fliMMer BLoCK

30.08.2007 um 18:22 Uhr

Aus der Mottenkiste

von: Kathleen   Stichwörter: Hitchcock, Filmanalyse, Psycho

Zwischen Stapeln Readern, Mitschriften und Aufsätzen entdeckte ich gestern zwei Ausführungen, die ich guten Gewissens meine ersten Gehversuche in der Filmwissenschaft nennen kann. Für den Liebhaber! (Und auch für diejenigen, die behaupten, dass man sich mit Filmanalysen nur den Spaß am Film ruiniert. Unsinn!) 

Beide Aufsätze wurden im Sommersemester 2002 für das Seminar  "Alfred Hitchcock: Einführung in die Dramaturgie und Ästhetik" an der Uni Leipzig geschrieben.

 

Spannungsaufbau in PSYCHO (1960)

Die Spannung in Psycho wird nicht kontinuierlich aufgebaut. Vielmehr ist es eine Jagd von einem Wendpunkt in der Erzählung zum anderen, mit gelegentlichen Entspannungspausen zwischendurch. Dennoch werden anhand bestimmter filmischer Mittel, wie der Montage und besonders der Musik, aber auch mittels der Erzählung selbst eine Anzahl Spannungsmomente kreiert, die im folgenden kurz skizziert werden sollen.

Schon im Vorspann wird der Zuschauer mittels einer bedrohlich treibenden und zugleich auch tragischen Musik in das Genre von Psycho eingeführt, dem suspense thriller. Wenngleich Hitchcock an einigen Stellen des Films mit einer Regel für das Schaffen von suspense bricht, worauf später noch eingegangen werden soll, gelingt es ihm doch, die Spannung den gesamten Film hindurch zu halten, obwohl der Täter Norman Bates erst nach einer halben Stunde in den Film eingeführt und eine der Hauptfiguren bereits im ersten Drittel ermordet wird. So steht zunächst das Geld im Mittelpunkt, welches Marion im Begriff zu stehlen ist. Marion wird während der ersten zehn Minuten des Films als eine zuverlässige Büroangestellte vorgestellt, die in Sam verliebt ist, ihn jedoch aus irgendwelchen (finanziellen?) Gründen nicht heiraten kann. Von ihrem Arbeitgeber bekommt sie den Auftrag, 40 000 Dollar eines Geschäftskunden zur Bank zu bringen. Die Kamera stellt nun immer wieder die Beziehung zwischen Marion und dem Geld her. Untermalt mit einer bedrohlich klingenden Musik wird das Interesse gelenkt von der Sorge um das unglücklich verliebte Paar zu der Frage, was mit dem Geld geschehen wird.

Sams imaginäre Stimme als voice over, die Marions Gedanken auf der Fahrt zur Bank und nach Hause wiederspiegeln, die ungewollte nochmalige Begegnung mit ihrem Arbeitgeber auf der Strasse und auch das Versteckspiel mit der Polizei lassen die Vermutung, dass Marion das Geld stehlen will, bald zur Gewissheit werden. Darüber hinaus versteht es Hitchcock hervorragend, die Spannung mit visuellen Mitteln zu steigern. Die Kamera und damit den Blick des Zuschauers immer wieder auf das Geld lenkend, Marions verängstigte Blicke und schreckhafte Reaktionen, die zunehmende Dunkelheit und die regennasse Fahrbahn schüren neben den Gewissensbissen über das Geld auch Angst vor einem möglichen Unfall.

Marions Ankunft im Bates Motel und die nette Erscheinung Norman Bates' schaffen zwar Erleichterung, die aber sowohl durch Normans seltsame Bemerkungen, seinem Hobby, tote Vögel zu sammeln und seinem geheimnisvollen Verhalten, als auch durch die Abgeschiedenheit und düstere Erscheinung des Motels nicht zu einer Spannungsminderung führt. Die Sorge des Zuschauers um Marion und das Geld verlagert sich bald in Richtung von Normans Mutter, wenn Normans Blicke immer wieder zu dem Haus, welches eher einem Spukschloss gleicht, gleiten. Als der Zuschauer dieses ein erstes Mal "betritt", ist auch hier wieder die bedrohlich klingende Hintergrundmusik zu hören. Diese verstummt völlig als Marion die Dusche betritt. Auf diese Art und Weise ist dem Zuschauer nicht nur der visuelle Schock - das Zusehen beim Mord, das grelle Badezimmerlicht - sondern auch der akkustische garantiert: die absolute Stille wird gebrochen durch schrille, kreischende Musik.

Angenommen, Psycho ist ein Schaupiel in drei Akten mit zwei wesentlichen Wendepunkten, dann ist der Mord an Marion der erste Wendpunkt und schafft den Übergang vom ersten zum zweiten Akt. Das Interesse am gestohlenen Geld (welches Marion kurz vor ihrem Tode beschloss, wieder zurückzugeben) - Mittelpunkt des ersten Aktes - verlagert sich auf das andere Verbrechen, dem Mord, der von nun an zentral steht. (Das Geld hat Norman unwissenderweise mit Marions Leiche und dem Auto im See versenkt, ein wunderbares Symbol der verlorengegangenen Wichtigkeit des Geldes.) Der Zuschauer ist den Charakteren im Wissen um den Mord Nasenlängen voraus, denn er weiß, wie der Mord geschehen ist, wohingegen die Figuren, wie Sam, Marions Schwester oder der vom Arbeitgeber eingeschaltete Privatdetektiv, noch nicht einmal wissen, dass sie es überhaupt mit einem Mord zu tun haben. Dass der Zuschauer mehr weiß als die betroffenden Figuren im Film, ist ein narratives Mittel, welches Hitchcock gern und mit Effekt einsetzt, um suspense zu kreieren.

