Stimmung: mittelprächtig
Musik: L.A.- Over and Over
Und wenn es nicht
gut ist, dann ist es nicht das Ende." Das hab ich aus "Best Exotic
Marigold Hotel", einer -ich sag mal- Indieperle, die ich unglaublich schön
und feinsinnig fand. Indien is eig nie eins meiner Top-Reiseziele gewesen, aber
diese Farben, das Licht! Und der alte Kolonialstil is genau das, was ich
faszinierend finde. Mich interessieren diese neumodernen Glaswürfel nich
wirklich, aber die "alte" Bauweise der Kolonialzeit, das find ich
spannend, das kann ich mir stundenlang angucken. Oder fotografieren *g*. Mich
reizen auch die Villen der damaligen Plantagenbesitzer in den Südstaaten total,
das is ein Traum von mir, die mal mit eigen Augen zu sehen. Und wer keine
Träume hat, hat schon verloren. Kleine Binsenweisheit von meinereiner.
Wobei
ich mich sonst nich für diese Kolonialherren und die Sklaverei erwärmen kann,
höchstens als Forschungsobjekt. Aber die Villen!
Das dazu. Der
Film ist jedenfalls wärmstens zu empfehlen, ich war für ca. 1,5h komplett in
einer anderen Welt versunken, habe mit den Charakteren gelacht, mitgefiebert,
ob sie sich kriegen, hab den Symbolismus teilweise erst später begriffen (ich
sage nur Reiher/ sonstwelcher weißer Vogel) und war auch traurig und
gleichzeitig ergriffen von den Bildern. Und Dev Patel is eh der Knaller, so wie
er den Hotelmanager in spe spielt, das is wirklich absolut goldig. Die
Übersetzung is auch gelungen, da haben sie sich mal ernsthaft Mühe gegeben. Als
ich raus bin ins eher - vergleichsweise- ruhige Hamburg, war ich erstmal völlig
baff, eben weil es so ruhig war. Ich war so im Film drin, daß ich mit
Verkehrschaos gerechnet hab.
Ich hab
also quasi meinen eigenen Film geschoben, lol. Wenn ein Film sowas schafft,
dann isser gut. Es is übrigens sehr interessant, wie die Personen im Film mit
diesem neuen, fremdartigen Land umgehen und welche Strategien sie entwickeln,
um sich zurechtzufinden. Natürlich endet der Film vergleichsweise gut, aber
hey, ich LIEBE happy endings! Das gibt mir Kraft für mein eigenes Elend und das
is auch gut so. Punkt.
Und da sind wir
auch schon elegant beim Thema angelangt: das Elend, das sich meine Welt
schimpft. Zuerst mal zu einem absoluten Highlight meiner Woche: meine Bekannte,
die sich beim gleichen Unternehmen beworben hatte wie ich, schrob mir am Mi ne
SMS, daß die Stelle wohl wieder im Inetz neu ausgeschrieben wäre. Das war sie
wirklich, aber mit Datum vom 1.5, woraus ich abgeleitet habe, daß das iwie
automatisch eingestellt wurde bzw. da iein Abo bestanden hat. Ich mein, welches
Unternehmen arbeitet am Feiertag? Außer natürlich Call Center, Restaurants,
etc. Nun ja, da hab ich schon mit der Sache abgeschlossen. Eig sollte bis Ende
der Woche ne Info erfolgen, aber bei mir kam nix. Als ich dann heute meine
Bekannte angemorst habe, schrieb sie mir zu meinem völligen Erstaunen, daß sie
eine Runde weiter wäre. Aber anscheinend is da noch mehr als eine Bewerberin in
der Pipeline. Was is das bloß für ein Mist. Ich rechne also fest mit einer
Absage, die iwann nä Woche bei mir eintrudelt. Bis heute hatte ich keinen Anruf
und auch keine Mail, was ja schonmal ein schlechtes Zeichen ist. Und meiner
persönlichen Stimmung auch eher abträglich.
