aus Nepal

20.11.2006 um 10:51 Uhr

Im Rakshi-Pub

Er sagte: "Komm, ich zeige Dir, wo ich abends immer hin gehe und meine Freunde treffe." Ich habe genickt. Er: "Aber du musst mir versprechen, dass du nicht lachst, okay?"  Ich habe es ihm versprochen. Und dann musste ich doch lachen. Ich konnte einfach nicht anders als ich den Ort gesehen habe, an den Dipesh jeden Abend flüchtet um Rakshi zu trinken. Den nepalesischen Snaps. Vorher hatten wir noch in einem gemütlichen "beer garden" gesessen und über Zukunftsängste gesprochen. Und über die Amerikanerin, die versuchte ihm seinen ersten Kuss zu geben. An ihrem letzten Abend lud sie ihn in ihr Appartment ein und versprach ihm einen "Butterfly kiss". Mal abgesehen davon, dass sie ihm auch anbot ihn zu heiraten. Dipesh sagt:"I was really scared at that time. I have never kissed a girl. And yet I don't want to. It will only give me trouble." Danach hätten ihn seine Freunde als Idioten bezeichnet. Er könne jetzt schon sorglos in Amerika sein. Statt dessen sorgt er sich nun um seine Zukunft, ärgert sich, dass er seine Schulausbildung abgebrochen hat, aber auch zu faul ist um weiterzumachen. "You know, college books just make me sleepy."

Wir sind um drei Straßenecken gebogen und in einer dunklen Gasse vor einem kleinen grauen Gebäude gelandet. Vor dem Eingang hing ein schäbiges Stück Stoff. "Here we are." Dipesh grinste. Drinnen standen ein paar Tische, ein Gaskocher, ein Fernseher und weiter nix. Ein Tisch war schon besetzt mit rauchenden Jungmännern. Weit und breit keine Frau zu sehen. "Is it really okay for me to be here, Dipesh?" habe ich gefragt. "Jaja" war seine Antwort. Nepalesinen würden jedoch niemals hier hinkommen. Dafür wäre es zu verrucht. Und seine Eltern dürften auch nichts davon wissen. Die würden ihm die Hölle heiß machen.

 

Wir saßen auf einer kleinen Holzbank; die Wände dunkel, Staub auf dem Boden und auf den Tischen. Als Lichtquelle gab es nur eine kleine Glühbirne, die von Zeit zu Zeit den Geist aufgab. Dipesh hat Rakshi bestellt. Ist grasgrün und riecht wie Hustensaft. Schon nach zwei Schlucken habe ich eine hochrote Birne bekommen. Ich vertrage hier keinen Alkohol. Vielleicht liegt es an der Höhe. Dipesh hat gelacht und noch gebrutzeltes Büffelfleisch bestellt, garniert mit rohen Zwiebeln. Ich habe Papad bekommen. Ein dünner gebackener Fladen aus Linsenmehl. Und so saßen wir dann da und haben uns Hindi-Serien angeschaut und mit seinem Freund gequatscht. Der hat an irgendeiner Verlosung teilgenommen. Die ersten acht Gewinner bekommen ein Motorbike. Wenn er gewinnt, dann will Dipeshs Freund eine Party schmeißen. Natürlich hier, wo sie sich jeden Abend treffen.  Im Laufe der Zeit kamen immer mehr und mehr gestalten, die Dipesh alle als seine Freunde deklarierte. Alle haben Rakshi bestellt und viel geraucht und Büffelfleisch gegessen. Dipesh sagt, dass er hier während der Weltmeisterschaft jede Nacht bis um drei gewesen sei um mit seinen Freunden die Spiele anzuschauen. "See, that is our PUB. We have some alcohol, some food and our TV."

20.11.2006 um 09:45 Uhr

Nepali Superstar

Ich bin jetzt Mitglied einer nepalesischen Band. Die Jungs nennen sich die "Electronics" und sind wirklich gut. Ich habe sie in einem Restaurant in Thamel spielen sehen. Sechs Jungmänner, die sich Lieder aus dem Internet runterladen und sie ohne Noten nachspielen. Zwei Sänger,  ein Basist, zwei Gitarristen, ein Schlagzeuger, ein Percussionist. Sie spielen guten Rock, manchmal swingen sie auch und manchmal ertönt ihr eigener Trance-Mix. Prabhat ist der Hauptsänger. Ein ganz begnadetes Kerlchen. Er hat eine unglaublich gute Stimme und singt immer mit ganz viel Gefühl. Obwohl er und die Jungs 3-4mal die Woche in einem der Restaurants spielen und es mittlerweile zur Routine geworden ist. Es gibt rund 6 Bands, die sich die Live-Musik Szene in Thamel teilen. Für 2000 Rupees spielen sie vier bis fünf Stunden lang.

Gestern durfte ich schon den heiligen Proberaum der Electronics betreten. Der befindet sich im dritten Stock eines Wohnhauses und ist eigentlich das Zimmer des Bassisten. Rund 10qm², vielleicht 11. Wir haben Lieder für mich ausgesucht. Am Donnerstag habe ich den ersten Gig mit der Band. In einem Irish Pub (dem einzigen) im Touriviertel. Die Jungs sagen, dass sie dort am liebsten spielen. "The crowd is very good." Und "We have fun listeners over there."

Vielleicht werde ich nun ein nepalesischer Superstar. Fröhlich