Ausgehend von der vorausgegangenen Einteilung von Psycho in drei Akte, stellt der zweite Akt nun die Suche nach Marion und, damit verbunden, nach dem Geld dar. Sowohl der Privatdetektiv als auch die von der Sorge um Marion getriebene Schwester und Sam begeben sich auf die Suche. Auch in diesem Teil des Films schaffen unterschiedliche Atmosphären von geheimnisvoll bis bedrohlich klingender Musik, aber auch die völlige (unheimliche) Stille besondere Spannungsmomente, wie die Ermordung des Detektivs im "Spukschloss".

Unklar ist den Charakteren bis dato auch die Rolle, die Normans Mutter spielt. Die Enthüllung, dass Normans Mutter angeblich seit zehn Jahren tot ist, kann daher als der zweite Wendpunkt in Psycho angesehen werden, denn er stellt das Rätsel um Normans Mutter nun in den Vordergrund und führt somit in den dritten Akt ein. Die Entmystifizierung dieses Rätsels führt zu einem Höhepunkt an Spannung, wenn Marions Schwester das "Spukschloss" betritt, um Normans Mutter über den Vorfall im Motel zu befragen. Mittels Parallelmontage wird der Zuschauer nun hin- und hergerissen zwischen dem "Spukschloss", in dem Marions Schwester nach auf der Suche nach Normans Mutter ist, und dem Motel, wo Sam versucht, Norman vom Aufdecken der Absichten der Schwester abzuhalten. Hitchcock, der sich in einem Interview mit Francois Truffaut einmal dagegen ausgesprochen hat, die suspense einer Handlung durch Parallelmontage zu unterbrechen, zeigt sich hier selbst, dass sich Spannung auch auf diese Art und Weise drastisch erhöhen lässt. Die Parallelmontage kreiert einen Wettlauf zwischen Marions Schwester, die versucht, Normans Mutter zu finden und Norman, der versucht, gerade dies zu verhindern. Das Klimax ist erreicht, wenn zum zweiten Mal die schrille Musik, gepaart mit dem gellenden Schrei (diesmal aus dem Mund von Marions Schwester) zu hören ist.

Die letzten sieben Minuten des Films dienen der Aufklärung des Rätsels und somit einer Entspannungsphase. Von einem absoluten Spannungsabbau ist aber auch hier nicht die Rede, da mit Normans Überführung der Täter rechtlich zwar gefasst ist, der Sieg der Mutterseite in Norman jedoch die Aufklärung des Mordes an Marion überschattet. Die Mutter, als eigentliche Täterin, kommt ungestraft davon. Der Film endet mit ihren Drohungen, die einer völligen Spannungsauflösung entgegenstehen. Wie bereits im Voraus gesagt wurde, steigt die Spannung in Hitchcock weder kontinuierlich an, noch fällt sie kontinuierlich ab. Anhand der Hintergrundmusik, der Montage, sowie dem Wechsel von Schatten/ Dunkel und Licht, der in Dialogen und Bildern dargestellten Erzählung und der unerwarteten Wendepunkte, die den Zuschauer immer wieder auf die falsche Fährte locken, kreieren die Macher von Psycho viele kleine Spannungsbögen, die wie Glieder einer Kette auf den Faden "Marion" aufgereiht sind.

Kathleen Lotze, 23.04.2002

Besonderheiten der Bildgestaltung bei REAR WINDOW (DAS FENSTER ZUM HOF, 1954)

Mit Rear Window hatte sich Hitchcock erneut vor eine filmische Herausforderung gestellt: ähnlich wie bei Rope (Cocktail für eine Leiche, 1948) wollte er den gesamten Film auf einem äußerst begrenzten Raum spielen lassen, der Wohung des Berufsfotografen Jeffries. Dass Hitchcock auch bei der Inszenierung von Rear Window wieder nichts dem Zufall überließ und bei diesem Film gerade in Hinsicht auf die Bildgestaltung mit viel Liebe fürs Detail ans Werk ging, sollte nicht verwundern. Rear Window strotzt regelrecht von bildgestaltlerischen Mitteln, die dem Film die typisch Hitchcocksche Wirkung verleihen. Leider kann auf dieser Stelle nicht auf alle Details der Bildgestaltung eingegangen werden. Die Analyse beschränkt sich auf lediglich ein Aspekt der Bildkomposition: der Linienführung.

Besonders zu Beginn von Rear Window dominieren fast ausschließlich horizontale und vertikale Linien das Bild. Es erscheint fast immer ein Fenster im Bild oder ein Regal (die meisten Regale in Jeffries Wohung sind eckig und gleichen in ihrer Form Fenstern), aber auch Fotos (eingerahmt oder nicht) von rechteckiger Form, die Fenster symbolisieren: Fenster zur Außenwelt. Ab und an wird jedoch von dieser Formgebung abgesehen. So wird der Kriminalbeamte Doyle, der völlig fremd in Jeffries Wohnung ist, mit verhältnismäßig vielen runden Objekten und Schrägen im Bild gezeigt (nach etwa 50min). Runde Lampenschirme, Uhren und Hut waren bis dato nicht auffallend im Bild zu sehen. Den Höhepunkt stellt Doyle jedoch selbst dar, als er sich aus dem Fenster lehnt und somit eine Diagonale bildet, die fast über das gesamte Bild verläuft. Als Außenstehender stört er die Welt der Vertikalen und Horizontalen, in der Jeffries zu Hause ist. Lisa hingegen, die als Jeffries Geliebte halb bei ihm zu Hause ist, fungiert sowohl erzählerisch als kompositorisch als seine Brücke zur Außenwelt. So wird sie symbolisch mit Objekten umgeben, von denen ein Teil rund und schräg, der andere Teil rechteckig ist. Jeffries selbst hingegen wird erst gegen Ende des Films mit runden Objekten und Diagonalen gezeigt; als er beispielsweise den Mörder nahen hört, sind sum ersten Mal die Räder seines Rollstuhls auffallend zu sehen. Seine heimische und sichere Welt der Vertikalen und Horizontalen wird durchdrungen, ja bedroht, von runden Objekten und diagonalen Linien.