Was ich aber
hatte, waren 3 Vorstellungsgespräche an einem Tag, nämlich gestern. War eig
auch gar nich geplant, eig waren nur 2 anvisiert. Nur daß sich am Mi noch
einer dazwischen geschoben hat und ich naiv wie immer gedacht hab, das wird ne
interessante Herausforderung. Zumindest weiß ich jetzt, daß ich das nich
nochmal machen werde.Schon gar nich, wenn ich abends auch noch arbeite. ABER:
es handelte sich um David Garrett, der auftrat und das wollte ich wenigstens
hören. Habs auch nich bereut, es war echt schön. Für die Ohren. Hab ganz kurz
mal reingeluschert und er saß ganz unprätentiös da, mit T-Shirt, Boots, Jeans
und Jackett. Was ich ccol fand: er hat zwischendurch auch etwas erzählt und
nich nur stumpf Werke runtergegeigt. Er is schon ein Entertainer, der Gute. Ich
habe ernsthaft die Absicht, im November zum Konzert in der O2 Arena zu gehen -
sollte ich da noch in HH sein. Da spielt er nämlich die poppigeren Stücke
und hat auch Showeffekte dabei, das ging ja gestern nich. Das wär schon was.
Hab soeben übrigens fast eine komplette Tafel Ritterschokolade geext,
schlechtes Gewissen mach ich mir morgen.
So, die
Vorstellungsgespräche...also Nr. 1 war relativ smooth, hab ich mir keine Köppe
gemacht, war Personaldienstleister. Gespräch war wider Erwarten sehr nett, sehr
konstruktiv und ich hatte direkt wieder ein bisschen Hoffnung. Die Stelle, auf
die ich mich eig beworben hatte, war weg, aber wie das bei solchen Firmen so
is, haben sie mich trotzdem eingeladen. Ich könnte ja Geld bringen.
Anyways, die MA hat mir eine andere Stelle vorgeschlagen, die sehr gut klang
und wo ich dann auch die Möglichkeit hätte, da reinzuwachsen und mir die Sachen
step by step anzueignen, was ich generell stark befürworte. Die Damen in der
Firma wollten eine Assistentin, die ü22 is (null problemo) und ergo etwas mehr
standing mitbringt und die sich auch nich zu schade is, erstmal vllt nur die
Telefonzentrale zu bedienen oder auch mal nen Kaffee zu kochen, was kein
Problem is, das kann ich gut. Auf die Stelle wollte sie mich vorschlagen. Wär
ja genau meins, aber ich bin da sehr vorsichtig geworden nach meinen
Erfahrungen mit randstad, die mir gefühlt jede Woche ne neue Stelle anbieten,
mich vorschlagen und wo sich die Firmen dann doch jedesmal jemand anderes
auswählen. Also da hält sich meine Begeisterung mittlerweile stark in Grenzen.
Jedenfalls dauerte das Gespräch etwas mehr als eine Stunde und ich kam in
Schwulitäten, weil der nächste Termin prompt in ner ganz anderen Ecke war und
ich knapp auf Zeit. Natürlich kam ich dann ca.2 mins zu spät da an, traf auf
den ergrauten Geschäftsführer eines Familienunternehmens und ahnte nix von dem
blauen Wunder, was mir gleich blühen würde. Der Typ hat auf meine
Entschuldigung zwecks der Verspätung mit einem "Das macht sich natürlich
unheimlich schlecht als Bewerber und wirkt sich negativ auf Ihre Chancen
aus" reagiert und da hab ichdas erste Mal die Ohren angelegt und mich
gefragt, was das hier bitte wird und ob ich hier auch in 15mins wieder raus
bin. Ganz ehrlich, in dem Moment wär mir das sehr recht gewesen. Aber nein, es
ging auf der Schiene munter weiter. Offensichtlich macht es ihm Spaß, Bewerber
zu testen und zu stressen. Mein Lebenslauf und ich wurden permanent
auseinandergepflückt, wirklich so, als ob der Herr Firmenchef von Pappis
Gunsten ein Exempel statuieren wollte. Brauchte er wohl für seinen persönlichen
Wohlfühlfaktor. Los ging's mit der nüchternen Feststellung, daß ich ihm mal meinen
Lebenslauf erklären sollte, der wäre überhaupt nich logisch und würde nicht
zeigen, wo ich eigentlich hinwollen würde. Vielen Dank, das wußte ich auch so
schon. Wenn ich wüßte, wo ich hinwill, würde der vermutlich auch anders
aussehen. Diese Aktion gipfelte dann in dem Spruch, daß er mich normalerweise
überhaupt nicht eingeladen hätte mit meinem unwürdigen (ich übertreibe hier ein
wenig) Lebenslauf, aber ihn interessiert dann immer, was für Menschen sich
hinter derart unsinnigen (s.Klammer) Lebensläufen verbergen und aus welchen
Gründen, die so vor sich hindümpeln oder diese oder jene Entscheidungen
getroffen haben. Vielen Dank. Ich fühle mich als seltene Spezies, die man sich
mal genauer mit der Lupe betrachten will, nich zwingend angesprochen. Gut, ich
bin ein Loser, aber so what. Ich kanns nich ändern und ich hab einfach keine
Lust, mich schlecht zu fühlen, bloß weil ich den Erwartungen eines arroganten
Firmensohnschnösels mit internationalen Ambitionen nich entspreche. Ich habs
Gespräch durchgestanden, einfach um Erfahrungen zu sammeln. Und darüber
nachzudenken, wie ich mich in Zukunft verhalte, wenn ich mit solchen Menschen
konfrontiert werde. Da muß man wahrscheinlich echt selbstbewußt und abgebrüht
sein. Das war jedenfalls eins dieser Vorstellungsgespräche, vor denen alle
zittern, so ein Typ, der alles Gesagte auseinandernimmt und einem permanent das
Gefühl geben will, unterlegen und dumm zu sein.
