Eifersucht - reloaded...
Angeregt durch Sternenscheins Posting bezüglich der Eifersucht kommen mir da gerade auch noch ein paar Gedanken zu meinem eigenen Thema "Eifersucht".
Warum sind wir eifersüchtig? Bei mir war es so, dass ich lange Zeit sturweg behauptete, kein eifersüchtiger Mensch zu sein. Und ich war auch wirklich nie das, was man als eifersüchtig bezeichnet hätte. Ich habe meinen Ex-Freunden keine Szenen gemacht, hab nicht rumgetobt, wenn sie mit irgendeiner Freundin ins Kino gingen und ich habe auch keine Handys oder Mails kontrolliert (was ich persönlich dann schon ziemlich schlimm finde, wenn jemand sowas tut).
Ich also eifersüchtig? Oder sogar neidisch? Um Gottes Willen! Niemals!
Und dann kam der Tag, an dem ich in diesem Kaufhaus stand und eine mindestens 1,80 m große Brünette hinter mir stand. Diese Figur - ein Traum. Die Klamotten - auch traumhaft. Goldene Ohrringe baumelten an ihren Ohren. Die Haare waren lang, ein bisschen wild verwuschelt, sehr sexy. Hübsche Augen, hübsches Gesicht.
Und ich blickte so an mir herunter. Wenn ich das widerspenstig abstehende Haar auf meinem Kopf mitzähle, dann bringe ich es auf ganze 1,60 m. Ich habe Übergewicht - gut verteilt überall gut gepolstert würd ich sagen. Und selbst als ich kein Übergewicht hatte, galt ich als pummelig, weil ich diese typische Sanduhr-Figur habe mit vieeel Oberweite und runden Hüften und einer schmalen Taille, die aber nie weiter auffiel, weil jeder sowieso nur auf die Oberweite schielte.
Ich stand also da und diese Frau roch nach Parfüm. Sie sah über mich hinweg, wohl nicht, weil sie arrogant war, sondern wohl eher, weil sie es bei der Größe gewohnt war, ihren Blick nach vorne zu richten und vorne - da stand zwar ich, aber sie übersah mich einfach nur, mir fehlten ja schlappe 20 Zentimeter.
Mein Blick blieb auf meiner Jeans in Größe - lassen wir das - hängen, an flachen Straßenschuhen und einem Sweatshirt.
Plötzlich kam ich mir so... Naja, so unscheinbar vor. Und irgendwie abgehalftert, auch wenn ich das sicher nicht war.
Aber ich glaube, das wäre alles nicht so wild gewesen, denn Klamotten kann man sich neu kaufen, abnehmen kann man auch und davon abgesehen hatte ich selbst mit Übergewicht kein Problem, irgendwelche Männer kennenzulernen.
Nein, der Knackpunkt lag wohl ganz woanders. Nämlich in der Vergangenheit, bei einem Mann, der mich dauernd betrog und bereits weiter davor bei Eltern und Geschwistern, die mir von Anfang an erzählten, wie hässlich und fett ich sei. Sogar mit Größe 36/38 galt ich als fett und mir wurde ständig gesagt, ich müsse Diät halten.
Viele Diäte und noch mehr Jojo-Effekte später stand ich also in diesem Kaufhaus und auf einmal schien mir klar zu werden, warum mich seit diesem einen Mann alle Männer, in die ich mich verliebt hatte, höchstens wie einen guten Kumpel, aber nicht wie eine Frau behandelten - und mich demnach auch nie als Freundin haben wollten.
Mir fehlte einfach was. Das gute Aussehen, diese Aura von "Weiblichkeit, Sex und Macht", die manche Frauen umgibt wie ein gutes Parfüm.
Ich meine - um ganz ehrlich zu sein - es gibt Frauen, die gehen aufs Klo und Du denkst, die haben Blütenblätter geschissen. Ich gehöre definitiv nicht zu dieser Sorte. Ich gehe aufs Klo und reisse hinterher das Fenster auf. Sorry, für die Ehrlichkeit :)
Also schien mir klar zu sein, warum sie alle mich nicht wollten.
