aus Nepal

04.01.2007 um 12:00 Uhr

Entwicklungshilfe unter einem Dach

Seit zwei Tagen sitze ich beim DED (Dieses Akronym steht für den Deutschen Entwicklungsdienst) im sogenannten. Deutschen Haus. GTZ,DED und Kfw teilen sich die Gebäude des ehemaligen Ranapalastes in Sanepa, nur zehn Minuten von meinem Kathmanduer zuhause entfernt. Die in Deutschland viel diskutierte Zusammenlegung der Organisationen ist hier zumindest räumlich schon Realität. Man wirbt mit „German Development Cooperation under one roof“. Mein office ist zwar ein bisschen kalt, aber die Arbeitsatmosphäre ist super. Mittags gibt es immer Dhal Bhat und montags und donnerstags Yoga. Sogar ein Kino in dem Filme in Deutsch gezeigt werden. (wobei man das nicht unbedingt haben muss) Ich darf Landesdirektor Helmut gleich duzen und am Freitag mit auf Projektbesichtigung ins Terrai. Dort sollen in einigen Städten Wirtschaftsförderungen aufgebaut werden. Nun sollen wir schauen, wie und wo am besten Entwicklungshelfer vom DED eingesetzt werden können. Die Gespräche beim Mittagessen drehen sich nun nicht mehr um Erlebnisse der AAler in der ganzen Welt (Mongolei, Istanbul, Adis Adeba, Senegal etc. pp) sondern um die Erlebnisse der Entwicklungshelfer (EH) in den entlegensten Dörfern Nepals.

Eben haben wir uns einen Film angesehen. Über Unruhen in Nepalganj. Zwar gibt es nun offiziellen Frieden, aber eigentlich brodelt es immer noch überall. In Nepalganj streiten sich die Pahadi (Bevölkerung aus den Hills) und die Madeshi (Bevölkerung aus dem Flachland). Der Konflikt ist in den letzten Tagen eskaliert, es gab einen bhand. Zig Geschaefte in Nepalganj wurden geplündert und in Brand gesetzt, die Gruppen haben sich gegenseitig mit Steinen beworfen und die Polizei stand mehr oder weniger hilflos daneben. Denn wenn hier einmal ein Streik losbricht, dann verbreiten sich die Unruhen wie ein Lauffeuer. Vor allem junge Männer, die sonst nichts zu tun haben, entdecken dann ihre Freude am randalieren und hauen alles kurz und klein was sie in die Finger bekommen. Am Ende haben die Maoisten (!!!) eine peace ralleye organisiert um die beiden Gruppen zu versöhnen. Temporär hat es auch geklappt.

Solche Nachrichten erscheinen einem in Kathmandu jedoch wie aus weiter Ferne. Zumindest wenn man wie ich gestern abend um Nepals grösste Stupa herumläuft und die Buddhisten bei ihrer Vollmond-Zeremonie beobachtet. Unzählige Anhäger des Buddhismus jeder Coleur haben eiligen Schrittes die Stupa umrundet. (Idealerweise macht man das 108 Mal, soviele Perlen hat der buddhistische Rosenkranz. Das Minimum liegt bei drei Umrundungen). Um die Stupa herum wurden zig Butterlampen angezündet. Vor Buddhas Schrein sassen ein paar musizierende Mönche. Sie haben auf Muscheln geblasen und einer Art Klarinette. Dann gab es noch eine tibetische Trommel und es entstand eine Kakophonie, die bei längerem Zuhören transartige Zustände hervorrief. Als Dank haben die Mönche von den Gläubigen einen Haufen Reis bekommen, gekrönt mit Keksen, Orangen und Bananen. Alle möglichen Sorten von Keksen....Kokusnuss, Schokolade, Butterkekse. Nun werden die Mönche in den nächsten Tagen zu buddhistischen Krümelmonstern. Der Rest wird an die Armen gespendet.


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