Dazu gehörte auch
ein Experiment seinerseits, mit dem er herausfinden wollte, wie es um mein
technisches Verständnis bestellt is (war ne Firma die Komponenten zum Kühlen
herstellt) und ich sollte ihm etwas erklären, das in einem Wort zusammengefasst
werden kann: Verdunstungskälte. Spruch von ihm "Sie haben Biologie gehabt
und auch im Osten hatten Sie Biologie und das Wort hatten Sie definitiv und das
will ich von Ihnen hören, also?" Natürlich hatte ich keine Peilung, meine
Biostunden sind schon ewig her und ich hab mich nich für
Verdunstungserscheinungen auf der Haut interessiert, warum auch. Ich wollte nie
Biologe oder Biochemiker werden. Umkippende ökologische Gleichgewichte in Seen
fand ich wesentlich spannender. Wie er mir am Ende des Gesprächs dann
gönnerhaft erklärte, war das bloß ein "Test" bzw. wollte er damit
erreichen, daß sich die Bewerber praktisch "entblößen" und sich
zeigen wie sie wirklich sind, weil sie damit nich gerechnet haben. Aber soviel
technisches Wissen wär am Empfang natürlich nich nötig. Und genauso natürlich
hat er das während dieser superspassigen Aktion als notwendig hingestellt. Er
wollte damit auch beobachten, wie (und ob, haha) die Transferprozesse im Gehirn
ablaufen. Ich glaube, daß er einfach Spaß daran hat, Leute in überraschende
Situationen zu bringen, in denen er die Oberhand hat. Meine Freundin hat ihm
direkt ne Profilneurose attestiert und gemeint, er wär so'n Egoschwein.
Ich für meinen Teil hab während des ganzen Gesprächs überlegt, ob ich den Mann
hassen oder mögen soll. Immerhin hat er mich ordentlich herausgefordert und auf
seine hochnäsige Art Ratschläge erteilt bzw. meine Argumentation
auseinandergenommen. Wahrscheinlich sollte ich das als Lehrstück ansehen. Mich
hat auch noch nie einer gefragt, in welche Abteilung ich gerne mal reinschauen
wollen würde oder welche zwei Eigenschaften meine Eltern mir meiner Meinung
nach vermittelt hätten bzw. wofür sie stünden. Und unvermittelt fing er dann
an, auf Englisch mit mir zu reden. Bzw. er meinte auf Englisch, wir sollten
jetzt auf Englisch weiterreden und ich sollte einfach weitermachen, wo ich war.
Auf Deutsch gesagt, wo er mich gerade mitten im Wortfluß unterbrochen hatte.
Mit Absicht, ich schwör. Also hab ich auf Englisch weitergemacht und nach
nichmal 3 Sätzen unterbrach er mich wieder und hat auf Deutsch weitergefragt.
Worüber ich insgeheim froh war, denn ich hab immer Angst, daß mir auf einmal
die Worte fehlen oder ich anfange, mich zu verhaspeln und dann komplett
blockier. Das das nich passiert is, war mein persönlicher kleiner Triumph.
Aber
sein blödes fieses/ zynisches Grinsen, als er meinte, das würde ihm reichen und
wir könnten auf Deutsch weitermachen, fand ich schon wieder einen Grund, ihn
superungeil zu finden.
