zeug runterrattert und mir gleichzeitig soviele hässliche "Pseudogefühle" verursacht, die mir immer ein Gefühl des permanenten Unwohlseins vermitteln. 

Inzwischen bin ich schon so weit, dass ich - wenn auch mit Bauchgrummeln - viel von mir preis gebe und auch dazu stehe, komme was wolle. Zurückgerudert wird nicht. 

Aber ich täte das alles gerne mal mit einem guten Gefühl, das "ich darf so sein".

Ich weiss nicht, ob das jemand nachvollziehen kann, der das nie erlebt hat, aber mein Leben bis zu meinem 32. Lebensjahr war die Hölle. Ich bin mit Missbrauch - emotional als auch körperlich - groß geworden. Wie sehr emotionale Gewalt Menschen prägen kann - das weiss wohl nur der, der es selber erlebt hat - ob bei sich oder bei anderen. 

All die dummen Sprüche, all die eingeimpften Glaubenssätze - sie tauchen wie ein Spruchband im Kopf auf, wenn die Situation es gerade hergibt. Verbunden damit sind dann die natürlich passenden "Pseudogefühle" und die sind immer negativ. Pseudogefühle nenne ich das, weil das keine echten Gefühle sind. Echte Gefühle entspringen dem innersten Kern, dem Kern, der heil geblieben bist, egal wie sehr das Haus drumherum zum Einsturz gebracht wurde. Pseudogefühle werden durch Gedanken hervorgerufen. Und wenn es negative Gedanken sind, entstehen natürlich auch negative Gefühle. 

Und was man mir alles versucht hat einzureden und beizubringen! Soviel Unsinn war da mit dabei, den man aber für bare Münze nimmt, wenn man damit aufwächst. Irgendwas in mir hat sich zwar immer dagegen gewehrt, aber trotzdem gibt es da eine Instanz in einem, die einem noch immer - stellvertretend für die eigentlichen Verursacher - diese dummen Sätze ins Ohr flüstert und das liebe Gehirn produziert gleich die passende Gefühle. Oh wie widerlich!!!

Dass es dann schwer ist, sich einfach selbst zu leben, wenn man ständig solche Dinge im Kopf hat - das ist wohl klar. Nun muss ich sagen, dass ich trotzdem viel von diesem alten Müll aus meinem Denken entfernt habe. Aber der Mensch ist so facettenreich, dass eben immer mal wieder doch noch eine Stelle auftaucht, an der es dann ordentlich hakt. Vielleicht ist das Trümmerfeld auch nur so riesig, dass die Aufräumarbeiten eben länger dauern :) 

Ein Satz, den ich von meiner Schwester immer regelrecht hasserfüllt zu hören bekam war "Du bist zu sensibel". Einmal sagte sie zu mir - total wütend obwohl nichts vorgefallen war - "Du und dieses scheiss Sensible an Dir!" 

Ja, sie fand es unnormal, dass ich "so sensibel" war. Warum? Weil ich weinte, wenn man mir weh tat. Mutter sagte immer. "Was weinst Du? Du bist nicht geschlagen worden, also gibt es keinen Grund zu weinen! Und wenn Du jetzt nicht aufhörst, geb ich Dir einen Grund zum heulen!" Ja, das hat sie immer gesagt. Also wischte man sich schon als Kleinkind die Tränen ab und schluckte den Kummer hinunter in die kleine Seele, die eh schon überladen war vor lauter Schmerz. 

Wie kann man da authentisch sein, wenn man jedesmal eine drauf bekommt, wenn man einfach ist, wie man ist? Wie soll man da authentisch sein, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die vor Narzissmus triefen? Wie soll ein Kind lernen, ganz es selbst zu sein, wenn sein Umfeld das Kind als riesige Projektionsfläche benutzt? Ein Vater, der es von seinem 4. Lebensjahr an missbrauchte, weil die Frau nicht mehr mit ihm ins Bett gehen wollte. Eine Mutter, die das Kind als verlängerten Arm benutzte, sich auf das Kind stützte, von dem Kind von klein auf erwartete, dass es ihr half - die aber nie Liebe geben konnte, die nie bereit war, ihre Härte und ihre Grausamkeit in Frage zu stellen. Eine Schwester, die über 10 Jahre älter war und die das Kind von klein auf terrorisierte, weil es angeblich mehr geliebt wurde (wo war da Liebe???), ein Bruder, der das Kind krankenhausreif schlug und das regelmässig. Und Eltern, die dem Kind nicht mal erlaubten, ihre physischen Schmerzen kund zu tun - von den seelischen ganz zu schweigen.

