Jenseits der Illusion

16.02.2012 um 23:37 Uhr

Eigentlich...

... müsste ich ja jetzt im Bettchen liegen, da ich ja morgen wegfahre. Aber noch hält es mich draussen, obwohl ich ja müde bin. Ich freu mich auf morgen bzw. darauf, wenn ich endlich angekommen bin. Und gleichzeitig gehen soviele Gedanken mal wieder durch. Gar nicht negativ, also kein Kopfkarussell, sondern einfach nur Gedanken, die sich zeigen und weiterziehen.

Manche von ihnen halte ich für einen Moment fest, um sie mir genauer anzuschauen. 

Gestern hab ich was über die Grundbedürfnisse eines Menschen gelesen und war erstaunt über die Aufzählung und meine Feststellung - all das hatte ich in meiner Familie von klein auf nicht. Nicht mal die Befriedigung simpler Grundbedürfnisse wie genug zu essen, genug  zu trinken. Geschweige denn der ganze Rest... Interessant daran ist, dass ich gerade dabei bin, mir das alles selber zu geben. Vieles läuft auch einfach auf ganz natürliche Weise ab - in mich reinspüren, was  brauche ich jetzt gerade und diesem Bedürfnis nachgeben. Da gehören so ganz einfache Dinge zu, wie rechtzeitig kochen und zwar bevor ich vor Hunger fast umkomme, mich hinzulegen, wenn ich erschöpft bin und mir die Hausarbeit einzuteilen, nicht so wie früher alles jetzt und sofort und auf einmal machen sondern aufteilen in vernünftige "Häppchen". Wenn ich überlege, wie ich mich früher immer stetig überfordert habe, dann kann ich heute nur noch den Kopf schütteln. Aber ich habs halt nicht besser gewusst. Naja, jedenfalls fühlt es sich sehr heilend an, soviel Rücksicht auf sich selber zu nehmen und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Sich um sich zu kümmern, weil man sich auch mal wichtig genug ist und nicht immer nur denkt "ach, ist doch egal". Nee, is gar nicht egal, denn wenn ich mich nicht um mich kümmer - tuts nämlich kein anderer! Ich bin für mich verantwortlich und das betrifft alle Bereiche, nicht nur einen oder zwei. Manche könnten sagen "nimm Dich nicht so wichtig", aber ganz ehrlich, das ist dummes Geschwätz. Wenn sich jemand aufbläst wie ein Frosch und nur viel (Ego)-Wind macht - ja, dann passt der Spruch. Aber nicht, wenn jemand sich wirklich um sich kümmert und sich gut versorgt und das auch mal aus purer Selbstliebe. Einfach Selbstfürsorge leben. Das ist schön, das sollte jeder tun! 

Ansonsten gehen noch ein paar andere Gedanken durch, eigentlich sind es momentan eher so Bilder von frührer. Ich kenne das schon, immer wenn wieder ein Stück mehr vearbeitet wird, tauchen die Bilder auf, Erinnerungsfetzen aus einer längst vergangenen Zeit. Manchmal sind es abwertende Blicke von Menschen, die mich fast ein Leben lang begleitet haben. Manchmal ist es auch das Gesicht eines lieben Menschen und das tiefe Gefühl, diesen Menschen sehr, sehr, sehr lieb zu haben. Nein, zu lieben. Einfach nur zu lieben. Das Gefühl von Zärtlichkeit und für einen Moment stell ich mir dann vor, ich nehm diesen Menschen einfach fest in den Arm und drück ihn. Das sind diese Momente, in denen fliesst mein Herz vor Liebe über. Schön! Ab und zu tauchen auch Sätze auf, die ich früher einst zu hören bekam. Und manchmal werden daraus auch Erkenntnisse, wenn mein heutiger Blickwinkel zum damaligen Geschehen eine ganz neue Stelle einnimmt und mir auffällt - damals hab ich mich geduckt, aber heute denk ich nur noch "Schwachsinn" und zucke mit den Schultern. 