Er hat mir dann
auch gönnerhaft erklärt, daß gerade Personaler von großen Firmen oder
Firmenchefs mich nie einstellen würden, eben weil keine Entwicklung erkennbar
wäre bzw. ein Ziel im Lebenslauf und vor allem meine lange Studienzeit wäre
absolutes No Go. Wenn man so kapitalistisch im alten Stil vor is, dann is das
definitiv richtig. Aber ich möcht da ja gar nich hin. Nur is ihm das
augenscheinlich nich aufgefallen oder schlichtweg egal gewesen. Nun ja. Meine
Fragen an ihn hat er dann mehr oder weniger abgetan bzw. relativ schlicht oder
ausweichend beantwortet. Da kamen dann so Sachen raus wie ja, die Firma sollte
in Familienhand bleiben, er hätte nich vor, die zu verkaufen, es sei denn
ijemand würde ihm nen völlig überzogenen Preis anbieten, dann
selbstverständlich, sonst wär er ja doof. Fazit: jeder hat seinen Preis. Oder
aber, er würde erfahren, daß er an Krebs leidet, dann würde er auch verkaufen,
Geld wäre ihm nich so wichtig. AHA. Wenn man immer welches hatte, kann man
wahrscheinlich so'ne Sprüche bringen.
Krönung des
Ganzen war dann ein Referat darüber, daß man an jedem Markt bestehen müßte und
sich nich vor bereits "besetzten" Märkten scheuen dürfte, sonst
sollte man sich besser aus der Unternehmensleitung zurückziehen, sondern man
müßte genau in diesen Märkten angreifen. Grund für diesen Monolog war ein Frage
von mir, weshalb er sich Amerika als Markt ausgesucht hätte, da gäbe es ja doch
genug andere Firmen, die bereits vor Ort wären. Diese Art und Weise und mein
Wissen, daß er mich nich wiedersehen würde, haben mich dann iwann doch etwas
mutiger gemacht. Er hat mir von der vorherigen Kraft erzählt, die eindeutig
überqualifiziert gewesen wäre und die er dementsprechend fördern wollte, indem
er dem Vertriebsleiter gesagt hatte, daß der sie im Auge behalten und ihr
seinen Bereich näherbringen sollte sowie Aufgaben geben sollte, damit sie mehr
gefordert wird. Da scheint nich so geklappt zu haben, denn sie hat gekündigt,
weil sie unterfordert war, der VL sich nich dementsprechend um sie gekümmert
hatte und sie nur sporadisch Sachen für ihn erledigen sollte. Sie hat wohl auch
gar keinen neuen Job geucht, sondern wurde quasi von Freunden abgeworben, die
ihr eine Stelle empfohlen hatten, mit der sie jetzt wohl auch richtig happy is.
Und wie er mehrfach andeutete, war ihr nunmehr Ex-Chef damit überhaupt nich
glücklich, wenn so eine hochqualifizierte Fachkraft geht, weil der VL seinen
Job nich gemacht hat. Und man könnte es ahnen - dieser VL ist nicht mehr im
Unternehmen. Angeblich war das aber nur einer der Gründe. Hörte sich so an, als
wenn er nich mehr so fürs Unternehmen brennen würde wie erwartet. Oder
gefordert? Nachdem der Firmenchef also mit einer gewissen Genugtuung darüber
gesprochen hatte, wie gern er Bewerber überrumpelt und hinter die Kulisse guckt
und ihnen überraschende Aufgaben gibt, um den "Transfer" von Gedanken
im Gehirn zu sehen, Stichwort Transferleistung. Das war mein Stichwort und ich
hab ihn dann mal gefragt, ob er sich etwa in diesem VL getäuscht hätte? Die
Antwort war iwi sehr unbefriedigend und auch nich wirklich eine Antwort,
sondern ein Drumrumreden. Meine Freundin meinte bloß "Sehr provokant,
Chapeau" als ich ihr das brühwarm erzählt hab. Aber ich hab mir gedacht,
wenn er dauernd versucht, mich unter Druck zu setzen und mich so
auseinandernimmt, dann sollte er mit Gegenwehr rechnen. Außerdem hatte ich eh
nix mehr zu verlieren.