Das Beschissene ist ja, dass einem später auch noch solche Leute übern Weg laufen. Da sind dann fremde Leute, die glauben, sie könnten genauso schlecht mit einem umgehen. Die keinen Respekt haben, die grenzüberschreitend sind, ihre schlechte Laune ungefiltert an einem auslassen, die einen genauso als Projektionsfläche benutzen und über keinerlei Mitgefühl verfügen. Draufschlagen, reintreten und weiterziehen. Mein Gott, wie ich sie alle gehasst habe für ihre Gefühllosigkeit, ihre Überheblichkeit zu glauben, sie hätten ein Recht andere Menschen schlecht zu behandeln. 

Irgendwann wurde mir dann klar, dass ich mich noch immer wie das Opfer verhielt, das ich in der Kindheit war. Irgendwann wurde mir klar, dass ich mich noch immer wie das hilflose Kind benahm, das ich einst gewesen war. 

Was hab ich mir den Schmerz darüber aus der Seele rausgeschrieen, was hab ich die Wut darüber rausgebrüllt, wie oft habe ich meine Sofakissen verprügelt, gegen die Tür getreten oder bin einfach rumgesprungen wie Rumpelstilzchen. Eine ungeheure Wucht riss all diese Gefühle aus meiner vernarbten Seele hervor. Verstehen konnte das natürlich keiner in meinem Umfeld, aber es war mir zum ersten mal in meinem Leben egal, wer was versteht oder nicht versteht. Es war mir egal ob sie mich für verrückt hielten oder ob sie über mich redeten. Ich war dann eben "die Irre" - "die auf dem Selbstfindungstrip". Ich war jedenfalls nicht mehr "die Alte" und das wurde mir heftigst vorgeworfen. 

Ja, ich hatte mich verändert. Plötzlich war ich nicht mehr das Sensibelchen, nicht mehr die Schüchterne, nicht das "Haus und Hof Opfer" dem man ungehindert eine reinballern konnte, wenn einem gerade danach zumute war. 

Am Ende ging ich. Um endlich ich sein zu können. Und Stück für Stück legte ich mich frei. Einen Facette nach der anderen kam heraus. Ursprünglich, rein, einfach ich. Das hat gut getan. Und tut noch immer gut...

Wenn ich all das hier schreibe, dann wird mir nochmal klar, warum ich noch immer in einigen Bereichen Angst davor habe, mich zu zeigen, wie ich bin. Mich auszudrücken. Ich zu sein. Weil eben genau diese alten Sätze automatisch abrollen. "Du und Dein blödes Gerede" - noch so ein Satz, der es mir oft auch schwer macht zu schreiben. Es gibt Momente, in denen ich dann kein Wort zustande bringe, weil da so eine abwertende Energie mitschwingt. Und ich sehe das Gesicht meiner Schwester vor mir. Sie hat da so einen Blick drauf, total hasserfüllt, von der Seite, abschätzig, das Gesicht total angewidert verziehend und bitterböse dreinschauend. Schon als Kind bekam ich dieses Gesicht so zu sehen. Ich hatte Freundinnen in der Grundschule und sie sah mich so an mit dem Vorwurf "Du magst Deine Freunde lieber als Deine Familie". 

Wenn ich mir überlege, dass ich als Grundschulkind schon mit solchen dummen Vorwürfen zu kämpfen hatte, dann wundert es mich einfach nicht mehr, warum das alles so tief steckt. 

Wie eine Zwiebel schält sich so Thema um Thema. 

Und ich werd mich solange "häuten", bis ich einfach ICH bin. Ohne diese dummen Gedanken in meinem Kopf. Ich hab schon soviel geschafft, dann schaff ich das auch noch!

Und wem's  nicht passt - der darf von mir aus auf den Mond fliegen und dort bleiben!

14.02.2012 um 00:46 Uhr

Ich häng an Dir...

Ich häng an Dir...
Ganz ganz fest...
Durch Regen und Sturm...
Durch Schnee und Eis...
Ich häng an Dir...
Ich will zu Dir zurück...
Oder vielleicht auch nicht zurück -
sondern hinein mit Dir in das Jetzt -
dem magischen Augenblick...

