Ein Tag nach der Fußball- WM 2006
Stellt euch vor, Italien würde im WM-Finale gegen Frankreich spielen ... und gewinnen...
Gestern abend wurde beim Italiener bei uns um die Ecke (und angeblich auch auf diversen Fernsehsendern) zufällig ein Film gezeigt, der genau davon handelte. Jeder der zum Essen, oder auch nur auf ein Gläschen Lambrusco kam, durfte kostenlos gucken. Die Handlung dieser deutsch-italienisch-französischen Koproduktion spielte in der Gegenwart, erzählte Zeit war gleich Erzählzeit und der Schauplatz war Berlin. Es waren viele bekannte Schauspieler zu sehen, größtenteils aus den drei beteiligten Produktionsländern.
Der Film hatte als Basiskonzept zwar das universelle (und ausgelutschte) Thema "Gut kämpft gegen Böse", jedoch waren weder Handlungsverlauf noch das Ende des Films in geringster Weise vorhersehbar. Auch hatten die Guten wie die Bösen derartig viele unterschiedlichen Seiten und Eigenschaften, dass von flachen Figuren keineswegs die Rede sein konnte. Ja, die Eigenschaften der Hauptdarsteller waren selbst so tiefgründig herausgearbeitet und mehrdimensional wiedergegeben, dass ich eigentlich bis jetzt kaum mit absoluter Sicherheit sagen kann, wer denn nun die Schlechten und wer die Guten waren.
Das Genre des Films ist mir übrigens bis heute auch noch nicht richtig klar. War es vielleicht ein Kostümdrama, mit eben soviel Kostüm wie Drama? Oder war es eher eine Slapstickkomödie? Dass sich einige der Hauptdarsteller manchmal sehr ungeschickt anstellten, den Ball in eines der viereckigen Netzgerüste zu bekommen, oder dass andere sich wirklich unerlaubt blöd anstellten, sich auf eine natürliche Art und Weise fallen zu lassen, ist ja wohl nicht von der Hand zu weisen. Oder war es letztlich gar ein Fußballfilm? Darauf würden Zahl und Konstellation der Hauptdarsteller (2x11 Spieler + 1 Schlichter mit multipler Befehlsbefugnis + 2 heftig emotionalisierte Personen außerhalb des Feldes) hinweisen wie auch die überdeutliche Funktion des wichtigsten Requisits, u.a. "Ball" genannt.
Aber egal was es nun genau für ein Film war, spannend war's bis zur allerletzten Sekunde. Und das obwohl der Handlungsort auf Berlin, ja, sogar auf ein und dieselbe Arena, beschränkt war! Wenigen Regisseuren ist dies bisher gelungen, ohne den Spannungsbogen erschlaffen zu lassen. Der Besitzer unseres Restaurants wusste scheinbar, wie der Film ablaufen würde, denn sichtlich begeistert vom Ausgang des Films zauberte er nur wenige Sekunden nach dem Ende der gewaltigen Feldschlacht mir nichts dir nichts 20 Flaschen gutgekühlten Sekt unter der Theke hervor ("isch hab da mal wat vorbereitet"), um uns alle gemeinsam über diesen doch sehr gelungenen Filmabend anstoßen zu lassen.

http://www.nachrichten.at/kultur/459990
Oder geht\'s in deinem Beitrag doch \"nur\" um ein Fußballspiel...? ;-)
Aber zugegeben, das von dir gelinkte Kulturprogramm war origineller. :)