Nachdem
ich mit meinen Fragen fertig war, wobei ich selbstverständlich das Gefühl
hatte, die Fragen hätten ihn nich zufriedener gestimmt, meinte er dann wieder
mit diesem blöden zynischen Unterton, er würde mir dann jetzt auch die Fragen
beantworten, die ich nich gestellt hätte und referierte über die Stundenanzahl,
es wäre nämlich ganz wichtig, diese Frage auch zu stellen. Könnte ja sein, daß
Vollzeitstelle bedeutet, 42 Stunden zu arbeiten. Was meine Freundin kategorisch
verneint hat, weil es solch eine Stundenzahl in Dt. gar nich gäbe, aber vllt.
in seinem Werkin China, wo man sich wahrscheinlich eh fast alles erlauben kann.
Ja, wenn man solch ein Hintergrundwissen hat, kann man auch Profilneurotiker
leichter entzaubern. Aber der Tipp war schon gut, daß man sich genauer nach der
Stelle und dem Details erkundigen sollte.
Zum Schluß gabs
dann noch ein Feedback von ihm, in dem er mir bescheinigt hat, daß ich geistig
in der Lage wäre, den Job zu machen. Aus seinem Mund klang es wie Lob, obwohl
es eig nur ne Stelle am Empfang is. Weiß nich, ob ich angefressen oder
zufrieden sein sollte, schätze, der Typ is wirklich extrem anspruchsvoll und
man darf sich besonders schätzen, wenn er einen als intelligent genug für seine
Firma einstuft, harhar. Mein Englisch wäre typisch für ein in Deutschland
gelerntes Englisch (=ausbaufähig, was den Akzent betrifft), wäre aber flüssig
und würde für die Anforderungen in der Firma reichen. Herzlichen Dank. Weiß
grad gar nich mehr, ob er mir wieder mit dem Lebenslauf-Scheiß kam. Ehrgeiz hat
er mir aber abgesprochen, weil ich zu lange studiert hab. Da hab ich ihm dann
erklärt, daß ich aber im Gegensatz zu den meisten Langzeitstudenten mein
Studium abgeschlossen hab und das auch noch mit ner verdammt guten Note, was
für noch weniger Langzeitstudenten gilt. Das mußte er zugeben, hat mir dann
aber erklärt, daß ich aber auch mehr Zeit gehabt hätte, als Studenten, die in
der Zeit geblieben sind und unter Druck gearbeitet hätten. Soviel dazu. Da
kannste nich gewinnen bei. Und ich war zu dem Zeitpunkt schon soweit, daß ich
gar nich mehr zu seiner zweiten Runde eingeladen werden wollte, um mich da vllt
noch als Kuriosum bestaunen zu lassen. Fakt is nämlich, daß er ca. 130
Bewerbungen bekommen hatte, davon 15 Bewerber ausgewählt hatte und entgegen
seinen sonstigen Ansprüchen noch ne zweite Runde mit ca. 3-5 Bewerbern
durchführen wird, die er dann alle an einem Tag hintereinander einlädt und die
dann nochmal in einigen Bereichen genauer geprüft werden, z.B. wenn ihr
Englisch ihm im ersten Gespräch verbesserungswürdig erschien. Das hat er bei
mir großzügig ausgeschlossen. Das Schöne is dabei, daß die Restrundenbewerber
sich auch noch anderen Mitarbeitern ausgesetzt sehen, die dann auch ihre
Eindrücke loswerden können.
Um dem Ganzen
einen krönenden Abschluss zu verleihen, hab ich gefragt, ob ich ihm auch ein
Feedback geben kann.
Mein
Eindruck war, daß er ein wenig überrascht war, aber Karrieresiegertypen wie
dieser können solchen Herausforderungen nicht widerstehen und so war es auch
bei ihm. Is halt auch die Frage, was er sich für nen Empfangsmenschen wünscht,
nen Duckmäuser oder jemand mit Biss oder jemand Kackfrechen. In meinem Feedback
hab ich ihm erklärt, daß ich es gut fand, daß er angerufen hat, nich gemailt,
daß er mir bei der Verabschiedung noch nen schönen Tag gewünscht hat (das
machen die Wenigsten hab ich festgestellt, das war ein Plus und hat dazu
geführt, daß ich ihn mir komplett anders vorgestellt hab), daß er mir Feedback
gegeben und daß er als erster tatsächlich mein Englisch getestet hat plus die
interessante Aufgabe mit dem Worträtsel. Wobei interessant durchaus ironisch
gemeint war. Mein Eindruck war, daß er sich geschmeichelt gefühlt hat, denn er
hat was von mit Liebe Leute auswählen und auch Bewerbungen und
Bewerbungsgespräche mit Liebe zu behandeln, die Leute selbst auszuwählen, zu
befragen und Leuten ein Feedback zu geben, um ihnen zu helfen, erzählt. Er hat
mich dann rausgebracht und mir noch erklärt, daß ich beim Fahrstuhl auf
"E" drücken müßte. Sowas aber auch. MerkwürdigerTyp. Auf Dauer als Chef
aber ziemlich sicher zu anstrengend.Auf eine Art reizt mich der Job in
ausgerechnet diesem Unternehmen, aber andererseits bin ich mir relativ sicher,
daß es mich auslaugen würde und ich auf Dauer nich mit dieser Art umkönnte. Ich
will gar nich wissen, wie verletzend der sein kann, wenn man Mist gebaut hat.