 

Immer wieder fällt mir auf, dass gerade wir Frauen (vielleicht die Männer auch?) an unseren Ex-Beziehungen festhalten. Wir träumen uns zurück ins Gestern, vergessen all das Schlechte, vergeben viel zu schnell, um vielleicht auch noch ein drittes oder viertes mal lachend in die Kreissäge zu rennen...

Ich muss lächeln... Da gabs mal jemanden, der auch mal zu mir sagte, er wolle nicht lachend in die nächste Kreissäge rennen. Dann brach er mir das Herz und suchte sich sofort die nächste Kreissäge, vor der er ja weglaufen wollte...

Und ich? Ich hab mich zurückgeträumt. In all die schönen Momente. In diese Momente, in denen ich glücklich wie nie war. Nie mehr gefühlte Weiblichkeit verspürte. Niemals soviel Liebe gespürt hatte. Und doch nie mehr gelitten hatte. 

Wir weinen nach den schönen Momenten, aber wir wollen die schlimmen Dinge nicht sehen und hören. Wir träumen uns zurück in Arme, deren Hände nicht immer nur zärtlich waren. Aber weil wir lieben, vergessen wir das Schlimme. Und weil wir das Schlimme nicht wirklich vergessen können, reden wir uns manches schön und brechen dann vor Angst vor erneuten Verletzungen zusammen. 

Liegt es daran, dass wir Menschen dazu neigen, immer von dem Menschen die Liebe zu wollen, der sie uns partout nicht geben möchte? Wollen wir alle das wohltuende Gefühl erleben, das zwangsläufig entsteht, wenn Dir endlich jemand das gibt, was Du so dringend von diesem Menschen haben möchtest? Und warum nicht von einem anderen? Es gibt doch soviele nette Männer (und Frauen ;-) in der Welt - Menschen, die mindestens ebensoviel Liebe mit sich herumtragen und die uns gut täten - aber nein, Frau fällt lieber auf das Arschloch rein und den netten Kerl von nebenan, der auch noch gut kochen und Witze reissen kann, ohne  dabei prollig zu wirken - den verschmähen wir.

Was ist das? Oder - warum ist das so? Hat es wirklich nur mit mangelndem Selbstwertgefühl zu tun? Hat es was mit mangelnder Selbstliebe zu tun? Oder....

Ja, ich glaube, dass man einen Menschen auch dann noch lieben kann, wenn er ganz und gar nicht liebenswert ist. Ich glaube, dass Liebe nicht danach fragt, wie oder was jemand ist. Ich glaube, dass Liebe einfach IST und zwar bedingungslos. Was es uns Menschen oftmals so schwer zu machen scheint, weil wir darüber uns vergessen - weil das Gefühl der Liebe so stark zu sein scheint, dass man den anderen einfach nicht vergessen kann, sehnsüchtig auf seinen Anruf wartet und nächtelang durchweint, wenn es mal wieder zu sehr weh tut. 

Aber - und das ist ein großes ABER - was wollen wir wirklich? Was wollen wir denn wirklich, wenn wir ganz ehrlich zu uns sind? Den Schläger? Den Lügner? Den Betrüger? Den Egoisten? Das Großmaul? Den Verantwortungslosen? Den Gemeinen? 

Nein, ich glaube, dass wir alle das nicht wollen. Ich will es nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn die dunkle Seite der Liebe beständig einen Schatten auf das Glück wirft, wenn die Dunkelheit größer ist als das Licht, wenn die Liebe Leiden bringt und das Leid nicht vergehen kann im Angesicht der Liebe - dann will ich das einfach nicht (mehr). 

Ich will vielleicht noch immer diesen einen Menschen, den ich mehr liebe als alles andere. Aber ich will seinen Schatten  nicht. Ich will sein Licht, seine Liebe, sein Lachen - aber nicht seine Gemeinheiten, nicht die Verletzungen. 

Und ja, ich weiss, dass das eben oft nicht möglich ist. Manchmal ändern sich Menschen und geben sich noch eine Chance und somit auch der Liebe. Aber oft genug tun sie es eben nicht, oft genug ändern auch wir uns nicht, wollen nicht hinsehen, lieber Opfer sein als unseren Anteil zu erkennen. Und manchmal braucht es schlichtweg Zeit. Manchmal trennen sich Wege - müssen sich trennen - manchmal für Wochen oder Monate und manchmal sogar für Jahre, um doch noch einmal von vorne starten und es besser machen zu können. 