Interessant ist auch, dass die Geometrie der Objekte ebenfalls zur Charakterisierung des Verhältnisses der Figuren zueinander genutzt wird. Als beeindruckendes Beispiel sei hier nur die Szene genannt, in der Lisa und Jeffries versuchen, Doyle von ihrem Mordverdacht zu überzeugen (nach ca. 1h10min). Beide Parteien (Lisa und Jeffries auf der linken Bildseite; Doyle auf der rechten) stehen sich gegenüber. Im Hintergrund steht ein Bücherregal, in dem die Bücher nicht - wie noch kurz zuvor - senkrecht stehen, sondern schräg, und zwar so, dass die Bücher des linken Faches (Lisas und Jeffries Seite) mit denen im rechten Fach (Doyles Seite) im selben Winkel gegeneinander stehen. Die Anordnung der Bücher symbolisiert so den Konflikt zwischen den beiden Parteien.

Kathleen Lotze, 26.04.2002

27.09.2006 um 16:23 Uhr

Das Parfüm (Tom Tykwer, 2006)

von: Kathleen   Kategorie: Flimmerkino

Vergesst den Film, lest lieber das Buch!

 

 

27.09.2006 um 09:14 Uhr

The bad and the good news

von: Kathleen   Kategorie: Flimmernix

Stimmung: vorfreudig
Musik: Werbejingles im Radio

 

 

Hallo Leute,

nachdem sich irgendwann diesen Sommer auch Blogigo mal wieder einer Reformwut ergeben hat und es für mein, mit viel Geduld und Liebe zusammengebasteltes fliMMer BLoCK - Design diesmal keine Rettung gab, erscheint nun mein erster Eintrag in einer enorm verbiederten Standard-Weblog-Version. Ich weiß noch nicht, ob ich noch einmal so viel Geduld, Zeit und Liebe investieren werde, meinem "Block" wieder eine etwas persönlichere Note zu verleihen. Zu groß ist jedesmal mein Erschrecken, es von experimentierfreudigen und progressiven (fasst es als Lob auf) Systemfuzzis vergewaltigt zu sehen. Also halte ich es zunächst einfach, ruhig und bescheiden. Und wenn ich nicht ausgerechnet zu jenen Kunstkritikern gehören würde, denen Form sehr gern auch mal über Inhalt geht, würde ich diese Entscheidung auch damit begründen können, dass ja der Inhalt der Einträge entscheidend ist und nicht deren Gestaltung.

Genug Geschwafel. Nach zwei Monaten Blogpause habe ich viel unsortierte Gedanken zu wunderbaren und wunderbar schlechten Filmen und die Neuigkeit, dass ich nach 18 hochinteressanten Semestern an zwei Unis endlich meine Studentenkarriere abgeschlossen habe. Erfolgreich. (Verzeiht mir, ihr Freunde und Freundinnen, gute Bekannte und Verwandte, die ihr diese Nachricht über mein Blog erfahren müsst und nicht persönlich von mir selbst.) Meine Hauptaufgabe wird in der nächsten Zeit erst einmal darin bestehen herauszufinden, womit ich mein Geld zukünftig am liebsten verdienen will. Schön ist es, auf der Welt zu sein.

 

 

10.07.2006 um 12:51 Uhr

Ein Tag nach der Fußball- WM 2006

von: Kathleen   Kategorie: Flimmer-TV

Stellt euch vor, Italien würde im WM-Finale gegen Frankreich spielen ... und gewinnen...

Gestern abend wurde beim Italiener bei uns um die Ecke (und angeblich auch auf diversen Fernsehsendern) zufällig ein Film gezeigt, der genau davon handelte. Jeder der zum Essen, oder auch nur auf ein Gläschen Lambrusco kam, durfte kostenlos gucken. Die Handlung dieser deutsch-italienisch-französischen Koproduktion spielte in der Gegenwart, erzählte Zeit war gleich Erzählzeit und der Schauplatz war Berlin. Es waren viele bekannte Schauspieler zu sehen, größtenteils aus den drei beteiligten Produktionsländern.

Der Film hatte als Basiskonzept zwar das universelle (und ausgelutschte) Thema "Gut kämpft gegen Böse", jedoch waren weder Handlungsverlauf noch das Ende des Films in geringster Weise vorhersehbar. Auch hatten die Guten wie die Bösen derartig viele unterschiedlichen Seiten und Eigenschaften, dass von flachen Figuren keineswegs die Rede sein konnte. Ja, die Eigenschaften der Hauptdarsteller waren selbst so tiefgründig herausgearbeitet und mehrdimensional wiedergegeben, dass ich eigentlich bis jetzt kaum mit absoluter Sicherheit sagen kann, wer denn nun die Schlechten und wer die Guten waren.