Das 3.
Jobinterview war dann wieder in ner ganz anderen Ecke, aber dazwischen hatte
ich wenigstens Zeit, kurz nach Hause zu fahren und mich etwas zu erholen. Das
2. Gespräch war echt ne Strapaze und hat mich wirklich gefordert. Das 3. war
entspannter und die Atmosphäre plus die Interviewerin hat mir wesentlich mehr
zugesagt, auch wenn die Fragen nich von Pappe waren. Mit der
"Wettstreitatmosphäre" von dem Gespräch davor hatte das aber nichts
zu tun. Und diese Personalerin hat mir direkt gesagt, sie hätte sich sehr
gefreut, als sie meine Bewerbung gesehen hat. Ob ich sie überzeugen konnte,
weiß ich aber nich, nach dem Typen bin ich schon in ein kleines Loch gefallen
und hab mich als Oberniete gefühlt. Ich komm mir echt total inkompetent vor und
denk immer, ich hätte absolut den größten Scheiss erzählt und würd nie ne
Chance haben. Ich mag diesen Konkurrenzkampf nich, dieses Messen mit anderen
Bewerbern, wo man nie weiß, worauf dei Personaler aus sind und was sie wollen.
Es is echt beschissen.
Heut hatte ich ne
interessante Begegnung bei der Tafel, eine Begegnung, die mich inspiriert hat
und die ich noch etwas sortieren und für mich einordnen muß. Mein Fahrer war
diesmal nämlich tatsächlich ungefähr gleichaltrig und wir haben uns gut
verstanden nach dem ersten Beschnuppern. Er is mir schon die Woche aufgefallen,
aber ich hatte nix mit ihm zu tun. Während unserer Fahrt haben wir
festgestellt, daß wir durchaus gleich ticken bei den meisten Sachen. Was mir
schon aufgrund meiner Geschichte gefällt, is daß er ein Interessenstudium
gemacht hat, kein Karrierefixiertes. Und daß er meine Befürchtungen und Ängste
nachvollziehen kann und sie sogar teilt. Gut, seine Begeisterung für "Food
Inc." teile ich nich, hab den Film aber auch noch nich gesehen. Weiß auch
nich, ob ich das will.
Und wie
ich denkt auch er zuviel nach. Humormäßig liegen wir ungefähr auf einer Ebene,
das passiert mir (leider) auch eher selten. Außerdem wurde mir jeder lohnende
Club auf der Route erklärt, das war mal was ganz anderes. Iwas nehm ich immer
mit, egal mit wem ich fahre. Seine Interessen sind naturbedingt ganz anders als
die der Rentner im Team. Wobei ich auch da immer was dazulerne, weil die für
gewöhnlich sehr erklärfreudig sind. Die blöde Telefonnummer von der Frau, die
Ärzteromane schreibt, hab ich im Übrigen heute auch aufgedrückt gekriegt, hat
der Mensch nich vergessen gehabt.
Und heut hat
er mich gekriegt, da hab ich noch nichma gecheckt, daß er da is. Juhu. Meine
Begeisterung hielt sich in Grenzen, vor allem, wo er gemeint hat, sie wüßte
Bescheid und würde auf meinen Anruf warten. Bin noch unsicher, ob ich das mache
oder es aus Versehen vergesse.
Naja, mal sehen,
wie das weiter geht, nächste Woche fahr ich erstmal nich mit dem wesentlich
interessanteren Typen in meiner Altersklasse, was ich schade find. Aber er
meinte zu mir, wir würden uns dann an dem Tag frühs sehen.