Und manchmal gibt es eben keine Hoffnung, weil der Schatten zu groß ist und alles zu verschlingen droht, was ihm zu nahe kommt. 

Doch wer weiss schon, was die veschlungenen Fade des Lebens mit sich bringen? Manchmal bringen sie verloren geglaubtes zurück, manchmal schwemmen die Wellen des Lebens Neues an, dessen Licht uns erst zeigt, wie großartig das Alte doch nicht war...

Wie auch immer - heute weiss ich, dass ich das Gestern gar nicht zurück möchte. Es gibt Aspekte davon, die schön waren und die ich mir manchmal auch zurück wünsche. Das sind aber immer nur die guten Dinge, die schönen Momente, die Momente voll Liebe und Wertschätzung. Niemals sind es die dunklen Stunden, nicht der Schmerz oder die Verzweiflung. Auch nicht die Gemeinheiten oder die Abwertung. 

Und das alles hat mir klar gemacht, dass ich mir wertvoll bin - und dass ich es mir wert bin, dass ich eben die Sonnenseite bekomme. 

Und ich glaube, da liegt der Knackpunkt - man wünscht sich solange das Arschloch zurück, bis man begreift, dass man mehr wert ist. Mag sein, dass die Liebe noch da ist, aber wenn die Selbstachtung groß genug ist, wenn man sich selbst genug liebt, dann hört dieses "sich aus Liebe verraten" auf. Dann hört der Schmerz auch auf, weil man sich selbst etwas gibt, was man eigentlich von dem anderen haben wollte - Achtung, Liebe, Fürsorge, Respekt. All das gibt man sich selber, wenn man sich selbst achtet, liebt und respektiert. Dann mutet man sich die Schattenseiten auch nicht mehr zu, dann hört der Selbstverrat auf. 

Wer heute noch zurück möchte in mein Leben, der wird gelernt haben müssen, seine Schattenseiten zu bezwingen. Der wird sich geändert haben müssen - zum Vorteil. Und ja, Menschen können sich ändern. Und deshalb, weil ich weiss, dass Menschen sich ändern können, weil ich es auch konnte, obwohl daran niemand mehr geglaubt hat (ich am allerwenigsten), akzeptiere ich auch keine faulen Ausreden mehr. Keine Hinhaltetaktik. Und keine Ausflüchte. 

Das bin ich mir inzwischen wert :)

10.02.2012 um 00:22 Uhr

Erklärungen...

Stimmung: Melancholisch
Musik: Gib mir Sonne...

Manchmal ist es besser, wenn man etwas nicht intellektuell erfassen kann - denn dann kann man es auch nicht zerdenken und es hat die Chance, einen auf einer bewussteren Ebene zu erreichen. 

 

09.02.2012 um 18:16 Uhr

Spaziergang im Schnee...

... eigentlich war es kein richtiger Spaziergang, ich musste Briefmarken kaufen gehen und die gibts 3 Bushaltestellen von hier entfernt. Da hier aber an der Straße gearbeitet wird (oder eher unter der Straße) sind die nächsten zwei Haltestellen bis Ende September gesperrt. Also hab ich mich in meine Winterstiefel und Jacke geschmissen und bin mit meinem "Oma-Wägelchen" im Schlepptau losgelaufen. Zwischendurch hab ich wirklich gedacht, mir  brennt die Kälte ein Loch in die Lunge.

Im dazugehörigen Supermarkt hat mich die Verkäuferin hinter der Fleischtheke gleich mal aufs miese Wetter angehauen, um mir dann zu erzählen, dass sie sich an Karnval dann einfach warm saufen wird. Meinen Einwand, dass ich bei so ner Kälte sicher nicht feiern geh, hat sie weggewischt - nee, das ginge ja gar nicht! Also an Weiberfastnacht MUSS sie raus, das ist Pflicht, das lassen ihr ihre Freundinnen auch nicht durchgehen. Mit genug "Frostschutzmittel" im Blut ginge das schon. Na, wohl bekommts!

Zurück bin ich allerdings dann mit dem Bus gefahren, bevor mir die Lunge noch zu Eis gefriert. Ich hab ja Asthma und bei der Kälte tut das richtig in der Lunge beim Atmen weh. Ich bin wirklich froh, wenn es wieder in die Plus-Grade geht. 