Das Genre des Films ist mir übrigens bis heute auch noch nicht richtig klar. War es vielleicht ein Kostümdrama, mit eben soviel Kostüm wie Drama? Oder war es eher eine Slapstickkomödie? Dass sich einige der Hauptdarsteller manchmal sehr ungeschickt anstellten, den Ball in eines der viereckigen Netzgerüste zu bekommen, oder dass andere sich wirklich unerlaubt blöd anstellten, sich auf eine natürliche Art und Weise fallen zu lassen, ist ja wohl nicht von der Hand zu weisen. Oder war es letztlich gar ein Fußballfilm? Darauf würden Zahl und Konstellation der Hauptdarsteller (2x11 Spieler + 1 Schlichter mit multipler Befehlsbefugnis + 2 heftig emotionalisierte Personen außerhalb des Feldes)  hinweisen wie auch die überdeutliche Funktion des wichtigsten Requisits, u.a. "Ball" genannt.

Aber egal was es nun genau für ein Film war, spannend war's bis zur allerletzten Sekunde. Und das obwohl der Handlungsort auf Berlin, ja, sogar auf ein und dieselbe Arena, beschränkt war! Wenigen Regisseuren ist dies bisher gelungen, ohne den Spannungsbogen erschlaffen zu lassen. Der Besitzer unseres Restaurants wusste scheinbar, wie der Film ablaufen würde, denn sichtlich begeistert vom Ausgang des Films zauberte er nur wenige Sekunden nach dem Ende der gewaltigen Feldschlacht mir nichts dir nichts 20 Flaschen gutgekühlten Sekt unter der Theke hervor ("isch hab da mal wat vorbereitet"), um uns alle gemeinsam über diesen doch sehr gelungenen Filmabend anstoßen zu lassen.

04.07.2006 um 10:27 Uhr

IN DEN SüDEN (VERS LE SUD, Laurent Cantet, 2005)

von: Kathleen   Kategorie: Flimmerkino

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Dass Sextourismus nicht nur etwas für kleine hässliche Möchtegernmachos mit Bierbauch und Plattfüßen ist, sondern auch für wohlbetuchte Damen mittlerer Reife, erfahren wir spätestens mit IN DEN SüDEN (VERS LE SUD), dem neusten Film von Laurent Cantet (AUSZEIT/ L' EMPLOI DU TEMPS).

Haiti hat demnach mehr zu bieten, als traumhafte Strände, leckere Cocktails und ewigen Sonnenschein. Einheimische Beaus sorgen für vollkommene Entspannung und das sexuelle Wohlbefinden der weiblichen Inselgäste. Gegen reichliche Belohnung, versteht sich.

Doch hinter dem vermeintlichen Paradies für sexuell frustrierte Strohwitwen lauert die Hölle. Armut, Gewalt und Verzweiflung zeichnen das andere Gesicht der Urlaubsinsel. Probleme des Alltags, die weder mit dem Geld der reichen Ladys noch mit amerikanischen Reisepässen zu lösen sind. Vor Problemen zu flüchten, bedeutet schließlich nicht sie zu lösen.

Vor dieser düsteren Kulisse ereignen sich das große und die kleinen Dramen von IN DEN SüDEN. Die Ankunft der 48jährigen Brenda (Karen Young) auf Haiti scheint dem wonnigen Beisammensein der bereits anwesenden Urlauberinnen ein Ende zu bereiten. Der Grund von Brendas Aufenthalt ist der 18jährige Haitianer Legba (Mènothy Cesar), dessen exotische Schönheit ihr drei Jahre zuvor den Verstand geraubt und ihr zum ersten Mal einen Orgasmus besorgt hatte. Dass auch dies eine Art von Pädophilie und damit schwerst zu verurteilen gilt, wird im Film nur am Rande bemerkt. Im Mittelpunkt stehen eher private Probleme und die Eifersüchteleien zwischen Brenda und ihrer Widersacherin Ellen (Charlotte Rampling - coole Bitch übrigens wieder!), einer 55jährigen Französischprofessorin aus Boston, die, einmal den biederen hochgeschlossenen Kostümen der zivilisierten Welt entschlüpft, zur angebeteten Sexgöttin Haitis wird.

Wenn in IN DEN SüDEN irgendeine Moral vermittelt werden soll, dann wahrscheinlich jene sprichwörtliche "Liebe macht blind"-Moral, in diesem Fall blind vor den gesellschaftlichen und persönlichen Dilemmas in einer von Geld regierten Welt. Dass sich der Film hierüber jedoch größtenteils einem Urteil enthält, kann für manchen im Publikum zwar eine Erleichterung sein. Schließlich laufen derzeit genug Filme in den Kinos, die einem vor Augen halten, wie schlecht die Welt doch eigentlich ist. Ich persönlich hätte mir bei solch wichtigen Themen aber doch mehr Engagement seitens der Filmemacher gewünscht. Anstatt zu versuchen, irgendwie alle Probleme der Welt zu erwähnen, hätte man sich vielleicht besser auf eine Sache konzentrieren können, um diese dann tiefer auszuloten. So plätschert der Film ein bisschen vor sich hin und ist wahrscheinlich ebenso so schnell wieder vergessen wie gesehen.

13.06.2006 um 21:05 Uhr

BUBBLE (Steven Soderbergh, 2005)

Wenn ein neuer Film von Steven Soderbergh (SEX, LIES, AND VIDEOTAPE, THE LIMEY, OUT OF SIGHT, ERIN BROCKOVICH, TRAFFIC, OCEAN'S 11-13 u.v.v.m.) im Kino läuft, geht man meistens hin.

 

BUBBLE machte Ende Januar Furore, weil er in den USA gleichzeitig im Kino, auf DVD und im Fernsehen herauskam. Ob damit wohl das Zeitalter der traditionellen Filmdistribution endet und Filme  demnach nicht mehr erst im Kino, danach auf Video/DVD und zum Schluss erst im Fernsehen erscheinen? Könnte passieren, denn nach BUBBLE verfährt man jetzt auch mit THE ROAD TO GUANTANAMO (Michael Winterbottom, 2006) in Großbritannien nach dem selben Prinzip.