Wie das so ist, wenn man im Selbstmitleid steckt, dann gibt man sich völlig egolastig auch schonmal mit einem "so ist es eben" zufrieden und verkriecht sich einmal mehr in der selbst gebauten Höhle um die Wunden zu lecken, die scheinbar nicht heilen wollen.
Doch um mal den Neidfaktor mit einzubeziehen - ich hielt mich auch nie, niemals nicht, für einen neidschen Menschen. Ich meine - hey, Neid! Das ist eine Todsünde - ich doch nicht! Nein, ich gönnte jedem sein Glück! Einfach jedem.
Naja, fast jedem, bis auf diese Schlampe, die ich damals, 2008 kennengelernt hatte und die im selben Genre arbeiten wollte wie ich.
Ich wusste - ich konnte es eindeutig besser als sie. Durch mich hatte sie das ein oder andere erst kennengelernt und das meiste unqualifizierte Gerede, was sie von sich gab, war nervtötend. Trotzdem besaß sie etwas, das ich nicht besaß - sie konnte Menschen mit Worten so einwickeln, dass die ihr alles glaubten. So geschah es dann auch, dass sie den Erfolg bekam, der mir verwehrt blieb.
Ich hasste sie. Und ich wartete auf ihren Absturz, aber der kam nicht. Inzwischen hasste ich mich und ich tat mir leid. So unendlich leid.
Bestimmt kennt das der ein oder andere hier - wenn man schon von solchen Neid- und Eifersuchtsgefühlen fast zerfressen wird. Und insgeheim schähmt man sich dafür, weil man ja ein guter Mensch sein möchte. Gute Menschen kennen keinen Neid, sie kennen keine Eifersucht. Gute Menschen fühlen sowas nicht.
Aber verdammt nochmal - ich fühlte es! Und wie ich es fühlte!
Irgendwann blieb mir nichts anderes übrig als einzugestehen, was wohl schon längst überfällig war.
Ich hasste sie alle. Jeden einzelnen von denen, die das bekamen, was mir verwehrt geblieben war. Wie oft hatte ich daneben gestanden, während andere bekamen, was ich mir wünschte? Wie oft hatte ich neben meinem Vater gestanden, während er meinem Bruder das Geld und die Geschenke solange in den Hintern schob, bis sie ihm zu den Ohren fast schon rauskamen? Und ich? Ich ging leer aus. Wie oft hatte ich mir gewünscht, nur einmal ein hübsches Kleid zu besitzen? Mutter gab mir einen Pullover in Grösse 54, obwohl ich 38 hatte, den hatte sie von einer Nachbarin geschenkt bekommen. Meine Schwester bekam Kleider aus der Boutique für viele hunderte von D-Mark. Für mich blieb ein alter Pullover, der mir viel zu gross war.
Durch diese kleine Reise in die Vergangenheit wurde mir klar, dass es mir immer an irgendetwas gemangelt hatte. Immer hatte jemand anderes bekommen, was ich mir gewünscht hatte. Und dieses Muster hatte sich fortgezogen, mein ganzes Leben lang. Ich hab mich immer wie der letzte Versager gefühlt, wertlos und uninteressant.
Erst nachdem der Schmerz und die Wut auf jene Menschen, die mir dies als erste in meinem Leben angetan hatte, seinen Weg an die frische Luft gefunden hatte, konnte sich eine andere Erkenntnis ihren Weg bahnen.
Mir wurde klar, dass ich selbst diejenige war, die nur auf ihren scheinbaren Mangel schielte. Mir wurde klar, dass ich mich selbst in eine Rolle als "guter Kumpel" gezwängt hatte, weil ich meine eigene Weiblichkeit gar nicht sehen konnte. Ich war diejenige, die sich nicht erkennen konnte - und alle anderen spiegelten mir nur meinen eigenen verdrehten Blick auf mich selber.
