aus Nepal

26.12.2006 um 13:26 Uhr

Nepalesische Weihnacht

Stimmung: herrlich festlich
Musik: Douce Nuit

Frohe Weihnachten!

Eigentlich sollte ich nun im Flieger nach Deutschland sitzen, statt dessen bin ich noch in Nepal und berichte ueber meine Weihnachtstage.

Am Samstag waren die Band und ich zu einer Weihnachtsfeier von einem amerikanischen Unternehmer eingeladen. In Erwartung vieler Westler hatte ICH extra noch mit den Jungs herrlich kitschige Weihnachtslieder einstudiert. (ich hatte sogar daran gedacht ihnen Weihnachtsmuetzen zu besorgen) Doch dann waren die meisten Gaeste Nepalis, viele Kinder einer tibetischen Schule, die der Mr. Cock unterstuetzt. Sie fanden es glaube ich nicht schlecht, aber so richtig begeistern konnte sie "Stille Nacht" in drei Sprachen dann doch nicht. Dennoch gab es viele, die von der Band sehr beeindruckt waren. Unter anderem auch so eine Art Eventmanager, der hier lokale Bands fuer verschiedene Veranstaltungen engagiert. Dann hat es sich doch schon gelohnt!

Am Heiligen Abend sind wir um halb neun zum Buero von Gulf Air gegangen. Ich wollte mich erkundigen, ob ich noch etwas fuer mein Ticket zurueck bekomme (da ich ja nun heute nicht geflogen bin). Das office hatte noch nicht auf, so begann unser Weihnachtstag mit jeweils zwei nepalischen Tee und einer Zigarette. Wir haben erstaunt festgestellt, dass es in Nepal anscheinend in ist, morgens um halb neun ins Kino zu gehen. Was da los war! Bei Gulf Air haben wir dann erfahren, dass ich hier kein Geld zurueckbekomme und die Fluege nach Deutschland im Februar ab Kathmandu schon voll sind. Unser heiliger Weihnachtstag ging weiter mit einer versmokten Fahrt nach Bhaktapur. Dort haben wir die Ruhe genossen und  sind durch die Gassen gelaufen. Zur Feier des Tages gab es mittags tibetische Maultaschen, Bueffelfleisch und geschlagenen Reis. Und abends: Suesskartoffeln mit Moehren in Wein-Sahnesosse, Tomaten-Paneer Baquette und eigentlich noch Nudeln mit Pilzsosse. Leider wollte ich sparen und habe aus versehen japanische Nudeln gekauft, so dass nach zwei Minuten kochen nur noch ein klebriger Mehlhaufen uebrig blieb!

Dafuer haben wir am 1. Weihnachtstag gutes Essen vom Kanzler der Botschaft bekommen. Dessen Sohn ist naemlich Koch in Frankreich und zu Besuch. Das Haus vom Kanzler ist ein Palast. So wie sich das wohl fuer einen ordentlichen Diplomaten gehoert.

Heute sind wir dann nach Pokhara gefahren, damit er die Berge auch einmal aus der Naehe sieht. Was haben wir gelacht! Vor allem ueber unseren Conductor mit der neon-pinken Muetze und unseren schaetzungsweise 16 Jahre alten Busfahrer. Der ist so schnell gefahren wie Speedy Conzales rennt. Wohin das fuehren kann, durften wir dann leider kurz vor Pokhara erleben. Da ist uns das Lachen gehoerig vergangen. Vor uns ist ein Bus die Bueschung hinab gestuerzt. Oh Gott, war das ein Chaos. Alle Busse haben angehalten und alle Menschen sind herausgestuermt. Ein paar der Verletzten wurden dann in unseren Bus gehievt. Die lagen dann da blutend im Gang und alle sind einfach drueber marschiert. Stabile Seitenlage ist den nepalis allerdings ein Fremdwort. Jemand hatte zwar Decken mit, aber keiner hielt es fuer noetig die mal zu benutzen. Boah, da habe ich wirklich einen Hass auf die Nepalis, auf die Asiaten an sich bekommen. Wie gehen die denn mit ihren eigenen Leuten um? Naja, wahrscheinlich spielte Hilflosigkeit auch eine Rolle. Unser Busfahrer ist dann zu einem Krankenhaus ins naechste Dorf geheizt. Auf den Schock sind wir dann erstmal ein bisschen auf dem Phewal See bei Pokhara gerudert. 