 

 

Wenn BUBBLE in den Medien mal nicht wegen seines innovativen Veröffentlichungsstunts gelobt (und von Kinobesitzern gehasst) wurde, dann kamen bis jetzt wenigstens fast immer die realitätsnahe Wiedergabe trostloser Alltäglichkeiten sowie das schauspielerische Talent der Hauptdarsteller (allesamt Laien) positiv zur Sprache. Trostlose Alltäglichkeiten in einer öden Kleinstadt im Nordwesten Amerikas, wo Bewohner ihr ganzes Leben lang in derselben Fabrik täglich dutzenden Puppen Arme, Beine und Köpfe an die Rümpfe stecken, ihnen Gesichter malen und Haarteile aufsetzen. Während die gutmütige beleibte Mittvierzigerin (???) Martha (Debbie Doebereiner) wohl ihr ganzes Leben schon in dieser Puppenfabrik arbeitet und mit sich und der Welt zufrieden ist, hat ihr wesentlich jüngerer Kollege Kyle (Dustin James Ashley) noch Träume. Das Eintreffen der jungen hübschen Rose (Misty Dawn Wilkins) und ihrer kleinen Tochter, scheint für ihn darum vorerst ein Lichtblick zu sein. Vorerst.

 

Soderbergh gelingt es zwar erstaunlich gut, aus den eintönigen Alltagsrhythmen seiner Figuren heraus eine unterschwellig anhaltend kribbelnde Spannung aufzubauen und zum Klimax zu bringen, aber zu mehr reicht's leider nicht. Eine Seifenblase halt, die nach 'nem bisschen Hin- und Herschweben einfach zerplatzt. Wenn mit dem Titelwort "Bubble" jedoch die andere Bedeutung gemeint sein sollte, das unterschwellige Blubbern im fast kochenden Wasser, so wird der Titel zwar dem Inhalt des Films gerecht, kaum aber seiner Ausführung. 

 

Das schauspielerische Talent der Laiendarsteller lässt sich wirklich nicht abstreiten, kann aber auch teilweise damit erklärt werden, dass die Aufnahmen in ihrem eigenen Städtchen, ja teilweise sogar in ihren eigenen Häusern stattfanden. So "spielte" auch die kleine Tochter von Rose sehr natürlich, nämlich vor allem sich selbst.

 

Nun gut. Haken wir's ab. Nach dieser lauwarmen Seifenblase wartet vielleicht wieder einmal etwas heißbrodelndes von Soderbergh auf uns. Sein nächster Streifen ist höchstwahrscheinlich Anfang 2007 bei uns zu sehen und trägt den vielversprechenden Titel THE GOOD GERMAN.

11.05.2006 um 09:58 Uhr

Intermezzo

Stimmt, ich habe dieses Weblog in der letzten Zeit wieder einmal sehr verwahrlosen lassen. Schlechte Nachricht: das wird sich auch im nächsten Monat nicht viel ändern. Gute Nachricht: mir geht's prima, danke!

 

Hier etwas für euch zum Zeitvertreib*:

 

Jeder ist ein Regisseur, solange er nicht das Gegenteil bewiesen hat.

 

(Holger Vollbrecht, Schmalfilmer u.v.m. in der DDR der '80er)

 

 

* oder: ein versteckter Versuch, euch die Wartezeit bis zum nächsten Blogeintrag zu versüßen.

23.04.2006 um 16:44 Uhr

LUCKY NUMBER SLEVIN (Paul McGuigan, 2006)

Im Anschluss an besagte Werbung lief übrigens LUCKY NUMBER SLEVIN, ein Kracher à la JAMES BOND meets LOCK, STOCK AND TWO SMOKING BARRELS (BUBE, DAME, KöNIG, GRAS). LUCKY NUMBER SLEVIN lohnt sich schon allein wegen der fetten Besetzung, u.a. bestehend aus Schauspielkoryphäen Ben Kingsley, Morgan Freeman und Bruce Willis, sowie den etwas frischeren Kollegen Josh Hartnett and Lucy Liu.

Durch eine dumme Verwechslungsgeschichte gerät Slevin (Hartnett) zwischen die Schwergewichte der New Yorker Unterwelt "The Boss" (Freeman) und "The Rabbi" (Kingsley). Slevin schuldet beiden angeblich Unmengen Geld, wird als Auftragskiller engagiert und verliebt sich in die süße Quasselstrippe und Möchtegerndetektivin Lindsey (Liu). Letztere ist nach ihren Rollen als schwerbewaffnete (Anti)heldin in CHARLIE'S ANGELS (2003) und KILL BILL (2003) hier mal Ã¼berraschend lieb und spaßig, um nicht zu sagen, albern, ja wirklich süß. Die Plotwendungen im Film sind zwar manchmal etwas holprig, machen das Rätselraten um wahre Absichten und Motive der Hauptpersonen aber spannend. Das Beste am Film sind aber zweifellos die coolen Sprücheklopfereien und gepfefferten Maulgefechte - allesamt spruchreif und zum Sammeln und Einkleben ins Buch für rekordverdächtige Oneliner.

23.04.2006 um 11:24 Uhr

Gesungende Werbung

Werbung schon einmal live mitgemacht? Nee, ich meine nicht beim Dreh, sondern als Aufführung...