Doch den Blick nur auf irgendeinen scheinbaren Mangel zu heften hilft einfach niemandem weiter.
Und es hilft auch niemandem, sich über "die Schlampe" aufzuregen, die zwar nur halb so kompetent aber aufgrund ihrer geschickten Manipulationsfähigkeiten auf der Erfolgsleiter ein ganzes Stück nach oben geklettert war.
Also hab ich mir angewöhnt mich zurückzulehnen und jeden Tag aufs Neue den Blick auf das zu lenken, was ich habe, was ich toll an mir finde und was ich schon für mich erreicht habe. Jeden Tag aufs Neue lenke ich den Blick auf meine "Fülle", weg vom Mangel.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich schon alles sehe, was so in meinem "Warenkorb" drin ist. Aber ich schiele nicht mehr so oft auf die Warenkörbe anderer Menschen. Und ich vergleiche nicht mehr, ob Produkt A wirklich besser ist als das, was ich da habe.
Warum auch sollten wir nicht alle nebeneinander existieren können ohne dass irgendwer einen Verlust befürchten muss?
Jeder Mensch ist doch einzigartig und jeder hat etwas ganz spezielles zu bieten, das nur er besitzt. Vielleicht ist es ein Lächeln oder ein Augenaufschlag, möglicherweise ein besonders feiner Humor, ein Talent fürs Kochen oder Singen (oder was es sonst noch so gibt). Und manchmal ist es vielleicht auch ein widerspenstiges Haar, das einen ganzen Zentimeter dazu mogelt. Einzigartig halt und deshalb (aber nicht nur deshalb) liebenswert :)

diese merkwürdigen Selbstbildnisse die wir manchmal von uns haben, dazu die unqualifizierten Vergleiche, sie sind fatal.
Ich bin mir sicher, so mancher 1,80 Frau geht es ähnlich wenn sie dich sieht. Dass sie sich deine Grösse und deine Sanduhrfigur wünschen würde.
Der Geschmack der Männer ist sowieso unterschiedlich, nicht alle wollen unbedingt eine Frau über 1,80 mit dünnen Modellmassen auf Stöckelschuhen.
Manche lieben das natürliche und ungeschminkte.
Nur das Selbstbild sollte stimmen, dieses Gefühl der Weiblichkeit, wie du es beschreibst. Das macht anziehend. Und bei einigen Männern eben auch eine Portion Selbstbewustsein, Stärke, Witz und vielleicht etwas Frechheit und Übermut.
Nicht bei allen Männern, denn einige bekommen dann auch Angst vor der Stärke der Frau. Wenn sie ein abhängiges Wesen sich erwünschen.
Aber wer möchte das schon sein? Ein abhängiges Wesen?
Liebe Grüsse
Das was Du in deiner Kindheit erlebt hast, ist nicht schön. Denn das dort unterschiede zwischen Dir und Deinen Geschwistern gemacht wurden, zeigt einmal mehr, das unsere Gedanken sehr stark von einer solchen Verhaltensweise geprägt werden können. Denn wir alle, sind das was wir denken.
Unsere Gedanken sind es die uns zu dem machen, was und wer wir sind. Und wenn mann wie in deinem Fall, nur oft genug gesagt bekommt,"dubist zu Fett und Du bist Häßlich" dann glaubt man es am Ende selber noch.
Der Weg, welchen Du aber nun eingeschlagen hast, ist genau der richtige. Denn manchmal ist es einfach erforderlich die negativen Gedanken, welche man in sich trägt, zu Analysieren und diese dann in positive Gedanken umzuwandeln. Denn genau das ist es wozu vielen Menschen die Kraft fehlt, dieses zu tun.
Mach einfach weiter so und Du wirst sehen das wir alle einzigartig sind. Und diese einzigartigkeit, macht uns zu dem Menschen, der wir sind.
Ganz liebe Grüße
Julia