14.12.2006 um 04:37 Uhr

Winterregen

Stimmung: verfröstelt

Anfang der Woche kam der Winterregen. Auf den kann man sich in Nepal verlassen. Wenn der Winterregen einsetzt, dann kommt auch die Kälte. Und so habe ich letzte Nacht in Thermowäsche im Schlafsack mit drei dicken Decken darüber geschlafen. Und mir war immer noch kalt. Mein Bruder kommt mich am Sonntag besuchen (FREU!!) und ich habe ihm auch schon Thermosachen besorgt. Den Nepalis ist es übrigens wichtiger einen warmen Kopf, als warme Füße zu haben. Auch wenn die Temperaturen hier zeitweise auf knapp über Null gesunken sind, laufen viele noch in Sandalen herum. Oder sie ziehen einfach Socken in die Sandalen an. Nun gibt es auch überall ganz knallige Rollis zu kaufen und lange Unterhosen. Da ich nirgendswo normale Strumpfhosen finden konnte, habe ich ich mir doch eine Unterhose gekauft. Dabei habe ich für einen Augenblick vergessen, dass meine europäischen Maße so gar nicht mit den asiatischen kompatibel sind. Es sah auch gar nicht so klein aus...... Naja, nun werd ich sie verschenken. Auf jeden Fall mag ich die Einwickel-Kultur. Wie in Indien auch, umschlingen sich hier alle in Decken.

Es ist nun mittlerweile fast amtlich, dass ich nicht wie geplant Ende Dezember nach Deutschland zurückkommen werde. Ich bleibe bis März und mache noch ein Praktikum beim DED. An den hat mich die Botschaft schon einmal für zwei Tage ausgeliehen. Zum Protokollführen bei deren jährlicher Standortbestimmung. Qualitätsmanagment nennt sich das. Oh Gott, Oh Gott, man hätte mir erst einmal ein Verzeichnis aller Abkürzungen geben sollen. EH, EFK, AMPA, MA, VV, ViP, LD, RD, KOR etc. pp. Aber ich denke es wird gut. Denn beim DED kann ich dann hoffentlich auch mal mehr aus dem Valley herausfahren und was über Entwicklungshilfe lernen.

Gestern Abend war ich dann zum ersten Mal in einer nepalesischen Cocktailbar. Dort gab es zu meinem Erstaunen weiße Ledersessel und jeden Cocktail, den man sich vorstellen kann. Nicht zu vergleichen mit dem Rakshi-Pub. Irgendwann kam ein Nepali mittleren Alters in einem beigen Kojak-Trenchcoat hereinspaziert. Er hat sich mit seiner Bagage an den Tisch nebenan gesetzt und penetrant zu uns herüber geschaut. Er bestand darauf mir einen Cocktail auszugeben. Dadurch fühlte er sich dann berechtigt, mir einen Vortrag über sämtliche seiner Vorzüge zu halten: "I am one of the most important businessmen in Nepal. I do business with Germany. I will go to Geneva in one month. My family is highly involved in the political sector. My brother is the Minister of Water Ressources. My uncle used to be the Minister for Homeland Affairs. As a hobby I am a hero in Nepali Movies. I was the main actor in 12 Kollywood productions." Und das alles in einem Atemzug. Puh.

Und sonst so? Heute muss ich mich leider, leider vom Botschafter verabschieden. Er fliegt um Mitternacht zum Heimaturlaub nach Deutschland. Der Abschied wird schwer fallen, wo ich ihn doch während meiner gesamten Praktikumszeit vielleicht ganze 10 Mal gesehen habe.