 

Gestern abend saß ich mit ein paar Freunden im Kino, als mitten im Werbeblock das Mädchen rechts neben mir von ihrem Sitz sprang und lauthals in den Saal zu singen begann. Noch bevor ich mich entscheiden konnte, ob ich diese Dame nun total bescheuert oder einfach nur cool-die-traut-sich-was finden sollte, entdeckte ich den Scheinwerfer, der auf sie gerichtet war. Und siehe da, oben links im Saal sprang noch so eine singende Maid auf, und noch eine, und noch eine... Im Nachhinein bin ich froh, dass ich den Text nicht kannte, sonst wäre ich wahrscheinlich auch noch aufgesprungen und hätte spontan mitgebrüllt. Das ganze war nämlich weniger spontan, als es auf den ersten Blick wirkte. Das Lied klang bald wie eins aus den C*** C***-Werbungen, und... ohja, nachdem ich kurz zur Leinwand geschielt hatte, entdeckte ich tatsächlich auffallend viele Cola trinkende Teens und Twens mit dem typischen Feel-good-Grinsen auf dem Gesicht.

 

Das halbe Dutzend Damen kam daraufhin fröhlich nach unten gehüpft, und sang sein Ständchen vor der Leinwand zu Ende. Vom Publikum gab's stürmischen Beifall und ich staunte heimlich darüber, dass ich so etwas als Vielkinogänger noch nie zuvor mitgemacht habe. War wirklich noch niemand auf diese Idee gekommen? (Ok ok, ist wahrscheinlich vor allem 'ne Geldfrage. Oder nicht?)

 

Werbung im Stil der Singalongs, Filme zum Mitmachen und, genau, Mitsingen. Nur Cola haben sie keine ausgeteilt.

 

Jedenfalls bekam man von der gestrigen Vorstellung eine Ahnung, wie man "Kinobesuche" vor weniger als hundert Jahren erfahren haben muss, als Kino noch Variete, und Film nur ein kleiner Teil von buntgemischten Vorstellungen aus Tanz, Musik und Theater war. Irgendwie aufregender, geselliger.

25.03.2006 um 23:59 Uhr

Zwei Kopien für CAPOTE in Holland

Nachdem Truman Capotes In Cold Blood vor etwa zehn Jahren, neben Jack Kerouacs On the Road und James Baldwins Giovanni's Room, meine Begeisterung für die amerikanische Nachkriegsliteratur entfachte;

nachdem Philip Seymore Hoffman mit Capote im gleichnamigen Film endlich mal eine Hauptrolle spielen durfte;

nachdem er für diese auch noch den heißbegehrten Oscar als bester Schauspieler bekam...

war ich fest entschlossen, sofort ins Kino zu rennen, sobald CAPOTE hier zu sehen sein würde.

 

Mir fielen fast die Ohren ab, als ich vernahm, dass die Niederlande von Sony mit nur Z W E I Kopien beglückt wurden!!! Was soviel heißt, dass dieser Film landesweit in sage und schreibe zwei Sälen laufen sollte! Nun sind ja die Niederlande um ein vielfaches kleiner als Deutschland, aber sagt mal ehrlich, dieser Zweikopienbeschluss kann ja fast zum Jahrhundertdebakel im Filmdistributionswesen gekrönt werden!!!!! Und dann meckern, dass die Besucherzahlen der Kinos einfach nicht steigen!

 

Nun gibt es ja in der Welt viel Schlimmeres als zu wenig CAPOTE-Kopien, aber ihr könnt euch sicher vorstellen, wie schwer der Stein war, der mir gestern vom Herzen fiel, nachdem ich las, dass Sony für Holland noch 10 Kopien draufgelegt hat. Ab nächster Woche werde ich Philip S. also auch in meiner Stadt, in meinem Lieblingskino sehen können!

24.02.2006 um 00:26 Uhr

Kurz und treffend

 

 

wer im lichte der geschichte lebt, lebt im dunkeln und unklaren.

 

 

[Peter Weibel

zum Thema historischer Objektivität

in Scheugl und Schmidts Subgeschichte des Films (1974)]

 

20.02.2006 um 15:37 Uhr

IFFR 2006: Busy Gilliam

[Auch wenn das Festival schon wieder zwei Wochen her ist, werden an dieser Stelle immer wieder mal kleine verspätete Beiträge und Eindrücke kommen, die ich bisher wegen Zeitmangels (was sonst) noch nicht verarbeiten konnte.]

 

Angenehm am Rotterdammer Filmfestival ist es, dass auf rote Teppiche und Starallüren verzichtet wird. Der Film steht immerhin im Mittelpunkt. Desto erstaunlicher war es, dass Terry Gilliam (Monty Python, TWELVE MONKEYS, BROTHERS GRIMM) seinen neuen Film TIDELAND (2005) persönlich vorstellen kam.

 

Gilliam ist nicht nur bekannt für seinen skurrilen Stil, sondern auch für ausufernde Filmprojekte und Budgetüberschreitungen in Millionenhöhe. Sein Eifer und seine Unermüdlichkeit kannten auch in Rotterdam keine Grenzen: Innerhalb von 43 Stunden besuchte er die Premiere seines Films, traf sein Idol, den tschechischen Regisseur Jan Svankmajer, gab 16 Interviews und sah sich zwischendurch noch ein paar Filme an. Am Montagmorgen (30.1.) stand im Daily Tiger, derTageszeitung des Festivals, dass Gilliam nach 7 weiteren Interviews am selben Nachmittag abreisen würde.

10.02.2006 um 08:55 Uhr

IFFR 2006: SILENT HOLY STONES (Wanma-caidan, China, 2005)

 

SILENT HOLY STONES vom Debütanten Wanma-caidan war der mit Abstand schlechteste Film, den ich während des Festivals gesehen habe. Ich meine, Filme, in denen "nichts passiert", können trotzdem prima sein. SILENT HOLY STONES ist einfach nur irritant. Nee, nicht einmal einem Debütanten kann man soviel visuelles Gefasel verzeihen.

