aus Nepal

14.12.2006 um 04:37 Uhr

Winterregen

Stimmung: verfröstelt

Anfang der Woche kam der Winterregen. Auf den kann man sich in Nepal verlassen. Wenn der Winterregen einsetzt, dann kommt auch die Kälte. Und so habe ich letzte Nacht in Thermowäsche im Schlafsack mit drei dicken Decken darüber geschlafen. Und mir war immer noch kalt. Mein Bruder kommt mich am Sonntag besuchen (FREU!!) und ich habe ihm auch schon Thermosachen besorgt. Den Nepalis ist es übrigens wichtiger einen warmen Kopf, als warme Füße zu haben. Auch wenn die Temperaturen hier zeitweise auf knapp über Null gesunken sind, laufen viele noch in Sandalen herum. Oder sie ziehen einfach Socken in die Sandalen an. Nun gibt es auch überall ganz knallige Rollis zu kaufen und lange Unterhosen. Da ich nirgendswo normale Strumpfhosen finden konnte, habe ich ich mir doch eine Unterhose gekauft. Dabei habe ich für einen Augenblick vergessen, dass meine europäischen Maße so gar nicht mit den asiatischen kompatibel sind. Es sah auch gar nicht so klein aus...... Naja, nun werd ich sie verschenken. Auf jeden Fall mag ich die Einwickel-Kultur. Wie in Indien auch, umschlingen sich hier alle in Decken.

Es ist nun mittlerweile fast amtlich, dass ich nicht wie geplant Ende Dezember nach Deutschland zurückkommen werde. Ich bleibe bis März und mache noch ein Praktikum beim DED. An den hat mich die Botschaft schon einmal für zwei Tage ausgeliehen. Zum Protokollführen bei deren jährlicher Standortbestimmung. Qualitätsmanagment nennt sich das. Oh Gott, Oh Gott, man hätte mir erst einmal ein Verzeichnis aller Abkürzungen geben sollen. EH, EFK, AMPA, MA, VV, ViP, LD, RD, KOR etc. pp. Aber ich denke es wird gut. Denn beim DED kann ich dann hoffentlich auch mal mehr aus dem Valley herausfahren und was über Entwicklungshilfe lernen.

Gestern Abend war ich dann zum ersten Mal in einer nepalesischen Cocktailbar. Dort gab es zu meinem Erstaunen weiße Ledersessel und jeden Cocktail, den man sich vorstellen kann. Nicht zu vergleichen mit dem Rakshi-Pub. Irgendwann kam ein Nepali mittleren Alters in einem beigen Kojak-Trenchcoat hereinspaziert. Er hat sich mit seiner Bagage an den Tisch nebenan gesetzt und penetrant zu uns herüber geschaut. Er bestand darauf mir einen Cocktail auszugeben. Dadurch fühlte er sich dann berechtigt, mir einen Vortrag über sämtliche seiner Vorzüge zu halten: "I am one of the most important businessmen in Nepal. I do business with Germany. I will go to Geneva in one month. My family is highly involved in the political sector. My brother is the Minister of Water Ressources. My uncle used to be the Minister for Homeland Affairs. As a hobby I am a hero in Nepali Movies. I was the main actor in 12 Kollywood productions." Und das alles in einem Atemzug. Puh.

Und sonst so? Heute muss ich mich leider, leider vom Botschafter verabschieden. Er fliegt um Mitternacht zum Heimaturlaub nach Deutschland. Der Abschied wird schwer fallen, wo ich ihn doch während meiner gesamten Praktikumszeit vielleicht ganze 10 Mal gesehen habe.

Mit den Bands plane ich ein Charity-Konzert in einem Hotel, das einer Deutschen gehört. Solche Pläne schmieden wir meist nach den Proben, wenn wir noch zum Indra Chowk gehen und dort den allabendlichen Tee zusammen trinken und Aloo Parota essen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenCarina schreibt am 17.12.2006 um 11:24 Uhr:Warum werden die Kommentare nie veröffentlich, die man schreibt? Das ist schade.
    Trotzdem alles Liebe aus dem hässlichen Köln, das gerade in Glühwein ertrinkt.
    .c

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