So, nu schau ich mal, was ich mit dem Chinakohl und dem Hackfleisch anstelle, das sich spontan mitgenommen hab. Ich werd gleich wohl mal den Chefkoch fragen wegen eines Rezepts...

08.02.2012 um 13:09 Uhr

Murmeltiergedanken...

Seit einer Woche fühl ich mich wie "durchgekaut und ausgespuckt" und nein, ich bin nicht krank. Sie ist wieder da, diese fast grenzenlose Erschöpfung und ich  - ich bin froh, wenn ich  mir was zu essen machen und auf die Couch gehen kann. Sogar vorm PC sitzen ist anstrengend, zumal mir der Nacken schon seit Tagen weh tut und sich scheinbar gar nicht mehr entspannt.

Wie ein Murmeltier hab ich mich also in meine Decke gewickelt und warte darauf, dass meine Kraft zurückkehrt (und der Nacken aufhört weh zu tun). 

Neulich hab ich dieses Buch gelesen, über emotionalen und sexuellen Missbrauch und die daraus resultierenden Verhaltensweisen sowie die Folgen. 

Was dort so beschrieben wurde, die auch körperlichen Auswirkungen, die man noch Jahrzehnte später mit sich herumträgt - das alles hat  mir das Ausmaß der Zerstörung an Leib und Seele noch einmal sehr deutlich und klar vor Augen geführt.

Aber es hat auch dafür gesorgt, dass ich das erste mal mir selbst gegenüber Milde sein konnte. Ich hab mir also vorgenommen, mich nicht mehr so anzutreiben und zu akzeptieren, dass es nunmal lange Zeit dauert, bis man heilt und dass es zur Heilung - emotional als auch physich - keine Abkürzung gibt.

Der Weg ist nuneinmal lang und anstatt mir immer zu sagen "aber ich müsste doch..." werde ich jetzt einfach akzeptieren, dass es so lange dauert, wie es dauert. Und dabei eben auf mich achten, meine physischen Grenzen genauso respektieren wie meine emotionalen und haushalten mit meinen Kräften. 

Auch das ist eine Form der Achtsamkeit und des Respekts - sich selbst gegenüber.

Fühlt sich gut an :)

07.02.2012 um 23:05 Uhr

Was wir vor dem Tod bedauern...

Heute bin ich auf einen interessanten Artikel bei gmx gestossen - "Was wir vor dem Tod bedauern".

Mich hat dieser Artikel sehr berührt, weil ich es mir schlimm vorstelle, wenn man so kurz vor dem eigenen Ableben noch feststellen muss, dass es Dinge gibt, die man doch gerne noch gemacht oder erlebt hätte - und man weiss, es geht nicht mehr, weil die Uhr gerade abläuft. 

Ein Grund mehr, um nicht im alten Trott festzuhängen und vorwärts zu streben...

Und hier der Link, für die, die es interessiert:

http://www.gmx.net/themen/gesundheit/psychologie/148qlea-was-wir-vor-dem-tod-bedauern

01.02.2012 um 00:19 Uhr

Gradmesser...

Stimmung: In Schreiblaune!

Neulich hab ich mit einer Frau gesprochen, die mich mit ihren Fragen sehr an mich erinnerte - vor zwei/drei Jahren. Die Fragen, die sie wütend, traurig und ängstlich zugleich eigentlich mehr an sich selbst als an mich richtete, haben auch mir noch einmal zu einer Antwort verholfen.

Sie fragte mich: "Wie kann ich ein Recht dazu haben, jemanden abzulehnen oder sogar den Kontakt abzubrechen, der sich zwar schlecht benommen hat mir gegenüber, der aber selbst doch auch seine Probleme hat und bestimmt nicht ohne Grund so geworden ist, wie er jetzt ist?" 

Eine verdammt schwere Frage hat sie sich da ausgesucht, denn natürlich hat einfach jeder Mensch Gründe, warum er oder sie so geworden ist, wie er oder sie nunmal ist. 

Wann auch immer man Menschen und ihre Lebensgeschichten betrachtet und diesee mit ihren Verhaltensweisen abgleicht, wird man feststellen können, dass sich durch bestimmte Erfahrungen die Wahrnehmung so oder so gebildet hat, dass bestimmte Glaubenssätze und Muster entstanden sind. Zweifelsohne haben viele - wenn nicht sogar die meisten Menschen in ihrem Leben schon harte Zeiten oder gar Leid erlebt. Und Menschen werden nunmal auf diese Weise geprägt. 