Mit den Bands plane ich ein Charity-Konzert in einem Hotel, das einer Deutschen gehört. Solche Pläne schmieden wir meist nach den Proben, wenn wir noch zum Indra Chowk gehen und dort den allabendlichen Tee zusammen trinken und Aloo Parota essen.

05.12.2006 um 11:24 Uhr

SPon

Nachdem sich mein journalistisches Schaffen ja bis jetzt auf das Delmenhorster Kreisblatt und die Neue Westfälische beschränkte, steht jetzt ein Artikel auf Spiegel Online. Puh, das war wirklich ein Kraftakt. Das freie Journalistentum strebe ich auf jeden Fall nicht an.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,451927,00.html

05.12.2006 um 08:58 Uhr

49th Calender Week

Stimmung: verplant

Jede Woche wird hier in der Botschaft ein Kalender mit den aktuellen Terminen entworfen. Der besteht natürlich immer aus ganz wichtigen Treffen (meistens speisen irgendwelche hoch wichtigen Leute irgendwo zusammen). Für diese Woche habe ich mir auch mal einen Plan gemacht:

49th Calender Week, 4 until 10 December 2006
Monday, 4 December  2006  
08.00- 11.00 hrs Visa-Interviews
11.10 hrs Steffi verabschieden SCHNIEF
01.30 hrs Press conference of OHCHR, OCHA und UNHCR zum Thema: "Internally displaced persons" (IDPs), Personen die während des Konflikt        verschleppt wurden, oder flüchten mussten
15.00 hrs Treffen mit Herrn Dahal, Chef der Friedrich Ebert Stiftung Nepal, wegen Hausarbeit
17.00 hrs

Treffen mit Herrn Hagedorn, Chef vom DED, wegen Praktikum

und Zivilem Friedensdienst

19.00 hrs

Mit Manjil dessen Freunde in der Nähe von Swayambhu besuchen, Dhal Bhat Essen und Hindi-Tanzshow gucken

    
Tuesday, 5 December 2006  
8.00-11.00 hrs Visa-Interviews, Bericht zur gestrigen Pressekonferenz verfassen
danach Gliederung und Literaturliste der Hausarbeit
12.45- 13.30 hrs

Mittagspause; Mit Momos und dem mittäglichen Gang um den Tempel nebenan

16.00 hrs

Marcis Flug beim Jet Office bezahlen (mein Bruder kommt am 17.!!!9

16.30 hrs Mit Lily ihre Schwester im beauty parlour besuchen und Sachen beim Schneider abholen
19.00 hrs Treffen mit Martin Kromer, ausgewanderter Schweizer, der in Thamel das YING YANG Restaurant besitzt, wegen Artikel, Interview
    
Wednesday, 6 December 06 NIKOLAUS
8.00-17.00 hrs

Betriebsausflug der Deutschen Botschaft Kathmandu, Wandern und danach Dhal bhat Essen,

danach abhängen mit den Band-Jungs im Proberaum
   
Donnerstag, 7.Dezember 06 Personalratswahl in der Botschaft (mit nur einer Kandidatin!)
08.00-11.00 hrs Visa Interviews und mails checken
12.30 hrs Deutscher und französischer Botschafter essen zusammen Mittag, Kanzler Meyer trifft sich mit Journalisten von der Deutschen Welle
15.30 hrs Zum DED, Projektbesprechung Ziviler Friedensdienst
18.30-22.00hrs Electrix spielen im Irish Pub (zum ersten Mal mit neuem Soundsystem!)
   
   
Freitag, 8. Dezember 2006  
08-15.15 hrs

Botschaft business as usual. Interviews, Vermerke etc.

danach Adventstee in der Residenz des Botschafters
19-22.00 hrs Electrix spielen im G's
   
Saturday, 9 December 2006  
10.00 hrs Nach Bhaktapur, Ausweis verlängern und Dipesh besuchen
nachmittags Weiter nach Duhlikel, dort schlafen, am nächsten Morgen Richtung Kathmandu laufen
   
Sunday, 10 December Treffen mit Herrn Pahari in Solarwerkstatt von Herrn Kölle wegen Artikel