Ein junger Lama geht nach Hause besucht seinen Freund den kleinen Buddha der zeigt ihm ein paar DVD's zu Hause bekommt der junge Lama selbst einen DVD-spieler und 'ne Box mit allen Teilen einer Aufführung eines berühmten chinesischen Theaterstücks zwischendurch führt die Dorfjugend selbst ein traditionelles Stück auf und stirbt ein lieber Mann der oben auf einem Berg einsam heilige Schriften in Steine gravierte. Gähn. (Diese Steine waren wahrscheinlich die heilig-schweigenden aus dem Titel.)

 

Vor mir schoben sich Roboter statt Menschen über die Leinwand. An sich interessante Themen, wie der Einzug moderner Technologie in Tibet, oder dessen religiöse und traditionelle Bräuche, sind hier so lust-, gar teilnahmslos auf Film geklatscht, dass auch der letzte Hauch Spiritualität verfliegt.

 

 

03.02.2006 um 11:03 Uhr

IFFR 2006: Zwischenbilanz

Obwohl das IFFR-Bergfest inzwischen auch schon wieder einige Tage her ist, folgt hier schnell 'ne kurze Zwischenbilanz. Von zwanzig Filmen, die ich seit letztem Donnerstag auf dem Festival gesehen habe, gibt es bislang nur einen, den ich guten Gewissens mit 'ner 5 (beim IFFR die beste Note) bewertet habe. Es geht um die Mockumentary (ein gefälschter Dokumentarfilm - "to mock" = engl. für spotten) SKI JUMPING PAIRS - ROAD TO TORINO 2006 (Mashima Riichiro und Kobayashi Masaki, 2006).

 

Der Film tut sich als seriöser Dokumentarfilm über die Geschichte von, und Theorie hinter, dem Paarschanzenspringen vor und ist gerade deshalb zum Schreien komisch. Was in Wirklichkeit physikalisch unmöglich ist, zu zweit auf einem Paar Ski die höchsten Schanzen der Welt hinunter zu springen, wird in SKI JUMPING PAIRS als neue olympische Disziplin propagiert.

 

SKI JUMPING PAIRS begann ursprünglich als Kurzfilm, mit dem Mashima Riichiro sein Filmstudium absolvierte (SKI JUMPING PAIRS, 2002). Gemeinsam mit dem Dokumentarfilmregisseur Kobayashi Masaki arbeitete Mashima Riichiro seine Idee zu 'nem 82 minütigen Knaller aus. Fantastische Kombination, die zwei Regisseure.

 

27.01.2006 um 03:10 Uhr

IFFR 2006: Anfang Nr. 2

Stimmung: gähhhn...

Nüscht mit Namenfragen und massiv Pfötchen schütteln. Hatte ich doch ganz vergessen, dass ich im Jahr 2006 lebe, wo selbst bei knufflig-kleinen Pressevorstellungen neuerdings anonyme B A R C O D E S von eintönigen B A D G E S der Besucher heruntergescannt werden.

 

MIXED DOUBLES kam nicht, dafür aber ein heftiger Dokumentarfilm: EAST OF PARADISE (Lech Kowalski, Frankr./ USA, 2005). Mehr dazu später.

 

Morgen abend wird's unterhaltsam mit TAKESHIS' (Kitano Takeshi, Japan, 2005).  Und jetzt NüSCHT wie ins Bett.

 

25.01.2006 um 21:29 Uhr

IFFR 2006: Trübseliger Beginn

Während ich hier mit kalten Fingern zu nächtlicher Stunde noch wie verrückt an einer Belegarbeit zimmere, folgen keine 999 Meter weiter über 1000 Kinofans gebannt der Lovestory zweier Cowboys. BROKEBACK MOUNTAIN (der neue von Ang Lee, USA, 2005) ist der Eröffnungsfilm des 35. Internationalen Filmfestivals Rotterdam, und läuft heute abend gleich auf zwei Leinwänden, noch dazu den grössten im Stadtzentrum.

 

Für mich fängt das Festival erst morgen vormittag an. Zwei Filme aus Indien werden mir hoffentlich das schlechte Gewissen nehmen, dass ich, anstatt brav meine Arbeit fertig zu schreiben, so früh am Morgen schon im Kinosessel rumlümmel. Serviert werden NINE EMOTIONS (Santosh Sivan, 2005) und MIXED DOUBLES (Rajat Kapoor, 2006). Viel Gefühl, viel Gesang (nehm ich an) und?

 

Die Filme habe ich mir nicht mal selbst ausgesucht. Ich bin für den Einlass bei zwei Pressevorstellungen zuständig, und darf demnach einheimische und ausländische Kritikerikonen nach ihren Namen und Visitenkarten fragen, und vielleicht alten Bekannten das Pfötchen schütteln. Holland ist klein. Hier kennt sich jeder Hinz und Kunzekathleen. (Ich kannte wirklich mal einen Hinz.)

25.01.2006 um 08:11 Uhr

Internationales Filmfestival Rotterdam 2006 (25.01. - 05.02.)

 

 

 

 

 

 

 

 

START!

 

 

 

 

16.01.2006 um 12:32 Uhr

DIE CHRONIKEN VON NARNIA: DER KöNIG VON NARNIA (Andrew Adamson, 2005)

von:

 

 

Schon lange nicht mehr wurde ich von einem Weihnachtsblockbuster dermaßen verarscht wie von DIE CHRONIEKEN VON NARNIA: DER KöNIG VON NARNIA (englischer Titel: THE CHRONICLES OF NARNIA: THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE). Regisseur Adamson (SHREK) muss der Teufel geritten haben, um einen Fantasyfilm, dessen Buchvorlage noch stets Millionen Leser begeistert, so zu verhunzen.

