aus Nepal

17.10.2006 um 12:55 Uhr

Nepal Bhand

Stimmung: revolutionär und diarrhös zugleich
Musik: Bella Ciao

Heute ist Nepal Bhand. Ein landesweiter Streik, quasi ein Generalstreik. Das erste Mal habe ich soetwas in Indien miterlebt. Damals war irgendein heiliger Hindupriester in polizeilichen Gewahrsam genommen worden. Das gefiel der religiösen Mehrheit des Landes gar nicht. Also wurde ein Streik ausgerufen. Ich fand das damals ziemlich aufregend. Wann gab es denn den letzten Generalstreik in Deutschland? Es geht gar nichts mehr. Ein ganzes Land verharrt im Stillstand. In Indien und Nepal ist das aber quasi an der Tagesordnung. Vor allem für die Nepalesen. In den letzten Jahren riefen die Maoisten und studentische Bewegungen immer mal wieder zu bhands auf. Wer sich nicht daran hält, der wird kurzerhand mit Steinen beworfen. Oder es wird ihm im Nachhinein ein bisschen Geld aus den Taschen erpresst. Heute haben die Industriellen zum Streik aufgerufen. Und keiner hält sich dran, weil alle wissen, dass sie nicht zu solch unlauteren Methoden greifen werden. Und wer will schon die Industriellen unterstützen, wo sie doch für die Ausbeutung der Arbeiter bekannt sind. Obwohl man sonst gerne mal streikt, weil man dann auch nicht zur Arbeit muss. So streikt zum Beispiel grad die Müllabfuhr. Keiner weiß so recht warum. Sie fahren jetzt aber einfach grad nicht mehr. Deshalb türmen sich am Straßenrand die Müllberge und es stinkt aus allen Ecken.

Ansonsten ist heute der Regionalarzt da. Der kommt aus Delhi und checkt die deutschen Gesandten von Zeit zu Zeit. Ich darf jetzt 24 Stunden nix Essen, weil ich vielleicht einen Parasiten habe. Ich finde das ganz unerhört. Die Vorstellung, dass in mir was lebt und kriecht ist nicht die schönste. Um es diplomatisch auszudrücken. Ich kann mir auch nicht vorstellen die nächsten Stunden nichts mehr zu Essen. Zumal ich sechsmal am Tag auf Toilette rennen muss. Aber die Details kann man sich auch sparen.

Man sollte aber schon berichten, dass heute Nacht wieder mindestens fünf Hunde das Zeitliche gesegnet haben. Die töten sich hier gegenseitig. Aus Langeweile. Roshana drückt es so aus:" Die schlafen den ganzen Tag und nachts haben sie nichts zu tun. Also kämpfen sie miteinander." nacht für Nacht, eigentlich immer so gegen halb elf, geht es los. Die zerfleischen sich. So hört es sich auf jeden Fall an. Wie Wolfsgeheul. Und tagsüber vögeln sie auf offener Straße. Eine Horde beim Gruppensex stand letztens am Straßenrand. Herr Paharis Kommentar:" Lass denen doch auch ihren Spaß". Recht hat er.