Neulich zum Beispiel war so eine Situation. Es gab da mal jemanden, der ganz arrogant zu mir meinte, als ich ihm sagte. "Ich kucke gleich Charmed" - "Was? So einen Schwachsinn kuckst Du?" Höchstes Entsetzen auf seiner Seite. Wie ungebildet und niveaulos ich doch deshalb war! So und ganz und gar nicht standesgemäß für einen angehenden Ingenieur! Und neulich taucht dieser Satz nochmal in meinem Kopf auf und ich erinner mich daran, wie ich zusammengezuckt bin. Noch ein Grund, warum ich für den großen Zampano "nicht gut genug" war. Ha! denk ich mir... "Lieber kuck ich Charmed als ständig dämliche Talkshows, in denen Ramona, Hausfrau, 20 mit zwei Kindern aus Göttingen auftritt, die nicht weiss, von wem ihr drittes Kind im Bauch ist - von Mark, Anton oder doch Rolf? 

Sorry, aber DAS finde ich dann niveaulos! Mag jeder kucken was er möchte und im Grunde beurteile ich niemanden nach seinem Geschmack. Aber wenn mir jemand so blöd daher kommt und selbst so einen ausgemachten Schwachsinn wie Talkshows regelmässig kuckt und mir dann Niveaulosigkeit unterstellen will - dann kann ich darüber nur noch lachen. Vor der eigenen Tür kehren wäre mal angesagt! 

So ändert sich der Blickwinkel mit der Zeit und ich merke, dass ich heute viel selbstbewusster mit sowas umgehen kann. Und nen lockeren Spruch auf den Lippen hab ich dann auch immernoch parat. 

Ach, es gehen noch mehr Gedanken durch. Aber das Schöne ist, dass sie mich nicht beschweren. Sie zeigen sich wie Wolken am Himmel, manchmal wirbeln sie ein bisschen Staub am Grund auf, doch nur, um den Schatz am Meeresboden freizulegen und dann verschwinden sie wieder. 

Und was soll ich sagen? Ich freu mich so, am Leben zu sein. Zu lachen. Die Welt mit neuen Augen zu betrachten. Ich mag sogar die negativen Gefühle, weil sie mich der Heilung immer näher bringen. Jede Träne ist so kostbar, weil sie den Weg weiter ebnet für die Freiheit - in mir. Und damit auch im Aussen. Heute zum Beispiel bin ich völlig angstfrei einkaufen gegangen. Ich hab ja immernoch mit der blöden Agoraphobie Probleme, aber in letzter Zeit hab ich mir viel zurückerobert, was ich verloren glaubte. Und heute - heute bin ich so absolut selbstverständlich raus und hab mich dabei einfach nur gut gefühlt. Diese Selbstverstädnlichkeit das Haus zu verlassen und sich dabei einfach nur gut zu fühlen, ohne Angst, ohne negative Gedanken - mein Gott, ich hatte völlig vergessen, dass es das überhaupt gibt und natürlich auch, wie es sich anfühlt. Diese Selbstverständlichkeit ist so kostbar, dass sie wiederum nicht selbstverständlich ist. Wunderbar!

Tja, eigentlich hab ich jetzt wieder einen halben Roman geschrieben. Manchmal hab ich schon Bauchweh, wenn ich soviel schreibe, weil ich immer denke, das ist zuviel, eine Zumutung. Aber inzwischen ist mir so nach "Rebellion". All diese blöden Vorgaben in meinem Kopf, wie etwas zu sein hat, was richtig und was falsch ist - ich pfeiff drauf. Ich rebellier und das bis zum Ende aller Tage. Ich mach nur noch, was mir gefällt. Wers nicht mag, muss ja nicht reinschauen. Wer mich nicht sehen will, soll wegkucken. Wer mich nicht hören mag, der soll einfach weghören. Wer mich nicht lesen mag, der möchte mich doch einfach überlesen.

Wer mich nicht mag, kann mich mal gern haben :)

So, jetzt verpfeiff ich mich aber in die Kissen, sonst penn ich morgen im Zug ein und lande noch in Timbuktu. Wobei das ja auch mal interessant wäre :-)

16.02.2012 um 20:15 Uhr

Urlaub...

Morgen fahr ich weeeg - und komm erst in einer Woche wieder *freu*hüpf*tanz*