So kommt es, dass einer halt eher ruhig ist und sich lieber in sich zurückzieht (und damit einem eher extrovertierten Partner auf Dauer scheinbar zu langweilig wird), ein anderer wiederum vielleicht zum scheinbar lockeren Charmeur wird, aber innendrin einsam ist, wieder andere neigen zum streiten, kämpfen und um sich schlagen, manche werden zum Clown, der niemanden in sein Herz lässt und manche neiden ihren Mitmenschen sogar die Butter auf dem Brot. Natürlich gibt es unendlich viele Facetten, sie alle aufzuzählen ist wohl gar nicht möglich. Aber so entstehen halt mitunter auch Charaktäre. 

Und ja, wer sind wir schon, dass wir jemanden verurteilen, ihn "wegbeissen" oder als "falsch", "langweilig" oder wie auch immer bewerten? 

Lange Zeit habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt, was für mich den großen Unterschied ausmacht. Schliesslich bin ich auch nicht perfekt und möchte dennoch so akzeptiert und geliebt werden, wie ich bin. Und dieses Recht hat ja schliesslich jeder andere Mensch auch. 

Irgendwann wurde mir allerdings auch klar, dass es Menschen gibt, die an ihren negativen Eigenschaften - vorallem wenn sie sich und anderen Menschen damit Schaden zufügen - hart arbeiten und die zwar gerade nicht anders können als "so zu sein", die aber auch die Notwendigkeit sehen, etwas zu verändern. Kurz und gut - wenn jemand vielleicht schnell verletzlich ist, ständig überreagiert, viel auf andere projiziert und sie dann bekämpft, selbst aber weiss, dass es so nicht weitergehen kann, sich Hilfe holt und wirklich an sich arbeitet - dann habe ich damit absolut kein Problem. Natürlich würde ich mich selber wenn notwendig auch schützen, denn jemand, der auf seinem Weg ist, fällt auch immer mal wieder in alte Muster zurück, das ist normal, das gehört zu dem Reifungsprozess einfach dazu. Natürlich weiche ich dann dem Schlag aus und achte auch gut auf mich, aber ich kann diesen Menschen auch in meinem Leben lassen, da er oder sie ja wirklich etwas verändern will und auch was dafür tut. 

Wenn aber jemand völlig uneinsichtig ist, gar keinen Veränderungbedarf hat und in seinem Tätermodus bleiben will und ich einfach nur mitmachen soll - dann ist der Moment gekommen, in dem ich die Schotten dicht mache und notfalls auch gehe. Ich hab schon zuviele solcher Menschen erlebt, die einfach nur draufschlagen wollen, die einfach nur ihren angestauten Frust loswerden wollen und sich halt irgendwen zum Opfer erkoren. Ohne mich. 

Natürlich geht das ganze auch subtiler und mit weit weniger "schlimmen" Dingen. Aber in dem Moment, in dem jemand von mir verlangt, dass ich zu meinem eigenen Schaden einfach mitmache, weil man respektive Frau eh nichts verändern möchte, sondern einfach nur so weitermachen möchte wie bisher und ich soll mich dabei einfach nur benutzen lassen - nee, da hört es wirklich für mich auf. 

Und so ist mein Gradmesser zum einen das Bewusstsein darüber, dass die betreffende Person wirklich in irgendeiner Form ein Problem hat und die Bereitschaft, das Problem anzugehen und zu verändern. 

Und ja, ich rede hier wirklich von "Problemen", ich rede nicht von "Deine Nase passt mir nicht". Wir alle sind Menschen, wir alle sind individuelle Wesen und wir alle haben natürlich unsere "Fehler". Für mich hörts nur da auf, wo mir jemand Schaden zufügt in irgendeiner Form und dies wissentlich und mit vollem Willen nicht verändern möchte. Denn das nenne ich puren Egoismus und dagegen setze ich nur eins ein - pure Selbstliebe. Und die führt mich dann von solchen Leuten auch weg. 

Alle anderen mögen so sein, wie sie sein wollen. Man muss nicht jeden mögen, trotzdem ist jeder ok, wie er ist. Nur mitmachen muss ich nicht alles, schon gar nicht, wenn es zu meinen Lasten geht.