 

Die Rahmenerzählung handelt von zwei Mädchen und zwei Jungen, die im gruseliggroßen Landhaus eines Professors und dessen strenger Haushälterin Zuflucht vor den Bombardementen finden. Beim Versteckspielen macht Lucy (Georgie Henley), die jüngste der vier Geschwister eine fantastische Entdeckung: der Kleiderschrank, in dem sie sich versteckt, führt ins Märchenreich Narnia, das von den urkomischsten Geschöpfen bevölkert wird. Gemeinsam mit ihren zwei Brüdern, dem überkorrekten Schleimer Peter und dem aufsässigen Edmond, und ihrer neunmalschlauen Schwester Susan, muss Lucy bald darauf Narnia von der Herrschaft der bösen weißen Hexe (gespielt von Tilda Swinton) befreien. Unterstützt werden die vier Geschwister u.a. vom einstigen König von Narnia, dem Löwen Aslan, und dessen Armee.

 

In dem Wust von schwachsinnigen und vor allem überflüssigen Dialogen, lächerlichem Dekor und fantasielosen Kostümen, sorgen lediglich die aufgeweckte kleine Lucy und die über Leichenberge gehende eiskalte Hexe für Lichtblicke. Doch das ist eher dem schauspielerischen Talent der koketten 10jährigen Debütantin Georgie Henley und der lässig-kaltschnäuzigen Tilda Swinton (CONSTANTINE, ADAPTATION, VANILLA SKY) zu verdanken, als dem Drehbuch.

Für Kinder bis 10 Jahre war NARNIA sicher ein gelungenes Weihnachtsspektakel. Für erwachsene Disneyfans aber wahrscheinlich 'ne bittere Enttäuschung.

06.01.2006 um 22:52 Uhr

GRIZZLY MAN (Werner Herzog, 2005)

 

 

Zugegeben, GRIZZLY MAN ist mein erster Herzogfilm. Aber spätestens seit dem Abspann weiß ich, dass es nicht mein letzter sein wird.

GRIZZLY MAN ist ein Porträt des überzeugten Grizzlyliebhabers Timothy Treadwell, dem seine Liebe zu diesen Tieren fatal wird. 2003 wird Treadwell, und mit ihm seine Freundin Amy, von einem Grizzly angegriffen und aufgefressen.

Herzog gelingt das scheinbar Unmögliche: sein Porträt eines kamerageilen, leichtsinnigen Tierfanatikers (à la Steve Crocodile Hunter auf Discovery Channel) wird zu einer einnehmenden filosofisch-angehauchten Ode an einen Mann, der für seine Verbundenheit mit den gefährlichsten aller Bären selbst sein Leben gab.

 

 

Ich sage: sehen und sich überrumpeln lassen von den wunderschönen Naturaufnahmen, sich besäuseln lassen von Herzogs Märchenerzählerstimme und sich ab und an auch unterhalten lassen von den trocken-komischen Kommentaren einiger Befragten.

31.12.2005 um 00:45 Uhr

KING KONG (Peter Jackson, 2005)

Das letzte Remake von KING KONG beweist mal wieder, dass sich selbst renommierte Regisseure noch ihre Finger an Neubearbeitungen legendärer Klassiker verbrennen können. Im Falle KING KONGs haben siebzig Jahre dem Original eine einzigartige Aura verliehen, die selbst die ausgeklügelsten Digitaleffekte nie und nimmer ersetzen können. Hat Peter Jackson (HERR DER RINGE) bestimmt auch gewusst. Und trotzdem konnte er die Finger nicht davon lassen.

 

DER ALTE

 

 

Immerhin hat er sein Ziel erreicht, das reizüberflutete wie medial übersättigte Publikum von heute ähnlich in Staunen und Schrecken zu versetzen, wie es 1933 noch Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack  taten. Jacksons KING KONG gleicht einer dreistündigen Achterbahnfahrt durch einen vorsintflutlichen Erlebnispark.

 

DER NEUE

 

Man hätte den Film gut und gerne auf angenehme eineinhalb Stunden kürzen können, ohne Spannung oder Erzählung Abbruch zu tun. Die Geschichte ist einfach erzählt: Eine Filmcrew begibt sich zu einer unheimlichen Insel, wo die Hauptdarstellerin entführt und anschließend vom riesengroßen Menschenaffen Kong gerettet wird. Als Kong kurz darauf überwältigt und als Gruselattraktion nach New York gebracht wird, geschieht das Schreckliche: der King der Affen bricht aus und sorgt für mächtig viel Tumult, Blechschaden und blaue Flecken.

 

Kitschige Momente und kleine Unzulänglichkeiten nimmt man zunächst noch mit einem nostalgischen Schmunzeln in Kauf. Und die filmgeschichtlichen Anspielungen im ersten Teil des Films (Alfred Hitchcock-Double im Kinopublikum - gleich am Anfang des Films natürlich, Witzeleien übers Studiosystem der Vorkriegszeit und und und) schmeicheln dem eingefleischten Cineasten wie ein Zuzwinkern von Peter Jackson persönlich. Doch nach der dreihundertundvierundzwanzigsten Wiederholung eines als spannungsfördernd getarnten Actionelements erlischt jegliche nostalgische Schwärmerei und ärgert man sich nur noch über so viel Spaß an Quatsch.

 

Die Moral von der Geschicht:

Schlafende Affen weckt man nicht.

 

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